Die Intensität von Sorgen und Ängsten vor dem Einschlafen ist ein empirisch belegtes Phänomen. In der nächtlichen Ruhephase, wenn äußere Reize wie Licht und Lärm minimiert sind, werden innere Signale verstärkt wahrgenommen. Dies führt dazu, dass Gedanken und Sorgen dramatischer und intensiver erscheinen als tagsüber, ein Effekt, der als kognitive Verzerrung beschrieben wird (Harvey, 2009).
Aus evolutionärer Perspektive könnte diese nächtliche Intensivierung von Ängsten auf die erhöhte Vulnerabilität unserer Vorfahren in der Dunkelheit zurückzuführen sein. Da die Erfassung potenzieller Gefahrenquellen erschwert war, entwickelte sich eine erhöhte Achtsamkeit als Überlebensmechanismus (Gruber et al., 2011). Diese evolutionäre Prädisposition könnte erklären, warum die Aufmerksamkeit nachts verstärkt auf potenzielle Bedrohungen gerichtet ist.
Problematisch wird es jedoch, wenn das Gehirn diese Signale fehlerhaft interpretiert. Die zunehmende Flut externer Reize, insbesondere durch die Nutzung von Smartphones und die damit verbundene Multitasking-Tendenz, stellt eine besondere Herausforderung dar (Rosen et al., 2013). Die ständige Verteilung der Aufmerksamkeit auf mehrere Bildschirme und Benachrichtigungen kann das Gehirn überlasten und zu fehlerhaften Interpretationen von inneren Signalen führen (Carr, 2010).
Literatur
Carr, N. (2010). The shallows: What the Internet is doing to our brains. W. W. Norton & Company.
Gruber, R., Cassoff, J. & Knatz, S. (2011). Sleep disturbances in children and adolescents: Risk and protective factors. Current Psychiatry Reports, 13, 235-241.
Harvey, A. G. (2009). Cognitive approaches to insomnia. Annals of the New York Academy of Sciences, 1184, 72-90.
Rosen, L. D., Carrier, L. M.,& Cheever, N. A. (2013). Facebook and texting made me do it: Media-induced task-switching while studying. Computers in Human Behavior, 29, 948-958.
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