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Entwicklungspsychologie

Die Entwicklungspsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie. Ihr Gegenstand ist die Beschreibung und Erklärung zeitlich überdauernder, aufeinander aufbauender Veränderungen menschlichen Erlebens und Verhaltens über die gesamte Lebensspanne.

Warum manche Jugendliche nicht aufhören können zu lügen

    Hinter dem Phänomen des pathologischen Lügens bei Jugendlichen vermutet man oft kalkulierte Manipulation oder ein besonders ausgefeiltes kreatives Talent. Doch neue Forschungsergebnisse rücken ein ganz anderes Bild in den Fokus: Oft ist das zwanghafte Lügen weniger ein Zeichen von krimineller Energie als vielmehr ein Symptom überforderter kognitiver Kontrollsysteme. Ein Team um die Professorin Victoria Talwar konnte zeigen, dass Jugendliche, die sich in einem Netz aus Unwahrheiten verfangen, häufig unter Defiziten der sogenannten exekutiven Funktionen leiden. Während wir… Weiterlesen »Warum manche Jugendliche nicht aufhören können zu lügen

    Kinder lernen leiblich

      Die These „Kinder lernen leiblich“ bricht mit der traditionellen Vorstellung des Lernens als rein kognitivem, im Kopf stattfindendem Prozess und rückt stattdessen die existenzielle Verbundenheit des Kindes mit seiner Umwelt in den Fokus. Wenn man von „Leib“ spricht, greift man auf eine phänomenologische Unterscheidung zurück, die den messbaren, anatomischen Körper (Körper) vom empfindenden, erlebenden Subjektsein (Leib) trennt (Merleau-Ponty, 1966). Das Kind ist nicht einfach ein passiver Empfänger von Sinnesdaten, die wie isolierte Reize im Gehirn verarbeitet werden;… Weiterlesen »Kinder lernen leiblich

      Das Gehirn von Säuglingen kann bereits Kategorien erkennen

        Die wissenschaftliche Untersuchung der frühkindlichen Gehirnentwicklung hat durch eine aktuelle Studie von O’Doherty et al. (2026) einen bedeutenden Erkenntnisgewinn erfahren. Entgegen der bisherigen wissenschaftlichen Annahme, dass Säuglinge in den ersten Lebensmonaten lediglich rudimentäre visuelle Reize wie Farben und Formen verarbeiten, zeigt die Forschung, dass das menschliche Gehirn bereits im Alter von nur zwei Monaten zu komplexen Kategorisierungsleistungen fähig ist. In diesem frühen Stadium, lange bevor die Kinder in der Lage sind zu sprechen oder gezielt nach Objekten… Weiterlesen »Das Gehirn von Säuglingen kann bereits Kategorien erkennen

        Was versteht man unter infantiler Amnesie?

          Unsere früheren Lebensjahre erscheinen wie aus dem Gedächtnis gelöscht. Aber woher kommt diese Erinnerungslücke – und wie entstehen bleibende Kindheitserinnerungen? Dass wir uns kaum an unsere ersten Lebensjahre erinnern können, ist ein faszinierendes psychologisches Phänomen, das in der Wissenschaft als infantile Amnesie bezeichnet wird. Diese Gedächtnislücke rührt nicht etwa daher, dass Kleinkinder unfähig sind zu lernen oder Informationen zu speichern – im Gegenteil, das Gehirn ist in dieser Phase extrem aufnahmefähig –, sondern liegt vielmehr in der… Weiterlesen »Was versteht man unter infantiler Amnesie?

          Schlaf und ADHS

            Schlafprobleme gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen von ADHS und betreffen einen Großteil der neurodivergenten Menschen. Charakteristisch sind Schwierigkeiten beim Einschlafen und Durchschlafen, häufige nächtliche Wachphasen und insgesamt verkürzte Schlafzeiten; manche Betroffene wachen ungewöhnlich früh auf oder fühlen sich trotz langer Schlafdauer morgens bleiern und erschöpft. Auch Phänomene wie Schlafapnoe, Nachtschreck oder unruhige Beine treten gehäuft auf. Besonders bedeutsam sind Störungen des biologischen Tag-Nacht-Rhythmus: Studien zeigen, dass bei vielen Menschen mit ADHS die Freisetzung des Schlafhormons Melatonin verzögert… Weiterlesen »Schlaf und ADHS

            Die neuronale Architektur des menschlichen Gehirns wandelt sich viermal im Leben grundlegend

              Eine groß angelegte Analyse von über 3.800 Gehirnscans von Mousley et al. (2025) zeigte, dass das menschliche Gehirn im Verlauf des Lebens vier markante strukturelle Wendepunkte durchläuft, die jeweils den Übergang in eine neue funktionelle Epoche markieren. Diese Umbrüche treten etwa mit neun, 32, 66 und 83 Jahren auf und prägen die kognitiven Fähigkeiten ebenso wie die Anfälligkeit für psychische oder neurologische Störungen. Die erste Epoche umfasst die Jahre von der Geburt bis etwa zum neunten Lebensjahr.… Weiterlesen »Die neuronale Architektur des menschlichen Gehirns wandelt sich viermal im Leben grundlegend

