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Stottern zwischen Ursache, Therapie und Selbstwert: Fortschritte, Herausforderungen und gesellschaftliche Akzeptanz

    Trotz jahrzehntelanger Forschung bleibt Stottern eine komplexe und in vielen Aspekten ungeklärte Sprachstörung, die etwa ein Prozent der Weltbevölkerung betrifft. Die Störung des Redeflusses, die unabhängig von Herkunft oder Sprache auftritt, zeigt sich typischerweise in wiederholten Lauten, Blockierungen und Unterbrechungen der Stimmlippenschwingung beim Sprechen. Laut dem Logopäden Hartmut Zückner sind vor allem Übergänge zwischen Konsonanten und Vokalen problematisch, da hier häufig die Stimmlippenschwingung abreißt. Obwohl in den letzten Jahren genetische Faktoren zunehmend in den Fokus gerückt sind… Weiterlesen »Stottern zwischen Ursache, Therapie und Selbstwert: Fortschritte, Herausforderungen und gesellschaftliche Akzeptanz

    Das verkörperte Selbst: Wie die Wahrnehmung des eigenen Kindergesichts vergessene Erinnerungen weckt

      Die Fähigkeit, sich an Erlebnisse aus der frühen Kindheit zu erinnern, ist bis heute ein faszinierendes Rätsel der Kognitionswissenschaft. Während manche Szenen aus den ersten Lebensjahren lebendig vor dem inneren Auge erscheinen, scheinen andere unwiederbringlich verloren. Eine aktuelle Studie von Gupta et al. (2025) zeigte nun, dass nicht allein die Gedächtnisstruktur bestimmt, was abrufbar ist, sondern auch die Art und Weise, wie wir unseren Körper – und damit uns selbst – wahrnehmen. Das sogenannte Körperselbst kann als… Weiterlesen »Das verkörperte Selbst: Wie die Wahrnehmung des eigenen Kindergesichts vergessene Erinnerungen weckt

      Hirnstimulation als Behandlung schweren Stotterns

        Stottern zählt zu den komplexesten Redeflussstörungen und betrifft etwa ein Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Die Betroffenen kämpfen häufig mit erheblichen Einschränkungen im Alltag und ihrer sozialen Teilhabe. Obwohl genetische, anatomische und neurophysiologische Faktoren bekannt sind, bleibt die genaue Ursache weitgehend ungeklärt. Neurowissenschaftliche Befunde zeigen, dass bei stotternden Personen die linke Hörrinde weniger mit der motorischen Rinde interagiert, die für die Steuerung der Sprachmuskulatur zuständig ist. Möglicherweise übernimmt deshalb die rechte Hemisphäre kompensatorisch Aufgaben, die sie aufgrund der… Weiterlesen »Hirnstimulation als Behandlung schweren Stotterns

        Triacylglyceride als weitere Energiereserven im Gehirn

          Das menschliche Gehirn ist das komplexeste und energiehungrigste Organ des Körpers. Obwohl es lediglich rund 2 % der gesamten Körpermasse ausmacht, beansprucht es einen beachtlichen Anteil von etwa 20 % der täglich aufgenommenen Energie. Diese immense Anforderung ist notwendig, um die kontinuierliche synaptische Aktivität und die Aufrechterhaltung der neuronalen Integrität zu gewährleisten. Über Jahrzehnte hinweg galt die Glucose (Traubenzucker) als die fast alleinige Energiequelle für das Gehirn. Die klassische neurologische Lehrmeinung besagte, dass Neurone Glucose primär durch… Weiterlesen »Triacylglyceride als weitere Energiereserven im Gehirn

          Haben Finger ein Gedächtnis für Knöpfe oder Tasten?

            Die umgangssprachliche Annahme, dass Finger ein Gedächtnis für Knöpfe oder Tasten haben, wird in der Psychologie und Neurowissenschaft durch das Konzept des prozeduralen Gedächtnisses oder motorischen Gedächtnisses – auch als Muscle Memory bezeichnet)- gestützt. Das prozedurale Gedächtnis Das sogenannte „Gedächtnis der Finger“ ist in Wirklichkeit eine Form des impliziten oder non-deklarativen Gedächtnisses, genauer gesagt das prozedurale Gedächtnis (Squire & Zola, 1996). Das prozedurale Gedächtnis ist verantwortlich für das Speichern und Abrufen von Fertigkeiten, Gewohnheiten und automatisierten Handlungsabläufen.… Weiterlesen »Haben Finger ein Gedächtnis für Knöpfe oder Tasten?

