Zum Thema ‘Forschung’

Die Psychologie erforscht menschlichen Erlebens und Verhalten, die Entwicklung des Menschen von Geburt an bis zum Tod sowie die physischen Ursachen und äußeren Einflussfaktoren.

Präregistrierung gegen den publication bias



Um dem publication bias zu entgehen, arbeitet man in der Psychologie seit einigen Jahren mit der Präregistrierung, wobei dieses Konzept der Präregistrierung verlangt, dass die Idee einer Studie und die für die Ergebnisse grundlegende Methodik wie das Sammeln und Auswerten von Daten, für eine bestimmte wissenschaftliche Fragestellung nicht erst am Ende einer Studie, sondern bereits vor dem Sammeln der Daten online registriert und teilweise auch schon in einem Peer-Review-Verfahren akzeptiert wird.
Dies soll das gezielte Nicht-Publizieren kleiner oder nicht-signifikanter Effekte oder ein gezieltes Suchen nach signifikanten Effekten durch statistisches Herumprobieren verhindern und somit ein unverzerrtes Bild der wahren Effekte liefern. Nach Ansicht von Schäfer & Schwarz (2019) besteht nämlich ein nicht zu unterschätzendes Risiko, dass Lehrbücher der Psychologie viele Zufallsbefunde enthalten, die wenig Substanz haben. Da bisher in den einschlägigen Journalen bisher vor allem große bzw. signifikante Effekte publiziert werden, müssten die durchschnittlichen Effekte bei präregistrierten Studien kleiner ausfallen. Das bestätigte sich in der Studie von Schäfer & Schwarz (2019), denn die durchschnittlichen Effekte waren bei präregistrierten Studien nur noch halb so groß, d. h., die in der Vergangenheit publizierten empirischen Effekte sind deutlich in Richtung zu großer Effekte verzerrt. Sieht man sich die Verteilung der Effekte der präregistrierten Studien an, wird sichtbar, dass diese deutlich kleiner sind als die üblichen Konventionen zur Effektstärke. Diese Praktik der Präregistrierung ist als Reaktion auf die Replikationskrise in der Psychologie entstanden, nach der sich viele bekannte Effekte der psychologischen Forschung in nachfolgenden Studien nicht bestätigen ließen.
Literatur
Schäfer, T., & Schwarz, M. (2019). The meaningfulness of effect sizes in psychological research: Differences between sub-disciplines and the impact of potential biases. Frontiers in Psychology, 10, doi:10.3389/fpsyg.2019.00813.
Sterling, Theodore D. (1959). Publication decisions and their possible effects on inferences drawn from tests of significance—or vice versa. Journal of the American Statistical Association, 54, 30–34.


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Erinnern ist immer auch Ergänzen



Da das menschliche Gedächtnis erfahrungsgemäß nicht in der Lage ist, sich an alle Details einer vergangenen Erfahrung zu erinnern, füllt es solche Lücken mit wahrscheinlichen Informationen auf. Um nun zu überprüfen, wie das Gehirn solche Gedächtnisinhalte beim Erinnern ergänzt, haben Staresina et al. (2019) Versuchspersonen in acht Versuchsdurchgängen jeweils zehn Landschaftsbilder gezeigt, wobei in jeder Aufnahme ein Detailfoto mit einem von zwei Objekten eingefügt war, etwa eine Himbeere oder ein Skorpion. Die Probanden – Epilepsiepatienten, denen Elektroden ins Gehirn eingepflanzt worden waren – durften jedes der zusammengesetzten Fotos drei Sekunden lang betrachten. Nach einer Pause erhielten sie in einem zweiten Durchgang nur die Landschaften zu sehen und sollten dann angeben, ob dort ursprünglich zusätzlich die Himbeere oder der Skorpion aufgetaucht waren. In der Erinnerungsphase feuerten zunächst die Nervenzellen im Hippocampus, was auch bei einer Kontrollaufgabe der Fall war, bei der die Probanden sich nur einfache Landschaftsaufnahmen einprägen mussten. Bei der Aufgabe, in der die Bilder eine zusätzliche Information enthalten hatten, dauerte die Aktivität des Hippocampus jedoch deutlich länger, wobei während dieser Verlängerung zusätzlich Neuronen im entorhinalen Cortex zu feuern begannen. Dieses Aktivitätsmuster im Cortex ähnelte stark der Erregung, die man dort in der Lernphase gemessen hatte, also bei der Betrachtung des zusammengesetzten Bildes. Diese Ähnlichkeit ging so weit, dass eine Analysesoftware aus der Aktivität des entorhinalen Cortex ablesen konnte, ob sich der jeweilige Teilnehmer gerade an einen Skorpion oder eine Himbeere erinnerte. Dabei handelt es sich um eine Re-Instanziierung, d. h., die Erinnerung versetzt die Nervenzellen in einen ähnlichen Zustand, wie sie ihn beim Betrachten des Fotos hatten. Vermutlich ist der Hippocampus für diese Re-Instanziierung verantwortlich, wobei die hippocampalen Nervenzellen, die in der Verlängerung aktiv werden, mit ihrem Erregungsmuster dem Gedächtnis möglicherweise mitteilen, wo genau der fehlende Teil der Erinnerung abgelegt ist.

Literatur

Staresina, Bernhard P., Reber, Thomas P., Niediek, Johannes, Boström, Jan, Elger, Christian E. & Mormann, Florian (2019). Recollection in the human hippocampal-entorhinal cell circuitry. Nature Communications, doi:10.1038/s41467-019-09558-3.



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Positive Erinnerungen als Resilienzfaktor bei jugendlicher Depression



Depressionen sind weltweit die Hauptursache für Krankheiten und Behinderungen, wobei ein bekannter Risikofaktor für Depressionen die Belastung durch frühen Lebensstress ist. Schon während der Pubertät gibt es oft erste Anzeichen einer Depression, wobei psychische Störungen, die bereits bei jungen Erwachsenen auftreten, zumeist schwerer verlaufen und mit einer größeren Wahrscheinlichkeit für einen späteren Rückfall einhergehen. Askelund et al. (2019) haben nun untersucht, ob aktivierende positive Erinnerungen akute Stressreaktionen dämpfen, und in der Folge bei einer geringeren Cortisolreaktion eine verbesserte Stimmung bei jungen Menschen mit depressivem Verhalten auslösen können. Es ist bisher nicht bekannt, ob die Erinnerung an positive Augenblicke in ihrem Leben die Anfälligkeit junger Menschen für Depressionen durch niedrigeres Cortisol und weniger negative Selbstwahrnehmungen bei schlechter Laune ebenfalls reduziert. Nun fand man auch heraus, dass positive Erinnerungsarbeit mit niedrigerem Morgencortisol und weniger negativen Selbstwahrnehmungen sogar ein Jahr später verbunden war. Analysen zeigten außerdem, dass positive Erinnerungsarbeit spätere depressive Symptome reduziert, indem sie negative Selbstwahrnehmungen als Reaktion auf negative Lebensereignisse reduziert. Die positive Erinnerung dämpft offensichtlich aktiv die negative Wirkung von Stressoren im Laufe der Zeit und wirkt so als Resilienzfaktor, der das Risiko einer späteren Psychopathologie reduziert. Sich an gute Zeiten zu erinnern, macht junge Menschen offenbar widerstandsfähiger gegen Stress und weniger empfindlich für Depressionen.

Literatur

Askelund, A. J., Schweizer, S., Goodyer, I. M. & van Harmelen, A. L. (2019). Positive memory specificity reduces adolescent vulnerability to depression. Nature Human Behaviour, doi:10.1101/329409.



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