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Was bedeutet das Bedürfnis nach Individuation?

    Das Bedürfnis nach Individuation bezeichnet in der Psychologie das grundlegende Bestreben eines Menschen, sich zu einer eigenständigen, unverwechselbaren Persönlichkeit zu entwickeln und das eigene Potenzial in Abgrenzung zu kollektiven Normen oder Erwartungen zu entfalten. Dieser Begriff wurde durch den Schweizer Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung (1875–1961) geprägt, der die Individuation als einen lebenslangen Reifungsprozess verstand. Nach Jung strebt jeder Mensch danach, sein „wahres Ich“ zu finden, indem er bewusste und unbewusste Anteile seiner Psyche – wie etwa den… Weiterlesen »Was bedeutet das Bedürfnis nach Individuation?

    Quengelzone

      Der Begriff Quengelzone, gelegentlich auch als „Kassenzone“ oder im Englischen als „Pester Power Zone“ bezeichnet, beschreibt in der Verkaufs- und Konsumentenpsychologie einen strategisch gestalteten Bereich im Einzelhandel – meist unmittelbar vor oder im Kassenbereich –, der darauf abzielt, durch die Platzierung spezifischer Waren Impulskäufe zu provozieren, die primär durch das Betteln oder Quengeln von Kindern ausgelöst werden. Psychologisch basiert dieses Phänomen auf der gezielten Ausnutzung der kindlichen Selbstregulationsfähigkeit und der elterlichen Stressbelastung in Wartesituationen. Da die Kasse… Weiterlesen »Quengelzone

      Altersabhängige Verzerrungen in der Gesichtserkennung

        Das Phänomen des Own-Age Bias beschreibt die altersabhängigen Verzerrung in der Gesichtserkennung, also die Tendenz von Menschen, Gesichter von Personen aus der eigenen Altersgruppe besser wiederzuerkennen als Gesichter deutlich jüngerer oder älterer Personen. Zwar ist dieser Effekt in der psychologischen Forschung seit Langem bekannt, doch eine Studie von Civile & Wang (2025) zeigte, dass er nicht für alle Altersgruppen gleichermaßen gilt und stark von Lebenserfahrung und wahrnehmungsbezogener Expertise abhängt. In einem Experiment untersuchte manzwei klar getrennte Altersgruppen:… Weiterlesen »Altersabhängige Verzerrungen in der Gesichtserkennung

        Das flüchtige Fenster der Gegenwart

          In der physikalischen Welt ist die Gegenwart ein dimensionsloser Punkt, ein mathematischer Nullpunkt zwischen der bereits verstrichenen Vergangenheit und der noch nicht eingetretenen Zukunft. Aus psychologischer Sicht hingegen ist das „Jetzt“ keine bloße Grenze, sondern ein ausgedehntes Zeitintervall, das oft als Präsenzzeit oder Specious Present bezeichnet wird. Der Pionier der Psychologie, William James, prägte diesen Begriff bereits Ende des 19. Jahrhunderts und beschrieb die Gegenwart nicht als messerscharfe Kante, sondern als einen Zeitraum mit einer gewissen Tiefe,… Weiterlesen »Das flüchtige Fenster der Gegenwart

          Psychologie des Wohlbefindens – Pursuit of Happiness

            Die Menschen kommen durch nichts den Göttern näher, als wenn sie Menschen glücklich machen. Cicero Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind. Charles-Louis de Montesquieu Das Glück hat die Vorstellungswelten der Menschen tiefgreifend beeinflusst und ist heute im Alltag präsent bis über die Grenze des Erträglichen hinaus. Glück ist zu einem grundlegenden Bestandteil dessen geworden, wie Menschen… Weiterlesen »Psychologie des Wohlbefindens – Pursuit of Happiness

            Der Takt der Relevanz: Neuronale Synchronisation als Filter des Bewusstseins

              Um in einer komplexen Umwelt handlungsfähig zu bleiben, muss das menschliche Gehirn die riesige Menge einströmender Sinnesdaten fortwährend sortieren und nur die Informationen ins Bewusstsein lassen, die für die aktuelle Situation von Bedeutung sind. Forschende der Universität Bremen, insbesondere am Zentrum für Kognitionswissenschaften unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Kreiter, haben entschlüsselt, dass dieser Filterprozess auf einer hochpräzisen zeitlichen Abstimmung der neuronalen Kommunikation basiert. Entgegen der früheren Annahme, dass wichtige Reize lediglich durch eine höhere Signalstärke… Weiterlesen »Der Takt der Relevanz: Neuronale Synchronisation als Filter des Bewusstseins

              Wenn Maschinen menschlich werden

                Es beginnt harmlos, fast zärtlich. Mit einem aufmunternden Satz an das alte Auto, das sich ächzend die Rampe der Tiefgarage hinaufquält. Mit einem kurzen Dank an das Navigationssystem oder einem unbewussten Ärger über den Laptop, der heute „nicht will“. Was wir dabei tun, ist so alt wie der Mensch selbst: Wir verleihen Dingen ein Innenleben. Wir sprechen ihnen Absichten, Gefühle und eine Art Charakter zu, betreiben also Anthropomorphismus. Mit der künstlichen Intelligenz erreicht diese Neigung jedoch eine… Weiterlesen »Wenn Maschinen menschlich werden

                Was versteht man unter infantiler Amnesie?

