Gehirnforschung

Die moderne Gehirnforschung begann mit der Phrenologie, als Franz Joseph Gall Zusammenhänge zwischen Arealen des Gehirns und kognitiven Funktionen herstellte.

Wenn das Gehirn bei Prognosen einen Fehler erwartet

Unbewussten Vorhersageprozesse im Gehirn werden heute als einer der grundlegenden Mechanismen angesehen, wie das menschliche Gehirn arbeitet – prädiktive Kodierung. Dercksen et al. (2020) haben untersucht, welcher fundamentale Mechanismus im Gehirn bei der Erwartung von Fehlern bei dieser Prognose von zukünftigen Ereignissen abläuft. Wird etwa in einer Versuchsanordnung vom Gehirn nach dem Drücken eines Knopfes ein Hörreiz erwartet, der aber unerwarteter Weise dann nicht folgt, kann im Gehirn mittel EEG eine Auslassungsreaktion beobachtet werden. Diese endogene Reaktion… Weiterlesen »Wenn das Gehirn bei Prognosen einen Fehler erwartet

Warum das menschliche Gehirn geschrumpft sein könnte

Die Größe des menschlichen Gehirns hat sich in den sechs Millionen Jahren seit dem letzten gemeinsamen Vorfahren von Homo und Schimpanse fast vervierfacht, aber es wird angenommen, dass das menschliche Gehirn seit dem Ende der letzten Eiszeit an Volumen verloren hat. Der Zeitpunkt und der Grund für diese Abnahme sind rätselhaft. Hier verwenden DeSilva et al. (2021) die Analyse von Veränderungspunkten, um den Zeitpunkt der Veränderungen in der Gehirnentwicklung abzuschätzen. Sie stellen fest, dass die Hominidengehirne vor… Weiterlesen »Warum das menschliche Gehirn geschrumpft sein könnte

Die Mikrobiom-Darm-Gehirn-Achse als Ziel bei der Behandlung von Depressionen

Depressive Störungen sind weltweit die Hauptursache für Behinderungen und die Behandlungsmöglichkeiten sind unzureichend. Derzeit werden jedoch neue therapeutische Ansätze diskutiert, von Augmentationsstrategien bis hin zu neuartigen Behandlungen, die auf das Immunsystem oder die Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse abzielen. Daher untersuchten Schmidtner et al. (2019) die potenziellen positiven Auswirkungen von Minocyclin, einem Tetrazyklin-Antibiotikum mit pleiotroper, immunmodulatorischer Wirkung, allein oder als Augmentation von Escitalopram auf das Verhalten, die präfrontale Mikroglia-Dichte und das Darmmikrobiom bei Ratten, die selektiv auf hohes angstähnliches Verhalten gezüchtet… Weiterlesen »Die Mikrobiom-Darm-Gehirn-Achse als Ziel bei der Behandlung von Depressionen

Wollen Sie wissen, was eine nun leider tote Maus einmal gedacht hat?

In fünfjährige Arbeit ist es Wissenschaftlern gelungen, die bisher größte, vollständige räumliche Karte einer Gehirnregion einer Maus anzufertigen. Zunächst wurden die Hirnaktivitäten der lebenden Maus über 70.000 Mal gemessen, während diese visuellen Reizen wie Naturaufnahmen ausgesetzt wurde, danach wurde das Gehirn entnommen und in 25.000 Scheiben zerlegt. Dieses Material wurde dann mit einem Elektronenmikroskop in über 150 Millionen Bildern erfasst, wobei der letzte entscheidende Schritt eine Rekonstruktion mit einer Kombination aus künstlicher Intelligenz und menschlicher Korrektur darstellt.… Weiterlesen »Wollen Sie wissen, was eine nun leider tote Maus einmal gedacht hat?

Unbewusste Erinnerungen im episodischen Gedächtnis resistenter gegen das Vergessen

Bisher ging man davon aus, dass nur bewusst Erlebtes im episodischen Gedächtnis und über den Hippocampus gespeichert wird und auch das Verhalten beeinflusst. Schneider et al. (2021) konnten nachweisen, dass nicht nur bewusste, sondern auch unbewusste alltägliche Erlebnisse von unserem Gedächtnis abgespeichert werden, wobei die unbewussten Erlebnisse im Unterschied zu den bewussten vom Gehirn nicht wieder gelöscht werden. Zudem entdeckte man, dass nur das bewusst gelernte, aber nicht unbewusst gelernte Episodenwissen einem Vergessensprozess unterliegt. In den Experimenten… Weiterlesen »Unbewusste Erinnerungen im episodischen Gedächtnis resistenter gegen das Vergessen

Haben intelligente Menschen größere Pupillen?

