Persönlichkeitsentwicklung von Einzelkindern

11. Mai 2017 – 12:40

Es gibt nur wenige Anhaltspunkte dafür, dass Einzelkinder typische Persönlichkeitsmerkmale ausbilden, hinsichtlich derer sie sich von Geschwisterkindern unterscheiden. Das Einzelkinddasein erweist sich dann als Risikofaktor, wenn z.B. Eltern ihr einziges Kind zu sehr mit Wünschen, Ansprüchen, Forderungen und Förderungen überfrachten, wenn sie nicht loslassen können und es überbehüten und nicht angemessen abnabeln, aber auch Eltern, die sich gefühlsmäßig wenig engagieren, distanziert bleiben und kaum Anteil nehmen am Wohl ihres Kindes, weil ihnen die Partnerschaft oder der Beruf wichtiger sind, erweisen sich als gewisser Risikofaktor, der jedoch in Mehrkinderfamilien ebenso zu registrieren ist.
Das bedeutet aber nicht, dass sich im Einzelfall die Tatsache als Einzelkind – z.B. mit einer überbehütenden, grenzüberschreitenden Mutter aufzuwachsen – nicht schicksalhaft auswirken kann. Dies ist jedoch nicht typisch für eine größere Gruppe von Einzelkindern und lässt sich allenfalls übertragen auf andere, ähnlich beschaffene Einzelfälle. Es gibt auch keine wissenschaftlich fundierte Berechtigung dafür, Einzelkinder in einer Gruppe zusammenzufassen und mit Geschwisterkindern zu vergleichen. Einzelkinder wachsen unter Bedingungen auf, die denen von Geschwisterkindern weitgehend entsprechen, denn es führt z.B. das Aufwachsen mit nur einem Elternteil bzw. die Berufstätigkeit beider Eltern zu vergleichbaren Effekten gleichgültig, ob ein Kind ein Geschwister hat oder keines. Entscheidend für die Persönlichkeitsentwicklung sind die tagtäglichen Erziehungs- und Sozialisationserfahrungen, mit denen es Einzelkinder und Geschwisterkinder zu tun haben, sowie die Art und Weise, wie diese subjektiv wahrgenommen und verarbeitet werden.
Ob Menschen als Einzelkinder oder mit Geschwistern aufwachsen, kann übrigens auch die Entwicklung des Gehirns beeinflussen, wobei die Familiensituationen eine unterschiedliche strukturelle Entwicklung des kindlichen Gehirns bewirken können. Untersucht (Yang et al., 2017) wurden Studenten, die in einer Familie mit zwei Elternteilen aufgewachsen waren, wobei diese neben Gehirnscans auch Kreativitäts- und Intelligenztest und Persönlichkeitstest durchführen mussten. Es zeigten sich bei Volumenunterschiede der grauen Substanz im Gehirn, wobei diese bei Einzelkindern in jenem Bereich ausgeprägter war, der mit der Vorstellungskraft zusammenhängt, jedoch war sie schlechter in den Arealen entwickelt, der mit sozialem Verhalten in Verbindung steht. Einzelkinder schnitten bei Kreativitätstests besser ab, bei den Verhaltenstests hingegen schlechter.

Siehe dazu die Texte Ich war ein Einzelkind, Plötzlich kein Einzelkind mehr

Literatur
Kasten, Hartmut (1995). Einzelkinder – Aufwachsen ohne Geschwister. Berlin: Springer.
Yang, J., Hou, X., Wei, D., Wang, K., , Li, Y. & Qiu, J. (2017). Only-child and non-only-child exhibit differences in creativity and agreeableness: evidence from behavioral and anatomical structural studies. Brain Imaging and Behavior, 11, 493–502.



Arten von Schlafstörungen

1. Mai 2017 – 07:15

Es gibt viele Arten von Schlafstörungen, die unbehandelt zu Tagesmüdigkeit mit erhöhter Unfallgefahr führen,und Depressionen auslösen können.

  • Psychophysiologische Schlafstörungen: Ursachen können erhöhte körperliche oder seelische Anspannung sein. Auch nächtliches Grübeln gehört dazu.
  • Narkolepsie: Durch eine Regulationsstörung im Wach-Schlaf-Zentrum im Gehirn kommt es zu plötzlichen Schlafattacken unter Tags. Man schläft z.B. im Kino, beim Fernsehen und bei anderen eintönigen Tätigkeiten ein. In der Nacht wacht man immer wieder auf. Davon sind etwa zwei Prozent der Bevölkerung sind betroffen.
  • Schlafapnoe-Syndrom: Es betrifft meist Schnarcher und ist gekennzeichnet durch viele nächtliche Atemaussetzer für mehr als zehn Sekunden. Die Sauerstoffsättigung im Blut fällt ab, die Leute fühlen sich am Morgen wie gerädert. Das Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzrhythmusstörungen kann sich dadurch erhöhen.
  • Restless-legs-Syndrom: Diese Gefühlsstörungen in den Beinen, die vorwiegend in Ruhe und nachts auftreten, lassen die Betroffenen nicht einschlafen. Diese haben das Bedürfnis, die Beine immer zu bewegen. In Europa leiden sechs bis zwölf Prozent der Bevölkerung darunter.

Übrigens: Einen Vorteil haben Schlafstörungen, den sie sind die beste Voraussetzung dafür, sich an seine Träume zu erinnern. Siehe dazu Erinnerung an Träume.


Kurioses: Neu auf dem Markt sind „Weighted Blankets“, künstlich beschwerte Decken, die sich wie eine Umarmung um den Körper schmiegen. Gefüllt sind sie mit Granulat, das mit der Bewegung des Körpers mitgeht und ihn umhüllt. Entwickelt wurden diese Decken schon Ende der 1990er Jahre für hyperaktive Kinder, die unter der acht bis zehn Kilogramm schweren Last abends angeblich leichter zur Ruhe kommen, doch in letzter Zeit werden sie aber auch von Erwachsenen mit Schlafproblemen gekauft, die sich darunter geborgener fühlen.



Das soziale Gehirn

28. April 2017 – 13:58

Franca Parianen hat in ihrem Buch die Erkenntnisse zu den sozialen Fähigkeiten des menschlichen Gehirns zusammengetragen, denn ohne diese könnten sich Menschen nicht mit anderen austauschen, nicht streiten, nicht schmollen und auch nicht wieder versöhnen. Ohne das soziale Gehirn gäbe es auch keine Gesellschaft, keine Kultur, keine Arbeitsteilung und keine Liebe. In dem Buch geht es um Situationen wie die erste Kommunikation zwischen Eltern und Kind oder die zwischen Verliebten. Parianen geht schrittweise von unserer Fähigkeit zur Selbsterkenntnis, die Kommunikation eines Gehirns mit sich selbst, zur Beziehung zwischen zwei Gehirnen, bis hin zu unserem Verhältnis zu Gruppen, ganzen Nationen oder dem Rest der Welt. Wichtige psychologische Erkenntnisse zu Spiegelneuronen, der Theory of Mind, dem Hormon Oxytocin oder das Aggressionspotential von Testosteron werden auf dem aktuellen Wissensstand vorgestellt.



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