Zum Inhalt springen

Sprachentwicklung

Sprachen funktionieren weltweit ähnlicher als gedacht

    Obwohl die Menschheit rund 7000 Sprachen spricht, die sich in Klang, Rhythmus und Wortschatz stark unterscheiden, zeigt sich auf der grammatischen Ebene eine überraschende Nähe. Eine neue groß angelegte Analyse, die auf der Grambank-Datenbank mit Informationen zu mehr als 2.400 Sprachen basiert, weist darauf hin, dass viele dieser Sprachen grundlegenden strukturellen Prinzipien folgen. Verkerk et al. (2025) verglichen 191 mögliche grammatikalische Universalien, also Merkmale, die theoretisch in allen Sprachen vorkommen sollten, mit hochkomplexen statistischen Methoden. Dabei stand… Weiterlesen »Sprachen funktionieren weltweit ähnlicher als gedacht

    Das menschliche Gehirn und die Stimmen von Primaten: Eine evolutionäre Spurensuche

      Eine aktuelle Untersuchung von Ceravolo et al. (2025) zeigte, dass das menschliche Gehirn nicht nur auf menschliche Stimmen spezialisiert ist, sondern auch sensibel auf Lautäußerungen anderer Primaten reagiert, insbesondere auf jene von Schimpansen, der engsten evolutionären Verwandten. Mithilfe funktioneller Magnetresonanztomographie untersuchte man, wie bestimmte Regionen des auditorischen Cortex auf Vokalisationen verschiedener Arten reagieren. Dazu hörten 23 Probanden Lautaufnahmen von Menschen, Schimpansen, Bonobos und Makaken. Während Bonobos genetisch ähnlich nah stehen wie Schimpansen, unterscheiden sich ihre Rufe jedoch… Weiterlesen »Das menschliche Gehirn und die Stimmen von Primaten: Eine evolutionäre Spurensuche

      Stottern zwischen Ursache, Therapie und Selbstwert: Fortschritte, Herausforderungen und gesellschaftliche Akzeptanz

        Trotz jahrzehntelanger Forschung bleibt Stottern eine komplexe und in vielen Aspekten ungeklärte Sprachstörung, die etwa ein Prozent der Weltbevölkerung betrifft. Die Störung des Redeflusses, die unabhängig von Herkunft oder Sprache auftritt, zeigt sich typischerweise in wiederholten Lauten, Blockierungen und Unterbrechungen der Stimmlippenschwingung beim Sprechen. Laut dem Logopäden Hartmut Zückner sind vor allem Übergänge zwischen Konsonanten und Vokalen problematisch, da hier häufig die Stimmlippenschwingung abreißt. Obwohl in den letzten Jahren genetische Faktoren zunehmend in den Fokus gerückt sind… Weiterlesen »Stottern zwischen Ursache, Therapie und Selbstwert: Fortschritte, Herausforderungen und gesellschaftliche Akzeptanz

        Die Rolle von Augenbewegungen in der Erfassung impliziter Erinnerungen

        Eine Untersuchung von Schmidig et al. (2023) weist darauf hin, dass Augenbewegungen als Indikator für Gedächtnisinhalte dienen können, die sich einer bewussten verbalen Reproduktion entziehen. Damit erweitert die Studie das Verständnis von Gedächtnisprozessen über die bislang dominierende Methode der Selbstauskunft hinaus. Traditionelle Ansätze zur Gedächtnismessung basieren primär auf der Fähigkeit von Probandinnen, erinnertes Material sprachlich zu berichten. Diese Vorgehensweise ist jedoch problematisch, wenn es um Populationen wie Säuglinge, nicht-sprechende Personen oder Menschen mit neurologischen Schädigungen geht, da… Weiterlesen »Die Rolle von Augenbewegungen in der Erfassung impliziter Erinnerungen

        Die evolutionären Wurzeln der Sprache

          Lange Zeit galt die Fähigkeit zur Sprache als ein exklusiv menschliches Merkmal, das sich evolutionär nur beim Homo sapiens entwickelt habe, da bestimmte neuronale Verbindungen, insbesondere das Fasciculus arcuatus, ausschließlich im menschlichen Gehirn vorkommen. Dieses Nervenfaserbündel verbindet wichtige Sprachzentren im Frontal- und Temporallappen und wird als grundlegende Infrastruktur für die Verarbeitung und Produktion komplexer Sprache betrachtet. Neuere Forschungsergebnisse widerlegen jedoch diese Annahme und deuten auf eine viel tiefere evolutionäre Verwurzelung der sprachrelevanten Hirnarchitektur hin. In einer Studie… Weiterlesen »Die evolutionären Wurzeln der Sprache

          Wo Wörter im Gehirn gespeichert sind

            Schrumpfungsprozesse in spezifischen Gehirnbereichen und deren Auswirkungen auf die Erinnerungsfähigkeit sind Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen. Eine aktuelle Studie des University College London (UCL) hat jene Regionen des Gehirns identifiziert, die essenziell für das Erinnern an Wörter sind. Demnach steht eine Reduktion des Volumens in vorderen und seitlichen Bereichen des Gehirns in Verbindung mit Beeinträchtigungen der verbalen Erinnerungsfähigkeit. Besonders betroffen sind die präfrontalen, temporalen und cingulären Kortizes sowie der Hippocampus (Besné et al., 2025). Diese Erkenntnisse sind insbesondere… Weiterlesen »Wo Wörter im Gehirn gespeichert sind