                  Unsere früheren Lebensjahre erscheinen wie aus dem Gedächtnis gelöscht. Aber woher kommt diese Erinnerungslücke – und wie entstehen bleibende Kindheitserinnerungen? Dass wir uns kaum an unsere ersten Lebensjahre erinnern können, ist ein faszinierendes psychologisches Phänomen, das in der Wissenschaft als infantile Amnesie bezeichnet wird. Diese Gedächtnislücke rührt nicht etwa daher, dass Kleinkinder unfähig sind zu lernen oder Informationen zu speichern – im Gegenteil, das Gehirn ist in dieser Phase extrem aufnahmefähig –, sondern liegt vielmehr in der… Weiterlesen »Was versteht man unter infantiler Amnesie?

                  Geteilte Realität: Liebe kann Erinnerungen synchronisieren

                    In der Psychologie ist bekannt, dass das menschliche Gedächtnis kein starres Archiv, sondern ein hochdynamisches, rekonstruktives System ist. Eine Studie von Zhang et al. (2024)hat dieses Verständnis nun um eine faszinierende soziale Komponente erweitert, denn es zeigt sich, dass romantische Partner ihre Gedächtnisprozesse auf neuronaler Ebene synchronisieren. Dieses Phänomen führt zu einer Art gemeinsamen Vergessens, das eine kohärente gemeinsame Sicht auf die Welt fördert, jedoch auf Kosten individueller Detailgenauigkeit geht. Im Zentrum der Untersuchung stand das „socially… Weiterlesen »Geteilte Realität: Liebe kann Erinnerungen synchronisieren

                    Hängt der Blutfluss im Gehirn tatsächlich mit neuronaler Aktivität zusammen?

                      Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) galt über fast drei Jahrzehnte als Goldstandard der Hirnforschung, basierend auf der zentralen Annahme, dass ein erhöhter Blutfluss in bestimmten Gehirnarealen direkt mit einer gesteigerten neuronalen Aktivität gleichzusetzen ist. Eine aktuelle Studie von Epp et al. (2025) stellt dieses fundamentale Dogma der Neurowissenschaften nun grundlegend infrage, indem sie nachweist, dass das herkömmliche BOLD-Signal (blood-oxygenation-level-dependent) den tatsächlichen Energie- und Sauerstoffverbrauch des Gehirns oft unzureichend oder sogar widersprüchlich widerspiegelt. Durch den Einsatz neuartiger, quantitativer MRT-Verfahren… Weiterlesen »Hängt der Blutfluss im Gehirn tatsächlich mit neuronaler Aktivität zusammen?

                      Die Rolle der Mitochondrien für Organisation und Leistungsfähigkeit des Gehirns

                        Das Gehirn ist eines der energieintensivsten Organe des Körpers und seine Funktionsfähigkeit beruht nicht nur auf der Verschaltung von Nervenzellen, sondern ebenso auf den inneren Strukturen dieser Zellen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Mitochondrien, die als Energieproduzenten bekannt sind, jedoch weit darüber hinausgehende Aufgaben übernehmen. Sie beeinflussen die Signalübertragung zwischen Nervenzellen, regulieren zelluläre Stoffwechselprozesse und sind an grundlegenden Entscheidungen über Anpassung, Aktivität und Überleben von Zellen beteiligt. Ihre Organisation innerhalb der Nervenzellen ist daher eng mit… Weiterlesen »Die Rolle der Mitochondrien für Organisation und Leistungsfähigkeit des Gehirns

                        Flexible Umverteilung in kognitiven Netzwerken: Wie das Gehirn auf Störungen reagiert

                          Hartwigsen (2018) betrachtet kognitive Funktionen des menschlichen Gehirns als das Ergebnis großräumiger neuronaler Netzwerke und lenkt den Fokus auf deren Fähigkeit, auf fokale Störungen flexibel zu reagieren. Während frühere Arbeiten vor allem die Netzwerkorganisation betonten, blieb bislang unklar, wie diese Netzwerke Ausfälle einzelner Regionen kompensieren können. Hartwigsen schlägt hierfür eine neue Perspektive vor, nach der kognitive Netzwerke ihre interne Aufgabenverteilung dynamisch anpassen. Er argumentiert, dass die relative funktionale Gewichtung einzelner Hirnareale innerhalb eines Netzwerks rasch verändert werden… Weiterlesen »Flexible Umverteilung in kognitiven Netzwerken: Wie das Gehirn auf Störungen reagiert