‘Psychopathologie’

Der Begriff Psychopathologie bezeichnet die Lehre von den psychischen Erkrankungen.

Phobien – wovor man sich fürchten kann …

Samstag, April 28th, 2018

Diese Liste von Phobien umfasst Phobien, die auf Grund ihrer besonderen Auslöser von den anderen Angststörungen abgegrenzt werden können. Von Seiten der Wissenschaft wird die Relevanz oder Sinnhaftigkeit vieler gesonderter Bezeichnungen für die spezifischen Phobien bezweifelt, sodass einige der aufgeführten Phobiennamen nur in populärwissenschaftlichen Quellen oder der Unterhaltungsliteratur kursieren. Übrigens: Manche entwickeln auch eine Hellenologophobie 😉

Ablutophobie – Angst vor dem Waschen oder Baden
Acarophobie – Furcht vor Insektenstichen oder stechenden Insektern oder Infektion durch Milben und Zecken oder vor Kleinstlebewesen
Acerophobie – Angst vor Säuerlichkeit
Achluophobie – Angst vor Dunkelheit
Acidophobie – Angst vor Säure
Acousticophobie  oder  Acoustophobie – Angst vor Lärm und Geräuschen
Acrophobie – Angst vor Höhe
Aelurophobie – Angst vor Katzen
Aeroacrophobie – Angst vor hochgelegenen, weiten Plätzen
Aeroacrophobie – Angst vor offenen, hochgelegenen Orten
Aeronausiphobie – Angst, durch Luftkrankheit sich übergeben zu müssen
Aerophobie – Angst, Luft zu verschlucken, schädliche Gase einzuatmen
Agaraphobie – Angst, angefasst zu werden
Agateophobia – Angst vor Geisteskrankheiten
Agliophobie – Angst vor Schmerz
Agoraphobie – Angst vor (räumlich) weiten Plätzen oder Platzangst
Agraphobie – Angst vor sexuellem Missbrauch
Agrizoophobie – Angst vor wilden Tieren
Agyrophobie – Angst, verkehrsreichen Straßen zu überqueren
Aichmophobie – Angst vor spitzen Gegenständen oder Angst vor Punkten
Ailurophobie – Angst vor Katzen
Akousticophobie – Angst vor Lärm
Albuminurophobie – Angst vor einer Nierenerkrankung
Alektorophobie – Angst vor Hühnern
Algophobie – Angst vor Schmerz
Alliumphobie – Angst vor Knoblauch
Allodoxaphobie – Angst vor einer Meinung
Altophobie – Angst vor der Höhe
Amakaphobie – Angst vor Eisenbahnen
Amathophobie – Angst vor Staub
Amaxophobie – Angst beim (selber) Fahren von Vehikeln
Ambulophobie – Angst, zu stehen und zu laufen
Amelophobie – Angst vor Menschen mit fehlenden Gliedmaßen oder Amputationen
Amnesiphobie – Angst vor Gedächtnisverlust
Amychophobie – Angst, sich zu kratzen oder gekratzt zu werden
Anablephobie – Angst, hochzusehen
Ancraophobie  oder  Anemophobie – Angst vor Wind
Androphobie – Angst vor Männern
Anginophobie – Angst vor Angina, Würgen, Enge
Anglophobie – Angst vor England  oder  seiner Kultur etc.
Angrophobie – Angst vor Wut oder Angst, wütend zu werden
Ankylophobie – Angst, ein Gelenk würde unbeweglich
Anophelophobie – Angst, die Frau beim Sex zu verletzen
Anthrophobie  oder  Anthophobie – Angst vor Blumen
Anthropophobie – Angst vor Menschen und der Gesellschaft
Antlophobie – Angst vor einer Überschwemmung
Anuptaphobie – Angst, alleinstehend zu bleiben
Apeirophobie – Angst vor der Unendlichkeit
Aphenphosmophobie – Angst vor Berührungen
Apiphobie – Angst vor Bienen
Apotemnophobie – Angst vor Menschen mit fehlenden Gliedmaßen oder Amputationen
Aquaphobie – Angst vor Wasser, Wasser zu trinken
Arachibutyrophobie – Angst, dass Erdnussbutter am Gaumen klebenbleibt
Arachnaphobie  oder  Arachnephobie  oder  Arachniphobie  oder  Arachnophobie – Angst vor Spinnen
Arithmophobie – Angst vor Zahlen
Arrhenphobie – Angst vor Männern
Arsonphobie – Angst vor Feuer
Asthenophobie – Angst vor Ohnmacht oder Angst vor Schwäche
Astraphobie  oder  Astrapophobie – Angst vor Blitzen
Astrophobie – Angst vor Sternen  oder  dem Himmelsraum
Asymmetriphobie – Angst vor asymmetrischen Dingen
Ataxiophobia – Angst vor Ataxie (Koordinationsstörung)
Ataxophobie – Angst vor Unordnung
Atelophobie – Angst vor Unvollkommenheit
Atephobie – Angst vor Ruinen
Athazagoraphobie – Angst vergessen oder ignoriert zu werden oder Angst, zu vergessen
Atomosophobie – Angst vor Atomexplosionen
Atychiphobie – Angst, Fehler zu begehen
Aulophobie – Angst vor Flöten
Auquaphobie – Angst vor Wasser
Aurophobie – Angst vor Gold
Auroraphobie – Angst vor Nordlichtern
Australophobie – Angst vor Australien, seiner Kultur
Autodysomophobie – Angst vor etwas, das abscheulich riecht
Automatonophobie – Angst vor Puppen (allem, was einem Individuum ähnlich sieht)
Automysophobie – Angst, schmutzig zu sein
Autophobie – Angst, alleine oder auf sich alleine gestellt zu sein oder vor sich selbst
Aviophobie  oder  Aviotophobie – Angst vor dem Fliegen

Babushkaphobie – Angst oder Abneigung von Frauen gegenüber ihrer Großmutter
Bacillophobie – Angst vor Mikroben
Bacteriophobie – Angst vor Bakterien
Ballistophobie – Angst vor Feuerwerkskörper und Schusswaffenpatronen
Bananophobie – Angst vor Bananen
Bargainophobie – Angst vor Ausverkäufen
Barophobie – Angst vor der Schwerkraft
Basiphobie  oder  Basophobie – Angst, nicht gehen zu können, zu fallen
Bathmophobie – Angst vor Stufen oder abschüssigen Abhängen
Bathonophobie – Angst vor Pflanzen
Bathophobie – Tiefenangst, Angst vor Schwindel
Batophobie – Höhenangst, Angst, vor großen Gebäuden
Batrachophobie – Angst vor Amphibien
Belonophobie – Angst vor Nadeln
Bibliophobie – Angst vor Büchern
Blennophobie – Angst vor Schleim
Bogyphobie – Angst vor Bogeys (Golfbegriff)
Bolshephobie – Angst vor dem Bolschewismus
Botanophibie – Angst vor Pflanzen
Bromidrosiphobie  oder  Bromidrophobie – Angst vor Körpergeruch
Brontophobie – Angst vor Blitz und Donner
Bufonophobie – Angst vor Kröten

Cacophobie – Angst vor Hässlichkeit
Cainophobie  oder  Cainotophobie – Angst vor Neuerung
Caligynephobie – Angst vor schönen Frauen
Cancerophobie  oder  Carcinophobie – Angst vor Krebserkrankungen
Canophobie – Angst vor Hunden
Cardiophobie – Angst, etwas am Herzen zu haben
Carnophobie – Angst vor Fleisch
Catagelophobie – Angst vor Verspottung  oder  lächerlich gemacht zu werden
Catapedaphobie – Angst, von etwas herunterzuspringen
Cathisophobie – Angst, zu sitzen
Catoptrophobie – Angst vor Spiegeln
Celtophobie – Angst vor den Kelten, ihrer Kultur
Cenophobie  oder  Centophobie – Angst vor Neuerungen oder Ideen
Ceraunophobie  oder  Keraunophobie – Angst vor Blitz und Donner
Chaetophobie – Angst vor Haaren
Cheimaphobie  oder  Cheimatophobie – Angst vor Kälte
Chemophobie – Angst vor Chemikalien
Cherophobie – Angst vor Fröhlichkeit, Lustigkeit
Chionophobie – Angst vor Schnee
Chiraptophobie – Angst vor Berührung
Chirophobia – Angst vor Händen
Cholerophobie – Angst vor Wut, auch Angst vor Cholera
Chorophobie – Angst, zu tanzen
Chrematophobie  oder  Chrometophobie – Angst vor Geld
Chromatophobie  oder  Chromophobie – Angst vor (grellen) Farben
Chronomentrophobie – Angst vor Uhren
Chronophobie – Angst vor Zeit, Dauer
Chthonophobie – Angst, Schmutz zu verschlucken
Cibophobie – Angst vor Nahrung
Claustrophobie – Angst vor geschlossenen Räumen
Cleithrophobie  oder  Cleisiophobie  oder  Clithrophobie – Angst, eingesperrt zu sein
Cleptophobie – Angst, etwas zu stehlen
Climacophobie – Angst vor Treppen, zu klettern oder Angst, herunterzufallen
Clinophobie – Angst ins Bett zu gehen
Cnidophobie – Angst vor Stacheln
Coimetrophobie – Angst vor Friedhöfen
Coitophobie – Angst vor Geschlechtsverkehr
Cometophobie – Angst vor Kometen
Contreltophobie – Angst vor sexuellem Missbrauch
Coprastasophobie – Angst vor Verstopfung
Coprophobie – Angst vor Exkrementen
Coulrophobie – Angst vor Clowns
Counterphobie – die Präferenz von Phobikern für furchtbare Situationen
Cremnophobie – Angst vor Abgründen
Cringophobie – Angst vor Lateinamerika, deren Kultur
Cryophobie – Angst vor Kälte, Eis, Frost
Crystallophobie – Angst vor Kristall und Glas
Cyberphobie – Angst vor Computern  oder  an Computern arbeiten zu müssen
Cypridophobie  oder  Cypriphobie  oder  Cyprianophobie  oder  Cyprinophobie – Angst vor Prostituierten oder Geschlechtskrankheit
Cyclophobie – Angst vor Fahrrädern
Cymophobie – Angst vor Wellen  oder  wellenartigen Bewegungen
Cynophobie – Angst vor Hunden oder Tollwut

