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Entwicklungspsychologie

Die Entwicklungspsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie. Ihr Gegenstand ist die Beschreibung und Erklärung zeitlich überdauernder, aufeinander aufbauender Veränderungen menschlichen Erlebens und Verhaltens über die gesamte Lebensspanne.

Die Wurzeln des Helfens: Universelle Kooperation und kulturelle Prägung in der Kindheit

    Hilfsbereitschaft gilt als eine der grundlegendsten Ausdrucksformen menschlicher Sozialität, doch wie sich dieses Verhalten im Kindesalter manifestiert und durch die jeweilige soziale Umwelt formt, war lange Zeit vor allem mit Blick auf Interaktionen zwischen Erwachsenen und Kindern erforscht. Neuere wissenschaftliche Ansätze weiten diesen Blickwinkel nun erheblich aus, indem sie sowohl das prosoziale Verhalten unter Gleichaltrigen in diversen weltweiten Populationen als auch die aktive Rolle von Kindern bei der Tradierung von Kultur untersuchen. Betrachtet man das spontane Hilfsverhalten… Weiterlesen »Die Wurzeln des Helfens: Universelle Kooperation und kulturelle Prägung in der Kindheit

    Das Gehirn als zweiteiliges Verbundorgan

      Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass unser Gehirn ein einheitliches Organ darstellt, das während der frühen Embryonalentwicklung aus einer einzigen Gruppe von Vorläuferzellen hervorgeht. Eine aktuelle Studie eines Forschungsteams um Rayyan Jokhai und Kyle Loh von der Stanford University stellt dieses jahrzehntelange Dogma nun grundlegend infrage (Jokhai et al., 2026). Die Ergebnisse zeigen, dass das Denkorgan entwicklungsgeschichtlich aus zwei getrennten Systemen besteht, die eng miteinander verwachsen sind. Bereits in einem der frühesten Stadien der Embryonalentwicklung, der… Weiterlesen »Das Gehirn als zweiteiliges Verbundorgan

      Das kindliche Lachen

        Die Erforschung des kindlichen Lachens galt in der Psychologie lange Zeit als vernachlässigtes Randgebiet, da der wissenschaftliche Fokus traditionell auf negativen Emotionen wie Angst, Kummer oder Weinen lag, um pathologische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Der britische Entwicklungspsychologe Dr. Caspar Addyman  hat diesem Umstand mit dem von ihm initiierten Baby Laughter Project grundlegend entgegengewirkt. Er erkannte, dass das Lachen von Säuglingen weit mehr ist als nur ein süßer Reflex; es ist ein zentraler, evolutionär bedeutsamer Motor für die… Weiterlesen »Das kindliche Lachen

        Die Entstehung kategoriespezifischer Erinnerungsverflechtungen im altersbedingten Gedächtniswandel

          Mit voranschreitendem Lebensalter verändern sich die kognitiven Mechanismen der Gedächtnisverarbeitung auf eine spezifische Weise: Statt eines reinen Informationsverlusts tritt primär eine Abnahme der Detailschärfe bei der Wiedergewinnung episodischer Inhalte auf. Der Hippocampus fungiert als zentrale neuronal-funktionelle Struktur zur Integration zeitlicher, räumlicher und kontextueller Elemente eines Erlebnisses. Der Abrufprozess basiert auf einer Reaktivierung des ursprünglichen neuronalen Aktivierungsmusters, wobei die Präzision dieser Reakivierung die Exaktheit der Erinnerung bestimmt. Empirische Untersuchungen mittels funktioneller Magnetresonanztomografie an Probanden unterschiedlicher Altersgruppen verdeutlichen, dass… Weiterlesen »Die Entstehung kategoriespezifischer Erinnerungsverflechtungen im altersbedingten Gedächtniswandel

          Die evolutionäre Entwicklung des prosozialen Verhaltens im Kindesalter

            Die Frage, ob der Mensch von Natur aus altruistisch und hilfsbereit geboren wird oder ob soziale Verhaltensweisen erst mühsam erlernt werden müssen, beschäftigt die Entwicklungspsychologie seit Generationen. Die vorliegenden Forschungsarbeiten zeigen einhellig, dass die Wurzeln des sozialen Miteinanders überraschend tief verankert sind und bereits in den ersten Lebensmonaten aktiv zutage treten. So konnte in experimentellen Untersuchungen nachgewiesen werden, dass bereits 14 Monate alte Kleinkinder eine deutliche Tendenz zeigen, anderen Menschen uneigennützig zu helfen, indem sie beispielsweise nach… Weiterlesen »Die evolutionäre Entwicklung des prosozialen Verhaltens im Kindesalter

            Warum manche Jugendliche nicht aufhören können zu lügen

              Hinter dem Phänomen des pathologischen Lügens bei Jugendlichen vermutet man oft kalkulierte Manipulation oder ein besonders ausgefeiltes kreatives Talent. Doch neue Forschungsergebnisse rücken ein ganz anderes Bild in den Fokus: Oft ist das zwanghafte Lügen weniger ein Zeichen von krimineller Energie als vielmehr ein Symptom überforderter kognitiver Kontrollsysteme. Ein Team um die Professorin Victoria Talwar konnte zeigen, dass Jugendliche, die sich in einem Netz aus Unwahrheiten verfangen, häufig unter Defiziten der sogenannten exekutiven Funktionen leiden. Während wir… Weiterlesen »Warum manche Jugendliche nicht aufhören können zu lügen

