Selbstschädigung

Eigennutz und eine positive Selbstwertbilanz werden oft als Hauptantriebskräfte im Arbeitsleben betrachtet, wobei allerdings eine durchaus häufige Komponente meist ignoriert wird: Selbstschädigende unbewusste Ambitionen können auch bei psychisch Gesunden den Alltag mitbestimmen und die eigene Arbeit sabotieren. Mummendey (2003) kennzeichnet selbstschädigendes Verhalten bei psychisch Gesunden generell als unangepasst, wenn etwa ein Erwerbstätiger eine zu große oder zu geringe Distanz gegenüber der beruflichen Umwelt aufbaut. Es gibt dabei ein reichhaltiges Repertoire möglicher Selbstschädigungen und vorsätzlicher Selbstsabotagen:

Eine primäre Selbstschädigung ist das Ergebnis einer stark negativen Einstellung zur eigenen Person und setzt eine erhöhte Selbstaufmerksamkeit voraus, geht oft mit einem geringen Selbstwertgefühl, starken Schuldgefühlen und negativen Emotionen wie Angst einher. Daraus kann ein Bedürfnis entstehen, sich selbst zu schädigen. Wenn vorhersehbar ist und akzeptiert werden muss, dass ein Verhalten sowohl Nutzen als auch Kosten bringt, spricht man von einem Tradeoff. Befürchten Betroffene eine krass negative Bilanz des Tradeoff, legen sie sich Steine in den Weg, um frühzeitig Entschuldigungsgründe für ihren Misserfolg zu besitzen. Bei kontraproduktive Strategien verhalten sich Menschen ohne bewusste Absicht fehlerhaft, besonders dann, wenn Leistungsdruck auf sie ausgeübt wird.

Literatur

Boothe, B., Marx, W. & Wehner, T. (Hrsg.) (2016). Panne, Irrtum, Missgeschick. Die Psychologie des Alltagslebens in interdisziplinärer Perspektive. Pabst.
Mummendey, H. D. (2003). Selbstschädigung. In B. Boothe & W. Marx (Hrsg.), Panne – Irrtum – Missgeschick. Die Psychopathologie des Alltagslebens in interdisziplinärer Perspektive (S. 145-160). Bern: Huber.



Erinnern ist immer auch Ergänzen

Da das menschliche Gedächtnis erfahrungsgemäß nicht in der Lage ist, sich an alle Details einer vergangenen Erfahrung zu erinnern, füllt es solche Lücken mit wahrscheinlichen Informationen auf. Um nun zu überprüfen, wie das Gehirn solche Gedächtnisinhalte beim Erinnern ergänzt, haben Staresina et al. (2019) Versuchspersonen in acht Versuchsdurchgängen jeweils zehn Landschaftsbilder gezeigt, wobei in jeder Aufnahme ein Detailfoto mit einem von zwei Objekten eingefügt war, etwa eine Himbeere oder ein Skorpion. Die Probanden – Epilepsiepatienten, denen Elektroden ins Gehirn eingepflanzt worden waren – durften jedes der zusammengesetzten Fotos drei Sekunden lang betrachten. Nach einer Pause erhielten sie in einem zweiten Durchgang nur die Landschaften zu sehen und sollten dann angeben, ob dort ursprünglich zusätzlich die Himbeere oder der Skorpion aufgetaucht waren. In der Erinnerungsphase feuerten zunächst die Nervenzellen im Hippocampus, was auch bei einer Kontrollaufgabe der Fall war, bei der die Probanden sich nur einfache Landschaftsaufnahmen einprägen mussten. Bei der Aufgabe, in der die Bilder eine zusätzliche Information enthalten hatten, dauerte die Aktivität des Hippocampus jedoch deutlich länger, wobei während dieser Verlängerung zusätzlich Neuronen im entorhinalen Cortex zu feuern begannen. Dieses Aktivitätsmuster im Cortex ähnelte stark der Erregung, die man dort in der Lernphase gemessen hatte, also bei der Betrachtung des zusammengesetzten Bildes. Diese Ähnlichkeit ging so weit, dass eine Analysesoftware aus der Aktivität des entorhinalen Cortex ablesen konnte, ob sich der jeweilige Teilnehmer gerade an einen Skorpion oder eine Himbeere erinnerte. Dabei handelt es sich um eine Re-Instanziierung, d. h., die Erinnerung versetzt die Nervenzellen in einen ähnlichen Zustand, wie sie ihn beim Betrachten des Fotos hatten. Vermutlich ist der Hippocampus für diese Re-Instanziierung verantwortlich, wobei die hippocampalen Nervenzellen, die in der Verlängerung aktiv werden, mit ihrem Erregungsmuster dem Gedächtnis möglicherweise mitteilen, wo genau der fehlende Teil der Erinnerung abgelegt ist.

