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Die Wiederverwendbarkeit digitaler Artefakte in Lernprozessen.

    Vortrag von Herrn Dr. Rolf Lindner (TU-Darmstadt) am Donnerstag, 18.01.2007 um 14.00 Uhr im SR 12.41 (altes Heizhaus, Universitätsstrasse 2-4, 4.OG, siehe http://www.wegweiser.ac.at/static/plaene/gif/B_UP.gif (Gebäude Nr. 12) Kurzfassung Anhand von modellhaften Abstraktionen wird die Rolle erläutert, die heutige und künftige Informations- und Kommunikationstechnologie innerhalb persönlicher und gesellschaftlicher Lernprozesse spielen könnte. Hierbei wird ein Bogen gespannt, der von der Neurophysiologie über die Erziehungswissenschaften bis zu den Lerntechnologie-Normen reicht. Ziel des Vortrags ist es, zu informieren, zu provozieren und eine… Weiterlesen »Die Wiederverwendbarkeit digitaler Artefakte in Lernprozessen.

    Die Evolution der kognitiven Dissonanz

      Wenn feste Erwartungen und die tatsächliche Realität hart aufeinanderprallen, reagiert die menschliche Psyche nicht bloß mit einfacher Irritation, sondern mit einem komplexen Mechanismus, der als kognitive Dissonanz bekannt ist. Dieses Konzept, das in den 1950er-Jahren von Leon Festinger begründet wurde, beschreibt die innere Anspannung, die entsteht, wenn Überzeugungen und Erlebnisse nicht im Einklang stehen. Ein fast schon amüsantes Beispiel für die menschliche Fähigkeit zur Selbsttäuschung lieferte Festingers Beobachtung einer Sekte: Als die prophezeite Sintflut ausblieb, deuteten die… Weiterlesen »Die Evolution der kognitiven Dissonanz

      Auch intensives Training kann die biologischen Grenzen des Multitaskings nicht aufheben

        Die weitverbreitete Vorstellung, dass das menschliche Gehirn durch ausreichendes Training in der Lage sei, mehrere komplexe Aufgaben tatsächlich gleichzeitig zu bewältigen, wird durch eine Untersuchung von Schubert et al. (2025) grundlegend revidiert. Man konnte nachweisen, dass das Gehirn selbst nach intensiven Übungsphasen keine echte Parallelverarbeitung realisiert, sondern stattdessen auf ein hocheffizientes Modell der sequentiellen Abarbeitung zurückgreift. Lange Zeit wurde in der Wissenschaft das Phänomen des sogenannten „Virtually Perfect Time Sharing“ als Beleg für eine grenzenlose Multitaskingfähigkeit gewertet,… Weiterlesen »Auch intensives Training kann die biologischen Grenzen des Multitaskings nicht aufheben

        Frühjahrsmüdigkeit: Mythos oder biologische Realität

          Eine kritische Bestandsaufnahme unter Berücksichtigung aktueller Forschung Kaum beginnt der März, berichten Millionen von Menschen im deutschsprachigen Raum über dasselbe Phänomen: Sie fühlen sich schlapp, antriebslos und erschöpft, obwohl der Winter offiziell vorbei ist und die Sonne wieder länger scheint. Für dieses kollektive Erleben existiert im Deutschen ein eigenes Wort – Frühjahrsmüdigkeit. Der Begriff ist so fest im Alltagssprachgebrauch verankert, dass er sogar im Duden steht, wo er als „allgemeine körperliche Abgespanntheit im Frühjahr“ definiert wird (Barmer,… Weiterlesen »Frühjahrsmüdigkeit: Mythos oder biologische Realität

          Hikikomori – Extremer sozialer Rückzug als psychosoziales Phänomen moderner Gesellschaften

            Der Begriff Hikikomori stammt aus Japan und beschreibt ein soziales und psychologisches Phänomen, bei dem sich Menschen über einen längeren Zeitraum nahezu vollständig aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen. Betroffene verbringen den Großteil ihrer Zeit isoliert in ihren eigenen Zimmern und vermeiden konsequent Kontakte außerhalb ihres unmittelbaren familiären Umfelds. Sie nehmen weder an schulischen noch an beruflichen Aktivitäten teil und werden häufig über längere Zeit von ihren Eltern oder Angehörigen versorgt. Erste dokumentierte Fälle eines solchen extremen sozialen… Weiterlesen »Hikikomori – Extremer sozialer Rückzug als psychosoziales Phänomen moderner Gesellschaften

            Kognitive Mechanismen von Motivationsstörungen bei psychischen Erkrankungen

              Eine Metastudie von Pillny et al. (2026) untersuchte die kognitiven Grundlagen von Motivationsproblemen bei verschiedenen psychischen Erkrankungen. Im Zentrum der Untersuchung stand das aufwandbasierte Entscheidungsverhalten (Effort-based decision making, EBDM). Dieser Prozess beschreibt, wie Menschen normalerweise den für ein Ziel notwendigen Aufwand gegen den erwarteten Nutzen und die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs abwägen. Man wertete dabei Daten aus 68 Einzelstudien mit insgesamt rund 3.700 Teilnehmenden aus, die unter Depressionen, bipolaren Störungen oder Erkrankungen aus dem Schizophrenie-Spektrum litten oder einer… Weiterlesen »Kognitive Mechanismen von Motivationsstörungen bei psychischen Erkrankungen

