Positive Erinnerungen als Resilienzfaktor bei jugendlicher Depression

Depressionen sind weltweit die Hauptursache für Krankheiten und Behinderungen, wobei ein bekannter Risikofaktor für Depressionen die Belastung durch frühen Lebensstress ist. Schon während der Pubertät gibt es oft erste Anzeichen einer Depression, wobei psychische Störungen, die bereits bei jungen Erwachsenen auftreten, zumeist schwerer verlaufen und mit einer größeren Wahrscheinlichkeit für einen späteren Rückfall einhergehen. Askelund et al. (2019) haben nun untersucht, ob aktivierende positive Erinnerungen akute Stressreaktionen dämpfen, und in der Folge bei einer geringeren Cortisolreaktion eine verbesserte Stimmung bei jungen Menschen mit depressivem Verhalten auslösen können. Es ist bisher nicht bekannt, ob die Erinnerung an positive Augenblicke in ihrem Leben die Anfälligkeit junger Menschen für Depressionen durch niedrigeres Cortisol und weniger negative Selbstwahrnehmungen bei schlechter Laune ebenfalls reduziert. Nun fand man auch heraus, dass positive Erinnerungsarbeit mit niedrigerem Morgencortisol und weniger negativen Selbstwahrnehmungen sogar ein Jahr später verbunden war. Analysen zeigten außerdem, dass positive Erinnerungsarbeit spätere depressive Symptome reduziert, indem sie negative Selbstwahrnehmungen als Reaktion auf negative Lebensereignisse reduziert. Die positive Erinnerung dämpft offensichtlich aktiv die negative Wirkung von Stressoren im Laufe der Zeit und wirkt so als Resilienzfaktor, der das Risiko einer späteren Psychopathologie reduziert. Sich an gute Zeiten zu erinnern, macht junge Menschen offenbar widerstandsfähiger gegen Stress und weniger empfindlich für Depressionen.

Literatur

Askelund, A. J., Schweizer, S., Goodyer, I. M. & van Harmelen, A. L. (2019). Positive memory specificity reduces adolescent vulnerability to depression. Nature Human Behaviour, doi:10.1101/329409.



Experten und Laien

Forschungen über die Psychologie des Extremismus zeigen, dass extreme Haltungen oft Menschen entwickeln, die glauben, dass sie komplexe Themen besser verstehen, als sie es tatsächlich tun. Untersuchungen zur gesellschaftlicher Relevanz von genetisch modifizierter Nahrung zeigen, dass über neunzig Prozent der Studienteilnehmer angeben, dass sie zumindest leichte Aversion gegen diese hegen, doch je stärker diese Aversion ist, umso mehr Wissen über das Thema schreiben sie sich selber zu und umso weniger Wissen haben sie tatsächlich. Kurz: Extreme Gegner wissen es am wenigsten, aber sie denken, dass sie am meisten wissen.Fast identische Ergebnisse fand man in Bezug auf die Gentherapie, denn auch hier ist das Verhältnis zwischen Aversion, vermeintlichem und tatsächlichem Wissen ähnlich.

Literatur

Fernbach, P. M., Light, N., Scott, S. E., Inbar, Y. & Rozin, P. (2019). Extreme opponents of genetically modified foods know the least but think they know the most. Nature Human Behaviour, doi:10.1038/s41562-018-0520-3.



Trauma, Schlafstörungen und gedächtnisbezogenen Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung

Menschen, die extreme körperliche Gewalt, einen Terroranschlag, Unfall, Krieg oder sonst Erschütterndes erlebt haben, schaffen es mitunter nicht, das Erlebte zu verarbeiten. Bei der posttraumatischen Belastungsstörung wird für die Betroffenen die Erinnerung zum Problem, denn belanglose Kleinigkeiten wie ein Geruch lösen ohne Vorwarnung Flashbacks aus. Typisch ist auch, neben Symptomen wie zwanghaftes Grübeln oder Reizbarkeit, dass Betroffene sich an wesentliche Teile des Geschehens nicht vollständig erinnern können, offenbar ist bei Trauma-Folgestörungen also auch das Gedächtnis beeinträchtigt. Neuere Untersuchungen zeigen nun auch, dass traumatische Ereignisse Schlafstörungen auslösen können, die ihrerseits gedächtnisbezogene Symptome wie Flashbacks, also das ständige Wiedererleben des Traumas, oder Erinnerungslücken verursachen. Siebzig bis über neunzig Prozent der Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen leiden an Ein- und Durchschlafstörungen, wobei der Schlaf generell eine entscheidende Rolle beim Abspeichern ins Langzeitgedächtnis und für das Konsolidieren des Gedächtnisses spielt.

Um das Zusammenspiel von Trauma, Schlafstörungen und gedächtnisbezogenen Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung näher zu beleuchten, konfrontierten Sopp et al. (2018) Probanden mit traumatischen Filminhalten. In ihrer experimentellen Studie untersuchten sie, wie sich diese Filminhalte, die eine Art kleines, zeitlich begrenztes Trauma auslösen, bei robusten Schläferinnen und Schläfern ohne Schlafschwierigkeiten auf die Schlafqualität und auf spontane, belastende Erinnerungen auswirken. Die Schlafdauer war in der Trauma-Gruppe reduziert, der Non-Rem-Schlaf signifikant reduziert und die Wachphasen in der Nacht waren länger. Die Probanden der Trauma-Gruppe führten im Anschluss mehrere Tage ein Tagebuch und dokumentierten, wie oft sie an Szenen des Films dachten und wie belastend sie dies empfanden. Außerdem beantworteten sie Fragebögen, in denen typische Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung wie Flashbacks abgefragt wurden. Dabei zeigte sich, dass je mehr REM-Schlafphasen die Probanden hatten, desto weniger Flashbacks sie nach Schlüsselreizen hatten und diese auch als weniger belastend empfanden.

Literatur

M. Roxanne Sopp, Alexandra H. Brueckner, Sarah K. Schäfer, Johanna Lass-Hennemann & Tanja Michael (2018). REM theta activity predicts re-experiencing symptoms after exposure to a traumatic film. Sleep Medicine, 54, 142-152.



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