Literatur

Staresina, Bernhard P., Reber, Thomas P., Niediek, Johannes, Boström, Jan, Elger, Christian E. & Mormann, Florian (2019). Recollection in the human hippocampal-entorhinal cell circuitry. Nature Communications, doi:10.1038/s41467-019-09558-3.



Prüfungsangst

Definition und Entstehung von Prüfungsangst

Die Prüfungsangst ist eine spezielle Form der Angst. Prüfungsängste – sie können auf individueller und auf schulorganisatorischer Ebene betrachtet werden – sollten nicht unabhängig von diesem Kontext aus gesehen werden, da in unserer Gesellschaft ein hoher Ausbildungsgrad eine wichtige Voraussetzung für eine gesicherte Zukunft ist. Dieser Gedanke schlägt sich im elterlichen Erziehungsverhalten nieder, wobei Erfahrungen, die Kinder durch ihre Eltern machen, bei späteren Leistungsanforderungen auf den Lehrenden übertragen werden. Daher kann in ungünstigen Fällen Prüfungsangst aus der Erziehung entstehen (vgl. Krope & Kohrs, 1978, S. 11).

Studien haben bei Erwachsenen einen positiven Effekt von Zwischenprüfungen nach einer Lernphase gezeigt, denn aufgrund von solchen Tests können sich Erwachsene im Anschluss daran besser auf das Erlernen neuer Inhalte konzentrieren, wobei diese Tests mögliche Störungen durch die bereits abgefragten Inhalte verringern dürften. Interessanterweise zeigt sich nach einer Studie von Aslan & Bäuml (2015) dieser Effekt nicht bei jüngeren Grundschülern, sodass man annimmt, dass der positive Effekt von Prüfungen ein vergleichsweise spät auftretendes Phänomen im menschlichen Entwicklungsprozess darstellt.

Symptome der Prüfungsangst

Grundsätzlich kann man zwischen körperlichen, kognitiven (psychischen) und behavioralen Komponenten unterscheiden: Körperliche Symptome
• Magenbeschwerden
• Schwitzen
• Schlafstörungen
Kognitive Symptome

• Blackouts
• Konzentrationsschwierigkeiten
• Selbstkritische Gedanken
Behaviorale Symptome

• Nägelkauen
• Weinen
• Zittern der Stimme oder Stottern

Was kann man dagegen tun?

Motorische Maßnahmen
• Autogenes Training
Progressive Muskelentspannung
Yoga
Kognitive Maßnahmen

• Selbstanalyse
Modell-Lernen
• Kausal-Attribuierungs-Therapie
Medizinische Maßnahmen
• Chemische Mittel
• Alternative Behandlungsmethoden
• Placeboeffekt von Medikamenten

Entspannungsübungen können sehr hilfreich sein, auch weil die Studierenden dann in Prüfungssituationen wieder das Gefühl bekommen, sie können etwas tun, damit es ihnen besser geht. Allerdings muss man diese im Vorfeld üben, um sie dann in der Prüfungssituation anwenden zu können. Hier helfen Stabilisierungsübungen aus der Traumatherapie, die Prüflingen helfen, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, wobei diese auch ganz kurzfristig eingesetzt werden können.

Literatur
Aslan, A. & Bäuml, K.-H. T. (2015). Testing enhances subsequent learning in older but not in younger elementary school children. Developmental Science. Doi.org/10.1111/desc.12340.
Knasmüller, D. (2005). Wie können Lehrer die Prüfungsangst von Schülern beeinflussen? Unveröffentlichte Diplomarbeit. Linz: Johannes Kepler Universität.
Krope, P. & Kohrs, A. (1987). Prüfungsangst und kooperative Gruppenführung.
WWW: http://www.mona-net.at/zine/18/276 (08-04-04)



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