Zum Inhalt springen

Grundlagenforschung

Die Psychologie des Hörens

    Über Aufmerksamkeit, Beziehung und Erfahrung eines grundlegenden menschlichen Sinns. Das Hören gehört zu den grundlegendsten Formen menschlicher Weltbegegnung. Während der Sehsinn häufig als paradigmatischer Erkenntnissinn gilt, eröffnet der Hörsinn eine andere, weniger gegenständliche und stärker relationale Weise des Weltbezugs. Geräusche, Stimmen und Klänge erscheinen nicht als isolierte Objekte, sondern als Ereignisse in der Zeit, die sich nur im Vollzug des Wahrnehmens erschließen. Aus psychologischer Perspektive lässt sich Hören daher nicht allein als sensorischer Prozess beschreiben, sondern als… Weiterlesen »Die Psychologie des Hörens

    Wie das Gehirn mit widersprüchlichen Informationen umgeht

      Eine aktuelle Studie von Slangewal und Bahl (2026) räumt mit der Vorstellung auf, dass das Gehirn bei widersprüchlichen Informationen einfach nur einen „Gewinner“ auswählt und den Rest ignoriert. Statt dieses harten „Winner-takes-all“-Prinzips, bei dem ein System zwischen zwei Optionen hin- und hergerissen wäre, nutzen Zebrafischlarven eine viel elegantere additive Strategie. Man kann sich das Gehirn der Larve wie ein Mischpult in einem Tonstudio vorstellen: Anstatt nur ein Instrument auf volle Lautstärke zu drehen und alle anderen stummzuschalten,… Weiterlesen »Wie das Gehirn mit widersprüchlichen Informationen umgeht

      Bedeutung, Grenzen und neue Perspektiven auf Kausalität in der Psychologie

        Die Corona-Pandemie hat das Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft zeitweise in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Diskurses gerückt, wobei zahlreiche psychologische Studien zunächst zeigten, dass Menschen mit höherem Wissenschaftsvertrauen auch eher bereit waren, Schutzmaßnahmen wie Maskentragen, Händedesinfektion oder soziale Distanz einzuhalten. Dieses Vertrauen wurde von Politik und Medien rasch als entscheidender Hebel im Pandemieschutz interpretiert, doch neue Forschungsergebnisse differenzieren dieses Bild und stellen die Kausalität dieser Beziehung in Frage. Eine aktuelle Studienreihe von Wingen, Posten & Dohle… Weiterlesen »Bedeutung, Grenzen und neue Perspektiven auf Kausalität in der Psychologie

        Wie das Gehirn entscheidet, was es sich merken will

          Die neurowissenschaftliche Forschung zeigt immer deutlicher, dass Erinnern kein statischer Vorgang ist, sondern ein dynamischer Prozess, in dem das Gehirn fortwährend auswählt, welche Erfahrungen Bestand haben und welche rasch verblassen. Obwohl Menschen täglich eine Fülle an Eindrücken aufnehmen, gelangt nur ein kleiner Teil davon in das Langzeitgedächtnis. Diese strenge Auswahl ist notwendig, weil das Arbeitsgedächtnis nur begrenzte Kapazitäten besitzt und daher einen präzisen Filter benötigt, um Wichtiges zu bewahren und Unwichtiges auszusondern. Bis vor Kurzem ging man… Weiterlesen »Wie das Gehirn entscheidet, was es sich merken will

          Das menschliche Denken steht unter Energiegrenzen

            Aktuelle Untersuchungen stellen die energetische Grundlage des Denkens in den Mittelpunkt der Kognitionsforschung, denn Haueis & Colaço (2025) konnten zeigen, dass gängige Modelle geistiger Prozesse – von Wahrnehmung über Gedächtnis bis hin zu Aufmerksamkeit – die energetischen Rahmenbedingungen des Gehirns bislang kaum berücksichtigen. Obwohl das Gehirn lediglich einen kleinen Teil der Körpermasse ausmacht, beansprucht es einen erheblichen Anteil des gesamten Energieverbrauchs und arbeitet dabei immer noch effizienter als moderne Computersysteme. Diese Tatsache wird in vielen theoretischen Modellen… Weiterlesen »Das menschliche Denken steht unter Energiegrenzen

            Dopamin beeinflusst die Bewertung zukünftiger Belohnungen

              Eine Studie von Smith et al. (2025) lieferte jüngst  neue Erkenntnisse darüber, wie das dopaminerge System menschliche Entscheidungsprozesse beeinflusst, insbesondere die Fähigkeit, auf spätere Belohnungen zu warten. Im Zentrum der Untersuchung stand der Einfluss von L-DOPA, einer Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin, auf die sogenannte zeitliche Diskontierung (temporal discounting), also die Tendenz, kleinere sofortige Belohnungen größeren, aber verzögerten vorzuziehen. Frühere Studien hatten widersprüchliche Ergebnisse geliefert, denn während einige auf eine gesteigerte Impulsivität durch dopaminerge Stimulation hindeuteten, berichteten andere… Weiterlesen »Dopamin beeinflusst die Bewertung zukünftiger Belohnungen