Daemonophobie  oder  Demonophobie – Angst vor Dämonen
Decidophobie – Angst, Entscheidungen zu treffen
Defecaloesiophobie – Angst vor einer schmerzhaften Organbewegungen
Deipnophobie – Angst, vor einer Mahlzeit, bzw. einer Unterhaltung während einer Mahlzeit
Dementophobie – Angst vor Wahnsinn
Demophobie – Angst vor Menschenmassen und überfüllten Plätzen
Dendrophobie – Angst vor Bäumen
Dentophobie – Angst vor dem Zahnarzt
Dermatophobie  oder  Dermatosiophobie  oder  Dermatophobie  oder  Dermatopathophobie – Angst vor Hautkrankheiten
Dextrophobie – Angst vor Dingen, die sich an der rechten Körperhälfte befinden
Diabetophobie – Angst vor Diabetes
Didaskaleinophobie – Angst, in die Schule zu gehen
Dikephobie – Angst vor Gerechtigkeit
Dinophobie – Angst vor Schwindel, oder vor Whirlpools
Diplopiphobie – Angst, doppelt zu sehen
Dipsophobie – Angst vor dem Trinken
Dishabiliophobie – Angst, sich vor jem. Auszuziehen
Domatophobie – Angst vor Häusern, sich in einem Haus zu befinden
Doraphobie – Angst vor Haut, Fell oder Tierhäuten
Doxophobie – Angts, eine Meinung auszudrücken oder Angst, Lob zu erhalten
Dromophobie – Angst, eine befahrene Straße zu überqueren
Dromosiderophobie – Angst vor Eisenbahnen
Dutchphobie – Angst vor Holland, seiner Kultur etc.
Dysmorphobie – Angst vor Entstellung
Dysmorphophobie – Angst vor Deformation  oder  Missbildungen
Dystychiphobie – Angst vor Unfällen

Easiophobie – Angst, zu schreiben
Ecclesiophobie – Angst vor Kirchen
Ecophobie – Angst vor dem Zuhause
Eicophobie – Angst vor der heimischen Umgebung
Eisoptrophobie – Angst, sich im Spiegel zu betrachten
Electrophobie – Angst vor Elektrizität
Eleutherophobie – Angst vor Freiheit
Elurophobie – Angst vor Katzen
Emetophobie – Angst, sich übergeben zu müssen
Enetophobie – Angst vor Nadeln
Enissophobie  oder  Enosiophobie – Angst, eine unverzeihliche Sünde begangen zu haben oder Angst vor Kritik
Enochlophobie – Angst vor Menschenmassen
Enophobie – Angst vor Wein
Entomophobie – Angst vor Insekten
Eosophobie – Angst vor Tageslicht, Dämmerung
Ephebiphobie – Angst vor Teenagern
Epistaxiophobie – Angst vor Nasenbluten
Epistemophobie – Angst vor Wissen
Equinophobie – Angst vor Pferden
Eremophobie – Angst alleine oder auf sich selbst gestellt zu sein
Ereuthrophopbie – Angst vor Schamröte
Ergasiophobie – Angst vor der Arbeit  oder  dem Arbeiten oder Angst eines Chirurgen vor einer Operation
Ergophobie – Angst vor Arbeit
Eretephobie – Angst vor Nadeln
Erotophobie – Angst vor Sex  oder  sexuellen Fragen
Erythrophobie – Angst vor der Farbe Rot  oder  Rotlichtern  oder  dem Erröten
Esodophobie – Angst vor dem ersten Sexualakt
Euphobie – Angst vor guten Neuigkeiten
Eurotophobie – Angst vor weiblichen Genitalien

Febriphobie  oder  Fibriophobie  oder  Fibriphobie – Angst vor Fieber
Felinophobie – Angst vor Katzen
Francophobie – Angst vor Frankreich, seiner Kultur etc.
Friggaphobie – Angst vor Freitagen
Frigophobie – Angst vor Erkältung  oder  kalten Dingen

Galeophobie  oder  Gatophobie – Angst vor Katzen
Galiophobie  oder  Gallophobie – Angst vor Frankreich, seiner Kultur etc.
Gamophobie – Angst vor Heirat
Geliophobie – Angst vor dem Lachen
Geniophobie – Angst vor einem Kinn
Genophobie – Angst vor Sex
Genuphobie – Angst vor dem Knie
Gephydrophobie  oder  Gephyrophobie  oder  Gephysrophobie – Angst, Brücken zu überqueren
Gerascophobie – Angst, zu altern
Germanophobie – Angst vor Deutschland, seiner Kultur etc.
Gerontophobie – Angst vor dem Alteralten Menschen
Geumaphobie  oder  Geumophobie – Angst vor Geschmack
Glossophobie – Angst, in der Öffentlichkeit  oder  vor Leuten zu sprechen
Glucodermaphobie – Angst vor der Haut, die sich auf warmer, zu lange stehengelassenen Milch bildet
Gnosiophobie – Angst vor Wissen
Graphophobie – Angst zu schreiben  oder  handschriftlich zu schreiben
Gymnophobie – Angst vor Nacktheit
Gymnogasterphobie – Angst vor nackten Bäuchen
Gynephobie  oder  Gynophobie – Angst vor Frauen
Gynäkophobie – Angst vor weiblichen Geschlechtsteilen

Hadephobie – Angst vor der Hölle
Haematophobie  oder  Hämatophobie – Angst vor Heiligen und heiligen Dingen oder Blut
Hagiophobie – Angst vor Heiligen  oder  heiligen Dingen
Hamartophobie – Angst, zu sündigen
Haphephobie  oder  Haptephobie – Angst vor Berührung
Harpaxophobie – Angst, ausgeraubt zu werden  oder  vor Dieben
Hedonophobie – Angst, Freude zu empfinden
Heliophobie – Angst vor der Sonne, Sonnenschein
Hellenologophobie – Angst vor griechischen (Fach-)Ausdrücken
Helminthophobie – Angst, Würmer zu haben
Hemaphobie  oder  Hematophobie  oder  Hemophobie – Angst vor Blut
Heresyphobie  oder  Hereiophobiae – Angst vor radikalen Abweichungen oder Angst vor Anfechtung der öffentlichen Lehrmeinung
Herpetophobie – Angst vor Reptilien oder Kriechtieren
Heterophobie – Angst vor dem anderen Geschlecht
Hexakosioihexekontahexaphobie – Angst vor der Zahl 666
Hierophobie – Angst vor Priestern  oder  heiligen Dingen
Hippophobie – Angst vor Pferden
Hippopotomonstrosesquippedaliophobie – Angst vor langen Wörtern
Hobophobie – Angst vor Vagabunden und Bettlern
Hodophobie – Angst vor Straßen, auf einer Straße zu reisen
Homichlophobie – Angst vor Nebel
Homilophobie – Angst vor Predigten
Hominophobie – Angst vor Männern
Homophobie – Angst vor Gleichgültigkeit, Monotonie oder Angst vor Homosexualität oder Angst, homosexuell zu werden
Hoplophobie – Angst vor Feuerwaffen
Hormephobie – Angst vor einem Schock
Hyalophobie  oder  Hyelophobie – Angst vor Glas
Hydrargyophobie – Angst vor quecksilberhaltigen Medikamenten
Hydrophobie – Angst vor Wasser, Wasser zu trinken oder Angst vor Tollwut
Hydrophobophobie – Angst vor Tollwut
Hygrophobie – Angst vor Feuchtigkeit, Nässe
Hylephobie – Angst vor Materialismus oder ANgst vor Epilepsien
Hylophobie – Angst vor Wäldern
Hypegiaphobie  oder  Hypengyophobie – Angst vor Verantwortung
Hypertrichophobie – Angst vor Haaren
Hypnophobie – Angst vor dem Schlaf oder Angst, Hypnotisiert werden
Hypnotopophobie – Angst vorm Bettenmachen
Hypopphobie – Mangel an Angst
Hypsiphobie – Angst vor Höhe

