Psychotherapie als eigenständige akademische Disziplin?

Das Gesundheitsministerium der BRD plant eine Novellierung der Ausbildung der bisherigen PsychotherapeutInnen in Form einer Direktausbildung umzusetzen, und zwar als eigenständige akademische Disziplin. Die Psychotherapie soll daher nicht mehr als Appendix, Paradisziplin oder Subfach von ausschließlich Psychologie oder Medizin in den akademischen und professionellen Fächerkanon eingeordnet werden. Methodisch und inhaltlich soll eine sichtbare Kontur der Psychotherapie als Wissenschaft und Profession im Zusammenhang all ihrer Bezugswissenschaften (Medizin, Psychologie, Gesundheitsökonomie, gender studies, Pädagogik, Soziologie, Ethik, spezifische Methodologie für die Psychotherapieforschung, Problemgeschichte und Theorieentwicklung der wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Schulen, Praxeologie im Rahmen von “Famulaturen” usw. usf.) im Rahmen einer Psychotherapiewissenschaft entstehen. Es wird auch empfohlen, ein konsekutives Psychotherapiestudium ausschließlich an solchen Universitäten anzusiedeln, um ein entsprechendes interdisziplinäres Forschungsumfeld gewährleisten zu können, um so die eigenständige Entwicklung im Dienste des Faches Psychotherapie unter Einbeziehung ihrer Vielfalt und dem Methodenpluralismus auf hohem universitären Niveau gerecht werden zu können. Durch die Institutionalisierung auf universitärer Ebene soll ein gesamteuropäisches Professionsverständnis der PsychotherapeutInnen erreicht werden kann.

Siehe dazu Studium der Psychotherapie im Rahmen der Psychologie.

Literatur

Stangl, W. (2019). Studium der Psychotherapie im Rahmen der Psychologie. Werner Stangls Psychologie News.
WWW: https://psychologie-news.stangl.eu/3090/studium-der-psychotherapie-im-rahmen-der-psychologie (2019-05-16).
https://www.openpr.de/news/1048798/Psychotherapie-eine-neue-eigenstaendige-Wissenschaft-Profession.html (19-05-16)



31. Mai Weltnichtrauchertag und Tabaksymposium

Jedes Jahr am 31. Mai begehen die WHO und ihre globalen Partnerorganisationen den Weltnichtrauchertag, denn Rauchen ist weltweit für über zwei Drittel aller durch Lungenkrebs bedingten Todesfälle verantwortlich, und Passivrauchen erhöht auch bei Nichtrauchern das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Die Folge sind chronische Atemwegserkrankungen wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und Asthma. Vor allem tragen Kinder, die Passivrauch ausgesetzt sind, ein höheres Risiko in Bezug auf häufige Infektionen der unteren Atemwege sowie auf Ausbruch und Verschlimmerung von Asthmabeschwerden, Lungenentzündung und Bronchitis. Der Weltnichtrauchertag soll für die besonderen Gefahren des Rauchens für die Lungengesundheit sowie für die grundlegend wichtige Rolle der Lunge für Gesundheit und Wohlbefinden aller Menschen sensibilisieren, und ein Bewusstsein für kostenwirksame und realistische Maßnahmen schaffen, mit denen die zentralen Zielgruppen, insbesondere Regierungen und die Öffentlichkeit, die durch Tabak bedingten Risiken für die Lungengesundheit senken können.

Da die Psychologie nachweislich bei der Tabakentwöhnung hilft, hat der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen, die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse und ein wissenschaftliches Tabaksymposium in St. Pölten organisiert, um auf die Möglichkeiten, die die Psychologie bei der Prävention und Tabakentwöhnung bietet, aufmerksam zu machen. Die Tagung soll aufzeigen, wie die psychologische Wissenschaft im Rahmen der Tabakkontrollmaßnahmen zur Motivation und Unterstützung zu einer möglichst rauchfreien Gesellschaft beitragen kann.

Aus dem Programm:

  • Keynote: How psychological science can be used to motivate and support smoking cessation (Robert West)
  • NichtraucherInnenschutz in Österreich – Status Quo und AusblickMinisterialrat (Franz Pietsch)
  • Gesundheitseffekte von Rauchinhaltsstoffen aus der umweltmedizinischen Perspektive (Hans-Peter Hutter)
  • Möglichkeiten zur Raucherberatung – Erfahrungen des Rauchfrei Telefons (Sophie Meingassner)
  • Die Kosten durch das Rauchen: sozioökonomische Aspekte (Thomas Czypionka)
  • Nichtraucherschutz im Betrieb: Rechtliche Grundlagen und praktische Handlungsempfehlungen für die Prävention (Edith Pickl)
  • Rauchfreie Schule: Erfahrungen und Vorgangsweise (Michel Fleck)
  • Rauchertherapie bei PatientInnen mit tabakassoziierten Erkrankungen (Irmgard Homeier)
  • Die Rolle der Gesundheitspsychologie bei der Tabakkontrolle (Rudolf Schoberberger)

Programm-Download: https://www.boep.or.at/download/5cb447633c15c83602000005/Programm-4.pdf (19-05-01)



Präregistrierung gegen den publication bias

Um dem publication bias zu entgehen, arbeitet man in der Psychologie seit einigen Jahren mit der Präregistrierung, wobei dieses Konzept der Präregistrierung verlangt, dass die Idee einer Studie und die für die Ergebnisse grundlegende Methodik wie das Sammeln und Auswerten von Daten, für eine bestimmte wissenschaftliche Fragestellung nicht erst am Ende einer Studie, sondern bereits vor dem Sammeln der Daten online registriert und teilweise auch schon in einem Peer-Review-Verfahren akzeptiert wird.
Dies soll das gezielte Nicht-Publizieren kleiner oder nicht-signifikanter Effekte oder ein gezieltes Suchen nach signifikanten Effekten durch statistisches Herumprobieren verhindern und somit ein unverzerrtes Bild der wahren Effekte liefern. Nach Ansicht von Schäfer & Schwarz (2019) besteht nämlich ein nicht zu unterschätzendes Risiko, dass Lehrbücher der Psychologie viele Zufallsbefunde enthalten, die wenig Substanz haben. Da bisher in den einschlägigen Journalen bisher vor allem große bzw. signifikante Effekte publiziert werden, müssten die durchschnittlichen Effekte bei präregistrierten Studien kleiner ausfallen. Das bestätigte sich in der Studie von Schäfer & Schwarz (2019), denn die durchschnittlichen Effekte waren bei präregistrierten Studien nur noch halb so groß, d. h., die in der Vergangenheit publizierten empirischen Effekte sind deutlich in Richtung zu großer Effekte verzerrt. Sieht man sich die Verteilung der Effekte der präregistrierten Studien an, wird sichtbar, dass diese deutlich kleiner sind als die üblichen Konventionen zur Effektstärke. Diese Praktik der Präregistrierung ist als Reaktion auf die Replikationskrise in der Psychologie entstanden, nach der sich viele bekannte Effekte der psychologischen Forschung in nachfolgenden Studien nicht bestätigen ließen.
Literatur
Schäfer, T., & Schwarz, M. (2019). The meaningfulness of effect sizes in psychological research: Differences between sub-disciplines and the impact of potential biases. Frontiers in Psychology, 10, doi:10.3389/fpsyg.2019.00813.
Sterling, Theodore D. (1959). Publication decisions and their possible effects on inferences drawn from tests of significance—or vice versa. Journal of the American Statistical Association, 54, 30–34.


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