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Mausmodell

Man muss bei der Übertragung von psychologischen Untersuchungsergebnissen an Mäusen auf Menschen zwar vorsichtig sein, auch wenn festzuhalten ist, dass etwa bei der Untersuchung von Bedürfnissen diese im Gehirn vom Hypothalamus gesteuert werden. Bis jetzt sind alle entdeckten Funktionen dieser Hirnstruktur evolutionär kaum verändert. Das gilt etwa für die Kontrolle von Schlaf, Fortpflanzung und Nahrungsaufnahme, sowohl bei Fischen und Reptilien als auch bei Säugetieren.

Der Hippocampus balanciert zwischen Gedächtnisruhe und Detailgenauigkeit

    Wie das menschliche Gehirn es schafft, neue Eindrücke fließend in bereits bestehende Erinnerungen einzuarbeiten, ohne dabei frühere Informationen zu überschreiben oder zu verwischen, ist eine der zentralen Fragen der Neurowissenschaften. Eine aktuelle Untersuchung von Pérez-Montoyo, et al. (2026) widmete sich genau diesem Zusammenspiel aus Flexibilität und Stabilität im Gedächtnissystem. Im Zentrum der Betrachtungen stand dabei der Gyrus dentatus, eine spezifische Region innerhalb des Hippocampus, die maßgeblich an der Entstehung neuer Erinnerungsspuren beteiligt ist. Mithilfe einer Kombination aus… Weiterlesen »Der Hippocampus balanciert zwischen Gedächtnisruhe und Detailgenauigkeit

    Der hormonelle Einfluss auf das Gedächtnis während der Schwangerschaft

      Neuere wissenschaftliche Untersuchungen liefern Erklärungen für kognitive Veränderungen während einer Schwangerschaft, die umgangssprachlich häufig als Vergesslichkeit oder Gedächtnisstreuung beschrieben werden. Lange Zeit galten diese alltäglichen Beobachtungen wie das Verlegen von Gegenständen oder kurzzeitige Konzentrationsschwierigkeiten vor allem als Folge von Schlafmangel, Stress oder reinen Klischees. Aktuelle Befunde aus der neurobiologischen Forschung zeigen jedoch, dass biologische Prozesse im Gehirn maßgeblich daran beteiligt sind. Im Zentrum dieser Prozesse steht das Sexualhormon Östrogen, dessen Konzentration im mütterlichen Körper im Verlauf einer… Weiterlesen »Der hormonelle Einfluss auf das Gedächtnis während der Schwangerschaft

      Neuronale Grundlagen der kognitiven Flexibilität

        Die menschliche und tierische Intelligenz offenbart sich in besonderem Maße durch die Fähigkeit, das eigene Verhalten rasch und zielgerichtet an eine sich stetig verändernde Umwelt anzupassen. Trotz der zentralen Bedeutung dieser kognitiven Flexibilität blieben die zugrundeliegenden biologischen Feinmechanismen auf der zellulären und neuronalen Ebene lange Zeit weitgehend unerforscht. Eine wegweisende Untersuchung von Maristany de las Casas et al. (2026) wirft nun ein neues Licht auf die aktiven Rechenprozesse im Gehirn. Man konnte nachweisen, dass die weitverzweigten Fortsätze… Weiterlesen »Neuronale Grundlagen der kognitiven Flexibilität

        Wie das Gehirn durch Krisen lernt

          Die Frage, warum einige Menschen traumatische oder stark belastende Lebensereignisse psychisch unbeschadet überstehen oder sogar gestärkt aus ihnen hervorgehen, während andere daran zerbrechen, steht seit langem im Zentrum der psychologischen und biomedizinischen Forschung. Eine Studie von Backhaus et al. (2026) die sowohl menschliche Probanden als auch Tiermodelle untersuchte, liefert nun neue Erkenntnisse über die zugrunde liegenden neuronalen Netzwerkmechanismen. Resilienz, so zeigen die Ergebnisse, ist keineswegs eine bloße, angeborene Charaktereigenschaft, sondern basiert auf aktiven, dynamischen Anpassungs- und Umbauprozessen… Weiterlesen »Wie das Gehirn durch Krisen lernt

          Wie die Stärke synaptischer Verbindungen das menschliche Gedächtnis stabilisiert

            Die Frage, wie es dem menschlichen Gehirn gelingt, Erinnerungen über Jahrzehnte hinweg stabil zu speichern, obwohl sich seine physische Substanz auf mikroskopischer Ebene in einem permanenten Wandel befindet, gehört zu den faszinierendsten Rätseln der Neurowissenschaften. In einer aktuellen Studie von Rais & Wiegert (2026) untersuchte man das sogenannte Dilemma zwischen Stabilität und Plastizität und konnten zeigen, dass die funktionelle Stärke einer synaptischen Verbindung – also wie effektiv ein Signal übertragen wird – direkt vorhersagt, wie lange diese… Weiterlesen »Wie die Stärke synaptischer Verbindungen das menschliche Gedächtnis stabilisiert

            Eine neue Taxonomie der Immunabwehr im Gehirn

              Die Erforschung der Immunabwehr des menschlichen Gehirns hat durch eine internationale Studie von Chhatbar et al. )2026)  einen bedeutenden Durchbruch erzielt, indem sie aufzeigte, dass grundverschiedene neurologische Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Multiple Sklerose oder Hirntumoren auf ähnlichen immunologischen Mustern basieren. Im Zentrum dieser Untersuchungen standen die Mikroglia, die als ansässige Immunzellen des Zentralnervensystems eine essenzielle Rolle bei der Überwachung des Gewebes, der Beseitigung von Zellresten und der Reaktion auf Verletzungen oder Entzündungen spielen. Durch die Analyse von… Weiterlesen »Eine neue Taxonomie der Immunabwehr im Gehirn