Iatrophobie – Angst vor dem Arzt(-besuch)
Ichthyophobie – Angst vor Fischen
Ideophobie – Angst vor Ideen
Illyngophobie – Angst vor Schwindel, auf den Boden schauen
Insectophobie – Angst vor Insekten
Iophobie – Angst vor Gift, vergiftet zu werden oder sein
Islamophobie – Angst gegenüber Muslimen  oder  dem Islam
Isolohobie – Angst vor Einsamkeit, alleine zu sein
Isopterophobie – Angst vor Termiten, Insekten die Holz befallen
Ithyphallophobie – Angst, eine Erektion zu sehen, daran zu denken oder zu haben

Japanophobie – Angst vor Japan, seiner Kultur etc.
Judeophobie – Angst vor Juden

Kainolophobie  oder  Kainophobie – Angst vor Neuerung
Kakorrhaphiaphobie – Angst vor Fehlern oder besiegt zu werden
Karzinophobie – Angst vor Krebserkrankung
Katagelophobie – Angst, lächerlich gemacht zu werden
Kathisophobie – Angst, sich hinzusetzen
Karagulophobie – Angst, lächerlich gemacht zu werden oder sich selbst Lächerlich zu machen
Kenophobie – Angst vor leeren Räumen oder Leere allgemein
Keraunophobie – Angst vor Blitz und Donner
Keraunothentophobie – Angst vor herabstürzenden Satelliten
Kinesophobie  oder  Kinetophobie – Angst vor Bewegungen oder sich zu bewegen
Klaustrophobie – Angst vor oder in engen Räumen
Kleptophobie – Angst vor Dieben, bestohlen zu werden oder selbst zu stehlen
Koinoniphobie – Angst vor Räumen
Kolpophobie – Angst vor (weiblichen) Genitalien
Koniophobie – Angst vor Staub
Kopopobie – Angst vor Ermüdung
Kosmikophobie – Angst vor kosmischen Ereignissen, Phänomenen
Kymophobie – Angst vor Wellen  oder  wellenartigen Bewegungen
Kynophobie – Angst vor Tollwut
Kyphophobie – Angst sich zu bücken

Lachanophobie – Angst vor Gemüse
Laliophobie  oder  Lalophobie – Angst zu sprechen (v.a. bei Stotterern)
Lepraphobie  oder  Leprophobie – Angst vor Lepra
Leukophobie – Angst vor der Farbe Weiß
Levophobie – Angst vor Dingen, die sich an der linken Körperhälfte befinden
Ligyrophobie – Angst vor lauten Geräuschen
Lilapsophobie – Angst vor Tornados (Hurrikane, Taifune etc.)
Limnophobie – Angst vor Seen
Linonophobie – Angst vor Schnüren
Liticaphobie – Angst vor Rechtsprozessen
Lockiophobie – Angst vor der Kindesgeburt
Logiozomechanophobie – Angst vor Computern
Logophobie – Angst vor Wörtern
Luiphobie – Angst vor Syphilis
Lutraphobie – Angst vor Ottern
Lygophobie – Angst vor Dunkelheit
Lyssophobie – Angst vor Tollwut oder verrückt zu werden

Macrophobie – Angst, lange zu warten
Mageirocophobie – Angst, zu kochen
Maieusiophobie – Angst vor Geburt eines Kindes
Malaxiophobie – Angst vor Liebesspielen
Maniaphobie – Angst vor Wahnsinn
Mastigophobie – Angst vor Strafe
Mechanophobie – Angst vor Maschinen
Medecophobie – Angst, man sähe seine Erektion an einer Ausbeulung der Hose
Medomalacophobie – Angst, eine Erektion zu verlieren
Medorthophobie – Angst vor erigiertem Penis
Megalophobie – Angst vor großen Dingen
Melanophobie – Angst vor der Farbe Schwarz
Meleagrisphobie – Angst vor Truthähnen
Melissophobie – Angst vor Bienen
Melophobie – Angst vor oder Hass auf Musik
Meningitophobie – Angst vor Hirnerkrankung
Menophobie – Angst vor der Menstruation, Ausbleiben der Menstruation
Merinthophobie – Angst, gefesselt oder erhängt zu werden
Metallophobie – Angst vor Metall
Meteorophobie – Angst vor Meteoren
Methatesiophobie – Angst vor Veränderungen
Methrophobie – Angst vor oder Hass auf Poesie
Methyphobie – Angst vor Alkohol
Microbiophobie – Angst vor Mikroben
Microphobie – Angst vor winzigen Dingen
Misophobie  oder  Mysophobie – Angst, mit Keimen oder Schmutz in Berührung zu kommen
Mnemophobie – Angst vor Erinnerungen
Molysmophobie  oder  Molysomophobie – Angst vor Schmutz oder Ansteckung
Monopathophobie – Angst vor bestimmten Krankheiten
Monophobie – Angst vor Einsamkeit, alleine sein
Motorphobie – Angst vor Automobilen
Mottephobie – Angst vor Motten
Muriphobie  oder  Musophobie – Angst vor Mäusen
Musicophobie – Angst vor Musik
Mycophobie – Angst oder Abneigung vor Pilzen
Mycrophobie – Angst vor kleinen Gegenständen
Myctophobie – Angst vor Dunkelheit
Myrmecophobie – Angst vor Ameisen
Mythophobie – Angst vor Mythen, Geschichten oder Lügen oder zu lügen
Myxophobie – Angst vor Schleim

Nebulaphobie – Angst vor Nebel
Necrophobie  oder  Nekrophobie – Angst vor dem Tod, Leichen, Kadavern
Negrophobie – Angst vor Schwarzen (Menschen)
Nelophobie – Angst vor Glas
Neoorthographogermanophobie – Angst vor der neuen deutschen Rechtschreibung
Neopharmaphobie – Angst vor neuen Medikamenten  oder  Drogen
Neophobie – Angst vor Neuerungen
Nephophobie – Angst vor Wolken
Noctiphobie – Angst vor der Nacht
Nomatophobie – Angst vor Namen
Nonophobie – Angst vor der Neun
Nosemaphobie  oder  Nosophobie – Angst, krank zu werden
Nosocomephobie – Angst vor Krankenhäusern
Nostophobie – Angst, heimzukehren
Novercaphobie – Angst vor Stiefmutter
Nucleomituphobie – Angst vor Nuklearwaffen
Nudophobie – Angst vor Nacktheit
Numerophobie – Angst vor Zahlen
Nyctohylophobie – Angst vor dunklen Wäldern, Wäldern bei Nacht
Nyctophobie – Angst vor Dunkelheit, Nacht

Obesophobie – Angst vor Gewichtszunahme
Ochlophobie – Angst vor Menschenmengen
Ochophobie – Angst vor Fahrzeugen
Octophobie – Angst vor der Zahl Acht
Odontophobie – Angst vor Zähnen (auch tierischen Zähnen) oder Zahnarztbehandlungen
Odynephobie  oder  Odynophobie – Angst vor Schmerz
Oecophobie – Angst vor dem Eigenheim, an das Eigenheim gebunden zu sein
Oenophobie – Angst vor Wein
Oikophobie – Angst vor Häusern, sich in einem Haus zu befinden
Olfactophobie – Angst vor Gerüchen
Ombrophobie – Angst vor Regen, durch Regen nass zu werden
Ommatophobie  oder  Ommetaphobie – Angst vor Augen, Blicken
Oneirogmophobie – Angst vor feuchten Träumen
Oneirophobie – Angst vor Träumen
Onomatophobie – Angst, bestimmte Wörter oder Namen zu hören
Ophidiophobie – Angst vor Schlangen
Ophthalmophobie – Angst, angestarrt zu werden
Opiophobie – Angst vor der medizinischen Erfahrung eines Arztes, die richtigen Schmerzmittel zu verschreiben
Optophobie – Angst, die Augen zu öffnen
Oralophobie – Zahnarztangst, Dental-, oder Zahnbehandlungsangst
Ornithophobie – Angst vor Vögeln
Orthophobie – Angst vor Eigentum
Osmophobie  oder  Osphresiophobie – Angst vor Gerüchen und Düften
Ostraconophobie – Angst vor Schalentieren
Ouranophobie – Angst vor dem Himmel

