Zum Thema ‘Entwicklungspsychologie’

Die Entwicklungspsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie. Ihr Gegenstand ist die Beschreibung und Erklärung zeitlich überdauernder, aufeinander aufbauender Veränderungen menschlichen Erlebens und Verhaltens über die gesamte Lebensspanne.

Meilensteine in der Entwicklung eines Kindes



Sozial-emotionale Kompetenzen bei Neugeborenen wie die Wahrnehmung von Gesichtern, hohe Empfindlichkeit für emotionalen Ausdruck, hohe Sensitivität für menschliche Stimme, hohe Sensibilität für Muttersprache, Dialog von Anfang an, soziales Lächeln

Erste Basisemotionen, soziale Interaktion immer intensiver

Geteilte Aufmerksamkeit, gezielte Kommunikation „Rückversicherung, Emotionen lesen können, Fremdeln

Selbstkonzept, unterschiedliche Handlungsziele, Autonomie- und Trotzphase, sekundäre Emotionen wie Scham, Stolz, Schuld, Neid. Mitleid

Erwerb der Sprache, Mobilität, Begriffsbildung, Kind beginnt über Gefühle zu sprechen

Symbolische Repräsentation, Perspektivenübernahme, Theory of Mind

Beginn der Regulationskontrolle, einfache Regulationsstrategien, Konflikte, vom Parallel- zum Interaktionsspiel, prosoziales Verhalten

Internalisierung von Verhaltensstandards und -regeln, Orientierung an Bezugspersonen

Vielfältige Emotionen

Verständnis für emotionale Ambivalenzen, Auswirkung auf Selbstverständnis und Umgang mit anderen



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Persönlichkeitsentwicklung von Einzelkindern



Es gibt nur wenige Anhaltspunkte dafür, dass Einzelkinder typische Persönlichkeitsmerkmale ausbilden, hinsichtlich derer sie sich von Geschwisterkindern unterscheiden. Das Einzelkinddasein erweist sich dann als Risikofaktor, wenn z.B. Eltern ihr einziges Kind zu sehr mit Wünschen, Ansprüchen, Forderungen und Förderungen überfrachten, wenn sie nicht loslassen können und es überbehüten und nicht angemessen abnabeln, aber auch Eltern, die sich gefühlsmäßig wenig engagieren, distanziert bleiben und kaum Anteil nehmen am Wohl ihres Kindes, weil ihnen die Partnerschaft oder der Beruf wichtiger sind, erweisen sich als gewisser Risikofaktor, der jedoch in Mehrkinderfamilien ebenso zu registrieren ist.
Das bedeutet aber nicht, dass sich im Einzelfall die Tatsache als Einzelkind – z.B. mit einer überbehütenden, grenzüberschreitenden Mutter aufzuwachsen – nicht schicksalhaft auswirken kann. Dies ist jedoch nicht typisch für eine größere Gruppe von Einzelkindern und lässt sich allenfalls übertragen auf andere, ähnlich beschaffene Einzelfälle. Es gibt auch keine wissenschaftlich fundierte Berechtigung dafür, Einzelkinder in einer Gruppe zusammenzufassen und mit Geschwisterkindern zu vergleichen. Einzelkinder wachsen unter Bedingungen auf, die denen von Geschwisterkindern weitgehend entsprechen, denn es führt z.B. das Aufwachsen mit nur einem Elternteil bzw. die Berufstätigkeit beider Eltern zu vergleichbaren Effekten gleichgültig, ob ein Kind ein Geschwister hat oder keines. Entscheidend für die Persönlichkeitsentwicklung sind die tagtäglichen Erziehungs- und Sozialisationserfahrungen, mit denen es Einzelkinder und Geschwisterkinder zu tun haben, sowie die Art und Weise, wie diese subjektiv wahrgenommen und verarbeitet werden.
Ob Menschen als Einzelkinder oder mit Geschwistern aufwachsen, kann übrigens auch die Entwicklung des Gehirns beeinflussen, wobei die Familiensituationen eine unterschiedliche strukturelle Entwicklung des kindlichen Gehirns bewirken können. Untersucht (Yang et al., 2017) wurden Studenten, die in einer Familie mit zwei Elternteilen aufgewachsen waren, wobei diese neben Gehirnscans auch Kreativitäts- und Intelligenztest und Persönlichkeitstest durchführen mussten. Es zeigten sich bei Volumenunterschiede der grauen Substanz im Gehirn, wobei diese bei Einzelkindern in jenem Bereich ausgeprägter war, der mit der Vorstellungskraft zusammenhängt, jedoch war sie schlechter in den Arealen entwickelt, der mit sozialem Verhalten in Verbindung steht. Einzelkinder schnitten bei Kreativitätstests besser ab, bei den Verhaltenstests hingegen schlechter.

