Zum Thema ‘Forschung’

Die Psychologie erforscht menschlichen Erlebens und Verhalten, die Entwicklung des Menschen von Geburt an bis zum Tod sowie die physischen Ursachen und äußeren Einflussfaktoren.

Ein Gehirnareal für das Hunger und Durst



Zwar haben Hunger und Durst unterschiedliche Ziele, beide kontrollieren aber ähnliche Verhaltensweisen, wobei wenig über neuronale Prozesse bekannt sind, die zwischen diesen Verhaltenszuständen geteilt werden. Gong et al. (2020) haben im Mäusegehirn die dafür verantwortlichen Abläufe identifiziert, wobei die Aktivität glutamaterger Neuronen in einer Region des Hirnstamms durch Nahrung oder Wasseraufnahme beeinflusst wird. Man bot den Mäusen eine Vielzahl von Flüssigkeiten, während man die Aktivität dieses Areals überwacht, wobei sich zeigte, dass die neuronale Aktivität vermindert war, wenn die Mäuse Wasser oder bitter schmeckende Verbindungen tranken. Der Effekt war jedoch noch ausgeprägter, wenn die Mäuse schmackhafte Erfrischungen wie ein Getränk mit Vanillegeschmack zu sich nahmen. Während eine Aktivierung der Neuronen das Fressen hemmte, fraßen und tranken die untersuchten Mäuse mehr und länger als gewöhnlich, wenn man die Neuronenaktivität blockierte, wobei die Tiere sogar weiterfraßen, wenn sie gut gefüttert waren und mit ausreichend Flüssigkeit versorgt wurden.

Literatur

Gong, Rong, Xu, Shengjin, Hermundstad, Ann, Yu, Yang & Sternson, Scott M. (2020). Hindbrain Double-Negative Feedback Mediates Palatability-Guided Food and Water Consumption. Cell, doi:10.1016/j.cell.2020.07.031.

Bildquelle

https://www.spektrum.de/news/schaltkreis-foerdert-essen-zum-vergnuegen/1764699 (20-09-10)

 



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Wie Hunde menschliche Sprache verarbeiten



Das menschliche Gehirn verarbeitet bei einem Zuruf die lexikalische Bedeutung getrennt von der emotionalen Prosodie der Sprache auf höheren Ebenen der Verarbeitungshierarchie. Prosodie ist dabei die Gesamtheit der lautlichen Merkmale beim Sprechen, die nicht an den Laut bzw. ans Phonem sondern an umfassendere lautliche Einheiten gebunden sind (Intonation, Tempo, Rhythmus, Akzent etc). Gábor et al. (2020) haben nuzn gezeigt, dass auch Hundegehirne lexikalische und emotionale prosodische Informationen in menschlichen gesprochenen Worten auseinanderhalten können. Bekanntlich beherrschen manche Hunde ja Hunderte verbaler Kommandos.

Für diese Studie hat man die Tiere mittels funktioneller Magnetresonanztomographie untersucht, um die neuronale Dynamik der lexikalischen Verarbeitung im Hundegehirn zu erfassen, wobei man ein ereigniskorreliertes Design nutzte, indem man Wiederholungseffekte in den neuronalen Reaktionen von Hunden auf lexikalisch markierte und auf lexikalisch nicht markierte neutrale Wörter in Form von Lob und neutraler Prosodie verglich. Die Tiere hörten in den Versuchen also immer wieder dieselben, bekannten lobenden Worte, einerseits in typischer Tonlage ihrer BesitzerInnen, andererseits in neutraler Form, wobei die Gehirnscans zeigten, dass das Gehirn die Sprachmelodie vorerst im Mittelhirn verarbeitet, dann erst den Inhalt der Worte im Hörzentrum der Großhirnrinde. Dabei konnte man deutlich zeitlich und anatomisch unterschiedliche Anpassungsmuster identifizieren, wobei sich in einer subcortikalen auditorischen Region sowohl kurz- als auch langfristige Anpassunsmuster für die emotionale Prosodie fand, aber keine für die lexikalische Markierung. Wortdarstellungen im auditorischen Cortex von Hunden enthalten demnach also mehr als nur die emotionale Prosodie, mit der sie typischerweise in Verbindung gebracht werden.

Offenbar spiegelt diese Hierarchie der Verarbeitung von verbalen Reizen ein allgemeines Prinzip des Hörens wider, dass nämlich einfachere, emotional geladene Hinweise wie die Intonation oder der emotionale Gehalt in niederen Hirn-Regionen unterhalb der Großhirnrinde analysiert werden, während komplexere, erlernte Hinweise wie Wortbedeutungen dagegen auf einer höheren Stufe in der Großhirnrinde verarbeitet werden.

Literatur

Gábor, Anna, Gácsi, Márta, Szabó, Dóra, Miklósi, Ádám, Kubinyi, Enikő & Andics, Attila (2020). Multilevel fMRI adaptation for spoken word processing in the awake dog brain. Scientific Reports, 10, doi:10.1038/s41598-020-68821-6.



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Fördert Musikausbildung die kognitiven Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen?



Es wird oft behauptet, dass Musikausbildung die kognitiven Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen verbessert, doch lassen Forschungen über den Transfer von solchen Kompetenzen jedoch eher vermuten, dass dieser Transfer von Fähigkeiten nur selten stattfindet. Sala & Gobet (2017) haben in einer Meta-Analyse die verfügbaren experimentellen Belege für den Einfluss der Musikausbildung auf die kognitiven Kompetenzen und die Studierfähigkeiten von Kindern und Jugendlichen untersucht. Dabei zeigte sich eine eher geringe Gesamteffektgröße, etwas größere Effektgrößen fand man im Hinblick auf Intelligenz und gedächtnisbezogene Fähigkeiten bzw. eine umgekehrte Beziehung zwischen der Größe der Effekte und der methodischen Qualität des jeweiligen Studiendesigns.

Vor allem Untersuchungen mit qualitativ hochwertigem Design zeigten keinen Einfluss, denn bei diesen wurden Kontrollgruppen verwendet, also Kinder, die keine Musik lernten übten stattdessen andere Fertigkeiten wie Tanz oder einen Sport. Kleinere Effekte wurden demnach nur bei Studien entdeckt, die keine solchen Kontrollgruppen enthielten.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Musiktraining die kognitiven oder akademischen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen nicht generell verbessert, und dass frühere positive Ergebnisse wahrscheinlich auf andere Variablen zurückzuführen sind. Dennoch kann Musikunterricht für Kinder von Vorteil sein, denn dabei werden etwa auch soziale Fähigkeiten oder das Selbstwertgefühl verbessert, wobei manche Elemente der Musik wie die Notation durchaus das Lernen in anderen Disziplinen wie Mathematik erleichtern kann.

Literatur

Sala, Giovanni & Gobet, Fernand (2017). When the music’s over. Does music skill transfer to children’s and young adolescents’ cognitive and academic skills? A meta-analysis. Educational Research Review, 20, 55-67.



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