Zum Inhalt springen

Gehirnforschung

Die moderne Gehirnforschung begann mit der Phrenologie, als Franz Joseph Gall Zusammenhänge zwischen Arealen des Gehirns und kognitiven Funktionen herstellte.

Die neuronale Dynamik des Leerlaufs des Gehirns

    Das Default Mode Network und seine Funktion für Selbstreflexion und Kreativität Das Phänomen des bewussten „Nichtstuns“ oder des gedanklichen Abschweifens wird im Alltag häufig mit Entspannung oder dem Freimachen des Kopfes assoziiert. Wissenschaftlich betrachtet existiert ein Zustand, in dem das menschliche Gehirn völlig frei von Gedanken ist, im wachen Zustand jedoch praktisch nicht. Durch den Einsatz moderner bildgebender Verfahren wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) lässt sich die elektrische Aktivität, der Blutfluss und der… Weiterlesen »Die neuronale Dynamik des Leerlaufs des Gehirns

    Neue Perspektiven auf die menschliche Schädelevolution

      Die evolutionäre Entwicklung der Gattung Homo ist traditionell durch zwei prägnante Trends gekennzeichnet: eine kontinuierliche Vergrößerung des Gehirns bzw. Gehirnschädels sowie eine gleichzeitige Verkleinerung und Reduktion der Robustheit von Gesicht und Kiefer. Bislang ging man weitgehend davon aus, dass diese morphologischen Veränderungen das direkte Resultat einer anhaltenden, gerichteten natürlichen Selektion waren, bei der größere Gehirne aufgrund gesteigerter kognitiver Fähigkeiten und kleinere Gesichter aufgrund energetischer Vorteile – begünstigt durch den Einsatz von Werkzeugen und die damit einhergehende Entlastung… Weiterlesen »Neue Perspektiven auf die menschliche Schädelevolution

      Wie das Gehirn durch Krisen lernt

        Die Frage, warum einige Menschen traumatische oder stark belastende Lebensereignisse psychisch unbeschadet überstehen oder sogar gestärkt aus ihnen hervorgehen, während andere daran zerbrechen, steht seit langem im Zentrum der psychologischen und biomedizinischen Forschung. Eine Studie von Backhaus et al. (2026) die sowohl menschliche Probanden als auch Tiermodelle untersuchte, liefert nun neue Erkenntnisse über die zugrunde liegenden neuronalen Netzwerkmechanismen. Resilienz, so zeigen die Ergebnisse, ist keineswegs eine bloße, angeborene Charaktereigenschaft, sondern basiert auf aktiven, dynamischen Anpassungs- und Umbauprozessen… Weiterlesen »Wie das Gehirn durch Krisen lernt

        Automatische Trennung komplexer Klanginformationen im Neugeborenengehirn als Basis für den Spracherwerb

          Die bemerkenswerte Fähigkeit des menschlichen Gehirns, aus einer akustisch überladenen Umwelt und einem Gewirr simultaner Geräusche spezifische, zusammengehörige Klänge herauszufiltern und von störendem Hintergrundrauschen zu isolieren, ist eine fundamentale Säule der menschlichen Kommunikation und Orientierung. Eine Untersuchung von Polver et al. (2026) konnte nun erstmals direkte Belege dafür erbringen, dass diese komplexe auditorische Leistung kein Produkt langjähriger Erfahrung, sprachlicher Sozialisation oder gar bewusster Aufmerksamkeit ist, sondern als ein von Geburt an aktiver, automatischer Gehirnmechanismus vorliegt. Im Rahmen… Weiterlesen »Automatische Trennung komplexer Klanginformationen im Neugeborenengehirn als Basis für den Spracherwerb

          Das Gehirn filtert negative auditive Reize aus dem Bewusstsein

            Obwohl im Alltag, in den Medien und in der Popkultur meist davon ausgegangen wird, dass emotional negativ geladene Reize wie Bilder oder Wörter die menschliche Aufmerksamkeit automatisch auf sich ziehen und kognitive Kapazitäten rauben, deuten neuere wissenschaftliche Erkenntnisse auf einen gegenteiligen Mechanismus bei der unbewussten auditiven Verarbeitung hin. Während die bisherige Forschung zur Priorisierung von Informationen im Bewusstsein stark auf den visuellen Sinn fokussiert war, untersuchten Chen et al. (2026) diese Prozesse im auditiven Bereich, da sich… Weiterlesen »Das Gehirn filtert negative auditive Reize aus dem Bewusstsein

            Wie das Gedächtnis die Augenbewegungen lenkt

              Täglich führt das menschliche visuelle System etwa 200.000 Augenbewegungen aus, bei denen der Blick von einem Punkt zum nächsten springt. Die biologischen und kognitiven Mechanismen, die bestimmen, wie lange das Auge an einem bestimmten Punkt verweilt, waren in der Wissenschaft lange Zeit Gegenstand von Diskussionen. Bisher ging die dominierende Lehrmeinung davon aus, dass die sogenannte Fixationsdauer primär durch die visuelle Komplexität und den damit verbundenen Verarbeitungsaufwand bestimmt wird. Demnach sollten schwerer zu erkennende oder komplexere Bildausschnitte längere… Weiterlesen »Wie das Gedächtnis die Augenbewegungen lenkt

