Zum Thema ‘Psychotherapie’

Psychotherapie kann als die Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von psychischen Störungen mit Krankheitswert beschrieben werden.

Motivation in der klärungsorientierten Psychotherapie



Klärungsorientierte Psychotherapie ist eine etablierte Therapieform, die sich mit verschiedensten Aufgabengebieten umfasst. Zu Beginn einer Psychotherapie können Klientinnen und Klienten nur selten und nur annäherungsweise wirklich relevante Behandlungsziele nennen, denn die Behandlungsmotivation ist anfänglich oft uneindeutig. Es ist daher notwendig, dass Therapeut und Klient gemeinsam im Lauf der Behandlung aktiv an der Entwicklung und Klärung realistischer kurz- und langfristiger Ziele arbeiten. Der Therapeut sollte den Klienten darin unterstützen, seine Motive zu klären, Phantasien zu entwickeln, was er möchte, was ihm gut tut, und er sollte mit dem Klienten langfristige Phantasien entfalten, welche weiteren Entwicklungen aus kurzfristigen Effekten folgen können und was diese bedeuten würden. Der Klient soll sich etwa seine Gewinne aus der Therapie möglichst plastisch und konkret vorstellen können, sich die Bedeutung der Erfolge bewusst machen, etwa im Sinne von: Wie werden sie sich anfühlen? Welche weiteren Konsequenzen sind zu erwarten? Der Klient soll zwar auf die Hilfe des Therapeuten vertrauen, jedoch klar vor Augen haben, den vielleicht steinigen Weg muss er selbst gehen. Sieht der Klient sein selbstentwickeltes positives Behandlungsziel möglichst deutlich vor Augen, wird er motiviert mitarbeiten. Um dies zu erleichtern, sollte der Therapeut die Selbst-Effizienz-Erwartung des Klienten steigern. Dies ist z. B. möglich durch die Betonung bzw. Verbesserung der konkreten Fähigkeiten des Klienten, durch den Abbau von Hindernissen wie dysfunktionalen Schemata, indem der Therapeut alle Fortschritte immer wieder dem Klienten bewusst macht und durch ein hohes Maß an Ressourcenaktivierung.

Es ist allgemein bekannt, dass Persönlichkeitsmerkmale Einfluss auf die Diagnose, Konzeptualisierung, Behandlungsplanung und die Vorhersage von Behandlungsergebnissen in der Behandlung von psychischen Störungen sind. Zahlreiche Studien haben den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und spezifischen Therapieergebnissen in der Psychotherapie untersucht. Bucher, Suzuki & Samuel (2019) haben in einer Metaanalyse Studien ausgewertet, die sich mit diesem Thema auseinandersetzten, wobei die Persönlichkeit über das Fünf-Faktoren-Modell (Neurotizismus, Verträglichkeit, Extraversion, Gewissenhaftigkeit, Offenheit für Neues) erfasst wurde, um einen Rahmen für die Interpretation von Effekten zu erhalten. Behandlungen waren dabei insgesamt erfolgreicher und die Symptome psychisch Erkrankter wurden reduziert, wenn die Klienten zu Beginn einen niedrigeren Neurotizismus-Wert besaßen, also etwa weniger ängstlich waren. Wer demnach emotional stabil ist, der ist vermutlich eher dazu bereit, sich und sein Verhalten zu ändern, um den eigenen Lebensstil zu verbessern. Es zeigte sich auch, dass je verträglicher ein Patient ist, desto eher baut er mit dem Therapeuten eine gute therapeutische Beziehung auf, denn dann ist man sich über die Aufgaben und die Ziele der Psychotherapie einig. Interessanterweise beeinflusste ein hoher Extraversionswert die Therapie positiv, denn stark extrovertierte KlientInnen scheinen schneller Hilfe zu suchen und tragen mit ihrem Verhalten auch bei der Therapie eher zum Gelingen bei, da sie ihre Emotionen und Gedanken bereitwilliger äußern.

