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Römisches Erbe: Einfluss auf Persönlichkeit und Lebenszufriedenheit

    Wahl (2017) und Obschonka et al. (2015) zeigten, dass es langfristigen Auswirkungen der römischen Herrschaft auf die wirtschaftliche Entwicklung in Europa gab. In der Antike war das Gebiet des heutigen Deutschlands in einen römischen und einen nicht-römischen Teil geteilt. Wahls Studie nutzt diese Teilung, um zu prüfen, ob der ehemals römische Teil Deutschlands weiter entwickelt ist als der nicht-römische Teil. Dazu wird der Limes Germanicus als geographische Diskontinuität in einem methodischen Design verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass die wirtschaftliche Entwicklung im ehemals römischen Teil Deutschlands tatsächlich signifikant und robust größer ist. Vor allem ist das Fortbestehen des römischen Straßennetzes bis in die Gegenwart ein wichtigen Faktor, der diesen Entwicklungsvorteil des ehemals römischen Teils Deutschlands sowohl durch die Förderung des Stadtwachstums als auch durch die Ermöglichung eines dichteren Straßennetzes verursacht.

    Vor fast 2.000 Jahren kolonialisierte das Römische Reich eine Region im heutigen Süddeutschland. Eine Studie von Obschonka et al. (2015) zeigte nun, dass diese römische Vergangenheit bis heute auch die Persönlichkeitsmerkmale und die Lebenszufriedenheit der dort lebenden Menschen beeinflusst. Das Römische Reich hat Europa nachhaltig geprägt – sichtbar etwa in Straßennetzen oder Grenzverläufen. Die Studie zeigt aber auch, dass sogar heutige Persönlichkeitsstrukturen entlang des Limes erklärbar sind. In früher römisch besiedelten Gebieten sind beispielsweise unternehmerische Persönlichkeiten häufiger. Dies könnte auf römische Investitionen in Infrastruktur, Märkte und Bergbau zurückzuführen sein. Daten von über 70.000 Personen belegen, dass Menschen südlich des Limes eine höhere Lebenszufriedenheit und Lebenserwartung aufweisen. Andere Faktoren wie Klima, Bodenqualität oder Rohstoffvorkommen erklären diese Unterschiede weniger überzeugend als die römische Vergangenheit. Ein ähnliches Muster zeigte sich auch in den Niederlanden entlang des Niedergermanischen Limes. Man vermutet, dass vergleichbare Effekte in anderen ehemaligen Grenzregionen des Römischen Reiches bestehen – etwa in Österreich entlang der Donau. Trotz des römischen Rückzugs im Jahr 275/276 bleibt der Einfluss der antiken Kolonisierung offenbar n den heutigen Persönlichkeitsmerkmalen der Bevölkerung spürbar.



    Literatur

    Obschonka, M., Wahl, F., Fritsch, M., Wyrwich, M., Rentfrow, P. J., Potter, J., & Gosling, S. D. (2025). Roma Eterna? Roman Rule Explains Regional Well-Being Divides in Germany. Current Research in Ecological and Social Psychology.
    Wahl, Fabian (2017). Does European Development Have Roman Roots? Evidence from the German Limes. Journal of Economic Growth, 22, 313-349.


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