Zum Thema ‘Psychologische Grundlagen’

Grundlegende Begriffen und Modellvorstellungen der wissenschaftlichen Psychologie

Verarmung der methodischen Reflexion in der Psychologie



Julia von Thienen kritisiert in ihrem Buch „Kausalniveaus – Eine Methodenanalyse zur Kausalforschung der Psychologie“ eine Verarmung der methodischen Reflexion in der Psychologie, da diese zunehmend die experimentelle Psychologie limitiert. Während früher methodische Ansätze konzeptuell verhandelt wurden, geht es heute vor allem um statistische Rechenverfahren und ihre Verbesserung. Mit diesem Rückzug aus methodologischen Kontroversen geht eine ausgeprägte Tendenz zur Statistisierung einher, d. h., in den Vordergrund der Lehre treten Formeln und Rechenverfahren, die dann von den Studierenden als zeitlose Wege zur Wahrheit missverstanden werden.

Die Verfahren haben für die Atudierenden scheinbar keinen historischen Ursprung und keinerlei philosophischen Gehalt, und für ihre Prüfungen lernen sie einfach verschiedenste Formeln auswendig und sind in der Regel froh, wenn sie die Zeichenketten dann fehlerfrei rezitieren oder niederschreiben können. Das kreative, bisweilen spielerische Moment des Nachdenkens, das ebenso wie eine logische Strenge für die Methodenlehre wesentlich ist, wird daher vernachlässigt. Das liegt daran, dass in der Psychologie bestimmte Forschungsmethoden ätherisch und ungreifbar wirken, und anscheinend über jeden Zweifel erhaben und selbst im Gegensatz zu Grundsätzen der Logik vermeintlich unstrittig sind und nicht mehr als Ergebnis menschlichen Nachdenkens gehandelt werden.

Es wäre für die Psychologie daher essentiell, über die meist vergessenen philosophischen Hintergründe verschiedener psychologischer Methoden nachzudenken und zu reflektieren. Offenbar gibt es gängige philosophische Positionen als jeweilige Entscheidungsgrundlage für die Akzeptanz oder Ablehnung bestimmter Methoden, und dort, wo einzelne (Sub-)Disziplinen zu verschiedenen Urteilen kommen, arbeiten sie mit unterschiedlichen philosophischen Ausgangsannahmen. Damit sind Brüche in der Methodik wie in den Befunden der Psychologie vorprogrammiert, d. h., die Disziplin verweigert ein vollständig kohärentes Wissensgebäude.



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Menschliche Motive haben sich aus tierischen Emotionen entwickelt



Nach Reiner Seidel (2018) entstammen alle menschlichen Motive den Emotionen der Tiere, wobei diese Emotionen der Tiere beim Menschen eine spezifische Ausprägung erfahren als Ausformung zu Motiven. Das schließt allerdings nicht aus, dass durch eine besondere Kombination von Emotionen besondere Motive entstehen können, zu denen es in der Tierwelt keine Analoga gibt. Motive, die sich relativ direkt aus tierischen Emotionen ergeben, sind dabei Grundmotive im Unterschied zu den gemischten Motiven wie etwa die Liebe, die sich aus zwei animalische Emotionen entwickelt hat, der Mutterliebe bzw. Behütung und der körperlichen Zuneigung bzw. Lust. Die Neuerwerbungen des Menschengehirns gegenüber dem der Affen liegen hauptsächlich innerhalb des präfrontalen Cortex, in dem Planung, Koordination und Integration der höheren geistigen Prozesse erfolgen. Damit erst kann der Mensch Doppelaufgaben bewältigen, etwa sich selbst von der Welt unterschieden zu sehen, d.h. er kann Objekte einerseits in ihrer Relevanz für ihn bewerten und sie anderseits objektiv in ihren Eigenschaften als solche wahrnehmen. Der Mensch entwickelt daher erstmals ein doppeltes Bewusstsein, denn er hat nicht nur Gefühle, sondern er kann sich auch im Unterschied zum Tier seiner Gefühle bewusst werden und diese beeinflussen.

Literatur

Reiner Seidel, R. (2018). Die Evolution der Psyche: Wieviel Tier ist der Mensch? Pabst.



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Präregistrierung gegen den publication bias



Um dem publication bias zu entgehen, arbeitet man in der Psychologie seit einigen Jahren mit der Präregistrierung, wobei dieses Konzept der Präregistrierung verlangt, dass die Idee einer Studie und die für die Ergebnisse grundlegende Methodik wie das Sammeln und Auswerten von Daten, für eine bestimmte wissenschaftliche Fragestellung nicht erst am Ende einer Studie, sondern bereits vor dem Sammeln der Daten online registriert und teilweise auch schon in einem Peer-Review-Verfahren akzeptiert wird.
Dies soll das gezielte Nicht-Publizieren kleiner oder nicht-signifikanter Effekte oder ein gezieltes Suchen nach signifikanten Effekten durch statistisches Herumprobieren verhindern und somit ein unverzerrtes Bild der wahren Effekte liefern. Nach Ansicht von Schäfer & Schwarz (2019) besteht nämlich ein nicht zu unterschätzendes Risiko, dass Lehrbücher der Psychologie viele Zufallsbefunde enthalten, die wenig Substanz haben. Da bisher in den einschlägigen Journalen bisher vor allem große bzw. signifikante Effekte publiziert werden, müssten die durchschnittlichen Effekte bei präregistrierten Studien kleiner ausfallen. Das bestätigte sich in der Studie von Schäfer & Schwarz (2019), denn die durchschnittlichen Effekte waren bei präregistrierten Studien nur noch halb so groß, d. h., die in der Vergangenheit publizierten empirischen Effekte sind deutlich in Richtung zu großer Effekte verzerrt. Sieht man sich die Verteilung der Effekte der präregistrierten Studien an, wird sichtbar, dass diese deutlich kleiner sind als die üblichen Konventionen zur Effektstärke. Diese Praktik der Präregistrierung ist als Reaktion auf die Replikationskrise in der Psychologie entstanden, nach der sich viele bekannte Effekte der psychologischen Forschung in nachfolgenden Studien nicht bestätigen ließen.
Literatur
Schäfer, T., & Schwarz, M. (2019). The meaningfulness of effect sizes in psychological research: Differences between sub-disciplines and the impact of potential biases. Frontiers in Psychology, 10, doi:10.3389/fpsyg.2019.00813.
Sterling, Theodore D. (1959). Publication decisions and their possible effects on inferences drawn from tests of significance—or vice versa. Journal of the American Statistical Association, 54, 30–34.


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