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Schreiben als kognitive und therapeutische Ressource

    In einer Zeit permanenter digitaler Reizüberflutung und steigender psychischer Belastung erlebt eine scheinbar einfache Praxis eine bemerkenswerte Renaissance: das Schreiben von Hand, insbesondere in Form des Journaling, also das Führen eines Tagebuches. Was lange als private Gewohnheit oder literarisches Nebenprodukt galt, wird heute zunehmend als evidenzbasierte Methode zur Förderung kognitiver Leistungsfähigkeit, emotionaler Regulation und körperlicher Gesundheit verstanden. Aktuelle psychologische und neurowissenschaftliche Forschung zeigt, dass regelmäßiges Schreiben weit über Selbstausdruck hinausgeht: Es wirkt strukturierend auf das Denken, entlastet… Weiterlesen »Schreiben als kognitive und therapeutische Ressource

    Die fünf Gehirn-Typen nach Daniel Amen

      Das menschliche Glücksempfinden ist maßgeblich von der individuellen neurobiologischen Beschaffenheit des Gehirns geprägt, wie der US-Neurowissenschaftler Daniel Amen durch die Analyse von über 200.000 Gehirn-Scans aus 155 Ländern darlegt. Er postuliert, dass das Wohlbefinden zu etwa 40 Prozent auf genetischer Veranlagung, zu 10 Prozent auf äußeren Lebensereignissen und zu signifikanten 50 Prozent auf dem eigenen Mindset sowie den täglichen Gewohnheiten basiert. Im Zentrum seiner Forschung stehen fünf primäre Gehirn-Typen, die jeweils unterschiedliche Aktivitätsmuster in spezifischen Hirnarealen aufweisen… Weiterlesen »Die fünf Gehirn-Typen nach Daniel Amen

      Sinnvoll Fremdsprachen unterrichten

        Dieses sehr empfehlenswerte Buch von Manuela Macedonia zeigt allen Fremdsprachenlehrer/-innen oder -trainerInnen, wie sie traditionelle Methoden im Fremdsprachenunterricht durch ganzheitliche Wissensvermittlung ersetzen und dabei qualitativ und quantitativ bessere Ergebnisse erzielen können. Das Buch hilft dabei, die Hintergründe des ganzheitlichen, sinnesbezogenen und motorischen Lernens zu verstehen. Gleichzeitig bietet es eine umfassende Anleitung zur Gestaltung des Sprachunterrichts und viele praktische Tipps und Anregungen zu Aktivitäten, damit die beschriebenen Grundsätze ohne Probleme auch in der Praxis verwirklicht werden können. Die… Weiterlesen »Sinnvoll Fremdsprachen unterrichten

        Die zeitliche Antizipation des menschlichen Gehirns

          Das menschliche Gehirn besitzt die bemerkenswerte Fähigkeit, sich kontinuierlich an eine Umwelt anzupassen, die sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten verändert. Ob beim Sport, im Straßenverkehr oder in der Kommunikation – Menschen müssen ständig antizipieren, wann ein Ereignis eintreten wird, um schnelle und präzise Reaktionen vorzubereiten. Eine aktuelle Studie von Grabenhorst et al. (2026) belegt, dass das Gehirn hierfür kontinuierlich einschätzt, wie wahrscheinlich ein Ereignis innerhalb der nächsten drei Sekunden ist. Diese zeitliche Antizipation folgt einem fundamentalen Prinzip: Das… Weiterlesen »Die zeitliche Antizipation des menschlichen Gehirns

          Bedeutung, Grenzen und neue Perspektiven auf Kausalität in der Psychologie

            Die Corona-Pandemie hat das Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft zeitweise in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Diskurses gerückt, wobei zahlreiche psychologische Studien zunächst zeigten, dass Menschen mit höherem Wissenschaftsvertrauen auch eher bereit waren, Schutzmaßnahmen wie Maskentragen, Händedesinfektion oder soziale Distanz einzuhalten. Dieses Vertrauen wurde von Politik und Medien rasch als entscheidender Hebel im Pandemieschutz interpretiert, doch neue Forschungsergebnisse differenzieren dieses Bild und stellen die Kausalität dieser Beziehung in Frage. Eine aktuelle Studienreihe von Wingen, Posten & Dohle… Weiterlesen »Bedeutung, Grenzen und neue Perspektiven auf Kausalität in der Psychologie

            Wie das menschliche Gehirn Inhalt und Kontext im episodischen Gedächtnis verknüpft

              Das menschliche episodische Gedächtnis zeichnet sich durch die bemerkenswerte Fähigkeit aus, spezifische Inhalte wie Personen oder Objekte präzise mit den jeweiligen Begleitumständen zu verknüpfen, in denen sie auftreten. Eine aktuelle Studie von Bausch et al. (2026) hat nun entschlüsselt, wie dieser Prozess auf der Ebene einzelner Nervenzellen im medialen Temporallappen, insbesondere im Hippocampus, gesteuert wird. Im Gegensatz zu Erkenntnissen aus früheren Studien, bei denen einzelne Neuronen oft sowohl Inhalts- als auch Kontextinformationen vermischen, verfolgt das menschliche Gehirn… Weiterlesen »Wie das menschliche Gehirn Inhalt und Kontext im episodischen Gedächtnis verknüpft

              Was bedeutet das Bedürfnis nach Individuation?

