Zum Thema ‘Wirtschaftspsychologie’

Die Wirtschaftspsychologie beschäftigt sich mit dem subjektiven Erleben und dem Verhalten von Menschen im ökonomischen Umfeld sowie den sozialen Zusammenhängen, und zielt darauf, dass sie jenen Bereich der Psychologie wirtschaftlicher Sachverhalte umfasst, die sich nicht mit der Produktionsseite, sondern mit der Konsumtionsseite befassen.
In der Wirtschaftspsychologie steht der wirtschaftende Mensch im Mittelpunkt, sei es als Konsument, Unternehmer, Angestellter oder Arbeitssuchender. Wirtschaftspsychologen dienen privaten und öffentlichen Unternehmen, um die psychologische Nachhaltigkeit der Prozesse zu stärken. Dabei geht es vielfach um das Kommunizieren von Unternehmenszielen, aber auch bei größeren Umstrukturierungen und Konflikten ist Wirtschaftspsychologie sinnvoll, denn das zentrale psychologische Thema berührt die Rolle des Vertrauens in Handelsbeziehungen, wie dieses herzustellen und zu pflegen ist. Oft wird dies erst erkannt, wenn es bereits verloren wurde. Ein psychologisch geschulter Blick erleichtert eine präventive Perspektive. Nicht umsonst zählt der Wirtschaftspsychologe oder Industrial-Organizational Psychologist zu den am schnellsten wachsenden Berufsfeldern.

Selbstschädigung



Eigennutz und eine positive Selbstwertbilanz werden oft als Hauptantriebskräfte im Arbeitsleben betrachtet, wobei allerdings eine durchaus häufige Komponente meist ignoriert wird: Selbstschädigende unbewusste Ambitionen können auch bei psychisch Gesunden den Alltag mitbestimmen und die eigene Arbeit sabotieren. Mummendey (2003) kennzeichnet selbstschädigendes Verhalten bei psychisch Gesunden generell als unangepasst, wenn etwa ein Erwerbstätiger eine zu große oder zu geringe Distanz gegenüber der beruflichen Umwelt aufbaut. Es gibt dabei ein reichhaltiges Repertoire möglicher Selbstschädigungen und vorsätzlicher Selbstsabotagen:

Eine primäre Selbstschädigung ist das Ergebnis einer stark negativen Einstellung zur eigenen Person und setzt eine erhöhte Selbstaufmerksamkeit voraus, geht oft mit einem geringen Selbstwertgefühl, starken Schuldgefühlen und negativen Emotionen wie Angst einher. Daraus kann ein Bedürfnis entstehen, sich selbst zu schädigen. Wenn vorhersehbar ist und akzeptiert werden muss, dass ein Verhalten sowohl Nutzen als auch Kosten bringt, spricht man von einem Tradeoff. Befürchten Betroffene eine krass negative Bilanz des Tradeoff, legen sie sich Steine in den Weg, um frühzeitig Entschuldigungsgründe für ihren Misserfolg zu besitzen. Bei kontraproduktive Strategien verhalten sich Menschen ohne bewusste Absicht fehlerhaft, besonders dann, wenn Leistungsdruck auf sie ausgeübt wird.

Literatur

Boothe, B., Marx, W. & Wehner, T. (Hrsg.) (2016). Panne, Irrtum, Missgeschick. Die Psychologie des Alltagslebens in interdisziplinärer Perspektive. Pabst.
Mummendey, H. D. (2003). Selbstschädigung. In B. Boothe & W. Marx (Hrsg.), Panne – Irrtum – Missgeschick. Die Psychopathologie des Alltagslebens in interdisziplinärer Perspektive (S. 145-160). Bern: Huber.



