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Gehirn speichert mentale Karten

    Optimale Entscheidungen basieren auf der Fähigkeit, gut vorauszuplanen. Wenn man beispielsweise in Aktien investieren möchte, schätzt man ab, welche Aktien in Zukunft den höchsten Gewinn bringen werden. Dabei überlegt man, wie sich die Werte bestimmter Aktien mit der Zeit verändern könnten und ob es besser wäre, in eine andere Aktie zu investieren, um langfristig einen höheren Gewinn zu erzielen. In Entscheidungssituationen speichert das Gehirn die möglichen Optionen und ihre Werte ab.

    Frühere Studien haben gezeigt, dass das Gehirn Wissen in mentalen Karten repräsentiert, ähnlich einer Landkarte bei räumlicher Navigation. Diese Karten enthalten Informationen über Richtungen und Abstände zwischen Orten und unterstützen somit auch die Vorhersage zukünftiger Orte auf bestimmten Wegen. Es stellt sich die Frage, ob das Gehirn auch abstrakte Dimensionen wie die Werte verschiedener Optionen in einer Entscheidungssituation in einer mentalen Karte repräsentieren kann und damit Vorhersagen für die Zukunft treffen kann.

    Nitsch et al. (2024) haben mittels funktioneller Magnetresonanztomographie die Hirnaktivität der Studienteilnehmenden aufgezeichnet, während diese in einer von den Wissenschaftlern gestellten Aufgabe Entscheidungen trafen. Zunächst beobachteten die Teilnehmenden, wie sich die Punkte oder Werte zweier Handlungsoptionen über mehrere Zeitpunkte veränderten. Anschließend sollten sie die Option wählen, die ihnen zum nächsten Zeitpunkt mehr Punkte und damit einen höheren Gewinn bringen würde. Die Teilnehmenden kalkulierten die Punkte für den zukünftigen Zeitpunkt und erkannten dadurch, wann eine Option plötzlich besser als die andere wurde und wann sie dementsprechend wechseln sollten.

    Während der Lösung dieser Aufgabe zeigte sich, dass der entorhinale Cortex im Gehirn tatsächlich eine zweidimensionale Karte der Werte der beiden Optionen repräsentierte, also eine abstrakte mentale Karte. Die Veränderungen der Werte über die Zeitpunkte spiegeln Wege mit bestimmten Richtungen durch eine zweidimensionale Karte wider. Offenbar bewegten sich die Teilnehmer in einem abstrakten Werte-Raum. Bei der Befragung am Ende des Experiments gab übrigens niemand an, sich eine solche Karte explizit vorgestellt zu haben. Des Weiteren zeigte sich, dass Teilnehmende, welche die Werte in der Aufgabe stärker hochrechneten, auch ihre Fähigkeiten in der räumlichen Navigation in einem Fragebogen besser einschätzten.

    Offenbar ist das Gehirn in der Lage, sehr abstrakte Informationen wie die sich verändernden und zukünftigen Werte verschiedener Handlungsoptionen in einer mentalen Karte zu speichern. Dies kann Aufschluss über einen fundamentalen Mechanismus des Gehirns geben, der dem prospektiven Entscheidungsverhalten zugrunde liegt.



    Literatur

    Nitsch, Alexander, Garvert, Mona M., Bellmund, Jacob L. S., Schuck, Nicolas W. & Doeller, Christian F. (2024). Grid-like entorhinal representation of an abstract value space during prospective decision making. Nature Communications, 15, doi:10.1038/s41467-024-45127-z.
    https://www.mpg.de/21529791/wie-unser-gehirn-handlungsoptionen-abwaegt (24-02-09)


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