Es ist bekannt, dass Pupillenerweiterungen des Auges mit zentralen kognitiven Prozessen korrespondieren, wobei die Beziehung zwischen Pupillengröße und individuellen Unterschieden in den kognitiven Fähigkeiten jedoch noch nicht eingehend untersucht worden ist. Tsukahara et al. (2016) haben in einigen Studien systematisch erforscht, ob die Ausgangspupillengröße während einer Aufgabenbewältigung mit individuellen Unterschieden in der Arbeitsgedächtniskapazität und der fluiden Intelligenz zusammenhängt. Dazu vermaß man die Pupillen mittels eines Augentrackers, also einer hochempfindlichen Kamera und eines Computers, der die Lichtreflektion von… Weiterlesen »Haben intelligente Menschen größere Pupillen?

Soziale Kontakte spiegeln sich auch im Gehirn wider

Bekanntlich fühlen sich die meisten Menschen in Gesellschaft anderer wohl und suchen den Austausch mit ihnen, wobei auch gut erforscht ist, dass soziale Unterstützung einen wichtigen Beitrag zu psychischer und körperlicher Gesundheit leistet. Gan et al. (2021) haben jüngst untersucht, wie das psychische Wohlbefinden mit sozialem Kontakt im alltäglichen Leben zusammenhängt und welche Gehirnareale dabei eine Rolle spielen. In ihrer Studie kombinierte man mehrere Methoden aus den Bereichen Epidemiologie, Psychologie und Bildgebung des Gehirns, wobei über einen… Weiterlesen »Soziale Kontakte spiegeln sich auch im Gehirn wider

Die aktive Rolle des Thalamus bei der Entscheidungsfindung

Wer darauf besteht, alle Faktoren zu überblicken, bevor er sich entscheidet, wird sich nie entscheiden. Henri-Frédéric Amiel Menschliche Entscheidungsfindung basiert auf der flexiblen Verarbeitung komplexer Informationen, d. h., die Menschen müssen wir große Informationsmengen bewältigen, wobei die Anforderungen an das Gehirn sind dabei von Situation zu Situation sehr unterschiedlich sind. So gibt es Situationen, in denen Entscheidungen dadurch erleichtert werden, dass wir bereits wissen, welche Informationsquellen relevant sind und selektiv beachtet werden sollten, aber es gibt auch… Weiterlesen »Die aktive Rolle des Thalamus bei der Entscheidungsfindung

Zusammenhang zwischen Hirnanatomie und beruflichen Neigungen

Berufliche Neigungen werden meist über psychologische Interessenstests bestimmt. Neuroradiologe Christoph Krick hat nun gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der berufsbildenden Schule Zweibrücken (Ignaz-Roth-Schule) und ihrem Lehrer Stefan Gurres herausgefunden, dass es einen messbaren Zusammenhang zwischen diesen per Test gemessenen beruflichen Neigungen und den dafür benötigten Hirnregionen gibt. Die Forschungsergebnisse haben sie nun – für alle frei zugänglich – veröffentlicht. „Du willst Lehrer werden? Aber die sind doch gerade gar nicht gefragt auf dem Arbeitsmarkt“, „Kunstgeschichte? Um Himmels… Weiterlesen »Zusammenhang zwischen Hirnanatomie und beruflichen Neigungen

Beim gemeinsamen Spiel von Vater und Kind synchronisieren sich die Gehirnaktivitäten

Nguyen et al. (2021) haben in einer früheren Untersuchung (Nguyen, et al., 2020a, 2020b) gezeigt, dass sich während einer sozialen Interaktion von Müttern und Kindern die Gehirnaktivität wechselseitig anpasst. Nun untersuchten man, ob dieser Effekt auch zwischen Vätern und Kindern eintritt. Dabei haben fünf bis sechs Jahre alte Kinder mit ihren Vätern gemeinsam oder getrennt Puzzles gelöst, so wie sie das zu Hause auch machen würden, wobei während des Spiels durch funktionelle Nah-Infrarotspektroskopie gleichzeitig die Gehirnaktivität von… Weiterlesen »Beim gemeinsamen Spiel von Vater und Kind synchronisieren sich die Gehirnaktivitäten