              Wie akuter Stress die Gedächtnisintegration beeinträchtigt

                Die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, isolierte Eindrücke und Erinnerungen miteinander zu verknüpfen, bildet das Fundament für das alltägliche Wissen und ermöglicht es, flexible Schlussfolgerungen zu ziehen, die über die reine Wahrnehmung hinausgehen. Dieser essenzielle Prozess, der auch als Gedächtnisintegration bezeichnet wird, wird jedoch durch akuten Stress massiv gestört. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung von Schüren et al. (2026) zeigte, dass Menschen unter Stresseinfluss verstärkt isolierte Einzelerinnerungen abspeichern, anstatt neue Informationen in bereits bestehende Wissensstrukturen einzubetten. Um diesen Mechanismus… Weiterlesen »Wie akuter Stress die Gedächtnisintegration beeinträchtigt

                Wie die Stärke synaptischer Verbindungen das menschliche Gedächtnis stabilisiert

                  Die Frage, wie es dem menschlichen Gehirn gelingt, Erinnerungen über Jahrzehnte hinweg stabil zu speichern, obwohl sich seine physische Substanz auf mikroskopischer Ebene in einem permanenten Wandel befindet, gehört zu den faszinierendsten Rätseln der Neurowissenschaften. In einer aktuellen Studie von Rais & Wiegert (2026) untersuchte man das sogenannte Dilemma zwischen Stabilität und Plastizität und konnten zeigen, dass die funktionelle Stärke einer synaptischen Verbindung – also wie effektiv ein Signal übertragen wird – direkt vorhersagt, wie lange diese… Weiterlesen »Wie die Stärke synaptischer Verbindungen das menschliche Gedächtnis stabilisiert

                  Was sind die Ursachen menschlicher Doppelmoral?

                    Die Kluft zwischen Wissen und Handeln: Neuronale Mechanismen moralischer Inkonsistenz Eine Untersuchung von Liu et al. (2026) widmet esich dem weit verbreiteten Phänomen der moralischen Inkonsistenz, bei dem Individuen ihr eigenes Handeln nicht mit denselben moralischen Maßstäben in Einklang bringen, die sie zur Beurteilung anderer heranziehen. Diese Diskrepanz, oft als moralische Doppelmoral wahrgenommen, kann soziale Beziehungen belasten und die persönliche Reputation untergraben. Man untersuchte dabei die neuronalen Grundlagen dieses Verhaltens in einer Versuchsreihe, in der Probanden in… Weiterlesen »Was sind die Ursachen menschlicher Doppelmoral?

                    Eine neue Taxonomie der Immunabwehr im Gehirn

                      Die Erforschung der Immunabwehr des menschlichen Gehirns hat durch eine internationale Studie von Chhatbar et al. )2026)  einen bedeutenden Durchbruch erzielt, indem sie aufzeigte, dass grundverschiedene neurologische Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Multiple Sklerose oder Hirntumoren auf ähnlichen immunologischen Mustern basieren. Im Zentrum dieser Untersuchungen standen die Mikroglia, die als ansässige Immunzellen des Zentralnervensystems eine essenzielle Rolle bei der Überwachung des Gewebes, der Beseitigung von Zellresten und der Reaktion auf Verletzungen oder Entzündungen spielen. Durch die Analyse von… Weiterlesen »Eine neue Taxonomie der Immunabwehr im Gehirn

                      Schlafähnliche Gehirnaktivität als Schlüssel zur Aufmerksamkeitsproblematik bei ADHS

                        Aktuelle neurowissenschaftliche Forschung liefert neue Hinweise darauf, dass die Aufmerksamkeitsprobleme bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) tief in der physiologischen Dynamik des Gehirns verwurzelt sind. Eine Studie von Elaine Pinggal und Kolleginnen und Kollegen an der Monash University in Melbourne (Pinggal et al., 2026) legt nahe, dass das Gehirn von Menschen mit ADHS während wacher Zustände wiederkehrend in einen schlafähnlichen Zustand übergeht. Diese unbemerkten Mini-Episoden der Erschlaffung neuronaler Aktivität könnten erklären, warum Betroffene häufiger Schwierigkeiten haben, ihre Aufmerksamkeit… Weiterlesen »Schlafähnliche Gehirnaktivität als Schlüssel zur Aufmerksamkeitsproblematik bei ADHS

                        Wie das Gehirn mit widersprüchlichen Informationen umgeht

                          Eine aktuelle Studie von Slangewal und Bahl (2026) räumt mit der Vorstellung auf, dass das Gehirn bei widersprüchlichen Informationen einfach nur einen „Gewinner“ auswählt und den Rest ignoriert. Statt dieses harten „Winner-takes-all“-Prinzips, bei dem ein System zwischen zwei Optionen hin- und hergerissen wäre, nutzen Zebrafischlarven eine viel elegantere additive Strategie. Man kann sich das Gehirn der Larve wie ein Mischpult in einem Tonstudio vorstellen: Anstatt nur ein Instrument auf volle Lautstärke zu drehen und alle anderen stummzuschalten,… Weiterlesen »Wie das Gehirn mit widersprüchlichen Informationen umgeht