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Ursachen, Diagnostik und therapeutische Ansätze bei Tinnitus

    Dauerhafte Ohrgeräusche stellen für viele Betroffene eine erhebliche alltägliche Belastung dar. Während kurzzeitige Wahrnehmungen wie Pfeifen oder Rauschen nach lauten Ereignissen weit verbreitet sind, spricht man ab einer Dauer von drei Monaten von einem chronischen Zustand. Fachlich wird primär zwischen seltenen objektiven Tönen – ausgelöst durch reale körpereigene Quellen wie Gefäßpulsieren oder Muskelzuckungen – und den deutlich häufigeren subjektiven Wahrnehmungen unterschieden, für die kein äußeres oder inneres Signal existiert. Die Ausprägungen reichen von Brummen und Zischen bis… Weiterlesen »Ursachen, Diagnostik und therapeutische Ansätze bei Tinnitus

    Der Einfluss von Musik auf das Gedächtnis bei neurodegenerativen Erkrankungen

      In der modernen Musiktherapie bildet das Zusammenspiel von Neurowissenschaften, Gedächtnisforschung und Klangarbeit ein zentrales Anwendungsfeld. Besonderes Gewicht kommt dabei der Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz zu. Das musikalische Gedächtnis nimmt im menschlichen Gehirn eine Sonderstellung ein: Während klassische Gedächtnisstrukturen im Hippocampus und Temporallappen, die für Faktenwissen, Namen und zeitliche Orientierung zuständig sind, bei fortschreitendem Gewebeverlust früh geschädigt werden, bleiben musikalische Erinnerungen oft bis in späte Krankheitsstadien nahezu intakt. Diese Beständigkeit beruht auf zwei wesentlichen Mechanismen:… Weiterlesen »Der Einfluss von Musik auf das Gedächtnis bei neurodegenerativen Erkrankungen

      Psychologische Mechanismen der Aufarbeitung biografischer Aversionen und Traumata

        Schmerzhafte Kindheitserfahrungen und aversive Konditionierungen prägen das Erleben von Erwachsenen oft bis ins hohe Alter. Am Beispiel individueller Fallberichte – wie etwa chronischen Aversionen gegen bestimmte Nahrungsmittel durch frühkindlichen Esszwang oder olfaktorischen Triggern aus institutioneller Unterbringung – zeigt die klinische und kognitive Psychologie, wie tiefgreifend frühe Belastungen im impliziten Gedächtnis verankert sind. Dennoch bietet die zeitgenössische Psychotherapie fundierte Ansätze, wie Betroffene trotz fragmentierter und schmerzhafter Biografie ein erfülltes Leben führen können. Die Natur des autobiografischen Gedächtnisses und… Weiterlesen »Psychologische Mechanismen der Aufarbeitung biografischer Aversionen und Traumata

        Wie das menschliche Gehirn grammatikalische Irrwege korrigiert

          Beim Lesen bewegt sich das menschliche Auge keineswegs in einer durchgehenden, gleichmäßigen Vorwärtsbewegung über eine Textzeile. Stattdessen setzt sich der Lesevorgang aus schnellen Sprüngen (Sakkaden) und kurzen Ruhephasen (Fixationen) zusammen. Ein wesentlicher Teil dieser Bewegungen verläuft zudem rückwärts: Etwa jede fünfte Blickbewegung dient dazu, bereits gelesene Textpassagen erneut zu erfassen. In der Sprachwissenschaft existiert seit langem die Annahme, dass der kognitive Aufwand beim Verstehen von Sprache maßgeblich von der Erwartbarkeit einzelner Wörter abhängt. Das Gehirn antizipiert laufend… Weiterlesen »Wie das menschliche Gehirn grammatikalische Irrwege korrigiert

          Gibt es eine gesunde Verdrängung?

            Zwischen Schutzschild und Schatten: Das psychoanalytische wie kognitive Dilemma der funktionalen Verdrängung Die Fragestellung, ob es im Rahmen psychologischer Gesetzmäßigkeiten eine im weitesten Sinne funktionale oder gar gesunde Verdrängung geben kann, berührt ein zentrales Spannungsfeld der Persönlichkeitspsychologie und Psychotherapie. In der klassischen Psychoanalyse nach Sigmund Freud gilt Verdrängung (Repression) primär als ein unbewusster Abwehrmechanismus, bei dem inakzeptable Triebimpulse, traumatische Erinnerungen oder angstauslösende Konflikte aus dem Bewusstsein ins Unbewusste verschoben werden (Freud, 1915/1946). Freud betrachtete diese unbewusste Sperre… Weiterlesen »Gibt es eine gesunde Verdrängung?