            Ausdrücke für Schmerz, Ekel und Freude

              Eine Studie von Ponsonnet, Coupé, Pellegrino, Garcia Arasco & Pisanski (2024) untersuchte, ob die akustische Form von Interjektionen, die grundlegende menschliche Emotionen wie Schmerz, Ekel und Freude ausdrücken, weltweit ähnliche Muster aufweist. Insbesondere wurde analysiert, ob sich die phonetischen Merkmale dieser Empfindungswörter mit den Lautäußerungen aus der vorsprachlichen Kommunikation, wie sie bei Tieren und Menschen zu beobachten sind, decken. In der Untersuchung wurden insgesamt 600 Ausdrücke aus 131 verschiedenen Sprachen verglichen, die jeweils Schmerz, Ekel oder Freude… Weiterlesen »Ausdrücke für Schmerz, Ekel und Freude

              Die Anpassung der Gehirnentwicklung bei Babys an das Sprechtempo

                Die späte Entwicklung der schnellen Hirnaktivität im Säuglingsalter beschränkt die anfängliche Verarbeitungskapazität auf langsame Informationen, d.h. einzelne Laute in natürlich gesprochener Sprache dauern nur ca. 50 Millisekunden, aber das Gehirn eines Neugeborenen arbeitet noch sehr langsam und kann nur akustische Reize verarbeiten, die 150 bis 200 Millisekunden dauern. Dennoch erwerben Säuglinge im ersten Lebensjahr die kurzlebigen Sprachlaute ihrer Muttersprache. Menn et al. (2024) untersuchten nun, warum Babys dennoch in den ersten Lebensmonaten scheinbar mühelos und schnell Sprache… Weiterlesen »Die Anpassung der Gehirnentwicklung bei Babys an das Sprechtempo

                Mehrsprachigkeit beeinflusst die Wahrnehmung und das Erinnern positiv

                  Die Muttersprache und die Sprachen, die man im Laufe seines Lebens lernt, beeinflussen die Art und Weise, wie man die Welt sieht. Wer mehrere Sprachen spricht und regelmäßig zwischen ihnen wechselt, trainiert zudem sein Gehirn und kann irrelevante Informationen besser ausblenden. Insgesamt hat Sprache also einen starken Einfluss darauf, wie Menschen Ereignisse erleben. Fernandez-Duque et al. (2023) untersuchten, wie die Sprachen, die Menschen sprechen, ihre Aufmerksamkeit lenken und beeinflussen können und woran sie sich in einer visuellen… Weiterlesen »Mehrsprachigkeit beeinflusst die Wahrnehmung und das Erinnern positiv

                  Die Anfälligkeit für falsche Erinnerungen in einer Zweitsprache ist geringer

                    Die Sprache ist eine wichtige Quelle für Erinnerungen, die von falschen Schlussfolgerungen bis hin zu völligen Fehlinformationen reichen. Grant et al. (2023) haben jüngst untersucht, wie sich die Verwendung einer Mutter- oder Fremdsprache auf die Anfälligkeit von zweisprachigen Personen für falsche Erinnerungen auswirkt. Obwohl die Sprache in vielerlei Hinsicht einen Einfluss auf falsche Erinnerungen hat, wurde diese Studie durch neuere Arbeiten zur Entscheidungsfindung inspiriert, dass nämlich die Benutzung einer Fremdsprache Menschen zu einer sorgfältigen Gedächtniskontrolle anregt, die… Weiterlesen »Die Anfälligkeit für falsche Erinnerungen in einer Zweitsprache ist geringer

                    Die Konnektivität des Gehirns wird beim Erlernen der Muttersprache spezifisch beeinflusst

                      Die Konnektivität des Gehirns wird in der Kindheit durch das Lernen und die Umwelt beeinflusst, was sich auf die kognitive Verarbeitung, also das Denken, im erwachsenen Gehirn auswirkt. Das trifft nach einer neueren Studie auch auf kognitive Anforderungen wie die Entwicklung des strukturellen Netzwerks der Sprache zu. In der Studie von Wei et al. (2023) wurden die Verbindungen der weißen Hirnsubstanz des Sprach- und Sprachproduktionsnetzwerks in einer großen Kohorte von Muttersprachlern zweier sehr unterschiedlicher Sprachen verglichen: einer… Weiterlesen »Die Konnektivität des Gehirns wird beim Erlernen der Muttersprache spezifisch beeinflusst

                      Babysprache nicht nur bei Menschen

                        Ein bemerkenswerter Aspekt der Sprachentwicklung beim Menschen ist die Lallphase, denn in dieser Zeit geben Kleinkinder eine Reihe spezifischer Laute von sich, wodurch sie die Sprache der Erwachsenen üben und imitieren. Dieses Babbeln erlaubt Kleinkindern mit der Zeit immer mehr Kontrolle über den eigenen Stimmapparat zu erlangen, indem Vokale, Konsonanten aber auch der Rhythmus der Sprache nachgeahmt wird. Doch ist nach neueren Untersuchungen der Mensch jedoch nicht der einzige stimmliche Lerntyp, denn man fand auch bei anderen… Weiterlesen »Babysprache nicht nur bei Menschen