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Mausmodell

Man muss bei der Übertragung von psychologischen Untersuchungsergebnissen an Mäusen auf Menschen zwar vorsichtig sein, auch wenn festzuhalten ist, dass etwa bei der Untersuchung von Bedürfnissen diese im Gehirn vom Hypothalamus gesteuert werden. Bis jetzt sind alle entdeckten Funktionen dieser Hirnstruktur evolutionär kaum verändert. Das gilt etwa für die Kontrolle von Schlaf, Fortpflanzung und Nahrungsaufnahme, sowohl bei Fischen und Reptilien als auch bei Säugetieren.

Wie die Stärke synaptischer Verbindungen das menschliche Gedächtnis stabilisiert

    Die Frage, wie es dem menschlichen Gehirn gelingt, Erinnerungen über Jahrzehnte hinweg stabil zu speichern, obwohl sich seine physische Substanz auf mikroskopischer Ebene in einem permanenten Wandel befindet, gehört zu den faszinierendsten Rätseln der Neurowissenschaften. In einer aktuellen Studie von Rais & Wiegert (2026) untersuchte man das sogenannte Dilemma zwischen Stabilität und Plastizität und konnten zeigen, dass die funktionelle Stärke einer synaptischen Verbindung – also wie effektiv ein Signal übertragen wird – direkt vorhersagt, wie lange diese… Weiterlesen »Wie die Stärke synaptischer Verbindungen das menschliche Gedächtnis stabilisiert

    Eine neue Taxonomie der Immunabwehr im Gehirn

      Die Erforschung der Immunabwehr des menschlichen Gehirns hat durch eine internationale Studie von Chhatbar et al. )2026)  einen bedeutenden Durchbruch erzielt, indem sie aufzeigte, dass grundverschiedene neurologische Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Multiple Sklerose oder Hirntumoren auf ähnlichen immunologischen Mustern basieren. Im Zentrum dieser Untersuchungen standen die Mikroglia, die als ansässige Immunzellen des Zentralnervensystems eine essenzielle Rolle bei der Überwachung des Gewebes, der Beseitigung von Zellresten und der Reaktion auf Verletzungen oder Entzündungen spielen. Durch die Analyse von… Weiterlesen »Eine neue Taxonomie der Immunabwehr im Gehirn

      Wie das Gehirn entscheidet, was es sich merken will

        Die neurowissenschaftliche Forschung zeigt immer deutlicher, dass Erinnern kein statischer Vorgang ist, sondern ein dynamischer Prozess, in dem das Gehirn fortwährend auswählt, welche Erfahrungen Bestand haben und welche rasch verblassen. Obwohl Menschen täglich eine Fülle an Eindrücken aufnehmen, gelangt nur ein kleiner Teil davon in das Langzeitgedächtnis. Diese strenge Auswahl ist notwendig, weil das Arbeitsgedächtnis nur begrenzte Kapazitäten besitzt und daher einen präzisen Filter benötigt, um Wichtiges zu bewahren und Unwichtiges auszusondern. Bis vor Kurzem ging man… Weiterlesen »Wie das Gehirn entscheidet, was es sich merken will

        Das verteilte Gehirn: Wie Entscheidungen parallel entstehen

          Entscheidungen erscheinen uns als spontane, einheitliche Gedankenakte. Doch aktuelle neurowissenschaftliche Befunde zeichnen ein deutlich komplexeres Bild: Die Prozesse, die zu einer Entscheidung führen, verlaufen nicht in klar abgegrenzten hierarchischen Bahnen, sondern in einem vielschichtigen Zusammenspiel zahlreicher Hirnareale. Zwei im Fachjournal Nature veröffentlichte Studien des International Brain Laboratory (IBL) zeigen, dass Entscheidungsfindung ein global vernetztes und hochgradig paralleles Phänomen ist, das nahezu das gesamte Gehirn erfasst (Findling et al., 2025; Meshulam et al., 2025). Das IBL, ein Zusammenschluss… Weiterlesen »Das verteilte Gehirn: Wie Entscheidungen parallel entstehen

          Der Superior Colliculus – eine unterschätzte Hirnregion?

            Neue neurobiologische Forschung zeigt, dass der Superior Colliculus (SC), eine kleine Region im Mittelhirn, eine entscheidende Rolle bei der blitzschnellen Verarbeitung von Gefahrensituationen spielt. Lange galt der SC vor allem als Umschaltstation für visuelle Informationen, doch mittlerweile mehren sich die Hinweise, dass er weit mehr ist: ein zentraler Knotenpunkt für die Initiierung von Abwehrreaktionen. Dabei verarbeitet der SC insbesondere visuelle Reize, die sich schnell nähern oder bedrohlich wirken, und leitet diese Signale unmittelbar in motorische Netzwerke weiter.… Weiterlesen »Der Superior Colliculus – eine unterschätzte Hirnregion?

