Negatives Gottesbild erzeugt Angst und Depressionen

Häufig hört man das Argument, dass Menschen mit starkem Glauben seltener unter Angst und Depressionen leiden. Wissenschaftler der Universität Zürich und der Ruhr-Universität Bochum haben nun einige hundert Kirchgänger befragt, die in den letzten vier Jahren ein belastendes Erlebnis wie eine schwere Krankheit, ein Trauma oder einen Trauerfall zu verarbeiten hatten. Es zeigte sich aber, dass ein negatives Gottesbild zu psychischen Problemen führen kann. Entscheidend dafür, ob der Glaube Heil oder Unheil bringt, ist das Gottesbild der Gläubigen, denn sehen sie Gott positiv als gütigen, vergebenden Vater, der ihnen in schweren Zeiten zur Seite steht, dann hilft das, in der Belastung einen Sinn zu finden, wer aber ein negatives Gottesbild hat und Gott als Rächer sieht, der den Menschen für seine Sünden straft, tut sich schwerer, mit Belastungen umzugehen.

Studien zeigen auch, dass Angst häufig in Aggression umgewandelt wird, vor allem wenn Menschen die Schuld an den Umständen bei anderen suchen und weniger glauben, dass sie sich selbst ändern sollten, um der Angst zu begegnen. Diese Tatsache erklärt auch, dass viele religiöse Gruppierungen aus Angst – nicht zuletzt einem strafenden Gott gegenüber – dazu neigen, anderen Gruppen mit einer anderen Glaubensrichtung mit Aggression zu begegnen. Die Ursachen zahlreicher Religionskriege kann daher der permanenten Angst religiöser Gesellschaften begründet liegen, wobei die Gegner oft auf grausamste Weise bekämpft werden.

Siehe dazu den Beitrag Religion, Schuldgefühle und Angst

Quelle: Zürcher TagesAnzeiger vom 1.3.2009



Unbedingt Normalzeit als Standardzeit einführen, d. h., die aktuelle Winterzeit

Die Mehrheit der Europäer befürwortet zwar die Abschaffung der Zeitumstellung und bevorzugt dabei die Sommerzeit, doch die Winterzeit entspricht eher der inneren Uhr des Menschen. Die Sommerzeit ist kein natürliches Ereignis, sondern ein politischer Beschluss, der die innere Uhr immer wieder aus dem Takt bringt. Dabei entspricht die Winterzeit, also die natürliche Zeit, dem menschlichen Biorhythmus, der den Schlaf, den Herzschlag und die Stimmung beeinflusst. Derzeit ist die Sommerzeit populär, denn mit ihren hellen Abenden bietet sie einen starken psychologischen Effekt, wobei viele Menschen glauben, dass sie die Sommerzeit gar nicht beeinflusst. Doch allen gefühlten individuellen Wahrnehmungen zum Trotz belegen weltweit Studien die schädigenden Folgen durch eine Sommerzeit, angefangen von metabolischen Erkrankungen bis hin zu psychischen Problemen. Die Entscheidung, die Uhren umzustellen, greift in das biologische Zeitsystem ein, denn die Mehrheit startet dann müde in den Tag und lebt gegen ihre innere Uhr.

Beinahe alle Schlafforscher sind daher für eine Abschaffung der Zeitumstellung, wobei die Winterzeit am besten der inneren Uhr entspricht, sodass davor gewarnt werden muss, die permanente Sommerzeit einzuführen. Bei permanenter Sommerzeit muss man nach Ansicht von Experten deutlich häufiger im Dunkeln aufstehen, was die Wahrscheinlichkeit für Diabetes und Depressionen erhöht, wodurch zusätzlich Schlaf- und Lernprobleme erzeugt werden, die wiederum die Leistungsfähigkeit einschränken. Die meisten Schlafforscher plädieren daher dafür, die Sommerzeit gänzlich abzuschaffen, denn Licht und Dunkelheit bestimmen, wann Menschen wach und wann sie müde werden. Die Normalzeit entspricht nach der Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin wesentlich besser dieser inneren Uhr. Das ist auch der Grund, weshalb es den meisten Menschen deutlich schwerer fällt, sich auf die Sommerzeit einzustellen, als den Körper im Winter wieder an die Normalzeit zu gewöhnen.

Besonders Schulkinder und Studenten, die das Gelernte bei einem chronischen Schlafmangel nicht genügend verarbeiten können, leiden unter einer permanenten Sommerzeit. Vor allem Österreich muss sich im Fall einer permanenten Umstellung auf Sommerzeit auf dunkle Wintervormittage einstellen, denn in Wien würde am 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres, erst um 8.43 Uhr die Sonne aufgehen, in Bregenz um 9.06 Uhr. Gleiches gilt allerdings auch für die heißen Monate: Während es in Wien im Juni während der Sommerzeit bis um kurz vor fünf Uhr dunkel bliebe, müsste man sich in der Normalzeit bereits gegen vier Uhr früh auf die ersten Sonnenstrahlen einstellen.

sommerzeit winterzeit

Literatur

Stangl, W. (201). Der Jet lag – Sommerzeit – Winterzeit _ Umstellung. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEDAECHTNIS/Jet-lag.shtml (2018-10-27).



