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Altersabhängige Verzerrungen in der Gesichtserkennung

    Das Phänomen des Own-Age Bias beschreibt die altersabhängigen Verzerrung in der Gesichtserkennung, also die Tendenz von Menschen, Gesichter von Personen aus der eigenen Altersgruppe besser wiederzuerkennen als Gesichter deutlich jüngerer oder älterer Personen. Zwar ist dieser Effekt in der psychologischen Forschung seit Langem bekannt, doch eine Studie von Civile & Wang (2025) zeigte, dass er nicht für alle Altersgruppen gleichermaßen gilt und stark von Lebenserfahrung und wahrnehmungsbezogener Expertise abhängt. In einem Experiment untersuchte manzwei klar getrennte Altersgruppen:… Weiterlesen »Altersabhängige Verzerrungen in der Gesichtserkennung

    Das flüchtige Fenster der Gegenwart

      In der physikalischen Welt ist die Gegenwart ein dimensionsloser Punkt, ein mathematischer Nullpunkt zwischen der bereits verstrichenen Vergangenheit und der noch nicht eingetretenen Zukunft. Aus psychologischer Sicht hingegen ist das „Jetzt“ keine bloße Grenze, sondern ein ausgedehntes Zeitintervall, das oft als Präsenzzeit oder Specious Present bezeichnet wird. Der Pionier der Psychologie, William James, prägte diesen Begriff bereits Ende des 19. Jahrhunderts und beschrieb die Gegenwart nicht als messerscharfe Kante, sondern als einen Zeitraum mit einer gewissen Tiefe,… Weiterlesen »Das flüchtige Fenster der Gegenwart

      Psychologie des Wohlbefindens – Pursuit of Happiness

        Die Menschen kommen durch nichts den Göttern näher, als wenn sie Menschen glücklich machen. Cicero Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind. Charles-Louis de Montesquieu Das Glück hat die Vorstellungswelten der Menschen tiefgreifend beeinflusst und ist heute im Alltag präsent bis über die Grenze des Erträglichen hinaus. Glück ist zu einem grundlegenden Bestandteil dessen geworden, wie Menschen… Weiterlesen »Psychologie des Wohlbefindens – Pursuit of Happiness

        Der Takt der Relevanz: Neuronale Synchronisation als Filter des Bewusstseins

          Um in einer komplexen Umwelt handlungsfähig zu bleiben, muss das menschliche Gehirn die riesige Menge einströmender Sinnesdaten fortwährend sortieren und nur die Informationen ins Bewusstsein lassen, die für die aktuelle Situation von Bedeutung sind. Forschende der Universität Bremen, insbesondere am Zentrum für Kognitionswissenschaften unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Kreiter, haben entschlüsselt, dass dieser Filterprozess auf einer hochpräzisen zeitlichen Abstimmung der neuronalen Kommunikation basiert. Entgegen der früheren Annahme, dass wichtige Reize lediglich durch eine höhere Signalstärke… Weiterlesen »Der Takt der Relevanz: Neuronale Synchronisation als Filter des Bewusstseins

          Wenn Maschinen menschlich werden

            Es beginnt harmlos, fast zärtlich. Mit einem aufmunternden Satz an das alte Auto, das sich ächzend die Rampe der Tiefgarage hinaufquält. Mit einem kurzen Dank an das Navigationssystem oder einem unbewussten Ärger über den Laptop, der heute „nicht will“. Was wir dabei tun, ist so alt wie der Mensch selbst: Wir verleihen Dingen ein Innenleben. Wir sprechen ihnen Absichten, Gefühle und eine Art Charakter zu, betreiben also Anthropomorphismus. Mit der künstlichen Intelligenz erreicht diese Neigung jedoch eine… Weiterlesen »Wenn Maschinen menschlich werden

            Was versteht man unter infantiler Amnesie?

              Unsere früheren Lebensjahre erscheinen wie aus dem Gedächtnis gelöscht. Aber woher kommt diese Erinnerungslücke – und wie entstehen bleibende Kindheitserinnerungen? Dass wir uns kaum an unsere ersten Lebensjahre erinnern können, ist ein faszinierendes psychologisches Phänomen, das in der Wissenschaft als infantile Amnesie bezeichnet wird. Diese Gedächtnislücke rührt nicht etwa daher, dass Kleinkinder unfähig sind zu lernen oder Informationen zu speichern – im Gegenteil, das Gehirn ist in dieser Phase extrem aufnahmefähig –, sondern liegt vielmehr in der… Weiterlesen »Was versteht man unter infantiler Amnesie?

