Pruefungsangst

Definition und Entstehung von Prüfungsangst

Die Prüfungsangst ist eine spezielle Form der Angst. Prüfungsängste – sie können auf individueller und auf schulorganisatorischer Ebene betrachtet werden – sollten nicht unabhängig von diesem Kontext aus gesehen werden, da in unserer Gesellschaft ein hoher Ausbildungsgrad eine wichtige Voraussetzung für eine gesicherte Zukunft ist. Dieser Gedanke schlägt sich im elterlichen Erziehungsverhalten nieder, wobei Erfahrungen, die Kinder durch ihre Eltern machen, bei späteren Leistungsanforderungen auf den Lehrenden übertragen werden. Daher kann in ungünstigen Fällen Prüfungsangst aus der Erziehung entstehen (vgl. Krope & Kohrs, 1978, S. 11).

Studien haben bei Erwachsenen einen positiven Effekt von Zwischenprüfungen nach einer Lernphase gezeigt, denn aufgrund von solchen Tests können sich Erwachsene im Anschluss daran besser auf das Erlernen neuer Inhalte konzentrieren, wobei diese Tests mögliche Störungen durch die bereits abgefragten Inhalte verringern dürften. Interessanterweise zeigt sich nach einer Studie von Aslan & Bäuml (2015) dieser Effekt nicht bei jüngeren Grundschülern, sodass man annimmt, dass der positive Effekt von Prüfungen ein vergleichsweise spät auftretendes Phänomen im menschlichen Entwicklungsprozess darstellt.

Symptome der Prüfungsangst

Grundsätzlich kann man zwischen körperlichen, kognitiven (psychischen) und behavioralen Komponenten unterscheiden: Körperliche Symptome
• Magenbeschwerden
• Schwitzen
• Schlafstörungen
Kognitive Symptome

• Blackouts
• Konzentrationsschwierigkeiten
• Selbstkritische Gedanken
Behaviorale Symptome

• Nägelkauen
• Weinen
• Zittern der Stimme oder Stottern

Was kann man dagegen tun?

Motorische Maßnahmen
• Autogenes Training
Progressive Muskelentspannung
Yoga
Kognitive Maßnahmen

• Selbstanalyse
Modell-Lernen
• Kausal-Attribuierungs-Therapie
Medizinische Maßnahmen
• Chemische Mittel
• Alternative Behandlungsmethoden
• Placeboeffekt von Medikamenten

Entspannungsübungen können sehr hilfreich sein, auch weil die Studierenden dann in Prüfungssituationen wieder das Gefühl bekommen, sie können etwas tun, damit es ihnen besser geht. Allerdings muss man diese im Vorfeld üben, um sie dann in der Prüfungssituation anwenden zu können. Hier helfen Stabilisierungsübungen aus der Traumatherapie, die Prüflingen helfen, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, wobei diese auch ganz kurzfristig eingesetzt werden können.

Literatur
Aslan, A. & Bäuml, K.-H. T. (2015). Testing enhances subsequent learning in older but not in younger elementary school children. Developmental Science. Doi.org/10.1111/desc.12340.
Knasmüller, D. (2005). Wie können Lehrer die Prüfungsangst von Schülern beeinflussen? Unveröffentlichte Diplomarbeit. Linz: Johannes Kepler Universität.
Krope, P. & Kohrs, A. (1987). Prüfungsangst und kooperative Gruppenführung.
WWW: http://www.mona-net.at/zine/18/276 (08-04-04)



Studium der Psychotherapie im Rahmen der Psychologie

In Deutschland soll im Zuge der Reform der Psychotherapeutenausbildung an Universitäten und ihnen gleichgestellten Hochschulen angesiedelten psychologischen Fakultäten das Studium der Psychotherapie angeboten werden. Die psychologischen Bachelor- und Masterstudiengänge sind bestens dazu geeignet, die im Gesetzesentwurf geforderten wissenschaftlichen und klinisch-praktischen Fertigkeiten zu vermitteln, d. h., PsychotherapeutInnen werden zukünftig noch besser auf die postgraduale praktische Tätigkeit vorbereitet werden. Die Universitäten und gleichgestellten Hochschulen verfügen bereits heute über Strukturen, die bei der Umsetzung des Ausbildungsziels benötigt werden. Die an den universitären psychologischen Instituten angesiedelten Hochschulambulanzen können bei den berufspraktischen Einsätzen mit direktem Patientenkontakt mitwirken, so dass Praxisphasen direkter Teil des Studiums sind. Deshalb planen die psychologischen Universitätsinstitute, das im Gesetzentwurf neu vorgeschlagene Studium zur Approbation in Psychotherapie nicht als eigenen Studiengang anzubieten, sondern in Psychologie-Studiengänge zu integrieren. Mit den neuen Regelungen und den vorgegebenen ECTS-Punkten wird ausreichend Spielraum für einen polyvalenten Bachelorabschluss in Psychologie gegeben. Studierende können sich im Anschluss an das Bachelorstudium für unterschiedliche Psychologie-Masterstudiengänge entscheiden, wie etwa für solche, die die gesamte Psychologie beinhalten, oder solche, die Schwerpunkte etwa in der Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie setzen.



Versorgungslücken in Behandlung psychisch Erkrankter

Der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen moniert die schlechte Versorgungslage psychisch Erkrankter in Österreich und fordert die Erarbeitung eines neuen, übergreifenden Versorgungskonzeptes. Hinzu kommt, dass noch immer grundlegende Daten und Fakten über die Behandlung psychisch Erkrankter in Österreich fehlen und es etwa kein einheitliches Vorgehen zu psychologischer Diagnostik und Therapie gibt. Während die psychologische Behandlung, Beratung und Diagnostik in Krankenanstalten bereits gut verankert sind, gibt es im niedergelassenen Bereich massive Versorgungslücken, denn wichtige Leistungen der Klinischen Psychologie werden in diesem Bereich noch immer nicht von den Versicherungsanstalten übernommen. Dabei könnten Klinische PsychologInnen und GesundheitspsychologInnen mit ihrer weitreichenden Expertise in ganz Österreich die vorhandenen Lücken schließen und auch Wesentliches bei der Behandlung psychischer Erkrankungen beitragen, ebenso wie zu deren Prävention beispielsweise als Folge von chronischen Erkrankungen oder psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Im Rahmen des Österreichischen Gesundheitsziels „Psychosoziale Gesundheit bei allen Bevölkerungen fördern“ wird derzeit unter Mitarbeit des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen bereits an der Erstellung eines Konzepts für eine gesamthafte Lösung zur Organisation und Finanzierung von psychologischer und psychotherapeutischer Versorgung gearbeitet. Damit könnte man die psychologische Betreuung der Bevölkerung sowohl quantitativ als auch qualitativ auf eine breitere Basis stellen.

Nach einer Aussendung des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen.



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