                Das Bedürfnis nach Individuation bezeichnet in der Psychologie das grundlegende Bestreben eines Menschen, sich zu einer eigenständigen, unverwechselbaren Persönlichkeit zu entwickeln und das eigene Potenzial in Abgrenzung zu kollektiven Normen oder Erwartungen zu entfalten. Dieser Begriff wurde durch den Schweizer Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung (1875–1961) geprägt, der die Individuation als einen lebenslangen Reifungsprozess verstand. Nach Jung strebt jeder Mensch danach, sein „wahres Ich“ zu finden, indem er bewusste und unbewusste Anteile seiner Psyche – wie etwa den… Weiterlesen »Was bedeutet das Bedürfnis nach Individuation?

                Quengelzone

                  Der Begriff Quengelzone, gelegentlich auch als „Kassenzone“ oder im Englischen als „Pester Power Zone“ bezeichnet, beschreibt in der Verkaufs- und Konsumentenpsychologie einen strategisch gestalteten Bereich im Einzelhandel – meist unmittelbar vor oder im Kassenbereich –, der darauf abzielt, durch die Platzierung spezifischer Waren Impulskäufe zu provozieren, die primär durch das Betteln oder Quengeln von Kindern ausgelöst werden. Psychologisch basiert dieses Phänomen auf der gezielten Ausnutzung der kindlichen Selbstregulationsfähigkeit und der elterlichen Stressbelastung in Wartesituationen. Da die Kasse… Weiterlesen »Quengelzone

                  Altersabhängige Verzerrungen in der Gesichtserkennung

                    Das Phänomen des Own-Age Bias beschreibt die altersabhängigen Verzerrung in der Gesichtserkennung, also die Tendenz von Menschen, Gesichter von Personen aus der eigenen Altersgruppe besser wiederzuerkennen als Gesichter deutlich jüngerer oder älterer Personen. Zwar ist dieser Effekt in der psychologischen Forschung seit Langem bekannt, doch eine Studie von Civile & Wang (2025) zeigte, dass er nicht für alle Altersgruppen gleichermaßen gilt und stark von Lebenserfahrung und wahrnehmungsbezogener Expertise abhängt. In einem Experiment untersuchte manzwei klar getrennte Altersgruppen:… Weiterlesen »Altersabhängige Verzerrungen in der Gesichtserkennung

                    Das flüchtige Fenster der Gegenwart

                      In der physikalischen Welt ist die Gegenwart ein dimensionsloser Punkt, ein mathematischer Nullpunkt zwischen der bereits verstrichenen Vergangenheit und der noch nicht eingetretenen Zukunft. Aus psychologischer Sicht hingegen ist das „Jetzt“ keine bloße Grenze, sondern ein ausgedehntes Zeitintervall, das oft als Präsenzzeit oder Specious Present bezeichnet wird. Der Pionier der Psychologie, William James, prägte diesen Begriff bereits Ende des 19. Jahrhunderts und beschrieb die Gegenwart nicht als messerscharfe Kante, sondern als einen Zeitraum mit einer gewissen Tiefe,… Weiterlesen »Das flüchtige Fenster der Gegenwart

                      Psychologie des Wohlbefindens – Pursuit of Happiness

                        Die Menschen kommen durch nichts den Göttern näher, als wenn sie Menschen glücklich machen. Cicero Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind. Charles-Louis de Montesquieu Das Glück hat die Vorstellungswelten der Menschen tiefgreifend beeinflusst und ist heute im Alltag präsent bis über die Grenze des Erträglichen hinaus. Glück ist zu einem grundlegenden Bestandteil dessen geworden, wie Menschen… Weiterlesen »Psychologie des Wohlbefindens – Pursuit of Happiness

                        Der Takt der Relevanz: Neuronale Synchronisation als Filter des Bewusstseins

                          Um in einer komplexen Umwelt handlungsfähig zu bleiben, muss das menschliche Gehirn die riesige Menge einströmender Sinnesdaten fortwährend sortieren und nur die Informationen ins Bewusstsein lassen, die für die aktuelle Situation von Bedeutung sind. Forschende der Universität Bremen, insbesondere am Zentrum für Kognitionswissenschaften unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Kreiter, haben entschlüsselt, dass dieser Filterprozess auf einer hochpräzisen zeitlichen Abstimmung der neuronalen Kommunikation basiert. Entgegen der früheren Annahme, dass wichtige Reize lediglich durch eine höhere Signalstärke… Weiterlesen »Der Takt der Relevanz: Neuronale Synchronisation als Filter des Bewusstseins