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Sprachentwicklung

Automatische Trennung komplexer Klanginformationen im Neugeborenengehirn als Basis für den Spracherwerb

    Die bemerkenswerte Fähigkeit des menschlichen Gehirns, aus einer akustisch überladenen Umwelt und einem Gewirr simultaner Geräusche spezifische, zusammengehörige Klänge herauszufiltern und von störendem Hintergrundrauschen zu isolieren, ist eine fundamentale Säule der menschlichen Kommunikation und Orientierung. Eine Untersuchung von Polver et al. (2026) konnte nun erstmals direkte Belege dafür erbringen, dass diese komplexe auditorische Leistung kein Produkt langjähriger Erfahrung, sprachlicher Sozialisation oder gar bewusster Aufmerksamkeit ist, sondern als ein von Geburt an aktiver, automatischer Gehirnmechanismus vorliegt. Im Rahmen… Weiterlesen »Automatische Trennung komplexer Klanginformationen im Neugeborenengehirn als Basis für den Spracherwerb

    Gehirn und künstliche Intelligenz strukturieren Sprache ähnlich durch Vorhersagen

      Die Frage, ob die menschliche Sprachfähigkeit auf biologisch verankerten, angeborenen Mechanismen beruht oder sich dynamisch durch Erfahrung und Nutzung formt, spaltet die linguistische und neurowissenschaftliche Forschung seit Jahrzehnten in zwei große Denkschulen. Während die von Noam Chomsky geprägte Theorie der Universalgrammatik postuliert, dass Menschen mit einem genetisch fest verdrahteten grammatikalischen Grundgerüst zur Welt kommen, argumentiert die kognitive Linguistik, dass syntaktische Strukturen und sprachliche Kategorien das Resultat von Musterextraktion aus dem tatsächlichen Sprachgebrauch sind. Jüngste interdisziplinäre Forschungsarbeiten an… Weiterlesen »Gehirn und künstliche Intelligenz strukturieren Sprache ähnlich durch Vorhersagen

      Sprachen funktionieren weltweit ähnlicher als gedacht

        Obwohl die Menschheit rund 7000 Sprachen spricht, die sich in Klang, Rhythmus und Wortschatz stark unterscheiden, zeigt sich auf der grammatischen Ebene eine überraschende Nähe. Eine neue groß angelegte Analyse, die auf der Grambank-Datenbank mit Informationen zu mehr als 2.400 Sprachen basiert, weist darauf hin, dass viele dieser Sprachen grundlegenden strukturellen Prinzipien folgen. Verkerk et al. (2025) verglichen 191 mögliche grammatikalische Universalien, also Merkmale, die theoretisch in allen Sprachen vorkommen sollten, mit hochkomplexen statistischen Methoden. Dabei stand… Weiterlesen »Sprachen funktionieren weltweit ähnlicher als gedacht

        Das menschliche Gehirn und die Stimmen von Primaten: Eine evolutionäre Spurensuche

          Eine aktuelle Untersuchung von Ceravolo et al. (2025) zeigte, dass das menschliche Gehirn nicht nur auf menschliche Stimmen spezialisiert ist, sondern auch sensibel auf Lautäußerungen anderer Primaten reagiert, insbesondere auf jene von Schimpansen, der engsten evolutionären Verwandten. Mithilfe funktioneller Magnetresonanztomographie untersuchte man, wie bestimmte Regionen des auditorischen Cortex auf Vokalisationen verschiedener Arten reagieren. Dazu hörten 23 Probanden Lautaufnahmen von Menschen, Schimpansen, Bonobos und Makaken. Während Bonobos genetisch ähnlich nah stehen wie Schimpansen, unterscheiden sich ihre Rufe jedoch… Weiterlesen »Das menschliche Gehirn und die Stimmen von Primaten: Eine evolutionäre Spurensuche

          Stottern zwischen Ursache, Therapie und Selbstwert: Fortschritte, Herausforderungen und gesellschaftliche Akzeptanz

            Trotz jahrzehntelanger Forschung bleibt Stottern eine komplexe und in vielen Aspekten ungeklärte Sprachstörung, die etwa ein Prozent der Weltbevölkerung betrifft. Die Störung des Redeflusses, die unabhängig von Herkunft oder Sprache auftritt, zeigt sich typischerweise in wiederholten Lauten, Blockierungen und Unterbrechungen der Stimmlippenschwingung beim Sprechen. Laut dem Logopäden Hartmut Zückner sind vor allem Übergänge zwischen Konsonanten und Vokalen problematisch, da hier häufig die Stimmlippenschwingung abreißt. Obwohl in den letzten Jahren genetische Faktoren zunehmend in den Fokus gerückt sind… Weiterlesen »Stottern zwischen Ursache, Therapie und Selbstwert: Fortschritte, Herausforderungen und gesellschaftliche Akzeptanz

            Die Rolle von Augenbewegungen in der Erfassung impliziter Erinnerungen

            Eine Untersuchung von Schmidig et al. (2023) weist darauf hin, dass Augenbewegungen als Indikator für Gedächtnisinhalte dienen können, die sich einer bewussten verbalen Reproduktion entziehen. Damit erweitert die Studie das Verständnis von Gedächtnisprozessen über die bislang dominierende Methode der Selbstauskunft hinaus. Traditionelle Ansätze zur Gedächtnismessung basieren primär auf der Fähigkeit von Probandinnen, erinnertes Material sprachlich zu berichten. Diese Vorgehensweise ist jedoch problematisch, wenn es um Populationen wie Säuglinge, nicht-sprechende Personen oder Menschen mit neurologischen Schädigungen geht, da… Weiterlesen »Die Rolle von Augenbewegungen in der Erfassung impliziter Erinnerungen

