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Wie das Gehirn aus Schattierungen die dreidimensionale Welt formt

    Die menschliche Fähigkeit, dreidimensionale Strukturen aus zweidimensionalen Abbildungen zu erschließen, ist eine der bemerkenswertesten Leistungen des visuellen Systems, wobei Schattierungen eine zentrale Rolle spielen, die dabei helfen, Tiefe, Form und Volumen zu erkennen. Bisherige Theorien gingen davon aus, dass das Gehirn ähnlich wie ein Computer die Lichtquellen und Objektgeometrie rückwärts berechnet, um aus Schattierungen auf Formen zu schließen. Diese Annahme erweist sich jedoch als problematisch, nicht nur, weil selbst moderne Rechner mit dieser Aufgabe Schwierigkeiten haben, sondern… Weiterlesen »Wie das Gehirn aus Schattierungen die dreidimensionale Welt formt

    Alison Gopnik und der Paradigmenwechsel in der Entwicklungspsychologie: Kinder als kognitive Entdecker

      Alison Gopnik hat das wissenschaftliche Verständnis kindlicher Kognition grundlegend transformiert, indem sie nachwies, dass schon sehr junge Kinder über ausgeprägte Fähigkeiten zum logischen Denken, zur Kausalitätsanalyse und zur Perspektivenübernahme verfügen. Traditionell galten Kinder in der Psychologie lange Zeit als defizitäre Denker, deren kognitive Fähigkeiten sich erst im Laufe der Entwicklung allmählich dem Niveau Erwachsener annähern. Gopnik stellte diese Annahme radikal infrage. In zahlreichen empirischen Studien belegte sie, dass Kinder in vielen Bereichen sogar flexibler und offener denken… Weiterlesen »Alison Gopnik und der Paradigmenwechsel in der Entwicklungspsychologie: Kinder als kognitive Entdecker

      Im Urlaub sinkt die Intelligenz & Kaugummikauen steigert geistige Leistungsfähigkeit

        Langes Faulenzen ist nach Siegfried Lehrl von der Universität Erlangen Gift für die Intelligenz, d.h., wer zum Beispiel im Urlaub wochenlang nichts tut, muss mit einem drastischen Absinken seines Intelligenzquotienten rechnen. Denn auch das Gehirn braucht Training, um eine volle Leistung erbringen zu können. Da reicht es nach Untersuchungen schon aus, hin und wieder ein Kreuzworträtsel oder Sudoku zu lösen. Zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit hilft auch Kaugummikauen, denn dadurch wird das Gehirn kontinuierlich mit Sauerstoff versorgt,… Weiterlesen »Im Urlaub sinkt die Intelligenz & Kaugummikauen steigert geistige Leistungsfähigkeit

        Populärwissenschaftliche Chronobiologie: Löwe, Bär, Wolf und Delfin

          Die Einteilung von Menschen in die Schlaftypen Löwe, Bär, Wolf und Delfin basiert auf einem populärwissenschaftlichen Konzept des amerikanischen klinischen Psychologen und SchlafexpertenMichael Breus, das er in seinem Werk The Power of When (2016) vorstellt. Dieses Modell beruht lose auf Erkenntnissen der Chronobiologie, die sich mit inneren biologischen Rhythmen und ihrer Synchronisation mit der Umwelt beschäftigt, stellt jedoch keine klinisch validierte oder in der Schlafforschung etablierte Typologie dar. Vielmehr handelt es sich um ein alltagstaugliches System zur… Weiterlesen »Populärwissenschaftliche Chronobiologie: Löwe, Bär, Wolf und Delfin

          Die Entwicklung der Theory of Mind im Kindesalter

            Lange galt das Kleinhirn vornehmlich als Steuerzentrale für menschliche Bewegungen, also zuständig für Gleichgewicht, Koordination und feinmotorische Abläufe. Doch Manoli et al. (2025) zeigten in einer Untersuchung, dass das Kleinhirn nicht nur als Mitspieler, sondern als aktiver Treiber in der Herausbildung der Theory of Mind fungiert, also jener Fähigkeit, die es Menschen erlaubt, sich in andere hineinzuversetzen, ihre Absichten zu verstehen und emotionale Reaktionen nachzuvollziehen. Diese Theory of Mind entsteht im Alter von etwa drei bis fünf… Weiterlesen »Die Entwicklung der Theory of Mind im Kindesalter

            Neue Nervenzellen im Erwachsenengehirn

              Lange galt in der Neurowissenschaft die Überzeugung, dass die Neubildung von Nervenzellen – die Neurogenese – mit dem Erwachsenenalter endet. Die Konsequenzen dieses Dogmas waren weitreichend: Wenn das Gehirn keine neuen Neuronen mehr bildet, so die Annahme, bleiben degenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder psychiatrische Leiden wie Depressionen schwer behandelbar. Doch eine Studie von Dumitru et al. (2025) stellt diese Grundannahme in Frage und liefert  Belege dafür, dass selbst im reifen menschlichen Gehirn neue Nervenzellen entstehen – mit… Weiterlesen »Neue Nervenzellen im Erwachsenengehirn