              Die Rolle von Objekten bei der Stärkung des inneren Kompasses

                Eine Studie von Siegenthaler et al. (2025) hat herausgefunden, dass das Betrachten von Objekten die Präzision des Gehirns bei der räumlichen Orientierung verbessert. Man konnte zeigen, dass eine bestimmte Hirnregion, das Postsubiculum, das eine wichtige Rolle für den Orientierungssinn spielt, aktiviert wird, wenn Objekte wahrgenommen werden. Diese Region enthält spezielle Nervenzellen – die sogenannten Kopfausrichtungszellen – die auf bestimmte Kopfrichtungen reagieren. Die Studie, die mit Mäusen durchgeführt wurde, ergab, dass diese Zellen präziser arbeiten, wenn ein Objekt… Weiterlesen »Die Rolle von Objekten bei der Stärkung des inneren Kompasses

                Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung von Gesichtern in Objekten

                  Die menschliche Neigung, Gesichter in unbelebten Objekten zu erkennen, bekannt als Pareidolie, wurde in einer aktuellen wissenschaftlichen Untersuchung analysiert. Die Studie von Chen et al. (2025)  untersuchte die Mechanismen, durch die sowohl Objekte mit gesichtsähnlichen Strukturen als auch menschliche Gesichter die Aufmerksamkeit des Betrachters steuern. Mithilfe einer Blick-Indizierungsaufgabe (gaze cueing task) mit 54 Teilnehmenden wurde verglichen, wie diese beiden Stimulusarten die visuelle Aufmerksamkeit lenken. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Aufmerksamkeit von Probanden stärker von gesichtsähnlichen… Weiterlesen »Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung von Gesichtern in Objekten

                  Wie das Gehirn fest Objekte und andere Materialien in der Umwelt unterscheidet

                    Der grundsätzliche Unterschied zwischen Objekten und Substanzen liegt in ihrer physischen Beschaffenheit: Ein Objekt ist ein stabiles, zusammenhängendes Ganzes, während eine Substanz wie Wasser, Sand oder Honig aus vielen beweglichen Teilen besteht oder formveränderlich ist. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die alltäglichen Handlungen, denn man greift einen Ball, während man für Flüssigkeiten Werkzeuge wie Löffel, Schalen oder Flaschen benötigt. Bereits Säuglinge erkennen diesen Unterschied intuitiv, was auf angeborene, tief in der Wahrnehmung verankerte Mechanismen schließen lässt. Ob… Weiterlesen »Wie das Gehirn fest Objekte und andere Materialien in der Umwelt unterscheidet

                    Neue Einsichten in menschliche Entscheidungsprozesse

                      Entscheidungsfindung gilt traditionell als ein Prozess, bei dem Menschen und Tiere optimale Handlungen basierend auf vergangenen Erfahrungen auswählen. Dieses Paradigma der optimalen Nutzenmaximierung prägt viele klassische kognitive Modelle. Neue Forschungen zeigen jedoch, dass diese Annahme der Optimalität die Realität nur unzureichend abbildet. Stattdessen sind Entscheidungsstrategien häufig suboptimal, aber systematisch und durch kleine, interpretierbare künstliche neuronale Netzwerke (KNN) erklärbar (Mattar & Lengyel, 2022). Diese neuronalen Netzwerke sind klein genug, um verstanden zu werden, jedoch leistungsstark genug, komplexe Entscheidungsprozesse… Weiterlesen »Neue Einsichten in menschliche Entscheidungsprozesse

                      Wie das Gehirn aus Schattierungen die dreidimensionale Welt formt

                        Die menschliche Fähigkeit, dreidimensionale Strukturen aus zweidimensionalen Abbildungen zu erschließen, ist eine der bemerkenswertesten Leistungen des visuellen Systems, wobei Schattierungen eine zentrale Rolle spielen, die dabei helfen, Tiefe, Form und Volumen zu erkennen. Bisherige Theorien gingen davon aus, dass das Gehirn ähnlich wie ein Computer die Lichtquellen und Objektgeometrie rückwärts berechnet, um aus Schattierungen auf Formen zu schließen. Diese Annahme erweist sich jedoch als problematisch, nicht nur, weil selbst moderne Rechner mit dieser Aufgabe Schwierigkeiten haben, sondern… Weiterlesen »Wie das Gehirn aus Schattierungen die dreidimensionale Welt formt

                        Neue Nervenzellen im Erwachsenengehirn

                          Lange galt in der Neurowissenschaft die Überzeugung, dass die Neubildung von Nervenzellen – die Neurogenese – mit dem Erwachsenenalter endet. Die Konsequenzen dieses Dogmas waren weitreichend: Wenn das Gehirn keine neuen Neuronen mehr bildet, so die Annahme, bleiben degenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder psychiatrische Leiden wie Depressionen schwer behandelbar. Doch eine Studie von Dumitru et al. (2025) stellt diese Grundannahme in Frage und liefert  Belege dafür, dass selbst im reifen menschlichen Gehirn neue Nervenzellen entstehen – mit… Weiterlesen »Neue Nervenzellen im Erwachsenengehirn