            Die evolutionären Wurzeln der Sprache

              Lange Zeit galt die Fähigkeit zur Sprache als ein exklusiv menschliches Merkmal, das sich evolutionär nur beim Homo sapiens entwickelt habe, da bestimmte neuronale Verbindungen, insbesondere das Fasciculus arcuatus, ausschließlich im menschlichen Gehirn vorkommen. Dieses Nervenfaserbündel verbindet wichtige Sprachzentren im Frontal- und Temporallappen und wird als grundlegende Infrastruktur für die Verarbeitung und Produktion komplexer Sprache betrachtet. Neuere Forschungsergebnisse widerlegen jedoch diese Annahme und deuten auf eine viel tiefere evolutionäre Verwurzelung der sprachrelevanten Hirnarchitektur hin. In einer Studie… Weiterlesen »Die evolutionären Wurzeln der Sprache

              Wo Wörter im Gehirn gespeichert sind

                Schrumpfungsprozesse in spezifischen Gehirnbereichen und deren Auswirkungen auf die Erinnerungsfähigkeit sind Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen. Eine aktuelle Studie des University College London (UCL) hat jene Regionen des Gehirns identifiziert, die essenziell für das Erinnern an Wörter sind. Demnach steht eine Reduktion des Volumens in vorderen und seitlichen Bereichen des Gehirns in Verbindung mit Beeinträchtigungen der verbalen Erinnerungsfähigkeit. Besonders betroffen sind die präfrontalen, temporalen und cingulären Kortizes sowie der Hippocampus (Besné et al., 2025). Diese Erkenntnisse sind insbesondere… Weiterlesen »Wo Wörter im Gehirn gespeichert sind

                Ausdrücke für Schmerz, Ekel und Freude

                  Eine Studie von Ponsonnet, Coupé, Pellegrino, Garcia Arasco & Pisanski (2024) untersuchte, ob die akustische Form von Interjektionen, die grundlegende menschliche Emotionen wie Schmerz, Ekel und Freude ausdrücken, weltweit ähnliche Muster aufweist. Insbesondere wurde analysiert, ob sich die phonetischen Merkmale dieser Empfindungswörter mit den Lautäußerungen aus der vorsprachlichen Kommunikation, wie sie bei Tieren und Menschen zu beobachten sind, decken. In der Untersuchung wurden insgesamt 600 Ausdrücke aus 131 verschiedenen Sprachen verglichen, die jeweils Schmerz, Ekel oder Freude… Weiterlesen »Ausdrücke für Schmerz, Ekel und Freude

                  Die Anpassung der Gehirnentwicklung bei Babys an das Sprechtempo

                    Die späte Entwicklung der schnellen Hirnaktivität im Säuglingsalter beschränkt die anfängliche Verarbeitungskapazität auf langsame Informationen, d.h. einzelne Laute in natürlich gesprochener Sprache dauern nur ca. 50 Millisekunden, aber das Gehirn eines Neugeborenen arbeitet noch sehr langsam und kann nur akustische Reize verarbeiten, die 150 bis 200 Millisekunden dauern. Dennoch erwerben Säuglinge im ersten Lebensjahr die kurzlebigen Sprachlaute ihrer Muttersprache. Menn et al. (2024) untersuchten nun, warum Babys dennoch in den ersten Lebensmonaten scheinbar mühelos und schnell Sprache… Weiterlesen »Die Anpassung der Gehirnentwicklung bei Babys an das Sprechtempo

                    Mehrsprachigkeit beeinflusst die Wahrnehmung und das Erinnern positiv

                      Die Muttersprache und die Sprachen, die man im Laufe seines Lebens lernt, beeinflussen die Art und Weise, wie man die Welt sieht. Wer mehrere Sprachen spricht und regelmäßig zwischen ihnen wechselt, trainiert zudem sein Gehirn und kann irrelevante Informationen besser ausblenden. Insgesamt hat Sprache also einen starken Einfluss darauf, wie Menschen Ereignisse erleben. Fernandez-Duque et al. (2023) untersuchten, wie die Sprachen, die Menschen sprechen, ihre Aufmerksamkeit lenken und beeinflussen können und woran sie sich in einer visuellen… Weiterlesen »Mehrsprachigkeit beeinflusst die Wahrnehmung und das Erinnern positiv

                      Die Anfälligkeit für falsche Erinnerungen in einer Zweitsprache ist geringer

                        Die Sprache ist eine wichtige Quelle für Erinnerungen, die von falschen Schlussfolgerungen bis hin zu völligen Fehlinformationen reichen. Grant et al. (2023) haben jüngst untersucht, wie sich die Verwendung einer Mutter- oder Fremdsprache auf die Anfälligkeit von zweisprachigen Personen für falsche Erinnerungen auswirkt. Obwohl die Sprache in vielerlei Hinsicht einen Einfluss auf falsche Erinnerungen hat, wurde diese Studie durch neuere Arbeiten zur Entscheidungsfindung inspiriert, dass nämlich die Benutzung einer Fremdsprache Menschen zu einer sorgfältigen Gedächtniskontrolle anregt, die… Weiterlesen »Die Anfälligkeit für falsche Erinnerungen in einer Zweitsprache ist geringer