Literatur

Bucher, Meredith, Suzuki, Takakuni & Samuel, Douglas (2019). A meta-analytic review of personality traits and their associations with mental health treatment outcomes. Clinical Psychology Review, 70, doi:10.1016/j.cpr.2019.04.002.
Sachse, R., Schirm, S., & Kiszkenow-Bäker, S. (2014). Klärungsorientierte Psychotherapie in der Praxis I. Lenkerich: Pabst.



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Die Erfindung des Feedback



Sozialpsychologen um Kurt Lewin hielten in den USA Seminare ab, in denen LehrerInnen, SozialarbeiterInnen und Geschäftsleute die Anwendung eines neuen Gesetzes lernen sollten. Die Trainer und Forschungsbeobachter trafen sich am Abend eines jeden Seminartages, wobei das beobachtete Verhalten des Leiters, der Mitglieder und der Gruppen analysiert und interpretiert werden sollten, woraus sie Einsichten in ihr eigenes Verhalten und das ihrer Gruppen gewannen. Indem sich die Forscher und Gruppenleiter über das unterhielten, was sie an den TeilnehmerInnen wahrgenommen hatten und diejenigen, von denen sie sprachen, sich mit ihrem eigenen Verhalten konfrontierten und ohne Abwehr beim Nachdenken über dieses beteiligten, konnten zum einen die Teilnehmer viel über sich selbst und die Gruppenentwicklung lernen, zum andern entstand daraus eine Grundlage von Beobachtungen, die wiederum Gegenstand weiterer Reflexion wurde und Einfluss auf die nächsten Arbeitssitzungen hatte, woraus die Idee des sich selbst fortschreibenden Gruppenprozesses entstand. Daraus wurden in der Folge die ersten gruppendynamischen Laboratorien entwickelt, in denen insbesondere das Verhalten innerhalb der Gruppen untersucht wurde.

Ausführliche Informationen zur Thematik: Gutes Feedback – Was ist das?

Literatur

Fengler, J. (2004). Feedback geben. Strategien und Übungen. Weinheim: Beltz.
Stangl, W. (2011). Feedback. Online-Enzyklopädie für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/4603/feedback/ (11-05-16)



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Idealtypischer Therapieverlauf einer kognitiven Verhaltenstherapie



Anfangsphase (Sitzung 1-4): Detaillierte Exploration von Symptomatik, Entwicklung der Störung, Lebensumständen, weiteren Problembereichen, Fremdbeobachtung, Selbstbeobachtung. Verschiebung der Problemdefinition, Psychoedukation, Reduktion der Bedeutung der Gedanken, Funktionalitäten eruieren, Miteinbezug Angehöriger, Verhaltensalternativen finden.

Kognitive Vorbereitung auf Exposition (Sitzung 5): Plausibles Erklärungsmodell, Ableitung des Expositionskonzeptes, Planung der Übungen.

Therapeutengeleitete Exposition (Sitzung 6-10): Erste therapeutengleitete Expositionsübungen, eigenständige Exposition zu Hause mit Aufzeichnungen, Besprechung der eigenständigen Übungen, Weiterführung der Exposition.

Kognitive Umstrukturierung, Exposition im Selbstmanagement (Sitzung 11-15): Besprechung eigenständiger Expositionen, Erklärungsmodell auf lebensgeschichtlichem Hintergrund, Weiterführung der Exposition. Kognitive Umstrukturierung bezüglich dysfunktionaler Überzeugungen, Verhaltensexperimente.

Weitere Problembereiche, Exposition im Selbstmanagement (Sitzung 1-4): Bearbeitung der im Einzelfall noch wichtigen Probleme und Zielbereiche.

Rückfallprophylaxe, Vorbereitung auf Therapieende, Abschluß der Therapie (Sitzung 1-4): Rekapitulation erlernter Strategien, Identifikation potentieller Rückfallsituationen.

Literatur
Lakatos, A. & Reinecker, H. (2001). Kognitive Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen. Göttingen: Hogrefe.
Ambühl, H. (2005). Kognitive Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen. In Ambühl, H. (Hrsg.), Psychotherapie der
Zwangsstörungen (S. 69-87). Stuttgart: Thieme
Ecker, W. (2001). Verhaltenstherapie bei Zwängen. Lengerich: Pabst Science Publishers.



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