Theory of Mind gibt es in zwei Formen

Die Theory of Mind befähigt Menschen, über die Gedanken und Überzeugungen anderer Menschen nachzudenken, kennzeichnet die komplexe soziale Interaktion zwischen Menschen. Bisher nahm man an, dass diese Fähigkeit sich im Alter von vier Jahren herum entwickelt, wenn Kinder beginnen, explizit über andere zu denken. Grosse Wiesmannet al. (2020) haben angesichts der Tatsache, dass bei einer nonverbalen Testung auch Säuglinge bereits vor dem Alter von zwei Jahren Handlungserwartungen zeigen, die mit den Überzeugungen anderer kongruent sind, sich die Frage gestellt, ob diese Verhaltensweisen vielleicht nur unterschiedliche Systeme für das Verständnis des Geistes anderer widerspiegeln. Sie konnten zeigen, dass diese Fähigkeiten durch die Reifung unabhängiger Hirnnetzwerke unterstützt werden, was auf unterschiedliche Systeme für explizite verbale Theory of Mind und frühe nonverbale Handlungserwartungen hindeutet.

Untersucht wurden diese Zusammenhänge mithilfe eines Videoclips, in dem eine Katze zu sehen ist, die eine Maus dabei beobachtet, wie sie in einer Kiste verschwindet. Anschließend kehrt die Katze der Kiste für einen Moment den Rücken zu, die Maus huscht unbemerkt in die benachbarte Box, und als die Katze sich wieder der Szenerie widmet, will sie nach ihrer Beute schauen und läuft auf die erste Kiste zu. Erst Vierjährige sind in der Lage, die Frage, wo die Katze nach der Maus suchen wird, richtig zu beantworten, d. h., im Alter von vier Jahren sind die entsprechenden Hirnregionen dafür ausgereift. Mithilfe der Eye-Tracking-Methode analysierte man das Blickverhalten und stellte fest, dass sowohl die Drei- als auch Vierjährigen richtig voraussehen konnten, wo die Katze nachschauen wird. Sie erkannten also, dass die Katze die Maus noch immer in ihrem ersten Unterschlupf erwartet und dort suchen wird, obwohl sie selbst wussten, dass sich die Maus an der anderen Stelle befindet. Als man die Dreijährigen explizit danach fragte, wo die Katze nach der Maus suchen werde, gaben sie die falsche Antwort, d. h., sie konnten zwar mit ihrem Blick richtig vorhersagen, wo die Katze suchen wird, dies aber in einer Frageform nicht beantworten. Erst Vierjährigen gelang es im Schnitt, die richtige Antwort zu geben.

Das erklärt sich nach Ansicht der ForscherInnen daraus, dass bei beiden Entscheidungsprozessen, der non-verbalen Variante über den Blick und der verbalen über die Antwort, andere Hirnstrukturen beteiligt sind. Man kann hier also Areale für die implizite und die explizite Theory of Mind unterscheiden, wobei beide Bereiche zu unterschiedlichen Zeitpunkten so weit entwickelt sind, dass sie ihre Funktionen erfüllen können. Im supramarginalen Gyrus, der Region für die non-verbale Perspektivübernahme, ist der Cortex bereits früher entsprechend weit ausgereift. Damit können bereits Dreijährige die Handlungen anderer vorhersehen, doch erst im Alter von vier Jahren sind dann der temporoparietale Übergang und der Precuneus entsprechend herangereift, also jene Regionen, durch die man verstehen kann, was andere denken und nicht nur, was sie fühlen und sehen oder wie sie handeln werden.

Kurz: In den ersten drei Lebensjahren scheinen also Kinder noch nicht zu verstehen, was der andere denkt und dass das womöglich falsch ist. Es scheint einen Mechanismus in der frühen Kindheit zu geben, eine frühe Form der Perspektivenübernahme, bei dem man einfach den Blick des anderen übernimmt. In dieser Entwicklungsphase ist etwa ein Kind also darauf angewiesen, das zu übernehmen, was etwa die Eltern wissen und sehen.

Literatur

Grosse Wiesmann, Charlotte, Friederici, Angela D., Singer, Tania & Steinbeis, Nikolaus (2020). Two systems for thinking about others’ thoughts in the developing brain. Proceedings of the National Academy of Sciences, doi:10.1073/pnas.1916725117.
https://www.mpg.de/14559563/0305-nepf-113272-das-gehirn-besitzt-zwei-systeme-um-sich-in-andere-hineinzuversetzen (20-03-10)



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