            Das System der menschlichen Bedürfnisse – Ursprung, Struktur und Bedeutung

              Das Leben selbst gründet auf Bedürfnissen – sie sind der Motor für Erhaltung, Entwicklung und Anpassung aller Lebewesen. Wie Richard Dawkins beschreibt, liegt im Kern jedes Verhaltens der evolutionäre Drang, Gene zu reproduzieren. Organismen sind demnach Werkzeuge ihrer Gene, deren Überleben und Weitergabe das grundlegende Ziel darstellt. Aus dieser primären Notwendigkeit heraus haben sich im Lauf der Evolution vielfältige Bedürfnisse und Mechanismen entwickelt, die das Überleben des Individuums und der Art sichern. Die Regulation dieser Bedürfnisse geschieht… Weiterlesen »Das System der menschlichen Bedürfnisse – Ursprung, Struktur und Bedeutung

              Das verteilte Gehirn: Wie Entscheidungen parallel entstehen

                Entscheidungen erscheinen uns als spontane, einheitliche Gedankenakte. Doch aktuelle neurowissenschaftliche Befunde zeichnen ein deutlich komplexeres Bild: Die Prozesse, die zu einer Entscheidung führen, verlaufen nicht in klar abgegrenzten hierarchischen Bahnen, sondern in einem vielschichtigen Zusammenspiel zahlreicher Hirnareale. Zwei im Fachjournal Nature veröffentlichte Studien des International Brain Laboratory (IBL) zeigen, dass Entscheidungsfindung ein global vernetztes und hochgradig paralleles Phänomen ist, das nahezu das gesamte Gehirn erfasst (Findling et al., 2025; Meshulam et al., 2025). Das IBL, ein Zusammenschluss… Weiterlesen »Das verteilte Gehirn: Wie Entscheidungen parallel entstehen

                Bewegung als Verstärker des Hörens

                  Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass das menschliche Hörvermögen während des Gehens dynamisch angepasst wird und stärker auf akustische Reize reagiert als im Stehen oder beim Treten auf der Stelle. In einer Untersuchung von Chen et al. (2025) wurden 30 Versuchspersonen gebeten, auf einem achterschleifenförmigen Kurs durch einen Raum zu gehen, während sie wechselnden Geräuschkulissen ausgesetzt waren. Mithilfe mobiler EEG-Messungen konnte man feststellen, dass die Gehirnreaktionen nicht nur durch das Gehen an sich, sondern auch durch die jeweilige Bewegungsrichtung… Weiterlesen »Bewegung als Verstärker des Hörens

                  AI Slop – Was ist das?

                    AI Slop oder KI-Schlamm ist ein relativ neuer, meist abwertend verwendeter Begriff aus der Netzkultur. Gemeint sind damit Inhalte, die mit Künstlicher Intelligenz (z. B. Bild- oder Textgeneratoren) erzeugt wurden und als billig, seelenlos oder massenhaft automatisiert empfunden werden. Typische Merkmale von AI Slop: Übersättigung: Flut an KI-generierten Bildern, Texten oder Musik ohne erkennbare individuelle Handschrift. Qualitätsmängel: oft formelhaft, generisch oder oberflächlich, z. B. Bilder mit fehlerhaften Händen, Texte mit leeren Phrasen. Kulturelle Kritik: wird gesehen als… Weiterlesen »AI Slop – Was ist das?

                    Neue Perspektiven auf Phantomschmerz und Therapie

                      Lange Zeit herrschte in der Neurowissenschaft die Auffassung, dass sich die kortikale Repräsentation im Gehirn nach einer Amputation grundlegend verändert. Demnach würden benachbarte Körperareale, wie die Lippen, die zuvor für die amputierte Hand reservierte Region des somatosensorischen Kortex übernehmen. Diese sogenannte kortikale Reorganisation galt als maßgebliche Erklärung für das Auftreten von Phantomschmerzen, die bei bis zu 90 % der Amputierten auftreten. Doch eine aktuelle Längsschnittstudie von Schone et al. (2025), veröffentlicht in Nature Neuroscience, stellt diese Annahme… Weiterlesen »Neue Perspektiven auf Phantomschmerz und Therapie

                      Der Superior Colliculus – eine unterschätzte Hirnregion?

                        Neue neurobiologische Forschung zeigt, dass der Superior Colliculus (SC), eine kleine Region im Mittelhirn, eine entscheidende Rolle bei der blitzschnellen Verarbeitung von Gefahrensituationen spielt. Lange galt der SC vor allem als Umschaltstation für visuelle Informationen, doch mittlerweile mehren sich die Hinweise, dass er weit mehr ist: ein zentraler Knotenpunkt für die Initiierung von Abwehrreaktionen. Dabei verarbeitet der SC insbesondere visuelle Reize, die sich schnell nähern oder bedrohlich wirken, und leitet diese Signale unmittelbar in motorische Netzwerke weiter.… Weiterlesen »Der Superior Colliculus – eine unterschätzte Hirnregion?

                        Emotionen als Gedächtnisverstärker: Neue Erkenntnisse zur Priorisierung alltäglicher Erinnerungen

                          Nicht alle Erlebnisse hinterlassen die gleiche Spur im Gedächtnis. Während manche Erinnerungen noch nach Jahren lebendig und detailreich erscheinen, verblassen andere schnell. Lin et al. (2025) gingen der Frage nach, weshalb unser Gehirn manche Eindrücke dauerhaft speichert, während andere verloren gehen. Die zentrale Erkenntnis: Alltägliche Ereignisse werden besonders dann im Gedächtnis verankert, wenn sie mit emotionalen Erfahrungen, Überraschungen oder Belohnungen verknüpft sind. In zehn Einzelstudien mit insgesamt 648 Teilnehmenden untersuchte man diesen Mechanismus experimentell. Die Versuchspersonen sahen… Weiterlesen »Emotionen als Gedächtnisverstärker: Neue Erkenntnisse zur Priorisierung alltäglicher Erinnerungen