Zwölf Produkte sind die ideale Auswahlgröße

Bei Entscheidungen sind zu viele Auswahlmöglichkeiten oft hinderlich, auch wenn diese von Menschen als attraktiv angesehen werden. Man vermutet daher, dass mit einem größer werdenden Angebot an Optionen die Vorteile der größeren Auswahl immer geringer werden, d.h., die Wahrscheinlichkeit, dass eine noch bessere Option dabei ist, wird immer geringer. Umgekehrt nehmen die Kosten, eine Entscheidung zu treffen, immer stärker zu, denn man braucht mehr Zeit, kann sich nicht alle Optionen merken, denn der Vergleich wird schwieriger. Ab einem bestimmten Punkt übersteigen die kognitiven Kosten die Vorteile einer großen Auswahl und man wird dabei demotiviert, ist letztlich unzufrieden mit der Entscheidung oder trifft überhaupt keine Entscheidung mehr.

Reutskaja et al. (2018) haben untersucht, was dabei im Gehirn vor sich geht, und es zeigte sich, dass Probanden eine kleine Auswahl an sechs Produkten als zu gering ansahen, die Wahl aus vierundzwanzig hingegen war diesen zu schwierig, wobei die optimale Auswahlgröße bei den meisten etwa Zwölf betrug. Die Gehirnaktivität in den Basalganglien und dem anterioren cingulären Cortex, die an Entscheidungsprozessen beteiligt sind, spiegelte diese präferierte mittlere Auswahlgröße wider. Die Gehirnaktivität in diesen Arealen war immer dann am höchsten, wenn zwölf Bilder zur Wahl standen. Die ForscherInnen vermuten, dass die Aktivität in diesen Arealen die Differenz zwischen dem kleiner werdenden Nutzen eines größer werdenden Auswahlangebots und den steigenden Bearbeitungskosten widerspiegelt. Wird die Auswahl zu groß, übersteigen die Kosten den Nutzen, die Aktivität sinkt, und es entsteht die berühmte Qual der Wahl.

Literatur

Reutskaja, E., Lindner, A., Nagel, R., Andersen, R. A. & Camerer, C. F. (2018). Choice overload reduces neural signatures of choice set value in dorsal striatum and anterior cingulate cortex. Nature Human Behaviour, doi:10.1038/s41562-018-0440-2.



Schleifen im episodischen Gedächtnis

Bekanntlich ist das menschliche Gedächtnis einerseits sehr präzise, d. h., es kann ähnliche Ereignisse trennen, andererseits ist es integrativ, d. h., es kann sich an Gemeinsamkeiten zwischen ähnlichen Ereignissen erinnern. Jüngste Befunde (Koster et al., 2018) stellen nun die damit verbundene Hypothese in Frage, dass der Hippocampus auf das episodische Gedächtnis spezialisiert ist, indem man zeigen konnte, dass er auch die Integration von Informationen über ältere Erfahrungen hinweg unterstützt, sodass das das menschliche Gedächtnis gleichzeitig detailgetreu und integrativ sein kann. Der neue Ansatz geht nun davon aus, dass diese beiden gegensätzlichen Funktionen durch Schleifen erreicht werden.

Ultrahochauflösende fMRI-Daten unterstützen diese Annahme, da sie zeigen, dass gewonnenen Informationen als neuer Input auf dem oberflächlichen entorhinalen Cortex präsentiert werden, wobei diese funktionelle Konnektivität zwischen der tiefen und oberflächlichen entorhinalen Schicht gesteuert wird. Darüber hinaus korrelierte die Größe dieser Konnektivität mit der inferenzmäßigen Leistung, was ihre Bedeutung für das Verhalten unterstreicht. Offenbar speichert das Gedächtnis ähnliche Ereignisse zwar erst getrennt ab, speist aber diese getrennten Erinnerungen wieder ins Gedächtnis zurück, damit diese in einem zweiten Schritt miteinander verknüpft werden können.

Diese Ergebnisse bieten eine neue Perspektive auf die Informationsverarbeitung innerhalb des Hippocampus und unterstützen einen einheitlichen Rahmen, in dem der Hippocampus die Struktur höherer Ordnung über Erfahrungen hinweg erfasst, indem er einen dynamischen Gedächtnisspeicher aus getrennten episodischen Codes für individuelle Erfahrungen schafft.

Literatur

Raphael Koster, Martin J. Chadwick, Yi Chen, David Berron, Andrea Banino, Emrah Düzel, Demis Hassabis & Dharshan Kumaran (2018). Big-Loop Recurrence within the Hippocampal System Supports Integration of Information across Episodes, Neuron, 99, 1342–1354.



Neue Persönlichkeitstypologie

Es ist inzwischen in der Psychologie allgemein anerkannt, dass es etwa fünf große Persönlichkeitsdimensionen (Extraversion, Fähigkeit zum Kompromiss, Bewusstheit, emotionale Instabilität und Offenheit für Kenntnisse und neue Erfahrungen) gibt, die als Persönlichkeitsprofil einen Menschen beschreiben können, jedoch ist im Gegensatz zu Persönlichkeitsmerkmalen die Existenz von Persönlichkeitstypen äußerst umstritten. Das liegt meist daran, dass bei der Bestimmung solcher Typologien meist zu kleine Stichprobengrößen und die mangelnde Reproduzierbarkeit von Datensätzen und Methoden zu nicht eindeutigen Ergebnissen über Persönlichkeitstypen geführt haben. Hier haben Gerlach et al. (2018) einen alternativen Ansatz zur Identifizierung von Persönlichkeitstypen entwickelt, den sie auf vier große Datensätze mit mehr als 1,5 Millionen Teilnehmern angewandt haben. Sie fanden belastbare Beweise für mindestens vier verschiedene Persönlichkeitstypen, die die zuvor vorgeschlagene Typologien erweitern und verfeinern:

Ein „durchschnittlicher“ Mensch wird durch Offenheit und einen hohen Grad der Extraversion, jedoch niedrige Aufgeschlossenheit für eine neue Erfahrung gekennzeichnet, wobei in diese Kategorie mehr Frauen als Männer fallen.

Ein „reservierter“ Mensch ist emotional stabil, geschlossen und in sich gekehrt, was ihn aber nicht daran hindert, Berührungspunkte mit anderen Menschen zu finden. Trotz ihrer Zurückhaltung sind sie angenehme und gewissenhafte Zeitgenossen.

„Vorbilder“ (role model) besitzen eine stabile Psyche, sie sind offen und sogar von der Gewinnung neuer Kenntnisse und Erfahrungen abhängig, sie sind zudem auch äußerst nachgiebig, was ebenfalls öfter bei Frauen zu finden ist. Meist besitzen sie mehr Lebenserfahrung als andere.

„Selbstzentrierte“ Menschen sind durch ein hohes Maß an Extraversion gekennzeichnet, allerdings, was die anderen drei Werte betrifft, während Bewusstheit, Fähigkeit, mit Menschen Kompromisse zu finden, und Offenheit gegenüber allem Neuen unter dem Durchschnitt ausgeprägt sind. Selbstzentrierte sind zwar gesellig, doch wenig empathisch, nimmt kaum Rücksicht, ist nicht sehr zuverlässig, jedoch leicht kränkbar.

4 persönlichkeit typen

Literatur

Gerlach, Martin, Farb, Beatrice, Revelle, William & Nunes Amaral, Luís A. (2018). A robust data-driven approach identifies four personality types across four large data sets. Nature Human Behaviour, doi:10.1038/s41562-018-0419-z.

Bildquelle: Northwestern University, https://www.northwestern.edu/



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