Paediophobie – Angst vor Puppen
Paedophobie – Angst vor Kindern
Pagophobie – Angst vor Eis oder Frost
Panophobie  oder  Pantophobie – Angst vor Allem
Panthophobie – Angst vor Krankheiten oder Angst zu leiden
Papaphobie – Angst vor dem Papst
Papyrophobie – Angst vor Papier
Paralipophobie – Angst, seine Pflicht oder Verantwortung zu vernachlässigen
Paraphobie – Angst vor sexueller Perversion
Parasitophobie – Angst vor Parasiten
Paraskavedekatriaphobie – Angst vor dem Freitag dem3.
Pareunophobie – Angst vor Sex
Parthenophobie – Angst vor Jungfrauen  oder  jungen Frauen
Parturiphobie – Angst vor der Kindesgeburt
Pathophobie – Angst vor Krankheit
Patroiophobie – Angst zu Erben
Peccatophobie – Angst, zu Sündigen oder Angst vor imaginären Verbrechen
Pediculophobie – Angst vor Läusen
Pediophobie – Angst vor Puppen
Pedophobie – Angst vor Kindern
Pellagrophobie – Angst vor Pellagra (Vitaminmangelkrankheit)
Peladophobie – Angst vor Kahlköpfigen
Peniaphobie – Angst vor Armut
Pentheraphobie – Angst vor der Stiefmutter
Phagophobie – Angst vor Verschlucken, zu Essen oder Angst, gegessen zu werden
Phalacrophobie – Angst, eine Glatze zu bekommen
Phallophobie – Angst vor dem männlichen Geschlechtsorgan, besonders bei Erektion
Pharmacophobie – Angst, Medikamente oder Drogen zu nehmen
Phasmophobie – Angst vor Geistern
Phengophobie – Angst Tageslicht, Sonnenschein
Philemaphobie  oder  Philematophobie – Angst vor Küssen
Philophobie – Angst zu lieben, sich zu verlieben
Philosophobie – Angst vor der Philosophie
Phobophobie – Angst vor der Angst
Phonophobie – Angst vor Telefon oder Angst vor Lärm oder Stimmen oder der eigenen Stimme oder laut zu sprechen
Photalgiophobie – Angst vor Photalgie
Photoaugliaphobie – Angst vor blendendem Licht
Photophobie – Angst vor Licht  oder  Lichtscheuheit
Phronemophobie – Angst vor Gedanken
Phtiriophobie – Angst vor Läusen
Phtisiophobie – Angst vor Tuberkulose
Pilonidalphobie – Angst, einen Pilonidalsinus zu bekommen
Placophobie – Angst vor Grabsteinen
Plutophobie – Angst vor Reichtum
Pluviophobie – Angst vor dem Regen, durch Regen nass zu werden
Pneumatiphobie – Angst vor Geistern
Pnigerophobie  oder  Pnigophobie – Angst, zu würgen oder zu ersticken
Pocrescophobie – Angst vor Gewichtszunahme
Pogonophobie – Angst vor Bärten
Poinephobie – Angst vor Bestrafung
Poliosophobie – Angst vor Poliomyelitis (Entzündung der grauen Rückenmarkssubstanz)
Politicophobie – Angst oder abnormale Missgunst gegenüber Politik(ern)
Polyphobie – Angst vor vielen Dingen oder Situationen
Ponophobie – Angst vor Überarbeitung oder vor Schmerz
Pornophobie – Angst vor Erotikfilmen
Porphyrophobie – Angst vor der Farbe Purpur
Potamophobie – Angst vor Flüssen oder fließenden Gewässern
Potophobie – Angst vor Alkohol
Primosodophobie – Angst vor dem ersten sexuellen Akt
Proctophobie – Angst vor dem Rektalbereich, Analbereich bes. beim Sex
Prosophobie – Angst vor Fortschritt
Proteinphobie – Angst vor proteinreicher Nahrung
Psellismophobie – Angst, zu Stottern
Psychophobie – Angst vor dem eigenen Geist
Psychrophobie – Angst vor Erkältung  oder  kalten Dingen
Pteromerhanophobie – Angst vor dem Fliegen
Pteronophobie – Angst, mit Federn gekitzelt zu werden oder vor Federn
Pupaphobie – Angst vor Puppen
Pyrexiophobie – Angst vor Fieber
Pyrophobie – Angst vor Feuer

Radiophobie – Angst vor Strahlung, Röntgenstrahlen
Ranidaphobie – Angst vor Fröschen
Rectophobie – Angst vor dem Rektalbereich, Rektalkrankheiten
Rhabdophobie – Angst vor harter, körperlicher Bestrafung oder Angst vor harter Kritik
Rhypophobie – Angst vor dem Stuhlgang
Rhytiphobie – Angst, Falten zu bekommen
Rupophobie – Angst vor Schmutz
Russophobie – Angst vor Russland, seiner Kultur etc.

Samhainophobie – Angst vor Halloween
Santaclausophobie – Angst vor Weihnachten, dem Weihnachtsmann
Sarmassophobie – Angst vor dem Liebesspiel, intime Berührungen
Satanophobie – Angst vor dem Teufel
Scabiophobie – Angst vor Krätze
Scatophobie – Angst vor Exkrementen
Scelerophobie – Angst vor bösen Menschen oder Einbrechern
Sciaphobie  oder  Sciophobie – Angst vor Schatten
Scoleciphobie – Angst vor Würmern
Scorodophobie – Angst vor Knoblauch
Scolionophobie – Angst vor der Schule
Scopophobie  oder  Scoptophobie – Angst, gesehen, betrachtet oder angestarrt zu werden
Scotomaphobie – Angst vor Erblindung
Scotophobie – Angst vor Dunkelheit
Scriptophobie – Angst öffentlich zu schreiben
Selachophobie – Angst vor Haien
Selaphobie – Angst vor Lichtblitzen
Selenophobie – Angst vor dem Mond
Seplophobie – Angst vor Fäulnis
Sesquipedalophobie – Angst vor langen Wörtern
Sexophobie – Angst vor dem anderen Geschlecht, vor Sex
Siderodromophobie – Angst vor Zügen, Zugreisen oder Schienen
Siderophobie – Angst vor Sternen
Sinistrophobie – Angst vor Dingen auf der linken Seite, vor Linkshändern
Sinophobie – Angst vor China, seiner Kultur etc.
Sitiophobie  oder  Sitophobie – Angst vor Nahrung
Snakephobie – Angst vor Schlangen
Soceraphobie – Angst vor Stiefeltern
Somniphobie – Angst vor dem Schlaf
Sophophobie – Angst vor dem Lernen
Soteriophobie – Angst, von anderen abhängig zu sein
Soziale Phobie – Angst, in sozialen Situationen negativ bewertet zu werden
Soziophobie  oder  Sociophobie – Angst vor der Gesellschaft oder Menschen im Allgemeinen
Spacephobie – Angst vor dem Weltall
Spectrophobie – Angst vor Gespenstern
Spermatophobie  oder  Spermaphobie – Angst vor Keimen
Sphairachaettophobie  oder  Sphairachättophobie – Angst vor Haarbällen
Spheksophobie – Angst vor Wespen
Stasibasiphonbie  oder  Stasiphobie – Angst, zu stehen und zu laufen
Staurophobie – Angst vor Kreuzen und Kruzifixen
Stenophobie – Angst vor Enge, engen Plätzen
Stigiophobie  oder  Stygiophobie – Angst vor der Hölle
Suriphobie – Angst vor Mäusen
Symbolophobie – Angst vor Symbolen
Symmetrophobie – Angst vor Symmetrie
Syngenesophobie – Angst vor Verwandten
Syphilophobie – Angst vor Syphilis

Tabophobie – Angst, an einer Krankheit dahinzusiechen
Tachophobie – Angst vor Geschwindigkeit
Taeniophobie  oder  Teniophobie – Angst vor Bandwürmern
Taphephobie  oder  Taphophobie – Angst vor Friedhöfen oder Angst, lebendig begraben zu werden
Tapinophobie – Angst, eine ansteckende Krankheit zu haben
Taurophobie – Angst vor Stieren
Technophobie – Angst vor Technologie
Teleophobie – Angst vor bestimmten Vorhaben oder religiösen Zeremonien
Telephonophobie – Angst vor Telefonen
Teratophobie – Angst, ein entstelltes Baby zu gebären oder vor entstellten Menschen oder vor Monströsem  oder  vor Deformation
Testophobie – alle Arten von Prüfungsangst
Tetanophobie – Angst vor Tetanus
Teutophobie – Angst vor Deutschland, seiner Kultur etc.
Textophobie – Angst vor bestimmten Stoffen  oder  Gewebe
Thaasophobie – Angst, sich zu setzen
Thalassophobie – Angst vor dem Meer
Thanatophobie  oder  Thantophobie – Angst vor dem Sterben, Tod
Theatrophobie – Angst vor Theatern
Theologicophobie – Angst vor der Theologie
Theophobie – Angst vor Gott oder Religion
Thermophobie – Angst vor Hitze
Tocophobie – Angst vor Schwangerschaft und Kindesgeburt
Tomophobie – Angst vor chirurgischen Operationen
Tonitrophobie – Angst vor Donner
Topophobie – Angst vor bestimmten Orten und Situationen, wie etwa Lampenfieber auf der Bühne
Toxicophobie  oder  Toxiphobie  oder  Toxophobie – Angst vor Gift und (zufälliger) Vergiftung
Traumatophobie – Angst vor Verletzung
Tremophobie – Angst vorm Zittern
Trichinophobie – Angst vor Trichinose, einer Tropenkrankheit
Trichopathophobie  oder  Trichophobie – Angst vor Haaren
Triskaidekaphobie – Angst vor der Zahl Drei
Tropophobie – Angst, umzuziehen oder Angst vor Veränderungen
Trypanophobie – Angst vor Injektionen
Tuberculophobie – Angst vor Tuberkulose
Tyrannophobie – Angst vor Tyrannei, Tyrannen