              Alison Gopnik und der Paradigmenwechsel in der Entwicklungspsychologie: Kinder als kognitive Entdecker

                Alison Gopnik hat das wissenschaftliche Verständnis kindlicher Kognition grundlegend transformiert, indem sie nachwies, dass schon sehr junge Kinder über ausgeprägte Fähigkeiten zum logischen Denken, zur Kausalitätsanalyse und zur Perspektivenübernahme verfügen. Traditionell galten Kinder in der Psychologie lange Zeit als defizitäre Denker, deren kognitive Fähigkeiten sich erst im Laufe der Entwicklung allmählich dem Niveau Erwachsener annähern. Gopnik stellte diese Annahme radikal infrage. In zahlreichen empirischen Studien belegte sie, dass Kinder in vielen Bereichen sogar flexibler und offener denken… Weiterlesen »Alison Gopnik und der Paradigmenwechsel in der Entwicklungspsychologie: Kinder als kognitive Entdecker

                Die Entwicklung der Theory of Mind im Kindesalter

                  Lange galt das Kleinhirn vornehmlich als Steuerzentrale für menschliche Bewegungen, also zuständig für Gleichgewicht, Koordination und feinmotorische Abläufe. Doch Manoli et al. (2025) zeigten in einer Untersuchung, dass das Kleinhirn nicht nur als Mitspieler, sondern als aktiver Treiber in der Herausbildung der Theory of Mind fungiert, also jener Fähigkeit, die es Menschen erlaubt, sich in andere hineinzuversetzen, ihre Absichten zu verstehen und emotionale Reaktionen nachzuvollziehen. Diese Theory of Mind entsteht im Alter von etwa drei bis fünf… Weiterlesen »Die Entwicklung der Theory of Mind im Kindesalter

                  Neurobiologische Grundlagen des sozialen Wandels in der Adoleszenz

                    Die Adoleszenz ist eine Phase tiefgreifender Veränderungen, und zwar nicht nur in körperlicher und emotionaler Hinsicht, sondern auch auf neurobiologischer Ebene. Eine Studie von Abrams et al. (2022) zeigte, dass sich die Aktivierungsmuster im Gehirn Heranwachsender bei der Wahrnehmung von Stimmen deutlich von denen jüngerer Kinder unterscheiden. Während bei Kindern unter zwölf Jahren die Stimme der Mutter spezifische Reaktionen in Hirnarealen auslöst, die für Belohnungsverarbeitung, emotionale Bewertung und soziale Bindung zuständig sind, kehrt sich dieses Muster bei… Weiterlesen »Neurobiologische Grundlagen des sozialen Wandels in der Adoleszenz

                    Evolutionäre Ursprünge der Bindung

                      In der psychologischen Forschung ist seit langem bekannt, dass die frühe Bindung zwischen Kindern und ihren primären Bezugspersonen maßgeblich die soziale, emotionale und psychische Entwicklung eines Menschen beeinflusst. Der Bindungstheorie zufolge entwickeln Kinder unterschiedliche Bindungstypen, die sich in drei Hauptformen gliedern lassen: sichere, unsicher-vermeidende und unsicher-ambivalente Bindungen – wobei letztere als „organisierte“ Bindungen gelten, da sie adaptive Bewältigungsstrategien darstellen. Zusätzlich existiert der Bindungstyp der desorganisierten Bindung, der typischerweise auf traumatische oder widersprüchliche Erfahrungen mit Bezugspersonen zurückgeführt wird… Weiterlesen »Evolutionäre Ursprünge der Bindung

                      Die frühe Entwicklung mentaler Karten im Gehirn

                        Die kognitive Fähigkeit, sich in großen Umgebungen zu orientieren, basiert auf einer „mentalen Karte“, einem internen Abbild der Umwelt, in dem markante Orientierungspunkte gespeichert sind. In dieser Karte spielen verschiedene Hirnregionen eine entscheidende Rolle: Die Rasterzellen bilden ein neuronales Koordinatensystem, die Ortszellen im Hippocampus kodieren bestimmte Orte, und der RSC speichert Informationen zu Landmarken wie Bergen, Kirchen oder Seen. Diese kartographische Kodierung erlaubt es Menschen, Distanzen zu überblicken und zielführende Routen zu planen. Lange galt die Annahme,… Weiterlesen »Die frühe Entwicklung mentaler Karten im Gehirn

                        Wie Gene und Umwelt das menschliche Musikerleben formen

                          Musik spielt für viele Menschen eine zentrale Rolle in ihrem Leben – sei es als Mittel zur Entspannung, zur emotionalen Regulation oder zur Förderung sozialer Bindung. Doch nicht alle Menschen empfinden Musik in gleicher Weise. Die Freude an Musik, ihre Wahrnehmung und die Intensität, mit der sie erlebt wird, variieren stark von Person zu Person. Bignardi et al. (2025) haben nun herausgefunden, dass diese Unterschiede nicht nur auf persönliche Erfahrungen zurückzuführen sind, sondern auch tief in den… Weiterlesen »Wie Gene und Umwelt das menschliche Musikerleben formen