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Was ist eine kognitive Reserve?

    Unter der kognitiven Reserve versteht man in der Psychologie und den Neurowissenschaften die Fähigkeit des Gehirns, neuropathologische Schäden oder altersbedingte Abbauprozesse zu kompensieren, sodass die kognitive Leistungsfähigkeit trotz vorliegender Hirnveränderungen über einen längeren Zeitraum erhalten bleibt. Das Konzept geht maßgeblich auf den Neuropsychologen Yaakov Stern zurück und erklärt die häufig beobachtete Diskrepanz zwischen dem Ausmaß einer Hirnschädigung – etwa durch eine Alzheimer-Erkrankung oder einen Schlaganfall – und den tatsächlich gezeigten klinischen Symptomen. Während die „Brain Reserve“ (Hirnreserve)… Weiterlesen »Was ist eine kognitive Reserve?

    Die aktive Informationswahl verstärkt die Wahrnehmung von Wahrheit

      Seit etwa fünf Jahrzehnten ist in der psychologischen Forschung das Phänomen bekannt, dass Menschen dazu neigen, Informationen allein aufgrund ihrer wiederholten Darbietung für wahr zu halten. Dieser „Truth-Effekt“ beschreibt die kognitive Verzerrung, bei der Vertrautheit fälschlicherweise als Evidenz für den Wahrheitsgehalt einer Aussage interpretiert wird. Eine aktuelle Untersuchung von Ingendahl et al. (2026) erweitert dieses Verständnis nun um eine entscheidende Komponente der digitalen Ära: die aktive Informationssuche. In einer Serie von acht Experimenten mit insgesamt fast 1.000… Weiterlesen »Die aktive Informationswahl verstärkt die Wahrnehmung von Wahrheit

      Die Macht der visuellen Repräsentation

        Der Picture Superiority Effect beschreibt das psychologische Phänomen, dass Bilder und Illustrationen signifikant besser im Gedächtnis bleiben als rein sprachliche Informationen. Evolutionär lässt sich dies damit begründen, dass die visuelle Verarbeitung seit Millionen von Jahren überlebenswichtig ist, während das Lesen eine historisch junge kulturelle Errungenschaft darstellt, die komplexe Dekodierungsprozesse erfordert. Theoretisch fundiert wird dieser Effekt vor allem durch Allan Paivios Dual-Coding-Theorie, die besagt, dass Bilder im Gedächtnis zweifach kodiert werden – sowohl als visuelles Abbild als auch… Weiterlesen »Die Macht der visuellen Repräsentation

        Organisationales Lernen zwischen Stabilität und Wandel: Gregory Batesons Beitrag zum Verständnis von Führung und Entwicklung

          Organisationen lassen sich als komplexe soziale Systeme begreifen, in denen Kommunikation, Bedeutungszuschreibungen und Erwartungen kontinuierlich miteinander verwoben sind. Angesichts zunehmender Unsicherheit, Dynamik und Mehrdeutigkeit stellt sich für Führungskräfte und Organisationsentwickler verstärkt die Frage, wie Lern- und Veränderungsprozesse in solchen Systemen verstanden und gezielt unterstützt werden können. Ein theoretischer Ansatz, der hierfür bis heute hohe Erklärungskraft besitzt, stammt von Gregory Bateson, einem interdisziplinär arbeitenden Denker des 20. Jahrhunderts, dessen Arbeiten Psychologie, Anthropologie, Kybernetik und Systemtheorie miteinander verbinden. Bateson… Weiterlesen »Organisationales Lernen zwischen Stabilität und Wandel: Gregory Batesons Beitrag zum Verständnis von Führung und Entwicklung

          Schreiben als kognitive und therapeutische Ressource

            In einer Zeit permanenter digitaler Reizüberflutung und steigender psychischer Belastung erlebt eine scheinbar einfache Praxis eine bemerkenswerte Renaissance: das Schreiben von Hand, insbesondere in Form des Journaling, also das Führen eines Tagebuches. Was lange als private Gewohnheit oder literarisches Nebenprodukt galt, wird heute zunehmend als evidenzbasierte Methode zur Förderung kognitiver Leistungsfähigkeit, emotionaler Regulation und körperlicher Gesundheit verstanden. Aktuelle psychologische und neurowissenschaftliche Forschung zeigt, dass regelmäßiges Schreiben weit über Selbstausdruck hinausgeht: Es wirkt strukturierend auf das Denken, entlastet… Weiterlesen »Schreiben als kognitive und therapeutische Ressource

            Die fünf Gehirn-Typen nach Daniel Amen

              Das menschliche Glücksempfinden ist maßgeblich von der individuellen neurobiologischen Beschaffenheit des Gehirns geprägt, wie der US-Neurowissenschaftler Daniel Amen durch die Analyse von über 200.000 Gehirn-Scans aus 155 Ländern darlegt. Er postuliert, dass das Wohlbefinden zu etwa 40 Prozent auf genetischer Veranlagung, zu 10 Prozent auf äußeren Lebensereignissen und zu signifikanten 50 Prozent auf dem eigenen Mindset sowie den täglichen Gewohnheiten basiert. Im Zentrum seiner Forschung stehen fünf primäre Gehirn-Typen, die jeweils unterschiedliche Aktivitätsmuster in spezifischen Hirnarealen aufweisen… Weiterlesen »Die fünf Gehirn-Typen nach Daniel Amen