Uranophobie – Angst vor dem Himmel
Urophobie – Angst vor Urin, zu urinieren

Vaccinophobie – Angst vor Impfungen
Venerophobie – Angst vor Geschlechtskrankheiten
Venustraphobie – Angst vor schönen Frauen
Verbophobie – Angst vor Wörtern
Verminophobie – Angst vor Bakterien
Virginitiphobie – Angst vor Vergewaltigung
Vestiphobie – Angst vor Kleidung
Vitricophobie – Angst vor dem Stiefvater

Walloonphobie – Angst vor den Wallonen
Wiccaphobie – Angst vor Hexen, Hexerei

Xanthophobie – Angst vor der Farbe Gelb
Xenoglossophobie – Angst vor fremden Sprachen  oder  Wörtern
Xenophobie – Angst vor Fremden, Ausländern
Xerophobie – Angst vor Trockenheit, Dürre, Wüsten
Xylophobie – Angst vor Holz oder Wäldern
Xyrophobie – Angst vor Klingen

Zelophobie – Angst vor Eifersucht
Zemmiphobia – Angst vor Nacktmullen
Zeusophobie – Angst vor Gott oder Göttern
Zoophobie – Angst vor Tieren

Siehe auch
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/Phobien.shtml

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Phobien



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Religion, Schuldgefühle und Angst

Montag, Oktober 30th, 2017

Der Wert einer Religion wird durch die Qualität der Moral bestimmt, die sie zu begründen vermag.
Michel Houellebecq

Gloria Polo OrtizReligion kann sowohl positive als auch negative Gefühle auslösen. Der innere Dialog, in dem man über das rechte Leben, die Religion, die letzten Dinge oder die begangenen „Sünde“ nachdenkt, kann für viele Menschen einfach zu viel sein und auch Angst, in manchen Fällen sogar Panikattacken oder andere Symptome einer Angststörung auslösen. Religion bedient sich bekanntlich häufig der Angst bzw. diese wird als Mittel verwendet, um bei Menschen Schuldgefühle zu erzeugen und dadurch deren Verhalten zu manipulieren. Hier ist gewöhnlich Gott derjenige, den diese Menschen enttäuscht haben. In manchen Fällen lautet die einfache Botschaft, dass Menschen nicht in den Himmel kommen, weil sie sich gegen bestimmte Gebote versündigt haben.

Siehe dazu auchNegatives Gottesbild erzeugt Angst und Depressionen

Menschen können daher auch negativ durch die Religion beeinflusst werden, wobei manche „gesunde“ Menschen sehr wohl ruhig dabei bleiben, für ängstliche und zur Angst neigende Menschen ist es aber oft untragbar. Manche Menschen wurden durch besondere Erlebnisse wie besessen von ihrer Religion, und zwar auf eine Art und Weise, die weit über das hinaus geht, was die Religion eigentlich aussagen möchte. In religiösen Gruppen befinden sich sehr viele sensitive Menschen, die an Angststörungen oder Panikattacken leiden.

Recht gut läßt sich dieses Phänomen am Beispiel der Schriften der Zahnärztin Dr. Gloria Polo Ortiz aus Kolumbien zeigen, die, nachdem sie am 5. Mai 1995 ein Blitz getroffen hatte und nach eigenen Aussagen praktisch klinisch tot war, nur durch ein Wunder Gottes wiederhergestellt wurde. Ohne jetzt auf die aus medizinischer Sicht teilweise haarsträubenden „Beweise“ für dieses Wunder einzugehen, soll nur auf die aus psychologischer Sicht gefährlichen Drohungen in der seither von ihr verbreiteten „Botschaft“ eingegangen werden. Dazu zitiere ich einige aus psychologischer Sicht gefährlichen Stellen aus den im Internet verfügbaren Glaubens-Zeugnis „Der BLITZ hat eingeschlagen“, die dazu geeignet sind, bei unkritischen Laien Angstgefühle zu erzeugen und vorhandene zu verstärken. Die Notation der Absätze durch Ziffern – was soll wohl damit angedeutet werden? – entstammt dem Original.

191 Nun hören Sie, was passierte: Als ich mich in dieser fürchterlichen Situation befand, was für ein entsetzlicher Schreck! Denn auf einmal sah ich, dass es wirklich Dämonen gab. Und sie kamen jetzt, um mich zu holen.
192 Ich sah diese Teufel mit all ihrer Schrecklichkeit vor mir. Und keine der Darstellungen, die ich auf Erden bisher gesehen habe, können auch nur im Kleinsten darlegen, wie schrecklich diese Teufel in Wirklichkeit aussehen.

Jeder heizt seine Hölle selber ein.
I Ging

Natürlich darf in diesem Pandämonium auch die Sexualität nicht fehlen, die bekanntlich besonders gut geeignet ist, Schuldgefühle bei Menschen zu erzeugen:

219 Ich sah einem Dämon gleich, einer schrecklichen Bestie, verunstaltet von all meinen eigenen Gräueltaten. So wie meine Mutter mit lichten Kleidern des HERRN bekleidet war, so war ich wie ein schwarzer Müllsack bekleidet von der Bestie, dem Teufel, selbst.
220 Und in diesem Zustand kam ich unten in einer Art Sumpflandschaft an, wo viele Personen bis zum Hals im Sumpf steckten und stöhnten. Und ich sah, dass dieser Sumpf sich aus dem Samenerguss von all den sündigen Beziehungen und sexuellen Perversionen zusammensetzte, die wir Menschen auf dieser Erde zu verantworten haben. Millionen von Spermen ergießen sich bei jedem Samenerguss.
221 Und nur der Geschlechtsakt, der in der sakramentalen Ehe vollzogen wird, ist von GOT T gesegnet. Denn GOTT selbst ist bei diesem Akt anwesend und eben der DRITTE in diesem Bund fürs LEBEN, ER ist die LIEBE, mit der jeder eheliche Geschlechtsverkehr geheiligt und geadelt wird.
222 Sexualität ohne sakramentale Grundlage ist nur Lust, Befriedigung, Egoismus pur. Eben deshalb leiden diese Menschen in diesem Sumpf, den sie selbst auf dieser Welt durch ihre ungezügelten Leidenschaf ten geschaffen haben. Jede Person, die an solchen unheiligen, sündhaften und außerehelichen Geschlechtsakten beteiligt war, steckt dort in diesem unermesslichen und stinkenden Sumpf und leidet unsäglich darunter. Sie schämt sich ihrer Untaten.
223 Und auf einmal entdeckte ich in diesem Sumpf auch meinen Papa. Ich sah ihn bis zum Hals in dieser stinkenden Brühe stecken, und ein Schmerz durchdrang mich und ich schrie ganz laut: „Papi, was machst denn du hier?“ Und mein Vater antwortete mit weinerlicher Stimme: „Meine Tochter, ach meine Tochter, der Ehebruch, die Untreue!“

Ganz abgesehen davon, dass von Frau Polo der eigene Vater bzw. die Ehe der Eltern desavouiert werden, muss sie auch durch dieses „Zeugnis“ anderen Menschen Angst vor der Übertretung von religiösen Regeln machen, wobei diese „Sünden“ durch eine haarsträubende medizinische Argumentation „untermauert“ werden; nicht zuletzt soll wohl der medizinische Beruf der Frau die Seriosität unterstreichen:

253 Sie müssen wissen, wenn jemand außerhalb der Ehe geschlechtliche Beziehungen hat, so hängen diese schmutzigen Geister sich sofort an ihn, sie kleben sich überall an, sie beginnen mit den Geschlechtsteilen, bemächtigen sich des Fleisches, der Hormone, sie setzen sich im Hirn fest, nehmen die Hypophyse ein, die Schleimdrüsen (Glandula) und an allen neurologischen Stellen des Organismus des Menschen und beginnen eine Menge Hormone zu produzieren, welche die niederen Instinkte wecken.
279 Wie viele Schäden und Leiden kommen über eine Ehe, nur wegen der Untreue! Wenn z. B. ein Mann ins Bordell geht oder ein Verhältnis mit seiner Sekretärin beginnt, so zieht er sich trotz Präservativ einen Virus zu. Da nützt auch ein Bad nichts. Dieser Virus stirbt nicht und später, wenn er zu seiner Frau kommt, überträgt er den Virus auf die Frau und dieser nistet sich in der Vagina oder im Uterus ein und irgendwann später entwickelt sich daraus ein Krebs. Ja, Krebs!