            Wie das Gehirn Relevanz lernt

              Die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, aus der Vielzahl sensorischer Eindrücke jene auszuwählen, die für das Überleben, Lernen und Handeln entscheidend sind, stellt eine grundlegende Voraussetzung für die Bildung von Erinnerungen dar. Eine Studie von Liao et al. (2024) am Mausmodell lieferte neue Einsichten in die neuronalen Mechanismen, die es dem Gehirn ermöglichen, während der Gedächtniskonsolidierung irrelevante Informationen zu filtern und bedeutungsvolle Muster zu bewahren. Im Zentrum dieser Forschung stand die hemmende Plastizität – eine lernabhängige Veränderung hemmender… Weiterlesen »Wie das Gehirn Relevanz lernt

              Ein zweites dopaminerg gesteuertes Lernsystem im Gehirn

                In einer Studie haben Neto et al. (2023) am Mausmodell ein dopaminabhängiges Lernsystem (Action Prediction Error) im Gehirn identifiziert, das tiefgreifende Auswirkungen auf unser Verständnis von Gewohnheitsbildung, Zwangsverhalten und Sucht haben könnte. In Verhaltensexperimenten mit Mäusen kombinierten die Wissenschaftler neuronale Bildgebung mit gezielter Inaktivierung bestimmter Hirnregionen. Die Mäuse lernten dabei, auf bestimmte Töne durch Bewegungen zu reagieren. Wurde das hintere Striatum deaktiviert, waren die Tiere nicht mehr in der Lage, die gelernte Handlung in der späten Lernphase… Weiterlesen »Ein zweites dopaminerg gesteuertes Lernsystem im Gehirn

                Neue Einsichten in neuronale Zeitstrukturen und deren Bedeutung für Entscheidungsprozesse

                  Im menschlichen Gehirn nimmt die ventrale tegmentale Area (VTA) eine Schlüsselrolle bei der Verarbeitung von Belohnungen und der Steuerung von Motivation ein. Diese kleine, aber bedeutsame Hirnregion ist bekannt dafür, bei Erwartung angenehmer Ereignisse Dopamin auszuschütten, was das Belohnungserleben moduliert. Traditionell wurde angenommen, dass die VTA hauptsächlich dafür zuständig ist, das Eintreffen von Belohnungen zu signalisieren. Neuere Forschungsergebnisse aus internationalen Kooperationen zwischen Genf, Harvard und McGill erweitern jedoch dieses Verständnis erheblich. Sie belegen, dass die VTA nicht… Weiterlesen »Neue Einsichten in neuronale Zeitstrukturen und deren Bedeutung für Entscheidungsprozesse

                  Geschlechtsunterschiede bei Mäusen in ihrem Verhalten

                    Eine neue Studie von Muir et al. (2024) zeigte, dass männliche und weibliche Mäuse unterschiedliche neuronale Pfade zur Unterscheidung zwischen Bedrohung und Sicherheit nutzen – auch wenn ihr beobachtbares Verhalten ähnlich erscheint. Diese Erkenntnis wirft grundlegende Fragen über bestehende Paradigmen in der neurowissenschaftlichen Forschung auf, insbesondere über die gängige Praxis, überwiegend männliche Tiere als Standardmodelle zu verwenden. In der Untersuchung trainierte man 17 Mäuse darauf, zwischen einem Hinweisreiz, der einen leichten Fußschock ankündigte (CS+), und einem neutralen… Weiterlesen »Geschlechtsunterschiede bei Mäusen in ihrem Verhalten

                    Wie das Gehirn neuronale Verluste kompensiert

                      Das menschliche Gehirn ist trotz seiner eingeschränkten Fähigkeit zur Regeneration in der Lage, Funktionsverluste, wie sie durch altersbedingtes Absterben von Nervenzellen oder neurodegenerative Erkrankungen verursacht werden, überraschend gut zu kompensieren. Besonders im Cortex, dem für höhere Denkfunktionen und Wahrnehmung zuständigen Teil der Großhirnrinde, ist die Bildung neuer Nervenzellen stark eingeschränkt. Dennoch bleibt die Funktion dieser Hirnregionen oft lange erhalten, selbst wenn bereits eine Vielzahl von Neuronen verloren gegangen ist. Eine aktuelle Studie von Noda et al. (2025)… Weiterlesen »Wie das Gehirn neuronale Verluste kompensiert

                      Die neuronalen Grundlagen der sinnesübergreifenden Generalisierung

                        Die Fähigkeit, Informationen über verschiedene Sinnesmodalitäten hinweg zu übertragen, ist eine fundamentale Eigenschaft intelligenter Lebewesen, wobei es diese sinnübergreifende Generalisierung Tieren und vermutlich auch dem Menschen ermöglicht ,auf bereits erworbenes Wissen zurückzugreifen, selbst wenn sich die Art der Sinneswahrnehmung ändert. Eine aktuelle Studie von Guyoton et al. (2025) hat die zugrunde liegenden neuronalen Mechanismen am Mausmodell untersucht. Im Zentrum der Untersuchungstand daher die Frage, wie das Gehirn Informationen, die ursprünglich über den Tastsinn aufgenommen wurden, später über… Weiterlesen »Die neuronalen Grundlagen der sinnesübergreifenden Generalisierung

                        Wie das Gehirn vergangene Erlebnisse festigt und sich auf neue vorbereitet

                          Die Rolle des Schlafs im Kontext der Gedächtnisbildung wird seit Jahren intensiv untersucht, doch aktuelle Forschungsergebnisse erweitern das Verständnis dieses komplexen Prozesses erheblich, denn während lange bekannt ist, dass das Gehirn im Schlaf Erinnerungen verarbeitet und festigt, zeigte eine Studie von Ghandour et al. (2025), dass der Schlaf auch aktiv zur Vorbereitung auf das Abspeichern zukünftiger Erinnerungen beiträgt. Im Mittelpunkt der Studie standen Engrammzellen – spezialisierte Neuronen, die als biologische Speicherorte für Erinnerungen fungieren. Diese Zellen bilden… Weiterlesen »Wie das Gehirn vergangene Erlebnisse festigt und sich auf neue vorbereitet