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Gehirnforschung

Die moderne Gehirnforschung begann mit der Phrenologie, als Franz Joseph Gall Zusammenhänge zwischen Arealen des Gehirns und kognitiven Funktionen herstellte.

Interpersonale Synchronizität und soziale Bindung

    Menschliches Verhalten zeichnet sich häufig durch spontane und unbewusste zeitliche Abstimmungen von Bewegungen zwischen Individuen aus. Dieses Phänomen der korporalen Koordination äußert sich sowohl in alltäglichen Dyaden – wie dem gleichzeitigen Wippen der Beine nebeneinander sitzender Personen oder dem gemeinsamen Schritttempo beim Nebeneinanderhergehen – als auch in kollektiven Großgruppen, etwa beim übergangslosen Einsetzen synchronen Klatschens innerhalb eines Publikums. Während die automatische Nachahmung von Haltungen, Gesten und Mimik – bekannt als perzeptiv-motorische Mimikry – bereits eingehend als zwischenmenschlicher… Weiterlesen »Interpersonale Synchronizität und soziale Bindung

    Der Placebo-Effekt auf dem Prüfstand

      Neuronale Pfade der Schmerzerwartung: Zur mechanistischen Divergenz konditionierter und verbal induzierter Placeboanalgesie Als Placeboanalgesie bezeichnet man die messbare Schmerzlinderung durch eine Behandlung ohne echten Arzneiwirkstoff wie eine Zuckerpille oder eine Kochsalzlösung. Die Linderung entsteht allein durch die Erwartung des Patienten, dass die Maßnahme hilft. Die Annahme, dass die Linderung von Schmerzen durch wirkstofffreie Scheinbehandlungen auf einem einheitlichen neurobiologischen Korrelat beruht, wird durch neuere bildgebende Großanalysen grundlegend infrage gestellt. Das Phänomen der Placeboanalgesie stellt keine monolithische neurophysiologische Größe… Weiterlesen »Der Placebo-Effekt auf dem Prüfstand

      Neuronale Grundlagen der kognitiven Flexibilität

        Die menschliche und tierische Intelligenz offenbart sich in besonderem Maße durch die Fähigkeit, das eigene Verhalten rasch und zielgerichtet an eine sich stetig verändernde Umwelt anzupassen. Trotz der zentralen Bedeutung dieser kognitiven Flexibilität blieben die zugrundeliegenden biologischen Feinmechanismen auf der zellulären und neuronalen Ebene lange Zeit weitgehend unerforscht. Eine wegweisende Untersuchung von Maristany de las Casas et al. (2026) wirft nun ein neues Licht auf die aktiven Rechenprozesse im Gehirn. Man konnte nachweisen, dass die weitverzweigten Fortsätze… Weiterlesen »Neuronale Grundlagen der kognitiven Flexibilität

        Individuelle Sehgewohnheiten und neuronale Spezialisierung im menschlichen Gehirn

          Das menschliche Blickverhalten beim Betrachten komplexer visueller Szenen folgt keineswegs dem Zufall, sondern spiegelt die spezifische funktionelle Architektur des individuellen Gehirns wider. Wie eine Studie von Kollenda et al. (2026) zeigt, fokussieren Menschen beim Betrachten von Bildern mit natürlichem Inhalt systematisch unterschiedliche Bildelemente: Während einige Menschen bevorzugt Gesichter fixieren, richten andere ihren Blick primär auf geschriebenen Text. Mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie und präzisem Eye-Tracking an 61 Erwachsenen konnte nachgewiesen werden, dass diese individuellen Blickpräferenzen eng mit der… Weiterlesen »Individuelle Sehgewohnheiten und neuronale Spezialisierung im menschlichen Gehirn

          Die geteilte Aufmerksamkeit des Gehirns: Wie wir im Stimmengewirr gleichzeitig hören und wechseln

            In alltäglichen Situationen, wie etwa auf einer gut besuchten Feier oder in einer lebhaften Menschenmenge, stehen wir fortwährend vor der Herausforderung, unsere Aufmerksamkeit gezielt auf eine einzelne Person zu richten und Nebengeräusche auszublenden. Lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass das menschliche Gehirn bei einem Wechsel des Fokus strikt und abrupt von einem Sprecher zum nächsten springt. Eine aktuelle neurobiologische Untersuchung widerspricht jedoch dieser Annahme eines abrupten Wechsels und zeigt stattdessen, dass unsere Schaltzentrale fähig ist,… Weiterlesen »Die geteilte Aufmerksamkeit des Gehirns: Wie wir im Stimmengewirr gleichzeitig hören und wechseln

            Die neuronale Dynamik des Leerlaufs des Gehirns

              Das Default Mode Network und seine Funktion für Selbstreflexion und Kreativität Das Phänomen des bewussten „Nichtstuns“ oder des gedanklichen Abschweifens wird im Alltag häufig mit Entspannung oder dem Freimachen des Kopfes assoziiert. Wissenschaftlich betrachtet existiert ein Zustand, in dem das menschliche Gehirn völlig frei von Gedanken ist, im wachen Zustand jedoch praktisch nicht. Durch den Einsatz moderner bildgebender Verfahren wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) lässt sich die elektrische Aktivität, der Blutfluss und der… Weiterlesen »Die neuronale Dynamik des Leerlaufs des Gehirns

