‘Buchempfehlung’

Religiosität in der Psychotherapie

Mittwoch, Juni 28th, 2017

Nach einigen Untersuchungen sind religiöse Menschen seltener seelisch oder körperlich krank, begehen seltener Suizid, woraus man schließt, dass Religiosität einen Beitrag zur Gesundheit leisten kann und auch in die Psychotherapie integriert werden kann, wenn KlientInnen dafür offen sind. Schon Viktor Frankl war der Meinung, dass ärztliche Seelsorge keinen Ersatz für Religion darstellt, sondern diese ergänzen kann, ohne dabei weltanschaulich zu bevormunden oder die Richtung der Sinnsuche vorzugeben.
Die Psychotherapeutie befindet sich heute noch eher in kritischer Distanz oder sogar in Konkurrenz zur Religion, wobei besonders die klassische Psychoanalyse dazu tendiert, spirituelle Phänomene zu pathologisieren. In neuerer Zeit ist man allerdings auch der Ansicht, dass religiöser Überzeugungen bei psychischen Erkrankungen im Rahmen einer Psychotherapie durchaus genutzt werden können, wobei man aber zwischen extrinsischer und intrinsischer Religiosität unterscheiden muss, denn extrinsische Religiosität kann durchaus Krankheiten verstärken, während intrinsische Religiosität auch heilsam wirken kann.
Dabei sieht man im Wesentlichen neun heilsame Wirkfaktoren der Religiosität:

  • Das Leben in einer sozialen Gemeinschaft
  • Die Erfahrung einer Geborgenheit in Gott
  • Dankbarkeit
  • Orientierung an Werten
  • Kohärenzerleben
  • Psychische Entlastung durch Gebet
  • Reale Wirkungen durch Gebet
  • Bewältigung von Versagen und Schuld
  • Lebenssinn hängt nicht an der eigenen Leistung

Literatur

Zimmermann, J., Gräßler, W., Sülz, C. & Heinze, M. (Hrsg.). Psychotherapie, Naturwissenschaft und Religion. Pabst.



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Persönlichkeitsentwicklung von Einzelkindern

Donnerstag, Mai 11th, 2017

Es gibt nur wenige Anhaltspunkte dafür, dass Einzelkinder typische Persönlichkeitsmerkmale ausbilden, hinsichtlich derer sie sich von Geschwisterkindern unterscheiden. Das Einzelkinddasein erweist sich dann als Risikofaktor, wenn z.B. Eltern ihr einziges Kind zu sehr mit Wünschen, Ansprüchen, Forderungen und Förderungen überfrachten, wenn sie nicht loslassen können und es überbehüten und nicht angemessen abnabeln, aber auch Eltern, die sich gefühlsmäßig wenig engagieren, distanziert bleiben und kaum Anteil nehmen am Wohl ihres Kindes, weil ihnen die Partnerschaft oder der Beruf wichtiger sind, erweisen sich als gewisser Risikofaktor, der jedoch in Mehrkinderfamilien ebenso zu registrieren ist.
Das bedeutet aber nicht, dass sich im Einzelfall die Tatsache als Einzelkind – z.B. mit einer überbehütenden, grenzüberschreitenden Mutter aufzuwachsen – nicht schicksalhaft auswirken kann. Dies ist jedoch nicht typisch für eine größere Gruppe von Einzelkindern und lässt sich allenfalls übertragen auf andere, ähnlich beschaffene Einzelfälle. Es gibt auch keine wissenschaftlich fundierte Berechtigung dafür, Einzelkinder in einer Gruppe zusammenzufassen und mit Geschwisterkindern zu vergleichen. Einzelkinder wachsen unter Bedingungen auf, die denen von Geschwisterkindern weitgehend entsprechen, denn es führt z.B. das Aufwachsen mit nur einem Elternteil bzw. die Berufstätigkeit beider Eltern zu vergleichbaren Effekten gleichgültig, ob ein Kind ein Geschwister hat oder keines. Entscheidend für die Persönlichkeitsentwicklung sind die tagtäglichen Erziehungs- und Sozialisationserfahrungen, mit denen es Einzelkinder und Geschwisterkinder zu tun haben, sowie die Art und Weise, wie diese subjektiv wahrgenommen und verarbeitet werden.
Ob Menschen als Einzelkinder oder mit Geschwistern aufwachsen, kann übrigens auch die Entwicklung des Gehirns beeinflussen, wobei die Familiensituationen eine unterschiedliche strukturelle Entwicklung des kindlichen Gehirns bewirken können. Untersucht (Yang et al., 2017) wurden Studenten, die in einer Familie mit zwei Elternteilen aufgewachsen waren, wobei diese neben Gehirnscans auch Kreativitäts- und Intelligenztest und Persönlichkeitstest durchführen mussten. Es zeigten sich bei Volumenunterschiede der grauen Substanz im Gehirn, wobei diese bei Einzelkindern in jenem Bereich ausgeprägter war, der mit der Vorstellungskraft zusammenhängt, jedoch war sie schlechter in den Arealen entwickelt, der mit sozialem Verhalten in Verbindung steht. Einzelkinder schnitten bei Kreativitätstests besser ab, bei den Verhaltenstests hingegen schlechter.

Siehe dazu die Texte Ich war ein Einzelkind, Plötzlich kein Einzelkind mehr

Literatur
Kasten, Hartmut (1995). Einzelkinder – Aufwachsen ohne Geschwister. Berlin: Springer.
Yang, J., Hou, X., Wei, D., Wang, K., , Li, Y. & Qiu, J. (2017). Only-child and non-only-child exhibit differences in creativity and agreeableness: evidence from behavioral and anatomical structural studies. Brain Imaging and Behavior, 11, 493–502.



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Das soziale Gehirn

Freitag, April 28th, 2017

Franca Parianen hat in ihrem Buch die Erkenntnisse zu den sozialen Fähigkeiten des menschlichen Gehirns zusammengetragen, denn ohne diese könnten sich Menschen nicht mit anderen austauschen, nicht streiten, nicht schmollen und auch nicht wieder versöhnen. Ohne das soziale Gehirn gäbe es auch keine Gesellschaft, keine Kultur, keine Arbeitsteilung und keine Liebe. In dem Buch geht es um Situationen wie die erste Kommunikation zwischen Eltern und Kind oder die zwischen Verliebten. Parianen geht schrittweise von unserer Fähigkeit zur Selbsterkenntnis, die Kommunikation eines Gehirns mit sich selbst, zur Beziehung zwischen zwei Gehirnen, bis hin zu unserem Verhältnis zu Gruppen, ganzen Nationen oder dem Rest der Welt. Wichtige psychologische Erkenntnisse zu Spiegelneuronen, der Theory of Mind, dem Hormon Oxytocin oder das Aggressionspotential von Testosteron werden auf dem aktuellen Wissensstand vorgestellt.



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