              Geteilte Realität: Liebe kann Erinnerungen synchronisieren

                In der Psychologie ist bekannt, dass das menschliche Gedächtnis kein starres Archiv, sondern ein hochdynamisches, rekonstruktives System ist. Eine Studie von Zhang et al. (2024)hat dieses Verständnis nun um eine faszinierende soziale Komponente erweitert, denn es zeigt sich, dass romantische Partner ihre Gedächtnisprozesse auf neuronaler Ebene synchronisieren. Dieses Phänomen führt zu einer Art gemeinsamen Vergessens, das eine kohärente gemeinsame Sicht auf die Welt fördert, jedoch auf Kosten individueller Detailgenauigkeit geht. Im Zentrum der Untersuchung stand das „socially… Weiterlesen »Geteilte Realität: Liebe kann Erinnerungen synchronisieren

                Hängt der Blutfluss im Gehirn tatsächlich mit neuronaler Aktivität zusammen?

                  Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) galt über fast drei Jahrzehnte als Goldstandard der Hirnforschung, basierend auf der zentralen Annahme, dass ein erhöhter Blutfluss in bestimmten Gehirnarealen direkt mit einer gesteigerten neuronalen Aktivität gleichzusetzen ist. Eine aktuelle Studie von Epp et al. (2025) stellt dieses fundamentale Dogma der Neurowissenschaften nun grundlegend infrage, indem sie nachweist, dass das herkömmliche BOLD-Signal (blood-oxygenation-level-dependent) den tatsächlichen Energie- und Sauerstoffverbrauch des Gehirns oft unzureichend oder sogar widersprüchlich widerspiegelt. Durch den Einsatz neuartiger, quantitativer MRT-Verfahren… Weiterlesen »Hängt der Blutfluss im Gehirn tatsächlich mit neuronaler Aktivität zusammen?

                  Die Rolle der Mitochondrien für Organisation und Leistungsfähigkeit des Gehirns

                    Das Gehirn ist eines der energieintensivsten Organe des Körpers und seine Funktionsfähigkeit beruht nicht nur auf der Verschaltung von Nervenzellen, sondern ebenso auf den inneren Strukturen dieser Zellen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Mitochondrien, die als Energieproduzenten bekannt sind, jedoch weit darüber hinausgehende Aufgaben übernehmen. Sie beeinflussen die Signalübertragung zwischen Nervenzellen, regulieren zelluläre Stoffwechselprozesse und sind an grundlegenden Entscheidungen über Anpassung, Aktivität und Überleben von Zellen beteiligt. Ihre Organisation innerhalb der Nervenzellen ist daher eng mit… Weiterlesen »Die Rolle der Mitochondrien für Organisation und Leistungsfähigkeit des Gehirns

                    Flexible Umverteilung in kognitiven Netzwerken: Wie das Gehirn auf Störungen reagiert

                      Hartwigsen (2018) betrachtet kognitive Funktionen des menschlichen Gehirns als das Ergebnis großräumiger neuronaler Netzwerke und lenkt den Fokus auf deren Fähigkeit, auf fokale Störungen flexibel zu reagieren. Während frühere Arbeiten vor allem die Netzwerkorganisation betonten, blieb bislang unklar, wie diese Netzwerke Ausfälle einzelner Regionen kompensieren können. Hartwigsen schlägt hierfür eine neue Perspektive vor, nach der kognitive Netzwerke ihre interne Aufgabenverteilung dynamisch anpassen. Er argumentiert, dass die relative funktionale Gewichtung einzelner Hirnareale innerhalb eines Netzwerks rasch verändert werden… Weiterlesen »Flexible Umverteilung in kognitiven Netzwerken: Wie das Gehirn auf Störungen reagiert

                      Das Attributfrequenz-Modell bei der Wahrnehmung sozialer Unterschiede

                        Ein Projekt von Hans Alves (Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität ) widmet sich einer grundlegenden Frage der Sozialpsychologie: Warum weichen unsere Vorstellungen über soziale Gruppen – wie Männer und Frauen, Zugewanderte und Einheimische oder ethnische Minderheiten – oft deutlich von den statistischen Realitäten ab? Und weshalb erscheinen soziale Ungleichheiten in der öffentlichen Diskussion manchmal dramatischer, als es die Daten nahelegen, während sie in anderen Fällen verharmlost werden? Im Zentrum steht ein neues Modell der sozialen Wahrnehmung, das… Weiterlesen »Das Attributfrequenz-Modell bei der Wahrnehmung sozialer Unterschiede

                        Der neuronale Kipp-Punkt des Einschlafens

                          Eine Untersuchung von Li et al. (2025) zeigte, dass das Einschlafen kein schleichender, sondern ein abrupt einsetzender Prozess ist, der von einem klar identifizierbaren Kipp-Punkt im Gehirn markiert wird. Während Schlaf traditionell als langsames Abdriften vom Wachzustand verstanden wurde, konnte man in einer umfangreichen Analyse von über 1000 nächtlichen EEG-Aufzeichnungen nachweisen, dass der Übergang einem bifurkationsähnlichen Muster folgt: Kurz vor dem Einschlafen verlangsamt sich die neuronale Dynamik zunehmend, bis sie plötzlich in einen stabilen Schlafzustand umschlägt. Dieser… Weiterlesen »Der neuronale Kipp-Punkt des Einschlafens