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Was ist der Schatten bei C. G. Jung?

    „Der Schatten ist alles, was wir nicht wahrhaben wollen.“ Mit diesen Worten fasst Carl Gustav Jung, der Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie, ein zentrales Konzept seiner Lehre prägnant zusammen. Der Schatten umfasst jene verdrängten Anteile unserer Persönlichkeit, die wir als unvereinbar mit unserem bewussten Selbstbild empfinden – Eigenschaften wie Neid, Wut, Aggression, Schwäche oder Gier, die wir vor uns selbst und anderen verstecken, weil sie unseren gesellschaftlichen Normen, familiären Erwartungen oder dem Idealbild der „Persona“… Weiterlesen »Was ist der Schatten bei C. G. Jung?

    Was versteht man in der Psychologie unter Kama Muta?

      In der Psychologie bezeichnet Kama Muta ein spezifisches, universelles soziales Gefühl, das durch das plötzliche Erleben intensiver sozialer Nähe und Verbundenheit ausgelöst wird. Der Begriff stammt aus dem Sanskrit und lässt sich sinngemäß mit „von Liebe bewegt sein“ übersetzen. Er wurde eingeführt, um ein emotionales Phänomen präzise zu benennen, das in vielen Kulturen bekannt ist, jedoch in der westlichen Emotionsforschung lange unter unscharfen Bezeichnungen wie „Rührung“, „Herzerwärmung“ oder „tiefes Berührtsein“ zusammengefasst wurde. Kama Muta tritt typischerweise in… Weiterlesen »Was versteht man in der Psychologie unter Kama Muta?

      Psychologische Ambivalenzen der auditiven Isolation im Schlaf

        Die Nutzung von Ohrstöpseln wird oft als das ultimative Heilmittel für eine erholsame Nachtruhe propagiert, insbesondere in einer Welt, die zunehmend von urbaner Lärmverschmutzung und einer ständigen akustischen Überreizung geprägt ist. Für geräuschsensible Individuen, deren auditive Reizverarbeitung schneller in einen Zustand der Übererregung gerät, bieten diese physischen Barrieren eine notwendige Entlastung des vegetativen Nervensystems, indem sie die belastende Reizflut kappen und so die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin minimieren (Muzet, 2007). In der psychologischen Schlafforschung… Weiterlesen »Psychologische Ambivalenzen der auditiven Isolation im Schlaf

        Zwischen Erholung und Kreativität: Die neurokognitive Kraft des Mittagsschlafs

          Der menschliche Schlaf ist weit mehr als ein Zustand bloßer Regeneration – er ist ein zentraler Mechanismus zur Erhaltung und Optimierung kognitiver Leistungsfähigkeit. Während lange Zeit die nächtliche Ruhe als wesentliche Quelle geistiger Erholung galt, rückt zunehmend der kurze Schlaf am Tage – der sogenannte Powernap – in den Fokus wissenschaftlicher Aufmerksamkeit. Die jüngsten Untersuchungen zeigen eindrücklich, dass selbst ein kurzer Mittagsschlaf das Gehirn in bemerkenswerter Weise revitalisieren kann und nicht nur das Gedächtnis, sondern auch die… Weiterlesen »Zwischen Erholung und Kreativität: Die neurokognitive Kraft des Mittagsschlafs

          Was ist eine kognitive Reserve?

            Unter der kognitiven Reserve versteht man in der Psychologie und den Neurowissenschaften die Fähigkeit des Gehirns, neuropathologische Schäden oder altersbedingte Abbauprozesse zu kompensieren, sodass die kognitive Leistungsfähigkeit trotz vorliegender Hirnveränderungen über einen längeren Zeitraum erhalten bleibt. Das Konzept geht maßgeblich auf den Neuropsychologen Yaakov Stern zurück und erklärt die häufig beobachtete Diskrepanz zwischen dem Ausmaß einer Hirnschädigung – etwa durch eine Alzheimer-Erkrankung oder einen Schlaganfall – und den tatsächlich gezeigten klinischen Symptomen. Während die „Brain Reserve“ (Hirnreserve)… Weiterlesen »Was ist eine kognitive Reserve?

            Die aktive Informationswahl verstärkt die Wahrnehmung von Wahrheit

              Seit etwa fünf Jahrzehnten ist in der psychologischen Forschung das Phänomen bekannt, dass Menschen dazu neigen, Informationen allein aufgrund ihrer wiederholten Darbietung für wahr zu halten. Dieser „Truth-Effekt“ beschreibt die kognitive Verzerrung, bei der Vertrautheit fälschlicherweise als Evidenz für den Wahrheitsgehalt einer Aussage interpretiert wird. Eine aktuelle Untersuchung von Ingendahl et al. (2026) erweitert dieses Verständnis nun um eine entscheidende Komponente der digitalen Ära: die aktive Informationssuche. In einer Serie von acht Experimenten mit insgesamt fast 1.000… Weiterlesen »Die aktive Informationswahl verstärkt die Wahrnehmung von Wahrheit

