Zum Thema ‘Angewandte Psychologie’

Angewandte Psychologie ist eine Zusammenfassung aller Teildisziplinen der Psychologie, welche die Anwendung psychologischer Erkenntnisse für die Praxis zum Gegenstand haben und geht auf William Stern zurück.

Typologie des Schenkens



Schenken macht nicht nur glücklich, es hilft Menschen auch, Beziehungen zu anderen aufzubauen und zu stärken. Zwar widerspricht Schenken eigentlich der ökonomischen Vernunft, denn schließlich erwartet man im allgemeinen für seine Leistung auch eine Gegenleistung. Doch bei Geschenken handelt es sich nicht nur um einen Kostenfaktor, sondern auf der anderen Seite stehen die Dankbarkeit des Beschenkten, irgendwann einmal ein Gegengeschenk oder vielleicht auch gesellschaftliches Ansehen zu erhalten. Schenken dient in allen Kulturen dazu, Beziehungen zu stärken und zu erhalten, wobei sich das Geben auch zu einem Ritual und manchmal auch zu einer Strategie entwickelt hat (s. u.). Wer sich sehr viel Mühe bei der Auswahl eines Geschenks gegeben hat, erwartet das auch von anderen, d. h., es geht beim Schenken auch um Balance und Fairness. Nach Meinung von Psychologen macht ein Mensch beim Schenken zwei Grunderfahrungen: er wächst dabei innerlich und ist im Schenken anderen verbunden, wobei es sich in beiden Fällen um Grundbedürfnisse des Menschen handelt. Ähnliches erfahren Menschen auch dann, wenn sie anderen helfen.

Hinter Geschenken können sich aber viele Absichten verbergen. Es gibt Menschen, die wählen überteuerte Geschenke, um anzugeben. Andere schenken aus Mitleid oder aus Pflichtbewusstsein. Macht ein Geschenk auch nur den geringsten Eindruck, aus dieser oder jener Absicht heraus überreicht worden zu sein, sind Enttäuschung und Wut oft vorprogrammiert. In den OÖN vom 14.12.2007 fand sich folgende Typologie der Schenkenden:

  • Der Selbstverliebte: Die Intention des Schenkers: Hauptsache, mir gefällt es.
  • Der Gedankenlose: Nachlässige Schenker geben sich kaum Mühe bei der Auswahl. Wer stereotyp schenkt, sagt damit: Mehr Gedanken will ich mir über dich gar nicht machen.
  • Der Beherrschende: Hier dient das Geschenk dazu, Macht auszuüben, im Leben des anderen eine Rolle zu spielen. Mit einer Vase zum Beispiel will man dauerhaft einen Platz in der Wohnung einnehmen, für den Beschenkten immer präsent, immer sichtbar sein.
  • Der Erwartungsvolle: Dieser Schenker-Typ wählt seine Geschenke so aus, dass er maximale Freude und Dankbarkeit erzielt. Typisches Beispiel sind Großeltern, die überdimensionierte Geschenke wählen, egal, ob die Familie überhaupt Platz oder Verwendung dafür hat. Das Wichtigste ist diesem Schenker-Typ: Er will für sein Geschenk geliebt werden.

Übrigens: Erhalten Menschen ein Geschenk, kann dies zwei Reaktionen auslösen, einerseits dass der Beschenkte dankbar ist und sich freut, andererseits auf Seiten des Beschenkten ein Gefühl der Belastung, weil er sich nun verpflichtet fühlt, etwas von ähnlichem Wert zurückzuschenken. Parker et al. (2016) haben untersucht, welche Faktoren die Dankbarkeit nach erwiesener Großzügigkeit verringern könnten und fanden als zentralen Faktor das Bedürfnis nach Unabhängigkeit, denn dieses führt dazu, dass man Dankbarkeit eher als Zeichen der Schwäche wahrnimmt.