Siehe dazu die Texte Ich war ein Einzelkind, Plötzlich kein Einzelkind mehr

Literatur
Kasten, Hartmut (1995). Einzelkinder – Aufwachsen ohne Geschwister. Berlin: Springer.
Yang, J., Hou, X., Wei, D., Wang, K., , Li, Y. & Qiu, J. (2017). Only-child and non-only-child exhibit differences in creativity and agreeableness: evidence from behavioral and anatomical structural studies. Brain Imaging and Behavior, 11, 493–502.



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Religion und Moral



Gute Menschen wird die Schenke nicht verderben und schlechte wird die Synagoge nicht bessern.
Jüdisches Sprichwort

In den letzten Jahren sieht sich der Religionsunterricht zusehends in einem bildungspolitischen Dilemma, denn immer mehr Jugendliche melden sich aus verschiedensten Gründen davon ab. Diese Entwicklung sieht vor allem die römisch-katholische Kirche mit Skepsis und verweist stets auf die erzieherische Bedeutung des Religionsunterrichts für die moralische Entwicklung eines Menschen. Allerdings zeigt sich, dass gelebter Glaube eher wenig mit höheren moralischen Standards in Verbindung steht, als man denkt, bzw. tatsächlich scheint eher das Gegenteil zu stimmen. Bereits frühere Untersuchungen konnten zeigen, dass religiöse Menschen nicht automatisch moralischer handeln, doch Decety et al. (2015) zeigten nun, dass Kinder aus einem religiösen Umfeld sogar weitaus weniger altruistisch sind als nichtreligiös erzogene Kinder.

Um den Einfluss der Religion auf den Altruismus von Kindern zu messen, mussten Fünf- bis Zwölfjährige aus den USA, Kanada, Jordanien, der Türkei, Südafrika und China  an einem Spiel teilnehmen, in dem es um die Frage ging, in welchem Ausmaß Kinder bereit sind, bunte Sticker mit einer anonymen Person zu teilen. Es bestätigte sich dabei, dass Kinder mit steigendem Alter großzügiger sind, jedoch fand sich auch, dass je mehr Einfluss die Religion im Leben eines Kindes spielte, umso weniger freigiebig zeigte es sich, während hingegen die großzügigsten Kinder aus atheistischen Familien stammten. Dieser Unterschied zeigte sich auch darin, wie die Kinder mit Verfehlungen oder persönlichen Angriffen umgingen, wobei jene mit einem religiösen Hintergrund sich für das Fehlverhalten anderer Kinder tendenziell härtere Bestrafungen wünschten als solche, für die Religion keine große Rolle spielt. Damit wurde ein Zusammenhang bestätigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Religiosität und geringerer Toleranz gibt. Ursache dafür ist vermutlich das moral licensing, nach dem sich Menschen, die sich ihrem persönlichen Urteil nach gu“ verhalten und religiöse Regeln einhalten, weniger Gedanken über die Konsequenzen machen, die ihr potenziell unmoralisches Verhalten nach sich ziehen könnte. Offensichtlich wirkt sich gelebte Religion tendenziell eher negativ auf die Moral aus.

Literatur
Decety, Jean, Cowell, Jason M., Lee, Kang, Mahasneh, Randa, Malcolm-Smith, Susan, Selcuk, Bilge & Zhou, Xinyue (2015). The Negative Association between Religiousness and Children’s Altruism across the World. Current Biology. Doi: 10.1016/j.cub.2015.09.056.
http://www.stangl.eu/psychologie/entwicklung/moral.shtml (15-11-06)



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