              Die Macht der visuellen Repräsentation

                Der Picture Superiority Effect beschreibt das psychologische Phänomen, dass Bilder und Illustrationen signifikant besser im Gedächtnis bleiben als rein sprachliche Informationen. Evolutionär lässt sich dies damit begründen, dass die visuelle Verarbeitung seit Millionen von Jahren überlebenswichtig ist, während das Lesen eine historisch junge kulturelle Errungenschaft darstellt, die komplexe Dekodierungsprozesse erfordert. Theoretisch fundiert wird dieser Effekt vor allem durch Allan Paivios Dual-Coding-Theorie, die besagt, dass Bilder im Gedächtnis zweifach kodiert werden – sowohl als visuelles Abbild als auch… Weiterlesen »Die Macht der visuellen Repräsentation

                Organisationales Lernen zwischen Stabilität und Wandel: Gregory Batesons Beitrag zum Verständnis von Führung und Entwicklung

                  Organisationen lassen sich als komplexe soziale Systeme begreifen, in denen Kommunikation, Bedeutungszuschreibungen und Erwartungen kontinuierlich miteinander verwoben sind. Angesichts zunehmender Unsicherheit, Dynamik und Mehrdeutigkeit stellt sich für Führungskräfte und Organisationsentwickler verstärkt die Frage, wie Lern- und Veränderungsprozesse in solchen Systemen verstanden und gezielt unterstützt werden können. Ein theoretischer Ansatz, der hierfür bis heute hohe Erklärungskraft besitzt, stammt von Gregory Bateson, einem interdisziplinär arbeitenden Denker des 20. Jahrhunderts, dessen Arbeiten Psychologie, Anthropologie, Kybernetik und Systemtheorie miteinander verbinden. Bateson… Weiterlesen »Organisationales Lernen zwischen Stabilität und Wandel: Gregory Batesons Beitrag zum Verständnis von Führung und Entwicklung

                  Schreiben als kognitive und therapeutische Ressource

                    In einer Zeit permanenter digitaler Reizüberflutung und steigender psychischer Belastung erlebt eine scheinbar einfache Praxis eine bemerkenswerte Renaissance: das Schreiben von Hand, insbesondere in Form des Journaling, also das Führen eines Tagebuches. Was lange als private Gewohnheit oder literarisches Nebenprodukt galt, wird heute zunehmend als evidenzbasierte Methode zur Förderung kognitiver Leistungsfähigkeit, emotionaler Regulation und körperlicher Gesundheit verstanden. Aktuelle psychologische und neurowissenschaftliche Forschung zeigt, dass regelmäßiges Schreiben weit über Selbstausdruck hinausgeht: Es wirkt strukturierend auf das Denken, entlastet… Weiterlesen »Schreiben als kognitive und therapeutische Ressource

                    Die fünf Gehirn-Typen nach Daniel Amen

                      Das menschliche Glücksempfinden ist maßgeblich von der individuellen neurobiologischen Beschaffenheit des Gehirns geprägt, wie der US-Neurowissenschaftler Daniel Amen durch die Analyse von über 200.000 Gehirn-Scans aus 155 Ländern darlegt. Er postuliert, dass das Wohlbefinden zu etwa 40 Prozent auf genetischer Veranlagung, zu 10 Prozent auf äußeren Lebensereignissen und zu signifikanten 50 Prozent auf dem eigenen Mindset sowie den täglichen Gewohnheiten basiert. Im Zentrum seiner Forschung stehen fünf primäre Gehirn-Typen, die jeweils unterschiedliche Aktivitätsmuster in spezifischen Hirnarealen aufweisen… Weiterlesen »Die fünf Gehirn-Typen nach Daniel Amen

                      Sinnvoll Fremdsprachen unterrichten

                        Dieses sehr empfehlenswerte Buch von Manuela Macedonia zeigt allen Fremdsprachenlehrer/-innen oder -trainerInnen, wie sie traditionelle Methoden im Fremdsprachenunterricht durch ganzheitliche Wissensvermittlung ersetzen und dabei qualitativ und quantitativ bessere Ergebnisse erzielen können. Das Buch hilft dabei, die Hintergründe des ganzheitlichen, sinnesbezogenen und motorischen Lernens zu verstehen. Gleichzeitig bietet es eine umfassende Anleitung zur Gestaltung des Sprachunterrichts und viele praktische Tipps und Anregungen zu Aktivitäten, damit die beschriebenen Grundsätze ohne Probleme auch in der Praxis verwirklicht werden können. Die… Weiterlesen »Sinnvoll Fremdsprachen unterrichten

                        Die zeitliche Antizipation des menschlichen Gehirns

                          Das menschliche Gehirn besitzt die bemerkenswerte Fähigkeit, sich kontinuierlich an eine Umwelt anzupassen, die sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten verändert. Ob beim Sport, im Straßenverkehr oder in der Kommunikation – Menschen müssen ständig antizipieren, wann ein Ereignis eintreten wird, um schnelle und präzise Reaktionen vorzubereiten. Eine aktuelle Studie von Grabenhorst et al. (2026) belegt, dass das Gehirn hierfür kontinuierlich einschätzt, wie wahrscheinlich ein Ereignis innerhalb der nächsten drei Sekunden ist. Diese zeitliche Antizipation folgt einem fundamentalen Prinzip: Das… Weiterlesen »Die zeitliche Antizipation des menschlichen Gehirns