Gute Geschenke aus psychologischer Sicht

Die psychologische Forschung hat festgestellt, dass Schenkende oft zu zu teuren Gaben tendieren, während Beschenkte eher das bevorzugen, was am besten zu ihnen passt und zwar unabhängig vom Wert des Geschenkes. Im übrigen wertet allein die gute Absicht nur ganz selten ein Geschenk auf, wobei praktische und erhoffte Geschenke letztlich am besten bei den Beschenkten ankommen. Meist freuen sich Menschen über solche Geschenke, die gut zu ihren Interessen passen, die sie gebrauchen können oder die sie sich vorher gewünscht haben. Besonders willkommen sind alltagspraktische Geschenke und solche, die wenig Aufwand seitens der Beschenkten erfordern, sodass etwa eine teure geschenkte Fernreise mit viel Planungsaufwand weniger gut ankommt als ein Ereignis, das in der Nähe stattfindet und weniger Aufwand mit sich bringt. Ein Geschenk sollte für den Beschenkten daher nicht mit Hürden und hohem Aufwand verbunden sein.

Yang & Urminsky (2018) haben gezeigt, dass Menschen bei der Geschenkauswahl auf eine möglichst starke Gefühlsreaktion des Beschenkten hoffen, diesen also unbedingt überraschen wollen. Im Rahmen eines Online-Experiments wurden jeweils Paare von Gegenständen mit unterschiedlichem Überraschungsfaktor angeboten, etwa eine personalisierte Kaffeetasse gegenüber einer ergonomisch besonders gut geformten, ein voll aufgeblühter Rosenstrauch gegen zwei Sträuße, deren Blüten noch geschlossen waren. Alle Befragten stimmten dabei in der Bewertung darin überein, welches der beiden Geschenke jeweils den höheren Überraschungsfaktor hatte, doch wenn nach ihren Präferenzen gefragt wurde, präferierten die Schenker die personalisierte Tasse, während die Beschenkten keiner der beiden Varianten den Vorzug gaben. Auf Dauer greift man beim Schenken also doch eher zur langweiligen Tasse, die aber die Ergonomie berücksichtigt. Offenbar wird die Freude an der Freude antizipiert, auf welches Geschenk die Reaktion am stärksten ausfällt und entscheidet sich daher oft gegen Geschenke, die längerfristige Freude bereiten würden. Übrigens verschwindet die Bevorzugung für Geschenke mit Überraschungsfaktor auch dann, wenn man als Schenkender beim Öffnen des Pakets nicht dabei sein kann. Das deutet darauf hin, dass Schenken eine durchaus egoistische Komponente enthält, weil es dem Schenkenden auch selbst Freude bereiten soll.

Praktischer Tipp für das richtige Geschenk: Legen Sie in ihrem elektronischen Kalender, in dem man in Regel die Geburtstage der Beschenkten eingetragen hat, während des Jahres eine Liste von jenen Dingen an, die Sie schenken könnten bzw. am besten von Dingen, die die Beschenkten selbst als Wunsch geäußert haben! Das hilft auch bei Weihnachtsgeschenken!

Literatur

Flynn, F. J. & Adams, G. S. (2009). Money Can’t Buy Love: Asymmetric Beliefs About Gift Price and Feelings of Appreciation. Journal of Experimental Social Psychology, 45, 404-409.
Gino, F. & Flynn, F. J. (2011). Give Them What They Want: The Benefits of Explicitness in Gift Exchange. Journal of Experimental Social Psychology, 47, 915-922.
Parker, Suzanne C., Majid, Haseeb, Stewart, Kate L. & Ahrens, Anthony H. (2016). No thanks! Autonomous interpersonal style is associated with less experience and valuing of gratitude. Cognition and Emotion, 31, doi: 10.1080/02699931.2016.1256274.
Yang, A. X. & Urminsky, O. (2018). The Smile-Seeking Hypothesis: How Immediate Affective Reactions Motivate and Reward Gift Giving. Psychological Science, 29, 1221 – 1233.



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Arten von Schlafstörungen



Es gibt viele Arten von Schlafstörungen, die unbehandelt zu Tagesmüdigkeit mit erhöhter Unfallgefahr führen,und Depressionen auslösen können.