Zu den scheinbar als Beleg hinzugefügten Kopien: Der Bericht des Krankenhauses ist keiner, sondern der Bericht einer Ärztin der Lebens-/Krankenversicherung („Grancolombiana de Vida“), die Frau Polo mehrfach, vom Tag der Aufnahme bis zwei Wochen nachher im Krankenhaus (San Pedro Claver) besucht hat. Im „Beleg“ der Rehabilitations-Klinik steht lediglich, dass eine Rehabilitation notwendig ist wegen der Verletzung des Ischiasnerves, nichts steht von einer großen Verbrennung oder gar Amputation.

Zu allem Überdruss wird die Verbreitung solcher Aussagen von ANE (Apostolat der Neu-Evangelisierung), einer Laiengemeinschaft der Katholischen Kirche, unterstützt.

Siehe dazu auch ähnlich Gelagertes aus dem WWWW „Das “Wunder” Gloria Polo Ortiz im Lichte medizinischer Fakten

Quellen:
http://www.gloriapolo.net/
http://gloriapolo.neuevangelisierung.org/zeugnisdtORGweb.doc
http://www.angst-panikattacken.com/angst-panikattacken-religion
http://www.a-n-e.info/
http://www.gloria.tv/image/design_sister.png



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(Sexueller) Missbrauch in der katholischen Kirche

Freitag, August 11th, 2017

Der Wert einer Religion wird durch die Qualität der Moral bestimmt, die sie zu begründen vermag.
Michel Houellebecq

Da in den letzten Tagen viel Spekulatives und viel Unsinniges zu den aktuellen Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche geäußert worden ist, sollen hier einige Fakten genannt werden, die bei der Diskussion berücksichtigt werden sollten. Sie beruhen einerseits auf fachlichem Wissen aus dem Bereich der Psychologie – insbesondere Entwicklungspsychologie – und andererseits auf dem schlichten Hausverstand einer phänomenologischen Analyse aktueller und vergangener Ereignisse in diesem Kontext. Vom Standpunkt des Entwicklungspsychologen aus haben physische Gewaltausübung und sexuelle Übergriffe zahlreiche Berührungspunkte. TäterInnen kommen aus allen sozialen Schichten und häufig aus angesehenen Berufen, die mit einem hohen Image und sozialen Status ausgestattet sind, wie Lehrer, Direktoren, Pastoren, Priester und Bischöfe. Was deren Sexualität betrifft, können sie heterosexuell, homosexuell, bisexuell oder pädophil veranlagt sein, sodass eine Konzentration des Diskurses auf homosexuelle und pädophile Täter wenig zielführend ist.

Der Zölibat ist übrigens kein besonders wesentlicher, d.h., unmittelbarer Faktor bei diesen Überlegungen, da er sich innerhalb der katholischen Kirche ohnehin traditionelle „Schlupflöcher“ gesucht hat, und ihm sowohl historisch als auch aktuell faktisch nie eine wesentliche Rolle in Bezug auf Missbrauch zukommt, wenngleich manche aus bestimmten Interessen heraus diesen in die Diskussion eingebracht wissen wollen. Der Zölibat führt jedoch durch die Deformation der eigenen Sexualentwicklung – Kleriker bleiben in der Regel auf einem infantilen bzw. pubertären Stadium – zu einem abstrusen Frauenbild – alle Frauen bis auf die Jungfrau Maria und die eigene Mutter wären potentielle Verführerinnen – und kann daher in einigen Fällen sicher als eine mittelbare Ursache der Pädophilie bzw. Ephebophilie vermutet werden.

  • Sexueller Missbrauch tritt in äußerst unterschiedlichen Formen auf, sodass Einzelfälle nur sehr schwer miteinander vergleichbar sind. Es ist daher problematisch, alle Fälle in denselben Topf „sexueller Missbrauch“ zu werfen. Viele sind schlichte Gewalt, denn
  • sexueller Missbrauch ist in der Regel Gewaltausübung, vor allem aus der Perspektive des Opfers. Soferne geistige Einschränkung oder Unzurechnungsfähigkeit unterstellt werden kann, kann auch ein Täter Opfer sein. Daraus abzuleiten, dass ein System wie die katholische Kirche zwangsweise sexuelle Verklemmung hervorruft und auf Grund solcher Bedingungen beinahe mit Notwendigkeit manche Menschen zu Tätern macht, ist eher auf dem Hintergrund menschlicher Freiheit zu diskutieren.
  • Gewalt ihrerseits als Form der psychischen Energie, die nach Abfuhr verlangt, gleitet im Exzess mittels Gewalteskalation häufig in den sexuellen Bereich (siehe etwa die Folterungen im Irak). Die bei der Gewaltausübung angestrebte Demütigung der Opfer äußert sich in der Regel in Tabubrüchen und Überschreitungen der Schamschranken, die fast immer mit Sexualität und sexueller Gewalt zu tun haben.
  • Sexueller Missbrauch äußert sich in vielen Fällen als psychische Gewalt, indem beim Opfer massive Schuldgefühle und Ängste erzeugt werden.
  • Extreme Gewaltausübung kann im Extremfall als sexuelle Befriedigung erlebt werden, wie sie etwa bei sadistischen und masochistischen Praktiken auftreten.
  • Zwischen Opfer und Täter besteht in der Regel ein Machtgefälle bzw. eine Abhängigkeit, die durch institutionelle Bedingungen befördert und gesteuert werden.
  • Es gibt bei allen Missbrauchsfällen zwei zentrale Komponenten und deren Wechselwirkung: die beteiligten Personen und die Situation, in der sich diese Personen befinden.
    • Personale Faktoren sind die Sozialisation, die Erziehung, die Persönlichkeit der Betroffenen, also der Täter und der Opfer. Zum Teil hat der erzwungene Verzicht auf erotisch-sexuelle Befriedigung auch massive Folgen für anvertraute Abhängige (s.u.).
    • Situationale Faktoren sind die Strukturen, in denen die beteiligten Personen sich befinden, wobei hier vor allem Abhängigkeitsverhältnisse, Hierarchien und eingeforderte Autoritäten zu nennen sind. Durch solche situationalen Faktoren werden Gewalt und Missbrauch unter den Kindern bzw. Jugendlichen ermöglicht und gefördert – es ist nach entwicklungspsychologischen Kenntnissen geradezu ein zynischer Sadismus, pubertierende Jugendliche in dieser Zeit der körperlichen, psychosexuellen und psychosozialen Entwicklung „zusammenzusperren“. In dieser Lebensphase innerer Spannungen an seine physischen und psychischen Grenzen zu gehen ist ein normaler Vorgang, der aber unter zusätzlichem äußeren Druck mit hoher Wahrscheinlichkeit „Unfälle“ produziert. Der epidemische Missbrauch in katholischen Schulen, der etwa in den USA und Irland in den letzten Jahren ans Licht kam, ist der beste Beweis dafür.
      Anmerkung: Leider hat die literarische Aufarbeitung etwa im Törleß oder Frühlingserwachen offensichtlich wenig Wirkung gehabt, aber wer liest heute schon Musil, Wedekind oder gar Fleißner. Und neuere Literatur wie Köhlmeier (Die Musterschüler), Frischmuth (Die Klosterschule), Bernhard (Die Ursache – eine Andeutung)? Oder ganz alte wie die Carmina Burana?
    • Wechselwirkung: Die der menschlichen Natur eigene Form der Zweigeschlechtlichkeit bedingt bei einer Aggregierung in monosexuellen Kontexten wie Klöstern oder auch beim Militär zwangsweise ein Ausweichen in homoerotische Orientierungen. Diese wird vor allem durch die oft lebenslange Dauer fast unausweichlich, wobei die Unterdrückung des Sexualtriebs häufig psychopathologische Folgen nach sich zieht. Allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass es durch sexuelle Praktiken wie Selbstbefriedigung praktisch bei allen doch zu einer Triebabfuhr kommt, die bei einem institutionellen Verbot (Sünde) und Pönitenz (Buße) jedoch meist verstärkte psychische Auffälligkeiten hervorrufen wird.
  • Sexueller Missbrauch wie Gewaltausübung kann nur in geeigneten Situationen stattfinden, in den meisten Fällen in einem anderen nicht zugänglichen „Raum“ – Raum hier im metaphorischen Sinne gebraucht. Daher sind Klöster, Kasernen aber auch Internate geradezu „natürliche Orte“ für sexuellen Missbrauch und Gewalt. Bekanntlich finden sowohl Gewalt (Tötungsdelikte findet man meist innerhalb enger sozialer Beziehungen) als auch der „gewöhnliche“ Missbrauch überwiegend im Rahmen der Familien statt (siehe dazu „(K)ein sicherer Ort), also ebenfalls in einem abgeschlossenen Raum. Während aber die Konstellation Familie wohl als gesellschaftlich existenziell betrachtet werden muss, trifft das auf Klöster und Internate nicht zu. Gemeinsam ist diesen Einrichtungen bei aller Unterschiedlichkeit eine gewisse Exklusivität und Abgeschlossenheit gegenüber der Gesellschaft und manchmal auch reformpädagogischer Ansätze. Die Trennung von privat und gemeinschaftlich ist in solchen Institutionen aufgehoben, sodass eine übergroße Nähe zwischen LehrerInnen und SchülerInnen zugelassen wird.
  • Der jetzt von manchen postulierte fließende Übergang zwischen erzieherischem Eros und sexuellem Missbrauch existiert nicht, da in Abhängigkeitssituationen die Kontrolle des „Nein“ vom Machtausübenden mitbestimmt bzw. durch diesen eingeschränkt wird.

