Zielsetzungstheorie wenig wirksam

Die Zielsetzungstheorie (goal-setting-theory) ist ein Motivationmodell und wird vor allem in der Organisationspsychologie als Motivationstheorie angesehen. Ihre zentrale Annahme, die ihr auch zu ihrem Namen verhalf, besteht darin, dass die Motivation und die Leistung maßgeblich durch Ziele und Rückmeldungen über deren Erreichung beeinflusst werden, d. h., die Qualität von Zielen hat demnach maßgeblichen Einfluss auf die Motivation.

Menschen werden bekantlich vor allem von jenen Zielen motiviert, die ihr Handeln unmittelbar regulieren, sodass bereits das Formulieren eines Ziels einen Spannungszustand erzeugt, der zum Handeln aktiviert. Deshalb sollten Ziele präzise und herausfordernd formuliert werden und in einem realistischen Maß über dem bisherigen Leistungsniveau liegen. Zusammengefasst werden die Attribute der Ziele in der SMART-Formel, wonach Ziele signifikant (specific), messbar (measurable), erreichbar (attainable), realistisch (realistic) und auf einen konkreten Zeitraum bezogen (time-phased) sein sollten. Darüber hinaus sollten die Zielfortschritte regelmäßig überprüft werden, um zu einer positiven Steuerung von Verhalten beizutragen.

Vor allem in den letzten Jahren zeigte sich, dass diese These insofern widerlegt ist, dass meist Überforderung und einseitig festgelegte, d. h., von oben herab verordnete Ziele nur bewirken, dass sich die Beschäftigten nicht daran gebunden fühlen, keine Motivation entwickeln und vielmehr Abwehrstrategien entwickeln. Bei der Zielentwicklung muss man daher von der Fähigkeit des einzelnen Betroffenen, das jeweilige Ziel auch erreichen zu können, anknüpfen, wobei die Partizipation, also die Mitwirkung der Beschäftigten an diesen Zielen, unbedingt erforderlich ist.

Literatur

Locke, E.A. & Latham, G.P. (2002). Building a Practically Useful Theory of Goal Setting and Task Motivation. American Psychologist, 57, 705-717.



Einschlafzuckungen

Die Zuckungen beim Einschlafen, auch Einschlafzuckungen (hypnic jerk), erleben die meisten Menschen im Dämmerschlaf, wobei diese Zuckungen sie manchmal aus der Einschlafphase zurückholt. Dafür sind zwei verschiedene neuronale Systemeim Gehirn verantwortlich, die gegeneinander wirken: eines versucht für Muskelentspannung zu sorgen, die man für das Einschlafen benötigt, das andere versucht den Menschen wachzuhalten. Dieser wache Teil ist dabei noch so aktiv, dass er kurzzeitig überreagiert und dieses Zucken der Muskeln hervorruft. Mitunter kommt es in der Folge zu Aufwachreaktionen wie beschleunigtem Herzschlag und irregulärer Atmung.
Wenn übrigens Einschlafzuckungen so häufig oder stark auftreten, dass sie das Einschlafen stören oder zum Wiedererwachen führen, kann sogar die krankheitswertige Diagnose Einschlafmyoklonie gestellt.
Manchmal kann auch eine falsche Schlafposition das Zucken auslösen, denn das menschliche Gehirn versucht den Betroffenen instinktiv zu “retten”, wenn etwa Arme oder Beine aus dem Bett hängen und dem Gehirn signalisiert wird, dass man aus dem Bett fallen könnte, denn bei zahlreichen Primaten lässt sich dieser Reflex als eine Art Schutzfunktion gegen das Abrutschen vom Ast beobachten.
Literatur

Stangl, W. (2019). Stichwort: ‘Myoklonie’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/24539/myoklonie/ (2019-08-21)



Vergleiche in sozialen Netzwerken können depressiv machen

Ozimek & Bierhoff (2019) haben eine experimentelle und zwei Fragebogenstudien durchgeführt, um zu untersuchen, ob die Nutzung sozialer Netzwerke depressive Tendenzen hervorrufen kann. In der ersten Studie ließen sie zwei Gruppen von Versuchspersonen fünf Minuten lang entweder auf ihrer Facebook-Pinnwand oder auf der Mitarbeiterwebseite der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum Informationen über die ersten fünf Personen herausschreiben, die sie sahen, die dritte Gruppe übersprang diese Aufgabe. Alle drei Gruppen füllten danach einen Fragebogen aus, der über ihr Selbstwertgefühl Auskunft gab. Es hat sich dabei gezeigt, dass die Konfrontation mit sozialen Informationen im Internet, die sowohl auf Facebook als auch auf Mitarbeiterseiten selektiv und nur positiv und vorteilhaft sind, zu einem geringeren Selbstwertgefühl führen. Da ein niedriges Selbstwertgefühl eng mit depressiven Symptomen zusammenhängt, kann man schon in dieser kurzfristigen Auswirkung eine mögliche Gefahrenquelle sehen. Die langfristige Perspektive untersuchten man in einer Befragung von achthundert Probanden zu ihrer Facebook-Nutzung, zu ihrer Tendenz, sich mit anderen vergleichen zu wollen, zu ihrem Selbstwertgefühl und zum Auftreten depressiver Symptome. Dabei zeigte sich, dass es dann einen positiven Zusammenhang zwischen vor allem passiver Facebook-Nutzung und depressiven Symptomen gibt, wenn Probanden ein verstärktes Bedürfnis nach sozialen Vergleichen ihrer Fähigkeiten haben. Wenn man also ein starkes Bedürfnis nach Vergleichen hat und im Internet immer wieder auf der Startseite sieht, dass andere tolle Urlaube haben, tolle Abschlüsse machen, sich teure und tolle Dinge kaufen, während man selber aus seinem Büro das trübe Wetter draußen sieht, senkt das den Selbstwert. Hinzu kommt, dass wenn man dies Tag für Tag und immer wieder erlebt, kann das langfristig höhere depressive Tendenzen begünstigen. Ein Überprüfung dieser Effekte auf Xing, einem professionellen Netzwerk ergab ein sehr ähnliches Ergebnis wie die Facebookstudie. Insgesamt konnte gezeigt werden, dass nicht die Nutzung sozialer Netzwerke generell und unmittelbar zu Depressionen führt oder mit ihnen im Zusammenhang steht, sondern dass gewisse Voraussetzungen und eine bestimmte Art der Nutzung das Risiko für depressive Tendenzen erhöhen. Private wie professionelle soziale Netze können höhere Depressionswerte begünstigen, wenn Nutzer hauptsächlich passiv unterwegs sind, sich mit anderen sozial vergleichen und diese Vergleiche den Selbstwert negativ beeinflussen. Man muss allerdings berücksichtigen, dass nur die wenigsten Menschen auch negative Erlebnisse und Erfahrungen in sozialen Medien posten, wodurch der Eindruck entsteht, dass man mit diesen positiven Erlebnissen im Netz überflutet wird.

Literatur

Ozimek, Phillip & Bierhoff, Hans-Werner (2019). All my online-friends are better than me – three studies about ability-based comparative social media use, self-esteem, and depressive tendencies. Journal Behaviour & Information Technology, doi:10.1080/0144929X.



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