              Wie das Gehirn mit widersprüchlichen Informationen umgeht

                Eine aktuelle Studie von Slangewal und Bahl (2026) räumt mit der Vorstellung auf, dass das Gehirn bei widersprüchlichen Informationen einfach nur einen „Gewinner“ auswählt und den Rest ignoriert. Statt dieses harten „Winner-takes-all“-Prinzips, bei dem ein System zwischen zwei Optionen hin- und hergerissen wäre, nutzen Zebrafischlarven eine viel elegantere additive Strategie. Man kann sich das Gehirn der Larve wie ein Mischpult in einem Tonstudio vorstellen: Anstatt nur ein Instrument auf volle Lautstärke zu drehen und alle anderen stummzuschalten,… Weiterlesen »Wie das Gehirn mit widersprüchlichen Informationen umgeht

                Der Türrahmen-Effekt: Warum das Gehirn an der Schwelle vergisst

                  Der sogenannte Türrahmen-Effekt beschreibt das weitverbreitete Phänomen, bei dem Menschen unmittelbar nach dem Betreten eines neuen Raumes vergessen, was sie dort eigentlich tun wollten. Wissenschaftliche Untersuchungen, maßgeblich geprägt durch den Psychologen Gabriel Radvansky, zeigen, dass das Durchschreiten einer Türschwelle die Erinnerungsleistung messbar verschlechtert, da das Gehirn den Ortswechsel als Grenze zwischen verschiedenen Erlebniseinheiten wahrnimmt. Dies wird durch das „Event Horizon Model“ erklärt: Der menschliche Verstand gliedert den kontinuierlichen Strom an Wahrnehmungen in einzelne, überschaubare Episoden, um das… Weiterlesen »Der Türrahmen-Effekt: Warum das Gehirn an der Schwelle vergisst

                  Rhythmische Aufmerksamkeit: Wie neuronale Schwankungen unsere Anfälligkeit für Ablenkung bestimmen

                    Die menschliche Aufmerksamkeit ist kein kontinuierlicher Strom – sie folgt rhythmischen Schwankungen, die bestimmen, wann wir besonders empfänglich für Reize sind. Eine Studie von Zach Redding, Yuxiang Ding & Ian Fiebelkorn (2026) an der University of Rochester bestätigt diese Annahme der sogenannten Rhythmic Theory of Attention. Sie besagt, dass die visuelle Aufmerksamkeit des Menschen in einem ständigen Wechsel zwischen zwei Zuständen schwingt: In einem Zustand wird die Verarbeitung aktuell fokussierter Reize maximiert, im anderen öffnet sich das… Weiterlesen »Rhythmische Aufmerksamkeit: Wie neuronale Schwankungen unsere Anfälligkeit für Ablenkung bestimmen

                    Wiederholungen können Entscheidungen steuern

                      In der psychologischen Forschung wurde lange gerätselt, warum Menschen oft an altbewährten Verhaltensmustern festhalten, selbst wenn objektiv bessere Alternativen zur Verfügung stehen. Eine Untersuchung von Wagner, Wolf & Kiebel (2025) hat aufgezeigt, dass die bloße Wiederholung vergangener Handlungen aktuellen Entscheidungen weitaus stärker prägt als bisher vermutet. Dafür analysierte man Daten von über 700 Teilnehmenden aus insgesamt 15 Datensätzen, um zu verstehen, wie Lernprozesse in spezifischen Kontexten spätere Präferenzen in völlig neuen Umgebungen beeinflussen. Mithilfe eines dafür entwickelten… Weiterlesen »Wiederholungen können Entscheidungen steuern

                      Hunger als Modulator der Wahrnehmung

                        Hunger beeinflusst in hohem Maß, wie sensorische Reize wahrgenommen und bewertet werden. Der Geruch von Nahrung kann anziehend oder unbemerkt wirken, je nachdem, ob ein Organismus hungrig oder gesättigt ist. Diese Anpassungsfähigkeit beruht auf neuronalen Rückkopplungssystemen, die Sinneseindrücke nicht linear, sondern kontextabhängig verarbeiten. Neuere Befunde zeigen, dass spezifische olfaktorische Schaltkreise beim Wahrnehmen von Nahrungsgerüchen eine vorbereitende Sättigungsreaktion auslösen, noch bevor Nahrung aufgenommen wird (Bulk et al., 2025). Der Geruchssinn fungiert somit nicht nur als Informationsquelle, sondern als aktiver Regulator… Weiterlesen »Hunger als Modulator der Wahrnehmung

                        Ordnung im sozialen Spiegel: Psychologische Perspektiven auf den Hawthorne-Effekt im Alltag

                          Das Phänomen, dass Menschen ihre Wohnung vor allem dann gründlich aufräumen, wenn sich Besuch ankündigt, lässt sich sozialpsychologisch differenziert erklären. Es verweist weniger auf Oberflächlichkeit oder Bequemlichkeit als vielmehr auf grundlegende Mechanismen sozialer Wahrnehmung, Motivation und Selbstregulation. Zentral ist dabei die Annahme, dass das Selbstbild stark durch soziale Rückmeldungen geprägt wird. Bereits Charles Horton Cooley beschrieb mit dem Konzept des „Looking Glass Self“, dass Individuen sich selbst durch die Vorstellung betrachten, wie andere sie sehen. Dieses Prinzip… Weiterlesen »Ordnung im sozialen Spiegel: Psychologische Perspektiven auf den Hawthorne-Effekt im Alltag