Die katholische Kirche mit ihren Einrichtungen ist auf Grund vieler Faktoren prädestiniert für das Auftreten von sexuellem Missbrauch in Verbindung mit Gewalt, wobei hier nur die m.E. wesentlichen Gründe genannt werden können:

  • Sexueller Missbrauch hat in der katholischen Kirche Tradition, denn Päpste, katholische Kaiser, Könige und Adlige hatten ein Recht darauf in Form der Entjungferung von Mädchen, wobei es grausamste sexuelle Gewalt und Praktiken z.B. in Kreuzzügen und anderen religiös motivierten Kriegen gab.
  • Frauen wurden – nicht nur aber auch im Besonderen in der katholischen Kirche – über Jahrhunderte hinweg mit Sünde und Verführung gleichgesetzt, sodass damit einem Missbrauch Vorschub geleistet wurde.
  • Kinder wurden und werden auch in katholisch geprägten Gemeinschaften oft als Besitz betrachtet, über die in legitimer Weise verfügt werden kann und mit denen alles gemacht werden kann.
  • Die in kirchlichen und kirchennahen Schulen problematische Personalrekrutierung in Verbindung mit dem Zölibat und einem erzieherischen Auftrag, der Nähe und Empathie erfordert, erhöht unter geeigneten exklusiven Rahmenbedingungen die Wahrscheinlichkeit für Fehlverhalten.
  • Neben der Attraktivität für einschlägig problematische Persönlichkeiten kann es in der Phase der normalen pubertären homoerotischen Interessen auch zu einer pathologischen Manifestation kommen.
  • Streng hierarchische Strukturen mit Abhängigkeitsverhältnissen, die vermeintliche Autorität im Sinne von arrogierter Macht erzeugen. Als unabdingbares Komplement zur Macht kommt immer die Ohnmacht. Macht kann in der Regel nur mit Gewalt aufrecht erhalten werden, während Widerstand Gewalt provoziert. Aus diesem Grund ist auch das Militär mit seinen kirchenähnlichen Strukturen besonders anfällig für Gewaltexzesse und auch Missbrauch
  • Geschlossenheit und erzwungene Nähe in einer Art Kastensystem unterstützt durch mangelnde und auch kaum zu befürchtende Transparenz das Überschreiten von natürlichen Schamgrenzen.
  • Ordnungen, die menschlichen Wesenszügen widersprechen, also menschenfeindlich sind, können letztlich nur mittels psychischer und physischer Gewalt aufrecht erhalten werden.
  • Die Ausbildung zum Kleriker erfolgt in vielen Fällen in der Adoleszenz, also in einer Phase, in der normalerweise die Sexualität erwacht. Diese unterdrücken zu müssen führt zu Schuldgefühlen, Ängsten und Zwängen. Die Folgen der Triebabwehr können oft erst viele Jahre danach ihre Auswirkungen zeigen.
  • Gewaltausübung wie sexueller Missbrauch zielen auf Kontrolle über andere Menschen. Ein Kontrollverlust mündet in geschlossenen Systemen in der Regel in Aggression.
  • Aggressionsausübung kann sowohl zur Gewöhnung führen als auch suchtartige Merkmale aufweisen, die nach einer ständigen Erhöhung der „Dosis“ verlangen.
  • Durch diese Geschlossenheit bedingt ist auch die Möglichkeit des langfristigen Missbrauchs. Hier wird Wiederholungstätern geradezu eine Spielwiese bereitet, sowohl in Bezug auf Missbrauch als auf Gewaltausübung.
  • Die Geschlossenheit begünstigt auch unsägliche verteidigende Stellungnahmen im Sinne von: „es ist nicht allein unser Problem“ oder „die sexuelle Revolution war schuld“. Letztere ist vermutlich dafür verantwortlich, dass weniger unter den Teppich gekehrt wird. Die Stellungnahmen einiger weniger Kirchenvertreter deckt sich weitgehend mit den Strategien Krimineller in Verhören oder mit den Argumentationen unreifer Kinder und Jugendlicher, die bei Vorwürfen mit den Fingern reflexartig auf andere zeigen. Auf ähnlichem Niveau befinden sich dialektische Spitzfindigkeiten, etwa indem man sich zwar tief betroffen zeigt, aber sich dann in etymologischen Überlegungen mit dem Wort „Missbrauch“ beschäftigt, statt mit dem „Missbrauch“ als Tat. Siehe dazu die aktuelle „Verarbeitung“ z.B. auf http://www.kath.net/
  • Die Leibfeindlichkeit der katholischen Kirche und eine damit verbundene Unterdrückung der natürlichen Sexualität des Menschen.
  • Da Sexualität als Geschlechtsverkehr und Onanie für Kinder, Jugendliche und Unverheiratete mit dem Makel der Sünde behaftet ist, ist ein Ausleben mit negativen psychischen Folgen verbunden. Da ein Leben ohne Sexualität realistischerweise für einen gesunden Menschen unlebbar ist, sind innerpsychische Konflikte für einen Katholiken vorprogrammiert.
  • Die Tabuisierung der Sexualität in der katholischen Kirche führt in überwiegend katholischen Ländern bei den Gläubigen zu einer auch sprachlichen Verdrängung des Sexuellen im Alltag, die so weit geht, dass sogar das Fluchen Sexualität ausspart und sich auf die Funktion der Ausscheidung konzentriert – Analität statt Sexualität.
  • Die sexuelle Natur des Menschen kann nur mit Hilfe von Unterdrückung und Angst „überwältigt“ werden. Priester und Nonnen sind zunächst einmal auch ganz normale Menschen und haben in den allermeisten Fällen auch ganz normale sexuelle Wünsche und Bedürfnisse. Die katholische Sexuallehre verbietet ihren Gläubigen nicht nur die freie sexuelle Lust, sondern sie verlangt auch noch den Verzicht auf erotisch-sexuelle Liebe für Priester, Mönche und Nonnen. Damit werden diese in seelische und ethische Konflikte gestürzt, weil sie diesen unnatürlichen und unsinnig-abartigen Verzicht nicht durchhalten können und in Versuchungssituationen geraten, denen sie dann mehr oder weniger erliegen – also „sündigen“. Am schlimmsten ist für die Betroffenen ihre unendliche Einsamkeit mit dieser Konfliktsituation.
  • Kinder innerhalb der katholischen Kirche werden von klein auf mit dem Makel der Schuld (Erbsünde, Verstoß gegen Gebote) attribuiert und erleben sich daher auch oft als selbst als schuldig am Missbrauch, da eine erwachsene Vertrauensperson ja gar nicht schlecht sein kann.
  • Viele Kinder definieren die Ereignisse auch gar nicht als Missbrauch, selbst wenn ein unbestimmt negatives Gefühl aufkommt, das sich eben nicht eindeutig definieren lässt und diffus bleibt.
  • Missbrauch wird im Laufe der Zeit stark mit Scham besetzt, wobei bei Knaben in der Pubertät das Bedürfnis hinzukommt, sich selbst als stark zu erleben, während Schwäche als Verlust der eigenen Autonomie und des Selbstbewusstseins erlebt wird. Das führt zur Verdrängung.
  • Zynischerweise empfiehlt man in ihrer natürlichen Not Sündigenden, sich doch Gott anzuvertrauen, der alles sieht und alles verzeiht. Der allwissende Gott ist übrigens eines der gewalttätigsten Machtmittel, um unaufgeklärte Kinder, Jugendliche, aber auch gläubige Erwachsene in Abhängigkeit und vor allem Angst zu halten.
    Siehe dazu auch „Religion, Schuldgefühle und Angst und Sexualität und Katholische Kirche.
  • Innerhalb des Klerus als reine Männergesellschaft ist durch das Verbot von jeglicher Sexualität wie Geschlechtsverkehr und Onanie die Entwicklung zu homoerotischen Präferenzen systemimmanent und vorhersehbar. Missbrauch tritt daher etwa in der BRD (18 von 27 Bistümern sind bisher von einschlägigen Vorwürfen betroffen) beinahe flächendeckend auf.
  • Durch die Rahmenbedingungen innerhalb der katholischen Institutionen sind naturgemäß gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte in der Überzahl. Hier gilt Ähnliches wie für Gefängnisse, in denen der sexuelle Missbrauch an der Tagesordnung ist, der häufig mit Gewalt und einer strengen Hierarchie verbunden ist.
  • Hinzu kommt eine „latente“ Attraktivität der katholischen Kirche für Pädophile – diese besteht aber in gleicher Weise auch beim Beruf des Heimerziehers, Pflegers oder Lehrers, allerdings unterliegt dieser Bereich in der Regel einer größeren öffentlichen Kontrolle.
  • Da die (katholische) Kirche offiziell sowohl bestimmte Bereiche der Gewalt wie auch bestimmte Formen der Sexualität unter Strafe stellt und damit teilweise an den Einzelnen über die gesellschaftlich tolerierten Grenzen moralische Maßstäbe anlegt und auch einfordert, gerät sie unter diesem besonderen Anspruch notwendigerweise von Zeit zu Zeit in ein unauflösbares moralisches Dilemma.