              Wie das KI-Modell Centaur menschliches Verhalten entschlüsseln kann

                Die Frage, ob Künstliche Intelligenz (KI) menschliches Verhalten vorhersagen kann, ist eine der zentralen Herausforderungen der aktuellen Forschung an der Schnittstelle zwischen Psychologie, Informatik und Ethik. Mit dem Sprachmodell Centaur haben Binz et al., (2025) einen vielversprechenden Schritt unternommen, um genau dieser Frage auf den Grund zu gehen. Das Modell wurde auf Grundlage eines offenen KI-Sprachmodells von Meta AI entwickelt und mit Daten aus insgesamt 160 psychologischen Experimenten trainiert, an denen über 60.000 Versuchspersonen teilgenommen hatten. Diese… Weiterlesen »Wie das KI-Modell Centaur menschliches Verhalten entschlüsseln kann

                Gehirnstimulation verbessert Mathematiklernen bei neurobiologisch benachteiligten Personen

                  Neurowissenschaftliche Forschung zeigt, dass die mathematische Lernfähigkeit stark mit der funktionellen Konnektivität bestimmter Hirnareale – insbesondere des dorsolateralen präfrontalen Cortex (dlPFC), des posterioren parietalen Cortex (PPC) und des Hippocampus – zusammenhängt. In einer randomisierten, doppelt-verblindeten Studie stimulierten Zacharopoulos et al. (2025) das Gehirn von 72 jungen Erwachsenen während eines fünftägigen Mathematiktrainings mit transkranieller Random-Noise-Stimulation (tRNS). Die elektrische Stimulation des dlPFC verbesserte dabei signifikant die Rechenleistung – jedoch nur bei Personen mit anfangs schwacher Konnektivität im frontoparietalen Netzwerk.… Weiterlesen »Gehirnstimulation verbessert Mathematiklernen bei neurobiologisch benachteiligten Personen

                  Wie Powernaps kreative Einsichten fördern

                    er Zusammenhang zwischen Schlaf und kognitiven Leistungen ist seit Langem Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Eine Studie von Löwe et al. (2025) belegt eindrücklich, dass nicht nur die Menge des Schlafs eine Rolle spielt, sondern auch dessen Qualität und spezifische Phasen. Insbesondere der sogenannte N2-Schlaf – eine Phase, die unmittelbar auf das Einschlafen folgt und in der kaum geträumt wird – scheint die Fähigkeit des Gehirns zu fördern, Probleme auf kreative Weise zu lösen. In dieser Untersuchung wurden 90… Weiterlesen »Wie Powernaps kreative Einsichten fördern

                    Gelassenheit lernen: Psychologische Impulse aus der stoischen Philosophie

                      Es kommt nicht darauf an, was euch passiert, sondern wie ihr darauf reagiert. Epiktet Die Suche nach Gelassenheit ist eine der zentralen Bestrebungen des modernen Menschen. In einer Zeit permanenter Reizüberflutung, emotionaler Überforderung und zunehmender Unsicherheit erscheint der stoische Weg zur inneren Ruhe aktueller denn je. Die stoische Philosophie, deren Hauptvertreter Seneca, Epiktet und Mark Aurel sind, bietet einen erprobten, psychologisch anschlussfähigen Weg zu mehr Resilienz, emotionaler Selbststeuerung und Akzeptanz. Dabei geht es nicht um Gleichgültigkeit, sondern… Weiterlesen »Gelassenheit lernen: Psychologische Impulse aus der stoischen Philosophie

                      Werkzeuggebrauch bei Orcas als Ausdruck sozialen Verhaltens

                        Die Beobachtung von Werkzeuggebrauch bei Tieren gilt seit jeher als Indikator für fortgeschrittene kognitive Fähigkeiten. Während solches Verhalten bereits bei vielen Landtieren, etwa Affen oder Vögeln, gut dokumentiert ist, bleibt es bei Meeressäugern eine Seltenheit. Eine aktuelle Studie von Weiss et al. (2025) bringt nun überraschende Erkenntnisse über Schwertwale (Orcinus orca), denn diese Tiere verwenden eigens angefertigte Werkzeuge aus Braunalgen zur gegenseitigen Körperpflege – ein Verhalten, das weit über bloßes Spiel hinausgeht und möglicherweise auf eine kulturbasierte… Weiterlesen »Werkzeuggebrauch bei Orcas als Ausdruck sozialen Verhaltens

                        Neurobiologische Grundlagen des sozialen Wandels in der Adoleszenz

                          Die Adoleszenz ist eine Phase tiefgreifender Veränderungen, und zwar nicht nur in körperlicher und emotionaler Hinsicht, sondern auch auf neurobiologischer Ebene. Eine Studie von Abrams et al. (2022) zeigte, dass sich die Aktivierungsmuster im Gehirn Heranwachsender bei der Wahrnehmung von Stimmen deutlich von denen jüngerer Kinder unterscheiden. Während bei Kindern unter zwölf Jahren die Stimme der Mutter spezifische Reaktionen in Hirnarealen auslöst, die für Belohnungsverarbeitung, emotionale Bewertung und soziale Bindung zuständig sind, kehrt sich dieses Muster bei… Weiterlesen »Neurobiologische Grundlagen des sozialen Wandels in der Adoleszenz