  • Psychophysiologische Schlafstörungen: Ursachen können erhöhte körperliche oder seelische Anspannung sein. Auch nächtliches Grübeln gehört dazu.
  • Narkolepsie: Durch eine Regulationsstörung im Wach-Schlaf-Zentrum im Gehirn kommt es zu plötzlichen Schlafattacken unter Tags. Man schläft z.B. im Kino, beim Fernsehen und bei anderen eintönigen Tätigkeiten ein. In der Nacht wacht man immer wieder auf. Davon sind etwa zwei Prozent der Bevölkerung sind betroffen.
  • Schlafapnoe-Syndrom: Es betrifft meist Schnarcher und ist gekennzeichnet durch viele nächtliche Atemaussetzer für mehr als zehn Sekunden. Die Sauerstoffsättigung im Blut fällt ab, die Leute fühlen sich am Morgen wie gerädert. Das Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzrhythmusstörungen kann sich dadurch erhöhen.
  • Restless-legs-Syndrom: Diese Gefühlsstörungen in den Beinen, die vorwiegend in Ruhe und nachts auftreten, lassen die Betroffenen nicht einschlafen. Diese haben das Bedürfnis, die Beine immer zu bewegen. In Europa leiden sechs bis zwölf Prozent der Bevölkerung darunter.

Übrigens: Einen Vorteil haben Schlafstörungen, den sie sind die beste Voraussetzung dafür, sich an seine Träume zu erinnern. Siehe dazu Erinnerung an Träume.


Kurioses: Neu auf dem Markt sind „Weighted Blankets“, künstlich beschwerte Decken, die sich wie eine Umarmung um den Körper schmiegen. Gefüllt sind sie mit Granulat, das mit der Bewegung des Körpers mitgeht und ihn umhüllt. Entwickelt wurden diese Decken schon Ende der 1990er Jahre für hyperaktive Kinder, die unter der acht bis zehn Kilogramm schweren Last abends angeblich leichter zur Ruhe kommen, doch in letzter Zeit werden sie aber auch von Erwachsenen mit Schlafproblemen gekauft, die sich darunter geborgener fühlen.



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Schlafsitten in verschiedenen Kulturen und Zeiten



Seit Jahrhunderten ist das Praktizieren eines Mittagsschlafes bekannt, so hielten Leonardo da Vinci, Johann Wolfgang von Goethe oder Albert Einstein ein kurzes Nickerchen am Tag. Mit der Industriealisierung ist diese Form der Mittagskultur in unserem Alltag, vor allem in den europäischen und nordamerikanischen Ländern fast zur Gänze verschwunden. Die allgemeine gesellschaftliche Akzeptanz für den Mittagsschlaf gibt es nur für die Älteren, Kranken und Kinder. Anders ist die Einstellung der asiatischen Kulturen zu diesem Thema (s.u.).
Neben alters- und geschlechtsspezifischen Unterschieden wirken auch verschiedene soziale Rahmenbedingungen, wieviel Menschen schlafen. Am Beginn des 20. Jahrhundert schlief man durchschnittlich eineinhalb Stunden länger als heute.
Bei uns würden fast 40% der Bevölkerung gerne einen Mittagsschlaf halten, wenn sie dürften, was nach EMNID nur 6% dürfen. In Südeuropa wird sommers wie winters die Mittagsruhe konsequent eingehalten, nur in Großstädten geht die Siesta-Kultur langsam zurück. In Südamerika ist analog Südeuropa die Siesta ein nicht wegzudenkender Teil des Alltags. In Irland gab es bis in die 80er-Jahre noch die „ruhige Stunde“.
In China gibt es ein verfassungsmäßig zugestandenes Recht auf Mittagsruhe und in Japan wird im Schnitt eine Stunde weniger als in Europa geschlafen und jedes Zeitfenster für ein Nickerchen genutzt, auch in der Öffentlichkeit. Auch in den USA gibt es einen Trend zum power-napping, denn man darf in vielen Betrieben bereits eine 20- bis 30-minütige Schlaf-Pause in Anspruch nehmen.

Zum Schlaf generell siehe Der Schlaf

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Wie viel Schlaf brauchen Kinder und Jugendliche?
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Stand-by für das Gehirn: Tagträume



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