            Warum manche Erinnerungen die Menschen verfolgen

              Das dauerhafte Bestehen emotional bedeutsamer Erinnerungen beruht auf einem komplexen neurobiologischen Zusammenspiel zwischen dem System der Gedächtnisbildung und emotionalen Steuerungszentren im Gehirn. Neue Deklarativinformationen werden zunächst im Hippocampus enkodiert, wo vorübergehende synaptische Anpassungen stattfinden. Um jedoch über Jahre oder ein ganzes Leben hinweg bestehen zu bleiben, müssen diese Gedächtnisspuren den Prozess der Systemkonsolidierung durchlaufen, bei dem sie vor allem während der Tiefschlafphasen schrittweise in neocortikale Netzwerke übertragen und dort langfristig verankert werden (Diekelmann & Born, 2010; Squire… Weiterlesen »Warum manche Erinnerungen die Menschen verfolgen

              Die neurobiologische Verarbeitung menschlicher Mimik im Hundehirn

                Die evolutionäre Co-Evolution von Mensch und Hund hat zu einer im Tierreich einzigartigen interspezifischen Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit geführt. Während in verhaltensbiologischen Untersuchungen bereits seit Längerem bekannt ist, dass Haushunde (Canis lupus familiaris) menschliche Emotionen anhand mimischer Reize unterscheiden können, blieben die zugrunde liegenden neurobiologischen Mechanismen weitgehend ungeklärt. Eine funktionelle Magnetresonanztomographie-Studie (fMRI) an wachen, nicht sedierten Hunden liefert nun vertiefende Einblicke in die funktionelle Organisation des kognitiven und affektiven Hundehirns (Hernández-Pérez et al., 2026). Die Ergebnisse belegen nicht… Weiterlesen »Die neurobiologische Verarbeitung menschlicher Mimik im Hundehirn

                Verlaufsformen, Ursachen und Schutzfaktoren kindlicher Gewalt in der Familie

                  Die körperliche Gewalt von Kindern und Jugendlichen gegenüber ihren eigenen Eltern (Physical youth-to-parent aggression, PYPA) gehört zu den am wenigsten erforschten Formen familiärer Aggression. Dennoch zeigen empirische Daten, dass es sich keineswegs um Einzelfälle handelt: Rund ein Drittel aller jungen Menschen gibt an, mindestens einmal im Laufe des Heranwachsens handgreiflich gegenüber den eigenen Eltern geworden zu sein – sei es durch Schläge, Tritte oder das gezielte Werfen von Gegenständen. Eine langjährige Schweizer Längsschnittstudie des Zurich Project on… Weiterlesen »Verlaufsformen, Ursachen und Schutzfaktoren kindlicher Gewalt in der Familie

                  Das Gefühl Neid ist nicht nur negativ zu bewerten

                    Es gehört zu den universellen Erfahrungen des menschlichen Daseins, und doch redet kaum jemand offen darüber: Alle Menschen kennen Neid, aber niemand gibt gern zu, missgünstig zu sein. Kaum eine andere Emotion ist gesellschaftlich so stark tabuisiert und mit Scham besetzt. Menschen geben ohne Zögern zu, traurig, wütend oder überfordert zu sein, aber das Eingeständnis, den Erfolg, das Wohlstandssymbol oder das scheinbar mühelose Glück einer anderen Person kaum zu ertragen, bleibt meist tief im Verborgenen. Die Psychologie… Weiterlesen »Das Gefühl Neid ist nicht nur negativ zu bewerten

                    Artificial Intelligence vs. Künstliche Intelligenz

                      Die Begründung für dieses Missverständnis lässt sich wissenschaftlich und sprachlich präzise aufschlüsseln. Das Kernproblem liegt in einer semantischen Asymmetrie zwischen der deutschen und der englischen Sprache sowie in der Übertragung eines alltagspsychologischen bzw. anthropomorphen Intelligenzbegriffs auf ein technologisches System. Etymologische Vertauschung: Intelligence vs. Intelligenz Der Schlüssel zur Aufklärung dieses Missverständnisses liegt in der Übersetzung des Begriffs Artificial Intelligence (AI). Englisch (Intelligence): Das englische Wort intelligence leitet sich vom lateinischen intellegere („erkennen“, „einsehen“, „Informationen sammeln“) ab. Es hat… Weiterlesen »Artificial Intelligence vs. Künstliche Intelligenz

                      Extravertiert versus extrovertiert

                        Der Sprachgebrauch unterscheidet sich im Alltag oft überraschend stark von wissenschaftlichen Fachbegriffen. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Bezeichnung für Menschen, die offen, gesellig und nach außen gewandt sind. Während in der Alltagssprache meist die Variante mit „o“ genutzt wird, greift die Fachliteratur auf die Schreibweise mit „a“ zurück. Diese leitet sich direkt aus dem Lateinischen ab und bedeutet wörtlich übersetzt „nach außen gewandt“. Das Sprachgefühl des Alltags hat die Schreibweise zwar über die Jahre angepasst und… Weiterlesen »Extravertiert versus extrovertiert

                        Interpersonale Synchronizität und soziale Bindung

                          Menschliches Verhalten zeichnet sich häufig durch spontane und unbewusste zeitliche Abstimmungen von Bewegungen zwischen Individuen aus. Dieses Phänomen der korporalen Koordination äußert sich sowohl in alltäglichen Dyaden – wie dem gleichzeitigen Wippen der Beine nebeneinander sitzender Personen oder dem gemeinsamen Schritttempo beim Nebeneinanderhergehen – als auch in kollektiven Großgruppen, etwa beim übergangslosen Einsetzen synchronen Klatschens innerhalb eines Publikums. Während die automatische Nachahmung von Haltungen, Gesten und Mimik – bekannt als perzeptiv-motorische Mimikry – bereits eingehend als zwischenmenschlicher… Weiterlesen »Interpersonale Synchronizität und soziale Bindung