              Neue Perspektiven auf die menschliche Schädelevolution

                Die evolutionäre Entwicklung der Gattung Homo ist traditionell durch zwei prägnante Trends gekennzeichnet: eine kontinuierliche Vergrößerung des Gehirns bzw. Gehirnschädels sowie eine gleichzeitige Verkleinerung und Reduktion der Robustheit von Gesicht und Kiefer. Bislang ging man weitgehend davon aus, dass diese morphologischen Veränderungen das direkte Resultat einer anhaltenden, gerichteten natürlichen Selektion waren, bei der größere Gehirne aufgrund gesteigerter kognitiver Fähigkeiten und kleinere Gesichter aufgrund energetischer Vorteile – begünstigt durch den Einsatz von Werkzeugen und die damit einhergehende Entlastung… Weiterlesen »Neue Perspektiven auf die menschliche Schädelevolution

                Wie das Gehirn durch Krisen lernt

                  Die Frage, warum einige Menschen traumatische oder stark belastende Lebensereignisse psychisch unbeschadet überstehen oder sogar gestärkt aus ihnen hervorgehen, während andere daran zerbrechen, steht seit langem im Zentrum der psychologischen und biomedizinischen Forschung. Eine Studie von Backhaus et al. (2026) die sowohl menschliche Probanden als auch Tiermodelle untersuchte, liefert nun neue Erkenntnisse über die zugrunde liegenden neuronalen Netzwerkmechanismen. Resilienz, so zeigen die Ergebnisse, ist keineswegs eine bloße, angeborene Charaktereigenschaft, sondern basiert auf aktiven, dynamischen Anpassungs- und Umbauprozessen… Weiterlesen »Wie das Gehirn durch Krisen lernt

                  Automatische Trennung komplexer Klanginformationen im Neugeborenengehirn als Basis für den Spracherwerb

                    Die bemerkenswerte Fähigkeit des menschlichen Gehirns, aus einer akustisch überladenen Umwelt und einem Gewirr simultaner Geräusche spezifische, zusammengehörige Klänge herauszufiltern und von störendem Hintergrundrauschen zu isolieren, ist eine fundamentale Säule der menschlichen Kommunikation und Orientierung. Eine Untersuchung von Polver et al. (2026) konnte nun erstmals direkte Belege dafür erbringen, dass diese komplexe auditorische Leistung kein Produkt langjähriger Erfahrung, sprachlicher Sozialisation oder gar bewusster Aufmerksamkeit ist, sondern als ein von Geburt an aktiver, automatischer Gehirnmechanismus vorliegt. Im Rahmen… Weiterlesen »Automatische Trennung komplexer Klanginformationen im Neugeborenengehirn als Basis für den Spracherwerb

                    Das Gehirn filtert negative auditive Reize aus dem Bewusstsein

                      Obwohl im Alltag, in den Medien und in der Popkultur meist davon ausgegangen wird, dass emotional negativ geladene Reize wie Bilder oder Wörter die menschliche Aufmerksamkeit automatisch auf sich ziehen und kognitive Kapazitäten rauben, deuten neuere wissenschaftliche Erkenntnisse auf einen gegenteiligen Mechanismus bei der unbewussten auditiven Verarbeitung hin. Während die bisherige Forschung zur Priorisierung von Informationen im Bewusstsein stark auf den visuellen Sinn fokussiert war, untersuchten Chen et al. (2026) diese Prozesse im auditiven Bereich, da sich… Weiterlesen »Das Gehirn filtert negative auditive Reize aus dem Bewusstsein

                      Wie das Gedächtnis die Augenbewegungen lenkt

                        Täglich führt das menschliche visuelle System etwa 200.000 Augenbewegungen aus, bei denen der Blick von einem Punkt zum nächsten springt. Die biologischen und kognitiven Mechanismen, die bestimmen, wie lange das Auge an einem bestimmten Punkt verweilt, waren in der Wissenschaft lange Zeit Gegenstand von Diskussionen. Bisher ging die dominierende Lehrmeinung davon aus, dass die sogenannte Fixationsdauer primär durch die visuelle Komplexität und den damit verbundenen Verarbeitungsaufwand bestimmt wird. Demnach sollten schwerer zu erkennende oder komplexere Bildausschnitte längere… Weiterlesen »Wie das Gedächtnis die Augenbewegungen lenkt

                        Wie akuter Stress die Gedächtnisintegration beeinträchtigt

                          Die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, isolierte Eindrücke und Erinnerungen miteinander zu verknüpfen, bildet das Fundament für das alltägliche Wissen und ermöglicht es, flexible Schlussfolgerungen zu ziehen, die über die reine Wahrnehmung hinausgehen. Dieser essenzielle Prozess, der auch als Gedächtnisintegration bezeichnet wird, wird jedoch durch akuten Stress massiv gestört. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung von Schüren et al. (2026) zeigte, dass Menschen unter Stresseinfluss verstärkt isolierte Einzelerinnerungen abspeichern, anstatt neue Informationen in bereits bestehende Wissensstrukturen einzubetten. Um diesen Mechanismus… Weiterlesen »Wie akuter Stress die Gedächtnisintegration beeinträchtigt