Experten und Laien

Forschungen über die Psychologie des Extremismus zeigen, dass extreme Haltungen oft Menschen entwickeln, die glauben, dass sie komplexe Themen besser verstehen, als sie es tatsächlich tun. Untersuchungen zur gesellschaftlicher Relevanz von genetisch modifizierter Nahrung zeigen, dass über neunzig Prozent der Studienteilnehmer angeben, dass sie zumindest leichte Aversion gegen diese hegen, doch je stärker diese Aversion ist, umso mehr Wissen über das Thema schreiben sie sich selber zu und umso weniger Wissen haben sie tatsächlich. Kurz: Extreme Gegner wissen es am wenigsten, aber sie denken, dass sie am meisten wissen.Fast identische Ergebnisse fand man in Bezug auf die Gentherapie, denn auch hier ist das Verhältnis zwischen Aversion, vermeintlichem und tatsächlichem Wissen ähnlich.

Literatur

Fernbach, P. M., Light, N., Scott, S. E., Inbar, Y. & Rozin, P. (2019). Extreme opponents of genetically modified foods know the least but think they know the most. Nature Human Behaviour, doi:10.1038/s41562-018-0520-3.



Trauma, Schlafstörungen und gedächtnisbezogenen Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung

Menschen, die extreme körperliche Gewalt, einen Terroranschlag, Unfall, Krieg oder sonst Erschütterndes erlebt haben, schaffen es mitunter nicht, das Erlebte zu verarbeiten. Bei der posttraumatischen Belastungsstörung wird für die Betroffenen die Erinnerung zum Problem, denn belanglose Kleinigkeiten wie ein Geruch lösen ohne Vorwarnung Flashbacks aus. Typisch ist auch, neben Symptomen wie zwanghaftes Grübeln oder Reizbarkeit, dass Betroffene sich an wesentliche Teile des Geschehens nicht vollständig erinnern können, offenbar ist bei Trauma-Folgestörungen also auch das Gedächtnis beeinträchtigt. Neuere Untersuchungen zeigen nun auch, dass traumatische Ereignisse Schlafstörungen auslösen können, die ihrerseits gedächtnisbezogene Symptome wie Flashbacks, also das ständige Wiedererleben des Traumas, oder Erinnerungslücken verursachen. Siebzig bis über neunzig Prozent der Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen leiden an Ein- und Durchschlafstörungen, wobei der Schlaf generell eine entscheidende Rolle beim Abspeichern ins Langzeitgedächtnis und für das Konsolidieren des Gedächtnisses spielt.

Um das Zusammenspiel von Trauma, Schlafstörungen und gedächtnisbezogenen Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung näher zu beleuchten, konfrontierten Sopp et al. (2018) Probanden mit traumatischen Filminhalten. In ihrer experimentellen Studie untersuchten sie, wie sich diese Filminhalte, die eine Art kleines, zeitlich begrenztes Trauma auslösen, bei robusten Schläferinnen und Schläfern ohne Schlafschwierigkeiten auf die Schlafqualität und auf spontane, belastende Erinnerungen auswirken. Die Schlafdauer war in der Trauma-Gruppe reduziert, der Non-Rem-Schlaf signifikant reduziert und die Wachphasen in der Nacht waren länger. Die Probanden der Trauma-Gruppe führten im Anschluss mehrere Tage ein Tagebuch und dokumentierten, wie oft sie an Szenen des Films dachten und wie belastend sie dies empfanden. Außerdem beantworteten sie Fragebögen, in denen typische Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung wie Flashbacks abgefragt wurden. Dabei zeigte sich, dass je mehr REM-Schlafphasen die Probanden hatten, desto weniger Flashbacks sie nach Schlüsselreizen hatten und diese auch als weniger belastend empfanden.

Literatur

M. Roxanne Sopp, Alexandra H. Brueckner, Sarah K. Schäfer, Johanna Lass-Hennemann & Tanja Michael (2018). REM theta activity predicts re-experiencing symptoms after exposure to a traumatic film. Sleep Medicine, 54, 142-152.



Wahrnehmung und Aufmerksamkeit verändern sich im Alter

Oft leiden ältere Menschen unter Gedächtnis- oder Konzentrationsproblemen und befürchten, darin die Anzeichen einer beginnenden Demenz zu erkennen. Daher sind Untersuchungen wichtig, die herausfinden, wie sich die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern und worin sich diese Veränderungen beim gesunden Altern von einer beginnenden Demenz unterscheiden. So weiß man, dass die Geschwindigkeit aller geistigen Prozesse mit dem Lebensalter kontinuierlich abnimmt, und zwar linear bereits ab dem jüngeren Erwachsenenalter. Es zeigt sich, dass die Wahrnehmung stark von Erwartungen beeinflusst wird, wobei nicht alle Aufmerksamkeitsleistungen bei gesunden älteren Menschen verringert sind, und dass auch diese noch sehr gut in der Lage sind, sich auf Wichtiges zu konzentrieren und dabei Hinweise zu nutzen, um ihre Aufmerksamkeit und Wahrnehmung zu verbessern. Auch ist das Nachlassen der Wahrnehmungsgeschwindigkeit im Alter individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt, was offenbar damit zusammenhängt, ob und wie stark sich die Organisation von Hirnnetzwerken verändert. Man fand in Untersuchungen typische Veränderungen in der Konnektivität bestimmter Areale, die im Zusammenhang mit der Verlangsamung der Sinnesverarbeitung stehen.

Literatur

Ruiz-Rizzo, A. L., Neitzel, J., Müller, H. J., Sorg, C. & Finke, K. (2018). Distinctive correspondence between separable visual attention functions and intrinsic brain networks. Frontiers in Human Neuroscience, 12, 89.
Ruiz-Rizzo, A. L. et al. (2019). Decreased cingulo-opercular network functional connectivity mediates the impact of aging on visual processing speed. Neurobiology of Aging, 73, 50-60.
Haupt, M., Sorg, C., Napiórkowski, N. & Finke, K. (2018). Phasic alertness cues modulate visual processing speed in healthy aging. Neurobiology of Aging, 70, 30-39.



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