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Online-Kommunikation in Firmen und Organisationen



Zu viele Besprechungen sind ein deutliches Zeichen schlechter Organisation.
Cyril Northcote Parkinson

Die Kommunikation im Berufsalltag führt immer häufiger zu Belastungen und Überbeanspruchung. Häufig gilt: Komplexer Informations- und Meinungsaustausch sei nur in einem Meeting oder einer Video- bzw. Telefonkonferenz sinnvoll. Dr. Jürgen Klippert (Universität Kassel) stellte in einer Studie fest: Stimmen die Deutungsmuster der Beteiligten überein, führt eine E-mail-Korrespondenz zu einem gleichrangigen Ergebnis – bei vergleichsweise minimalem Aufwand.
Die E-mail verfügt über zusätzliche Vorzüge: Sie lässt sich sorgfältig ausarbeiten und später nachlesen.
Anderseits: “Bestehen bei den kommunizierenden Akteuren unterschiedliche Deutungsmuster hinsichtlich der zu verarbeitenden Informationen oder ist die Vertrauensbasis zwischen ihnen nicht ausgeprägt, gewinnen Unmittelbarkeit des Feedbacks und Symbolvarietät eine hohe Bedeutung”; damit empfiehlt sich eine Konferenz, schreibt Klippert im Symposiumsband der 14. Fachtagung der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftspsychologie.
Im gleichen Textbuch berichten Dr. Katrin Allmendinger und Dr. Karin Hamann (Fraunhofer Institut Stuttgart) über verschiedene Varianten von “synchronen Online-Besprechungen”. “Dabei werden Softwarelösungen eingesetzt, bei denen die Teilnehmenden häufig nicht nur als Namen in einer Liste aufgeführt werden, sondern per Video präsent sind. Meist können in den Softwarelösungen u.a. Folien, verschiedene Moderationstechniken und beliebige Dateien visualisiert werden. Die Teilnehmenden kommunizieren unmittelbar über Video- und Audiokanal.” Die Nutzungsformen sind unterschiedlich, doch immer überzeugen die Relationen zwischen Effizienz und eingesparten Reisekosten.
Die Autorinnen beobachteten in ihrer Studie: “In der Regel werden Entscheidungswege, die im virtuellen Raum diskutiert und erarbeitet werden, als transparenter, nachvollziehbarer und verbindlicher erlebt als Face-to-face. Dies ist u.a. durch den Einsatz demokratisierender Moderationstechniken bedingt.”



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Zwölf Produkte sind die ideale Auswahlgröße



Bei Entscheidungen sind zu viele Auswahlmöglichkeiten oft hinderlich, auch wenn diese von Menschen als attraktiv angesehen werden. Man vermutet daher, dass mit einem größer werdenden Angebot an Optionen die Vorteile der größeren Auswahl immer geringer werden, d.h., die Wahrscheinlichkeit, dass eine noch bessere Option dabei ist, wird immer geringer. Umgekehrt nehmen die Kosten, eine Entscheidung zu treffen, immer stärker zu, denn man braucht mehr Zeit, kann sich nicht alle Optionen merken, denn der Vergleich wird schwieriger. Ab einem bestimmten Punkt übersteigen die kognitiven Kosten die Vorteile einer großen Auswahl und man wird dabei demotiviert, ist letztlich unzufrieden mit der Entscheidung oder trifft überhaupt keine Entscheidung mehr.

Reutskaja et al. (2018) haben untersucht, was dabei im Gehirn vor sich geht, und es zeigte sich, dass Probanden eine kleine Auswahl an sechs Produkten als zu gering ansahen, die Wahl aus vierundzwanzig hingegen war diesen zu schwierig, wobei die optimale Auswahlgröße bei den meisten etwa Zwölf betrug. Die Gehirnaktivität in den Basalganglien und dem anterioren cingulären Cortex, die an Entscheidungsprozessen beteiligt sind, spiegelte diese präferierte mittlere Auswahlgröße wider. Die Gehirnaktivität in diesen Arealen war immer dann am höchsten, wenn zwölf Bilder zur Wahl standen. Die ForscherInnen vermuten, dass die Aktivität in diesen Arealen die Differenz zwischen dem kleiner werdenden Nutzen eines größer werdenden Auswahlangebots und den steigenden Bearbeitungskosten widerspiegelt. Wird die Auswahl zu groß, übersteigen die Kosten den Nutzen, die Aktivität sinkt, und es entsteht die berühmte Qual der Wahl.

Literatur

Reutskaja, E., Lindner, A., Nagel, R., Andersen, R. A. & Camerer, C. F. (2018). Choice overload reduces neural signatures of choice set value in dorsal striatum and anterior cingulate cortex. Nature Human Behaviour, doi:10.1038/s41562-018-0440-2.



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