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Hängt der Blutfluss im Gehirn tatsächlich mit neuronaler Aktivität zusammen?

    Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) galt über fast drei Jahrzehnte als Goldstandard der Hirnforschung, basierend auf der zentralen Annahme, dass ein erhöhter Blutfluss in bestimmten Gehirnarealen direkt mit einer gesteigerten neuronalen Aktivität gleichzusetzen ist. Eine aktuelle Studie von Epp et al. (2025) stellt dieses fundamentale Dogma der Neurowissenschaften nun grundlegend infrage, indem sie nachweist, dass das herkömmliche BOLD-Signal (blood-oxygenation-level-dependent) den tatsächlichen Energie- und Sauerstoffverbrauch des Gehirns oft unzureichend oder sogar widersprüchlich widerspiegelt. Durch den Einsatz neuartiger, quantitativer MRT-Verfahren… Weiterlesen »Hängt der Blutfluss im Gehirn tatsächlich mit neuronaler Aktivität zusammen?

    Die Rolle der Mitochondrien für Organisation und Leistungsfähigkeit des Gehirns

      Das Gehirn ist eines der energieintensivsten Organe des Körpers und seine Funktionsfähigkeit beruht nicht nur auf der Verschaltung von Nervenzellen, sondern ebenso auf den inneren Strukturen dieser Zellen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Mitochondrien, die als Energieproduzenten bekannt sind, jedoch weit darüber hinausgehende Aufgaben übernehmen. Sie beeinflussen die Signalübertragung zwischen Nervenzellen, regulieren zelluläre Stoffwechselprozesse und sind an grundlegenden Entscheidungen über Anpassung, Aktivität und Überleben von Zellen beteiligt. Ihre Organisation innerhalb der Nervenzellen ist daher eng mit… Weiterlesen »Die Rolle der Mitochondrien für Organisation und Leistungsfähigkeit des Gehirns

      Flexible Umverteilung in kognitiven Netzwerken: Wie das Gehirn auf Störungen reagiert

        Hartwigsen (2018) betrachtet kognitive Funktionen des menschlichen Gehirns als das Ergebnis großräumiger neuronaler Netzwerke und lenkt den Fokus auf deren Fähigkeit, auf fokale Störungen flexibel zu reagieren. Während frühere Arbeiten vor allem die Netzwerkorganisation betonten, blieb bislang unklar, wie diese Netzwerke Ausfälle einzelner Regionen kompensieren können. Hartwigsen schlägt hierfür eine neue Perspektive vor, nach der kognitive Netzwerke ihre interne Aufgabenverteilung dynamisch anpassen. Er argumentiert, dass die relative funktionale Gewichtung einzelner Hirnareale innerhalb eines Netzwerks rasch verändert werden… Weiterlesen »Flexible Umverteilung in kognitiven Netzwerken: Wie das Gehirn auf Störungen reagiert

        Das Attributfrequenz-Modell bei der Wahrnehmung sozialer Unterschiede

          Ein Projekt von Hans Alves (Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität ) widmet sich einer grundlegenden Frage der Sozialpsychologie: Warum weichen unsere Vorstellungen über soziale Gruppen – wie Männer und Frauen, Zugewanderte und Einheimische oder ethnische Minderheiten – oft deutlich von den statistischen Realitäten ab? Und weshalb erscheinen soziale Ungleichheiten in der öffentlichen Diskussion manchmal dramatischer, als es die Daten nahelegen, während sie in anderen Fällen verharmlost werden? Im Zentrum steht ein neues Modell der sozialen Wahrnehmung, das… Weiterlesen »Das Attributfrequenz-Modell bei der Wahrnehmung sozialer Unterschiede

          Der neuronale Kipp-Punkt des Einschlafens

            Eine Untersuchung von Li et al. (2025) zeigte, dass das Einschlafen kein schleichender, sondern ein abrupt einsetzender Prozess ist, der von einem klar identifizierbaren Kipp-Punkt im Gehirn markiert wird. Während Schlaf traditionell als langsames Abdriften vom Wachzustand verstanden wurde, konnte man in einer umfangreichen Analyse von über 1000 nächtlichen EEG-Aufzeichnungen nachweisen, dass der Übergang einem bifurkationsähnlichen Muster folgt: Kurz vor dem Einschlafen verlangsamt sich die neuronale Dynamik zunehmend, bis sie plötzlich in einen stabilen Schlafzustand umschlägt. Dieser… Weiterlesen »Der neuronale Kipp-Punkt des Einschlafens

            Die Anfälligkeit viszeraler Schmerzen für Nocebo-Effekte und die Bedeutung kommunikativer Sensibilität

              Viszerale Schmerzen – also Schmerzen, die aus dem Bauchraum stammen – gelten seit Langem als schwer fassbar, emotional aufgeladen und klinisch herausfordernd. Ihre diffuse, schlecht lokalisierbare Natur macht sie besonders empfänglich für ungünstige Erwartungseinflüsse. Eine aktuelle, experimentell angelegte Forschungsarbeit zeigte nun, dass Schmerzen aus dem Körperinneren eine besondere biologische und psychologische Empfindlichkeit für Nocebo-Effekte besitzen. Damit sind negative Erwartungen gemeint, die das Schmerzempfinden verstärken, ohne dass sich der physiologische Reiz selbst verändert. Die Studie von Aulenkamp et… Weiterlesen »Die Anfälligkeit viszeraler Schmerzen für Nocebo-Effekte und die Bedeutung kommunikativer Sensibilität