              Sinnvoll Fremdsprachen unterrichten

                Dieses sehr empfehlenswerte Buch von Manuela Macedonia zeigt allen Fremdsprachenlehrer/-innen oder -trainerInnen, wie sie traditionelle Methoden im Fremdsprachenunterricht durch ganzheitliche Wissensvermittlung ersetzen und dabei qualitativ und quantitativ bessere Ergebnisse erzielen können. Das Buch hilft dabei, die Hintergründe des ganzheitlichen, sinnesbezogenen und motorischen Lernens zu verstehen. Gleichzeitig bietet es eine umfassende Anleitung zur Gestaltung des Sprachunterrichts und viele praktische Tipps und Anregungen zu Aktivitäten, damit die beschriebenen Grundsätze ohne Probleme auch in der Praxis verwirklicht werden können. Die… Weiterlesen »Sinnvoll Fremdsprachen unterrichten

                Die zeitliche Antizipation des menschlichen Gehirns

                  Das menschliche Gehirn besitzt die bemerkenswerte Fähigkeit, sich kontinuierlich an eine Umwelt anzupassen, die sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten verändert. Ob beim Sport, im Straßenverkehr oder in der Kommunikation – Menschen müssen ständig antizipieren, wann ein Ereignis eintreten wird, um schnelle und präzise Reaktionen vorzubereiten. Eine aktuelle Studie von Grabenhorst et al. (2026) belegt, dass das Gehirn hierfür kontinuierlich einschätzt, wie wahrscheinlich ein Ereignis innerhalb der nächsten drei Sekunden ist. Diese zeitliche Antizipation folgt einem fundamentalen Prinzip: Das… Weiterlesen »Die zeitliche Antizipation des menschlichen Gehirns

                  Bedeutung, Grenzen und neue Perspektiven auf Kausalität in der Psychologie

                    Die Corona-Pandemie hat das Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft zeitweise in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Diskurses gerückt, wobei zahlreiche psychologische Studien zunächst zeigten, dass Menschen mit höherem Wissenschaftsvertrauen auch eher bereit waren, Schutzmaßnahmen wie Maskentragen, Händedesinfektion oder soziale Distanz einzuhalten. Dieses Vertrauen wurde von Politik und Medien rasch als entscheidender Hebel im Pandemieschutz interpretiert, doch neue Forschungsergebnisse differenzieren dieses Bild und stellen die Kausalität dieser Beziehung in Frage. Eine aktuelle Studienreihe von Wingen, Posten & Dohle… Weiterlesen »Bedeutung, Grenzen und neue Perspektiven auf Kausalität in der Psychologie

                    Wie das menschliche Gehirn Inhalt und Kontext im episodischen Gedächtnis verknüpft

                      Das menschliche episodische Gedächtnis zeichnet sich durch die bemerkenswerte Fähigkeit aus, spezifische Inhalte wie Personen oder Objekte präzise mit den jeweiligen Begleitumständen zu verknüpfen, in denen sie auftreten. Eine aktuelle Studie von Bausch et al. (2026) hat nun entschlüsselt, wie dieser Prozess auf der Ebene einzelner Nervenzellen im medialen Temporallappen, insbesondere im Hippocampus, gesteuert wird. Im Gegensatz zu Erkenntnissen aus früheren Studien, bei denen einzelne Neuronen oft sowohl Inhalts- als auch Kontextinformationen vermischen, verfolgt das menschliche Gehirn… Weiterlesen »Wie das menschliche Gehirn Inhalt und Kontext im episodischen Gedächtnis verknüpft

                      Was bedeutet das Bedürfnis nach Individuation?

                        Das Bedürfnis nach Individuation bezeichnet in der Psychologie das grundlegende Bestreben eines Menschen, sich zu einer eigenständigen, unverwechselbaren Persönlichkeit zu entwickeln und das eigene Potenzial in Abgrenzung zu kollektiven Normen oder Erwartungen zu entfalten. Dieser Begriff wurde durch den Schweizer Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung (1875–1961) geprägt, der die Individuation als einen lebenslangen Reifungsprozess verstand. Nach Jung strebt jeder Mensch danach, sein „wahres Ich“ zu finden, indem er bewusste und unbewusste Anteile seiner Psyche – wie etwa den… Weiterlesen »Was bedeutet das Bedürfnis nach Individuation?

                        Quengelzone

                          Der Begriff Quengelzone, gelegentlich auch als „Kassenzone“ oder im Englischen als „Pester Power Zone“ bezeichnet, beschreibt in der Verkaufs- und Konsumentenpsychologie einen strategisch gestalteten Bereich im Einzelhandel – meist unmittelbar vor oder im Kassenbereich –, der darauf abzielt, durch die Platzierung spezifischer Waren Impulskäufe zu provozieren, die primär durch das Betteln oder Quengeln von Kindern ausgelöst werden. Psychologisch basiert dieses Phänomen auf der gezielten Ausnutzung der kindlichen Selbstregulationsfähigkeit und der elterlichen Stressbelastung in Wartesituationen. Da die Kasse… Weiterlesen »Quengelzone