Eine Zusammenstellung aktueller und älterer „Fälle“ finde sich bei Rudolf Sponsel „Materialien Sexueller Mißbrauch in den Katholischen und anderen Kirchen„, der schreibt: „Es scheint, als sei 2010 der Damm endgültig gebrochen. Alle rechtswidrigen, kriminellen, hinterhältig-verlogenen Abwehr- und Unterdrückungsmanöver scheinen völlig zusammengebrochen und eine sintflutartige Lawine von vielfältigen Missbrauchsvorwürfen stürzt derzeit über die katholische Kirche an allen Ecken und Enden herein“.
Link: http://www.sgipt.org/politpsy/krimi/kirche/sexmiskk.htm

Siegfried Preiser sagt zu der oft ambivalenten Diskussion zum Thema Missbrauch in einer Aussendung des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen: „Eine Ursache sehe ich auch in der Erfahrung oder der Angst, nicht ernst genommen zu werden, als „beschmutzt“ zu erscheinen oder gar als Mit-Täter beschuldigt zu werden. Diese Angst ist berechtigt aufgrund von zwei Mechanismen: 1. Das Streben nach kognitiver Konsonanz. Das bedeutet: Informationen, die nicht zum bisherigen Bild, in diesem Fall der positiven Meinung über Lehrer, Pfarrer, Reformschulen und Kirche passen, werden ignoriert, abgewehrt oder als unglaubwürdig abgestempelt, damit das konsistente Weltbild nicht zerstört wird. 2. Der Glaube an eine gerechte Welt: Viele Menschen sind überzeugt, dass es auf der Welt letzten Endes gerecht zugehen muss. Wenn sie nun Zeugen einer Ungerechtigkeit werden und dem Opfer nicht (mehr) helfen können, tendieren sie dazu, dem Opfer eine Mitschuld zu geben („blaming the victim“), weil dann die subjektiv wahrgenommene Ungerechtigkeit nicht mehr so groß ist.“

Anmerkung: In meiner persönlichen Erinnerung war der sexuelle Missbrauch durch Priester und auch Lehrer in jeder Richtung in den 50er und 60er Jahren ein Tabuthema aber kein Geheimnis. Schon als Jugendliche hatten wir explizites Wissen von konkreten Personen (Kaplane und Lehrer wurden damals „versetzt“), wobei das Tuscheln danach stets allmählich versandete, wenn man selber nicht betroffen war. Auch die in Internaten (hier treffen die beiden für Missbrauch prädestinierten Kontexte Priester und Erzieher oft in Personalunion kombinatorisch aufeinander) herrschende und allgemein bekannte Gewalt war ein beliebtes Drohmittel, „verhaltensauffällige“ Kinder zur Raison zu bringen. Implizit hatte auch die Kombination psychischer (Glaube) und physischer Gewalt (Prügelstrafe) eine wesentliche Bedeutung in der Einschätzung der in Kollegs und Internaten herrschenden Erziehungsmittel für Eltern, da man von der skurrilen Annahme ausging, dass körperliche Gewalt von geweihten Händen einen wesentlich höheren Stellenwert hätte als die von Vater und Mutter. Und auch der Missbrauch durch solche besonderen Hände musste dann mit anderen Maßstäben gemessen werden, wobei in heterosexuellen Verhältnissen ein besonderer Kick dahinter zu stehen schien – man denke an einschlägige Bücher und Filme.
Der Katechismus mit seiner praktisch durchgehend drohenden Gebärde lastete damals auf den Kindern und Jugendlichen, was zu teilweise bis heute wirksamen psychischen Deformationen von Menschen hinsichtlich ihrer natürlichen Sexualität führte.
Der salbungsvolle Ton mancher Entschuldigungen und Forderungen nach Aufklärung, aber auch die halbherzigen Schuldeingeständnisse sind ein Zeichen dafür, dass auch diese „Krise“ wenig in der katholischen Kirche ändern wird, die strukturell wohl nur durch eine Auflösung veränderbar ist. Vielmehr ist zu erwarten, dass durch die nun wohl folgende Reduktion auf den „harten Kern“ von Gläubigen, die nicht einmal solche Ereignisse erschüttern oder beirren können, oder gar eine Reformation die Mauern noch höher gezogen werden. Die „Aufarbeitung“ wird mit nun an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von bloß pseudo-kirchenfernen Institutionen und Personen betrieben werden, die kein echtes Interesse haben, diese vermeintliche Säule des Staates tatsächlich zu reformieren. Schließlich ist das Leiden an sich und den anderen ein konstitutionelles Merkmal der katholischen Kirche.
Bei der Bewertung von sexuellem Missbrauch in Institutionen wie Klosterschulen oder Internaten ist das Phänomen zu beobachten, dass die nichtbetroffenen MitschülerInnen retrospektiv auch das Schöne und Vorteilhafte betonen. Dass in diesen Fällen viele MitschülerInnen vom Missbrauch nicht betroffen waren bzw. nichts wussten, ist meist nur ein ein klares Indiz dafür, dass die Handlungen der TäterInnen tabuisiert und geheim waren. Häufig waren auch die Kinder mit einem guten familiären Rückhalt mit dem Terror und dem Schrecken in der Institution gar nicht konfrontiert, denn es wäre bei diesen anvertrauten Kindern aus der Sicht der TäterInnen viel zu riskant gewesen. SexualtäterInnen entwickeln in solchen abgeschotteten, autoritären Systemen einen psychologischen Spürsinn für besonders hilflose Opfer, d.h., sie können fühlen, welche Kinder besonders wehrlos sind. Dass die vom Missbrauch nicht Betroffenen im Nachhinein sagen, nichts gesehen zu haben, liegt in vielen Fällen auch daran, dass sie damals nichts sehen wollten bzw. diese Vorfälle zum Selbstschutz verdrängen. Diese Verdrängung und Verleugnung des Geschehenen ist auch in Familien, in denen es sexuellen Missbrauch gab, zu beobachten, denn häufig beschreiben etwa die missbrauchten Töchter den Vater als Tyrannen, während die anderen nicht betroffenen Kinder ihn als einen fürsorglichen Vater erlebt haben.

Michel Foucault hat in seinem Buch Sexualität und Wahrheit die Paradoxie von Kirche und Sexualität sehr schön beschrieben: Durch die Diskursivierung der Sexualität, also dadurch, dass man rund um die Sexualität Gebote und Verbote errichtet und damit dauernd über sie redet, macht man sie überhaupt erst zum zentralen Thema. Es stimmt also nicht die simple Beschreibung, dass Sexualität früher unterdrückt wurde und man sich daher von dieser Unterdrückung jetzt endlich befreien muss, sondern dass man paradoxerweise erst über das massive Aussprechen von Verboten und das Schaffen von mit Sexualität verbundenen Konflikten die Sexualität erst richtig ins Gespräch bringt und ihr Bedeutung und großen Raum gibt. Die katholische Kirche mit ihren unzähligen Enthaltsamkeitsforderungen ist ein gutes Beispiel dafür, denn für diese Art von Kirche gibt es wahrscheinlich auf der Welt nichts anderes als Sexualität – und die ist nur im Rahmen ihrer ziemlich willkürlichen Gebote und Verbote erlaubt. Dabei scheut sie sich nicht, auch in Randbereichen der Sexualität etwa in Bezug auf Homosexualität zahlreiche Scharmützel vom Zaun zu brechen, aber auch in Bezug auf ihre dogmatisch eingeführten Sakramente wie der Ehe, wenn sie Geschiedenen den Zugang zu ihren Sakramenten verbietet.

Quellen

Wissenschaftliches zum sexuellen Missbrauch

Katholische Kirche und Sexualität

Literatur zum sexuellen Missbrauch

Ursachen und Theorien zur Gewalt

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