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Auch intensives Training kann die biologischen Grenzen des Multitaskings nicht aufheben

    Die weitverbreitete Vorstellung, dass das menschliche Gehirn durch ausreichendes Training in der Lage sei, mehrere komplexe Aufgaben tatsächlich gleichzeitig zu bewältigen, wird durch eine Untersuchung von Schubert et al. (2025) grundlegend revidiert. Man konnte nachweisen, dass das Gehirn selbst nach intensiven Übungsphasen keine echte Parallelverarbeitung realisiert, sondern stattdessen auf ein hocheffizientes Modell der sequentiellen Abarbeitung zurückgreift. Lange Zeit wurde in der Wissenschaft das Phänomen des sogenannten „Virtually Perfect Time Sharing“ als Beleg für eine grenzenlose Multitaskingfähigkeit gewertet,… Weiterlesen »Auch intensives Training kann die biologischen Grenzen des Multitaskings nicht aufheben

    Frühjahrsmüdigkeit: Mythos oder biologische Realität

      Eine kritische Bestandsaufnahme unter Berücksichtigung aktueller Forschung Kaum beginnt der März, berichten Millionen von Menschen im deutschsprachigen Raum über dasselbe Phänomen: Sie fühlen sich schlapp, antriebslos und erschöpft, obwohl der Winter offiziell vorbei ist und die Sonne wieder länger scheint. Für dieses kollektive Erleben existiert im Deutschen ein eigenes Wort – Frühjahrsmüdigkeit. Der Begriff ist so fest im Alltagssprachgebrauch verankert, dass er sogar im Duden steht, wo er als „allgemeine körperliche Abgespanntheit im Frühjahr“ definiert wird (Barmer,… Weiterlesen »Frühjahrsmüdigkeit: Mythos oder biologische Realität

      Hikikomori – Extremer sozialer Rückzug als psychosoziales Phänomen moderner Gesellschaften

        Der Begriff Hikikomori stammt aus Japan und beschreibt ein soziales und psychologisches Phänomen, bei dem sich Menschen über einen längeren Zeitraum nahezu vollständig aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen. Betroffene verbringen den Großteil ihrer Zeit isoliert in ihren eigenen Zimmern und vermeiden konsequent Kontakte außerhalb ihres unmittelbaren familiären Umfelds. Sie nehmen weder an schulischen noch an beruflichen Aktivitäten teil und werden häufig über längere Zeit von ihren Eltern oder Angehörigen versorgt. Erste dokumentierte Fälle eines solchen extremen sozialen… Weiterlesen »Hikikomori – Extremer sozialer Rückzug als psychosoziales Phänomen moderner Gesellschaften

        Kognitive Mechanismen von Motivationsstörungen bei psychischen Erkrankungen

          Eine Metastudie von Pillny et al. (2026) untersuchte die kognitiven Grundlagen von Motivationsproblemen bei verschiedenen psychischen Erkrankungen. Im Zentrum der Untersuchung stand das aufwandbasierte Entscheidungsverhalten (Effort-based decision making, EBDM). Dieser Prozess beschreibt, wie Menschen normalerweise den für ein Ziel notwendigen Aufwand gegen den erwarteten Nutzen und die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs abwägen. Man wertete dabei Daten aus 68 Einzelstudien mit insgesamt rund 3.700 Teilnehmenden aus, die unter Depressionen, bipolaren Störungen oder Erkrankungen aus dem Schizophrenie-Spektrum litten oder einer… Weiterlesen »Kognitive Mechanismen von Motivationsstörungen bei psychischen Erkrankungen

          Wie das Gehirn mit widersprüchlichen Informationen umgeht

            Eine aktuelle Studie von Slangewal und Bahl (2026) räumt mit der Vorstellung auf, dass das Gehirn bei widersprüchlichen Informationen einfach nur einen „Gewinner“ auswählt und den Rest ignoriert. Statt dieses harten „Winner-takes-all“-Prinzips, bei dem ein System zwischen zwei Optionen hin- und hergerissen wäre, nutzen Zebrafischlarven eine viel elegantere additive Strategie. Man kann sich das Gehirn der Larve wie ein Mischpult in einem Tonstudio vorstellen: Anstatt nur ein Instrument auf volle Lautstärke zu drehen und alle anderen stummzuschalten,… Weiterlesen »Wie das Gehirn mit widersprüchlichen Informationen umgeht

            Der Türrahmen-Effekt: Warum das Gehirn an der Schwelle vergisst

              Der sogenannte Türrahmen-Effekt beschreibt das weitverbreitete Phänomen, bei dem Menschen unmittelbar nach dem Betreten eines neuen Raumes vergessen, was sie dort eigentlich tun wollten. Wissenschaftliche Untersuchungen, maßgeblich geprägt durch den Psychologen Gabriel Radvansky, zeigen, dass das Durchschreiten einer Türschwelle die Erinnerungsleistung messbar verschlechtert, da das Gehirn den Ortswechsel als Grenze zwischen verschiedenen Erlebniseinheiten wahrnimmt. Dies wird durch das „Event Horizon Model“ erklärt: Der menschliche Verstand gliedert den kontinuierlichen Strom an Wahrnehmungen in einzelne, überschaubare Episoden, um das… Weiterlesen »Der Türrahmen-Effekt: Warum das Gehirn an der Schwelle vergisst