              Kinder lernen leiblich

                Die These „Kinder lernen leiblich“ bricht mit der traditionellen Vorstellung des Lernens als rein kognitivem, im Kopf stattfindendem Prozess und rückt stattdessen die existenzielle Verbundenheit des Kindes mit seiner Umwelt in den Fokus. Wenn man von „Leib“ spricht, greift man auf eine phänomenologische Unterscheidung zurück, die den messbaren, anatomischen Körper (Körper) vom empfindenden, erlebenden Subjektsein (Leib) trennt (Merleau-Ponty, 1966). Das Kind ist nicht einfach ein passiver Empfänger von Sinnesdaten, die wie isolierte Reize im Gehirn verarbeitet werden;… Weiterlesen »Kinder lernen leiblich

                Das Gehirn von Säuglingen kann bereits Kategorien erkennen

                  Die wissenschaftliche Untersuchung der frühkindlichen Gehirnentwicklung hat durch eine aktuelle Studie von O’Doherty et al. (2026) einen bedeutenden Erkenntnisgewinn erfahren. Entgegen der bisherigen wissenschaftlichen Annahme, dass Säuglinge in den ersten Lebensmonaten lediglich rudimentäre visuelle Reize wie Farben und Formen verarbeiten, zeigt die Forschung, dass das menschliche Gehirn bereits im Alter von nur zwei Monaten zu komplexen Kategorisierungsleistungen fähig ist. In diesem frühen Stadium, lange bevor die Kinder in der Lage sind zu sprechen oder gezielt nach Objekten… Weiterlesen »Das Gehirn von Säuglingen kann bereits Kategorien erkennen

                  Was versteht man unter infantiler Amnesie?

                    Unsere früheren Lebensjahre erscheinen wie aus dem Gedächtnis gelöscht. Aber woher kommt diese Erinnerungslücke – und wie entstehen bleibende Kindheitserinnerungen? Dass wir uns kaum an unsere ersten Lebensjahre erinnern können, ist ein faszinierendes psychologisches Phänomen, das in der Wissenschaft als infantile Amnesie bezeichnet wird. Diese Gedächtnislücke rührt nicht etwa daher, dass Kleinkinder unfähig sind zu lernen oder Informationen zu speichern – im Gegenteil, das Gehirn ist in dieser Phase extrem aufnahmefähig –, sondern liegt vielmehr in der… Weiterlesen »Was versteht man unter infantiler Amnesie?

                    Schlaf und ADHS

                      Schlafprobleme gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen von ADHS und betreffen einen Großteil der neurodivergenten Menschen. Charakteristisch sind Schwierigkeiten beim Einschlafen und Durchschlafen, häufige nächtliche Wachphasen und insgesamt verkürzte Schlafzeiten; manche Betroffene wachen ungewöhnlich früh auf oder fühlen sich trotz langer Schlafdauer morgens bleiern und erschöpft. Auch Phänomene wie Schlafapnoe, Nachtschreck oder unruhige Beine treten gehäuft auf. Besonders bedeutsam sind Störungen des biologischen Tag-Nacht-Rhythmus: Studien zeigen, dass bei vielen Menschen mit ADHS die Freisetzung des Schlafhormons Melatonin verzögert… Weiterlesen »Schlaf und ADHS

                      Die neuronale Architektur des menschlichen Gehirns wandelt sich viermal im Leben grundlegend

                        Eine groß angelegte Analyse von über 3.800 Gehirnscans von Mousley et al. (2025) zeigte, dass das menschliche Gehirn im Verlauf des Lebens vier markante strukturelle Wendepunkte durchläuft, die jeweils den Übergang in eine neue funktionelle Epoche markieren. Diese Umbrüche treten etwa mit neun, 32, 66 und 83 Jahren auf und prägen die kognitiven Fähigkeiten ebenso wie die Anfälligkeit für psychische oder neurologische Störungen. Die erste Epoche umfasst die Jahre von der Geburt bis etwa zum neunten Lebensjahr.… Weiterlesen »Die neuronale Architektur des menschlichen Gehirns wandelt sich viermal im Leben grundlegend

                        Alison Gopnik und der Paradigmenwechsel in der Entwicklungspsychologie: Kinder als kognitive Entdecker

                          Alison Gopnik hat das wissenschaftliche Verständnis kindlicher Kognition grundlegend transformiert, indem sie nachwies, dass schon sehr junge Kinder über ausgeprägte Fähigkeiten zum logischen Denken, zur Kausalitätsanalyse und zur Perspektivenübernahme verfügen. Traditionell galten Kinder in der Psychologie lange Zeit als defizitäre Denker, deren kognitive Fähigkeiten sich erst im Laufe der Entwicklung allmählich dem Niveau Erwachsener annähern. Gopnik stellte diese Annahme radikal infrage. In zahlreichen empirischen Studien belegte sie, dass Kinder in vielen Bereichen sogar flexibler und offener denken… Weiterlesen »Alison Gopnik und der Paradigmenwechsel in der Entwicklungspsychologie: Kinder als kognitive Entdecker