‘Allgemein’

Psychologie der dominierenden Zeitperspektive

Donnerstag, März 9th, 2017

Wir planen unsere Zukunft und nennen es dann Schicksal.
Jakob Freimann

Alle menschlichen Entscheidungen sind von der individuellen Zeitperspektive beeinflusst, die im Laufe des Lebens erlernt wurden, und entscheidet darüber, ob das Hauptaugenmerk auf die Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft gerichtet ist. Sie gibt den Rahmen vor, wie Erfahrungen verschlüsselt, abgespeichert und erinnert werden, hat dadurch auch einen entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmungen und Emotionen, die Erwartungen und Ziele. Die meisten Menschen entwickeln eine dominierende Zeitperspektive, d. h., sie orientieren sich überwiegend entweder an der Zukunft, der Gegenwart oder der Vergangenheit. Die jeweilige Zeitperspektive verzerrt dabei die Wahrnehmung, macht blind für bestimmte Dinge, errichtet Gedankenbarrieren, lässt alles aus einem ganz bestimmten Blickwinkel sehen.
Zukunftsorientierte Menschen lassen sich von Szenarien ihres künftigen Lebens leiten, sind zielstrebig und deshalb auch meist beruflich erfolgreich, sie ernähren sich gesund und betreiben regelmäßig Sport und nutzen Vorsorgeuntersuchungen. Andererseits sind sie oft genussunfähig in der Gegenwart.
Menschen mit Gegenwartsorientierung lassen sich in ihrem Verhalten stärker von Umweltreizen und -angeboten leiten, denen sie gerade ausgesetzt sind. Sie sind weniger ehrgeizig und strebsam, stattdessen genussorientier, d. h., sie essen und trinken gerne, verbringen viel Zeit mit Spiel und Unterhaltung, sind aber auch sozialer und hilfsbereiter als die Zukunftsorientierten.
Menschen mit einer Vergangenheitsorientierung durchleben immer wieder Szenen ihres bisherigen Lebens, wobei sie entweder in positiven Erinnerungen schwelgen, gerne auf schöne Erlebnisse, auf Erfolge und glückliche Momente zurückblicken und ihr Selbstbewusstsein aus diesen Erinnerungen schöpfen. Häufig aber kreisen Gedanken unablässig um seelische Verletzungen, Niederlagen und leidvolle Erfahrungen, was zu lähmenden Depressionen, Schuld- oder Rachegefühlen führen kann.
Eine starre Zeitperspektive macht es daher schwierig, aus der Vergangenheit zu lernen, die Gegenwart zu genießen oder die Zukunft zu planen. Eine flexible Zeitperspektive hingegen erweitert die Wahrnehmung, indem sie einen Sichtwechsel ermöglicht und man sich besser einer Situation anpassen kann. Je nach den Erfordernissen der Situation ist eine bestimmte Zeitperspektive günstiger als die anderen, die dann in den Hintergrund treten sollten. Wenn man eine starre und verzerrte Zeitperspektive durch eine flexible und ausgeglichene Zeitperspektive ersetzt, kann man die Lebensqualität bedeutend erhöhen.

Literatur

Zimbardo, Philip G. (2009). Im Labyrinth der Seele: 100 Streifzüge durch die Psychologie. Weinheim: Beltz.



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Die Door-in-the-face-Technik

Freitag, November 4th, 2016

Viele Verkaufstricks basieren auf der Norm der Reziprozität, also dass wir uns verpflichtet fühlen, anderen einen Gefallen, eine Leistung oder ein Entgegenkommen zurückzugeben, die wir angeboten bekommen oder erhalten haben. Der Verkäufer macht ein Angebot, welches bewusst so groß ist, dass die Zielperson ablehnt. Dann folgt eine sehr viel kleinere Bitte: das eigentliche Verkaufsziel. Dieses wird aufgrund der vorangegangenen Ablehnung sehr viel häufiger zugesagt, als wenn es ohne vorhergehendes Angebot an die Zielperson gestellt worden wäre. Diese Taktik zielt auf das sich-schuldig-fühlen, wenn eine Bitte abgelehnt wird. Mit dem Annehmen des kleineren Angebots hat die Zielperson die Möglichkeit, sich reinzuwaschen und wieder gut zu fühlen. Diese Technik funktioniert jedoch nur, wenn folgende Bedingungen zutreffen:

  1. Das erste Angebot muss so groß sein, dass sichergestellt ist, dass die Zielperson ablehnt.
  2. Der Zielperson muss die Chance zu einem Kompromiss gegeben werden, indem sie das erste Angebot ablehnt und der nachfolgenden Bitte nachkommen kann.
  3. Die zweite Bitte muss in Beziehung zum ersten Angebot stehen und von derselben Person kommen, so dass die Zusage der Zielperson wie ein Zugeständnis vorkommt.


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Was ist Selbstregulierung?

Mittwoch, November 2nd, 2016

Menschen wissen und handeln nicht nur aufgrund äußerer Reize, sondern sie reagieren auch auf sich selbst und besitzen die Fähigkeit, ihr Verhalten anzupassen und zu lenken. Diese Selbstregulierung von Handlung und Motivation basiert letztendlich auf internen Normen und bewertenden Reaktionen eigenen Verhaltens. Menschen suchen Zufriedenheit durch Erreichen hoch bewerteter Ziele und werden durch Unzufriedenheit mit Leistungen, die unterhalb ihres eigenen Standards liegen, motiviert. Diskrepanzen zwischen Verhalten und persönlichen Standards erzeugen somit selbstreaktive Einflüsse, die als Motivatoren und Leitlinien für ein Verhalten dienen, das darauf zugeschnitten ist, die gewünschten Ergebnisse zu erreichen.
Diese internen Standards besitzen bei sozialem und moralischem Verhalten eine größere Stabilität im Vergleich zu Bereichen, in denen es um das Erreichen von Leistungszielen und die Aneignung von Kompetenz geht.
Literatur: Bandura, Albert (1976). Lernen am Modell. Stuttgart: Klett.



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