              Rhythmische Aufmerksamkeit: Wie neuronale Schwankungen unsere Anfälligkeit für Ablenkung bestimmen

                Die menschliche Aufmerksamkeit ist kein kontinuierlicher Strom – sie folgt rhythmischen Schwankungen, die bestimmen, wann wir besonders empfänglich für Reize sind. Eine Studie von Zach Redding, Yuxiang Ding & Ian Fiebelkorn (2026) an der University of Rochester bestätigt diese Annahme der sogenannten Rhythmic Theory of Attention. Sie besagt, dass die visuelle Aufmerksamkeit des Menschen in einem ständigen Wechsel zwischen zwei Zuständen schwingt: In einem Zustand wird die Verarbeitung aktuell fokussierter Reize maximiert, im anderen öffnet sich das… Weiterlesen »Rhythmische Aufmerksamkeit: Wie neuronale Schwankungen unsere Anfälligkeit für Ablenkung bestimmen

                Wiederholungen können Entscheidungen steuern

                  In der psychologischen Forschung wurde lange gerätselt, warum Menschen oft an altbewährten Verhaltensmustern festhalten, selbst wenn objektiv bessere Alternativen zur Verfügung stehen. Eine Untersuchung von Wagner, Wolf & Kiebel (2025) hat aufgezeigt, dass die bloße Wiederholung vergangener Handlungen aktuellen Entscheidungen weitaus stärker prägt als bisher vermutet. Dafür analysierte man Daten von über 700 Teilnehmenden aus insgesamt 15 Datensätzen, um zu verstehen, wie Lernprozesse in spezifischen Kontexten spätere Präferenzen in völlig neuen Umgebungen beeinflussen. Mithilfe eines dafür entwickelten… Weiterlesen »Wiederholungen können Entscheidungen steuern

                  Hunger als Modulator der Wahrnehmung

                    Hunger beeinflusst in hohem Maß, wie sensorische Reize wahrgenommen und bewertet werden. Der Geruch von Nahrung kann anziehend oder unbemerkt wirken, je nachdem, ob ein Organismus hungrig oder gesättigt ist. Diese Anpassungsfähigkeit beruht auf neuronalen Rückkopplungssystemen, die Sinneseindrücke nicht linear, sondern kontextabhängig verarbeiten. Neuere Befunde zeigen, dass spezifische olfaktorische Schaltkreise beim Wahrnehmen von Nahrungsgerüchen eine vorbereitende Sättigungsreaktion auslösen, noch bevor Nahrung aufgenommen wird (Bulk et al., 2025). Der Geruchssinn fungiert somit nicht nur als Informationsquelle, sondern als aktiver Regulator… Weiterlesen »Hunger als Modulator der Wahrnehmung

                    Ordnung im sozialen Spiegel: Psychologische Perspektiven auf den Hawthorne-Effekt im Alltag

                      Das Phänomen, dass Menschen ihre Wohnung vor allem dann gründlich aufräumen, wenn sich Besuch ankündigt, lässt sich sozialpsychologisch differenziert erklären. Es verweist weniger auf Oberflächlichkeit oder Bequemlichkeit als vielmehr auf grundlegende Mechanismen sozialer Wahrnehmung, Motivation und Selbstregulation. Zentral ist dabei die Annahme, dass das Selbstbild stark durch soziale Rückmeldungen geprägt wird. Bereits Charles Horton Cooley beschrieb mit dem Konzept des „Looking Glass Self“, dass Individuen sich selbst durch die Vorstellung betrachten, wie andere sie sehen. Dieses Prinzip… Weiterlesen »Ordnung im sozialen Spiegel: Psychologische Perspektiven auf den Hawthorne-Effekt im Alltag

                      Die Hand als Vorbote des Wortes

                        Wie Gestik die prädiktive Sprachverarbeitung im Gehirn unterstützt Die menschliche Kommunikation wird oft fälschlicherweise auf das rein gesprochene Wort reduziert, obwohl sie in ihrer natürlichen Form eine hochkomplexe, multimodale Interaktion darstellt, bei der Mimik, Blickkontakt und insbesondere Handgesten eine zentrale Rolle spielen. Eine aktuelle Forschungsarbeit verdeutlicht, dass begleitende Handbewegungen weit mehr als bloßes illustratives Beiwerk sind, denn sie fungieren als essenzielle Informationsträger, die dem Gehirn des Gegenübers dabei helfen, kommende Sprachinhalte aktiv vorherzusagen. Dieser Mechanismus basiert auf… Weiterlesen »Die Hand als Vorbote des Wortes

                        Bioelektronik

                          Die Bioelektronik stellt ein hochgradig interdisziplinäres Forschungs- und Anwendungsfeld dar, das an der Schnittstelle zwischen Biologie, Chemie, Physik und Elektrotechnik operiert und die gezielte Integration biologischer Komponenten mit elektronischen Systemen zum Ziel hat. Im Kern befasst sich diese Disziplin mit der Übertragung und Verarbeitung von Signalen zwischen biologischen Systemen – die primär auf dem Transport von Ionen und molekularen Konfigurationsänderungen basieren – und technischen Schaltkreisen, die auf dem Fluss von Elektronen beruhen. Diese fundamentale Herausforderung der Signalumwandlung… Weiterlesen »Bioelektronik