              Wie das Gehirn entscheidet, was es sich merken will

                Die neurowissenschaftliche Forschung zeigt immer deutlicher, dass Erinnern kein statischer Vorgang ist, sondern ein dynamischer Prozess, in dem das Gehirn fortwährend auswählt, welche Erfahrungen Bestand haben und welche rasch verblassen. Obwohl Menschen täglich eine Fülle an Eindrücken aufnehmen, gelangt nur ein kleiner Teil davon in das Langzeitgedächtnis. Diese strenge Auswahl ist notwendig, weil das Arbeitsgedächtnis nur begrenzte Kapazitäten besitzt und daher einen präzisen Filter benötigt, um Wichtiges zu bewahren und Unwichtiges auszusondern. Bis vor Kurzem ging man… Weiterlesen »Wie das Gehirn entscheidet, was es sich merken will

                Das verteilte Gehirn: Wie Entscheidungen parallel entstehen

                  Entscheidungen erscheinen uns als spontane, einheitliche Gedankenakte. Doch aktuelle neurowissenschaftliche Befunde zeichnen ein deutlich komplexeres Bild: Die Prozesse, die zu einer Entscheidung führen, verlaufen nicht in klar abgegrenzten hierarchischen Bahnen, sondern in einem vielschichtigen Zusammenspiel zahlreicher Hirnareale. Zwei im Fachjournal Nature veröffentlichte Studien des International Brain Laboratory (IBL) zeigen, dass Entscheidungsfindung ein global vernetztes und hochgradig paralleles Phänomen ist, das nahezu das gesamte Gehirn erfasst (Findling et al., 2025; Meshulam et al., 2025). Das IBL, ein Zusammenschluss… Weiterlesen »Das verteilte Gehirn: Wie Entscheidungen parallel entstehen

                  Der Superior Colliculus – eine unterschätzte Hirnregion?

                    Neue neurobiologische Forschung zeigt, dass der Superior Colliculus (SC), eine kleine Region im Mittelhirn, eine entscheidende Rolle bei der blitzschnellen Verarbeitung von Gefahrensituationen spielt. Lange galt der SC vor allem als Umschaltstation für visuelle Informationen, doch mittlerweile mehren sich die Hinweise, dass er weit mehr ist: ein zentraler Knotenpunkt für die Initiierung von Abwehrreaktionen. Dabei verarbeitet der SC insbesondere visuelle Reize, die sich schnell nähern oder bedrohlich wirken, und leitet diese Signale unmittelbar in motorische Netzwerke weiter.… Weiterlesen »Der Superior Colliculus – eine unterschätzte Hirnregion?

                    Wie das Gehirn Relevanz lernt

                      Die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, aus der Vielzahl sensorischer Eindrücke jene auszuwählen, die für das Überleben, Lernen und Handeln entscheidend sind, stellt eine grundlegende Voraussetzung für die Bildung von Erinnerungen dar. Eine Studie von Liao et al. (2024) am Mausmodell lieferte neue Einsichten in die neuronalen Mechanismen, die es dem Gehirn ermöglichen, während der Gedächtniskonsolidierung irrelevante Informationen zu filtern und bedeutungsvolle Muster zu bewahren. Im Zentrum dieser Forschung stand die hemmende Plastizität – eine lernabhängige Veränderung hemmender… Weiterlesen »Wie das Gehirn Relevanz lernt

                      Ein zweites dopaminerg gesteuertes Lernsystem im Gehirn

                        In einer Studie haben Neto et al. (2023) am Mausmodell ein dopaminabhängiges Lernsystem (Action Prediction Error) im Gehirn identifiziert, das tiefgreifende Auswirkungen auf unser Verständnis von Gewohnheitsbildung, Zwangsverhalten und Sucht haben könnte. In Verhaltensexperimenten mit Mäusen kombinierten die Wissenschaftler neuronale Bildgebung mit gezielter Inaktivierung bestimmter Hirnregionen. Die Mäuse lernten dabei, auf bestimmte Töne durch Bewegungen zu reagieren. Wurde das hintere Striatum deaktiviert, waren die Tiere nicht mehr in der Lage, die gelernte Handlung in der späten Lernphase… Weiterlesen »Ein zweites dopaminerg gesteuertes Lernsystem im Gehirn

                        Neue Einsichten in neuronale Zeitstrukturen und deren Bedeutung für Entscheidungsprozesse

                          Im menschlichen Gehirn nimmt die ventrale tegmentale Area (VTA) eine Schlüsselrolle bei der Verarbeitung von Belohnungen und der Steuerung von Motivation ein. Diese kleine, aber bedeutsame Hirnregion ist bekannt dafür, bei Erwartung angenehmer Ereignisse Dopamin auszuschütten, was das Belohnungserleben moduliert. Traditionell wurde angenommen, dass die VTA hauptsächlich dafür zuständig ist, das Eintreffen von Belohnungen zu signalisieren. Neuere Forschungsergebnisse aus internationalen Kooperationen zwischen Genf, Harvard und McGill erweitern jedoch dieses Verständnis erheblich. Sie belegen, dass die VTA nicht… Weiterlesen »Neue Einsichten in neuronale Zeitstrukturen und deren Bedeutung für Entscheidungsprozesse