              Sprachen funktionieren weltweit ähnlicher als gedacht

                Obwohl die Menschheit rund 7000 Sprachen spricht, die sich in Klang, Rhythmus und Wortschatz stark unterscheiden, zeigt sich auf der grammatischen Ebene eine überraschende Nähe. Eine neue groß angelegte Analyse, die auf der Grambank-Datenbank mit Informationen zu mehr als 2.400 Sprachen basiert, weist darauf hin, dass viele dieser Sprachen grundlegenden strukturellen Prinzipien folgen. Verkerk et al. (2025) verglichen 191 mögliche grammatikalische Universalien, also Merkmale, die theoretisch in allen Sprachen vorkommen sollten, mit hochkomplexen statistischen Methoden. Dabei stand… Weiterlesen »Sprachen funktionieren weltweit ähnlicher als gedacht

                Das menschliche Gehirn und die Stimmen von Primaten: Eine evolutionäre Spurensuche

                  Eine aktuelle Untersuchung von Ceravolo et al. (2025) zeigte, dass das menschliche Gehirn nicht nur auf menschliche Stimmen spezialisiert ist, sondern auch sensibel auf Lautäußerungen anderer Primaten reagiert, insbesondere auf jene von Schimpansen, der engsten evolutionären Verwandten. Mithilfe funktioneller Magnetresonanztomographie untersuchte man, wie bestimmte Regionen des auditorischen Cortex auf Vokalisationen verschiedener Arten reagieren. Dazu hörten 23 Probanden Lautaufnahmen von Menschen, Schimpansen, Bonobos und Makaken. Während Bonobos genetisch ähnlich nah stehen wie Schimpansen, unterscheiden sich ihre Rufe jedoch… Weiterlesen »Das menschliche Gehirn und die Stimmen von Primaten: Eine evolutionäre Spurensuche

                  Schlaf und ADHS

                    Schlafprobleme gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen von ADHS und betreffen einen Großteil der neurodivergenten Menschen. Charakteristisch sind Schwierigkeiten beim Einschlafen und Durchschlafen, häufige nächtliche Wachphasen und insgesamt verkürzte Schlafzeiten; manche Betroffene wachen ungewöhnlich früh auf oder fühlen sich trotz langer Schlafdauer morgens bleiern und erschöpft. Auch Phänomene wie Schlafapnoe, Nachtschreck oder unruhige Beine treten gehäuft auf. Besonders bedeutsam sind Störungen des biologischen Tag-Nacht-Rhythmus: Studien zeigen, dass bei vielen Menschen mit ADHS die Freisetzung des Schlafhormons Melatonin verzögert… Weiterlesen »Schlaf und ADHS

                    Warum die Psychodiagnostik neu gedacht werden sollte

                      Psychische Störungen werden bisher immer nach dem Vorbild körperlicher Erkrankungen eingeteilt:, d. h., Symptome werden gebündelt, erhalten einen Krankheitsnamen und bestimmen die Behandlung. Experten und Expertinnen kritisieren jedoch, dass dieses System psychische Probleme nur scheinbar klar voneinander abgrenzt, denn während körperliche Diagnosen meist auf nachweisbaren biologischen Ursachen beruhen, beschreiben psychische Diagnosen lediglich beobachtetes Erleben und Verhalten, ohne dass diese Kategorien eindeutig mit biologischen Merkmalen verknüpft wären. Hinzu kommt, dass viele Symptome wie Erschöpfung, Antriebslosigkeit oder Angst alltägliche… Weiterlesen »Warum die Psychodiagnostik neu gedacht werden sollte

                      Wie das Gehirn entscheidet, was es sich merken will

                        Die neurowissenschaftliche Forschung zeigt immer deutlicher, dass Erinnern kein statischer Vorgang ist, sondern ein dynamischer Prozess, in dem das Gehirn fortwährend auswählt, welche Erfahrungen Bestand haben und welche rasch verblassen. Obwohl Menschen täglich eine Fülle an Eindrücken aufnehmen, gelangt nur ein kleiner Teil davon in das Langzeitgedächtnis. Diese strenge Auswahl ist notwendig, weil das Arbeitsgedächtnis nur begrenzte Kapazitäten besitzt und daher einen präzisen Filter benötigt, um Wichtiges zu bewahren und Unwichtiges auszusondern. Bis vor Kurzem ging man… Weiterlesen »Wie das Gehirn entscheidet, was es sich merken will

                        Die neuronale Architektur des menschlichen Gehirns wandelt sich viermal im Leben grundlegend

                          Eine groß angelegte Analyse von über 3.800 Gehirnscans von Mousley et al. (2025) zeigte, dass das menschliche Gehirn im Verlauf des Lebens vier markante strukturelle Wendepunkte durchläuft, die jeweils den Übergang in eine neue funktionelle Epoche markieren. Diese Umbrüche treten etwa mit neun, 32, 66 und 83 Jahren auf und prägen die kognitiven Fähigkeiten ebenso wie die Anfälligkeit für psychische oder neurologische Störungen. Die erste Epoche umfasst die Jahre von der Geburt bis etwa zum neunten Lebensjahr.… Weiterlesen »Die neuronale Architektur des menschlichen Gehirns wandelt sich viermal im Leben grundlegend