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Gehirnforschung

Die moderne Gehirnforschung begann mit der Phrenologie, als Franz Joseph Gall Zusammenhänge zwischen Arealen des Gehirns und kognitiven Funktionen herstellte.

Das verteilte Gehirn: Wie Entscheidungen parallel entstehen

    Entscheidungen erscheinen uns als spontane, einheitliche Gedankenakte. Doch aktuelle neurowissenschaftliche Befunde zeichnen ein deutlich komplexeres Bild: Die Prozesse, die zu einer Entscheidung führen, verlaufen nicht in klar abgegrenzten hierarchischen Bahnen, sondern in einem vielschichtigen Zusammenspiel zahlreicher Hirnareale. Zwei im Fachjournal Nature veröffentlichte Studien des International Brain Laboratory (IBL) zeigen, dass Entscheidungsfindung ein global vernetztes und hochgradig paralleles Phänomen ist, das nahezu das gesamte Gehirn erfasst (Findling et al., 2025; Meshulam et al., 2025). Das IBL, ein Zusammenschluss… Weiterlesen »Das verteilte Gehirn: Wie Entscheidungen parallel entstehen

    Bewegung als Verstärker des Hörens

      Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass das menschliche Hörvermögen während des Gehens dynamisch angepasst wird und stärker auf akustische Reize reagiert als im Stehen oder beim Treten auf der Stelle. In einer Untersuchung von Chen et al. (2025) wurden 30 Versuchspersonen gebeten, auf einem achterschleifenförmigen Kurs durch einen Raum zu gehen, während sie wechselnden Geräuschkulissen ausgesetzt waren. Mithilfe mobiler EEG-Messungen konnte man feststellen, dass die Gehirnreaktionen nicht nur durch das Gehen an sich, sondern auch durch die jeweilige Bewegungsrichtung… Weiterlesen »Bewegung als Verstärker des Hörens

      Neue Perspektiven auf Phantomschmerz und Therapie

        Lange Zeit herrschte in der Neurowissenschaft die Auffassung, dass sich die kortikale Repräsentation im Gehirn nach einer Amputation grundlegend verändert. Demnach würden benachbarte Körperareale, wie die Lippen, die zuvor für die amputierte Hand reservierte Region des somatosensorischen Kortex übernehmen. Diese sogenannte kortikale Reorganisation galt als maßgebliche Erklärung für das Auftreten von Phantomschmerzen, die bei bis zu 90 % der Amputierten auftreten. Doch eine aktuelle Längsschnittstudie von Schone et al. (2025), veröffentlicht in Nature Neuroscience, stellt diese Annahme… Weiterlesen »Neue Perspektiven auf Phantomschmerz und Therapie

        Der Superior Colliculus – eine unterschätzte Hirnregion?

          Neue neurobiologische Forschung zeigt, dass der Superior Colliculus (SC), eine kleine Region im Mittelhirn, eine entscheidende Rolle bei der blitzschnellen Verarbeitung von Gefahrensituationen spielt. Lange galt der SC vor allem als Umschaltstation für visuelle Informationen, doch mittlerweile mehren sich die Hinweise, dass er weit mehr ist: ein zentraler Knotenpunkt für die Initiierung von Abwehrreaktionen. Dabei verarbeitet der SC insbesondere visuelle Reize, die sich schnell nähern oder bedrohlich wirken, und leitet diese Signale unmittelbar in motorische Netzwerke weiter.… Weiterlesen »Der Superior Colliculus – eine unterschätzte Hirnregion?

          Die neuronale Kodierung von Farben: Gemeinsame Muster in der menschlichen Farbwahrnehmung

            Seit langem stellt man sich die Frage, ob alle Menschen Farben in gleicher Weise wahrnehmen. Während das subjektive Farberleben schwer fassbar bleibt, lässt sich die Verarbeitung von Farben im Gehirn objektiv mithilfe bildgebender Verfahren untersuchen. Eine aktuelle Studie von Bannert & Bartels (2025) hat mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) neue Erkenntnisse zur neuronalen Kodierung von Farben gewonnen. In Experimenten ließ man 15 Probandinnen und Probanden verschiedene Farbreize wie Rot, Grün und Gelb betrachten, während deren Hirnaktivität aufgezeichnet wurde. Dabei… Weiterlesen »Die neuronale Kodierung von Farben: Gemeinsame Muster in der menschlichen Farbwahrnehmung

            Die Rolle von Objekten bei der Stärkung des inneren Kompasses

              Eine Studie von Siegenthaler et al. (2025) hat herausgefunden, dass das Betrachten von Objekten die Präzision des Gehirns bei der räumlichen Orientierung verbessert. Man konnte zeigen, dass eine bestimmte Hirnregion, das Postsubiculum, das eine wichtige Rolle für den Orientierungssinn spielt, aktiviert wird, wenn Objekte wahrgenommen werden. Diese Region enthält spezielle Nervenzellen – die sogenannten Kopfausrichtungszellen – die auf bestimmte Kopfrichtungen reagieren. Die Studie, die mit Mäusen durchgeführt wurde, ergab, dass diese Zellen präziser arbeiten, wenn ein Objekt… Weiterlesen »Die Rolle von Objekten bei der Stärkung des inneren Kompasses

              Wie Farben vergleichbare neuronale Reaktionen bei unterschiedlichen Menschen auslösen

                In einer Studie konnten Bannert & Bartels (2025) zeigen, dass Farben bei verschiedenen Menschen ähnliche neuronale Reaktionen hervorrufen. Dies lässt sich durch eine neue Methode belegen, mit der sich die wahrgenommene Farbe eines Menschen allein anhand der Gehirnaktivität anderer Personen vorhersagen lässt. Bisherige Studien waren nur in der Lage, Farben aus der Gehirnaktivität ein- und derselben Person zu dekodieren. Die vorliegende Forschung geht einen Schritt weiter: Sie weist nach, dass sich bestimmte Aspekte der Farbwahrnehmung überindividuell im… Weiterlesen »Wie Farben vergleichbare neuronale Reaktionen bei unterschiedlichen Menschen auslösen

                Gedächtnis ohne Gehirn: Neue Erkenntnisse zur vererbten phänotypischen Heterogenität bei Bakterien

                  Obwohl Bakterien weder Nervensystem noch Gehirn besitzen, können sie Informationen aus ihrer Umwelt speichern und über viele Generationen hinweg weitergeben. Dieses „bakterielle Gedächtnis“ äußert sich in einer phänotypischen Vielfalt, die trotz identischer genetischer Ausstattung zu unterschiedlichen Verhaltensweisen führt – etwa in der Wachstumsrate oder im Grad der Antibiotikaresistenz. Mechanismen wie epigenetische Modifikationen, phasenabhängige Genregulation oder die durch Umweltsignale gesteuerte Transkription tragen zu dieser Form des „Kurzzeitgedächtnisses“ bei. Ein methodischer Durchbruch gelang mit Microcolony-seq, einer neuen Technik, die… Weiterlesen »Gedächtnis ohne Gehirn: Neue Erkenntnisse zur vererbten phänotypischen Heterogenität bei Bakterien

                  Orientierungsstörungen bei subjektivem kognitiven Abbau

                    Segen et al. (2025) haben jüngst gezeigt, dass ältere Menschen mit subjektiven kognitiven Beeinträchtigungen (Subjective Cognitive Decline, SCD) subtile Störungen in ihrer räumlichen Orientierung aufweisen können – selbst dann, wenn klassische neuropsychologische Tests noch unauffällig bleiben. Da subjektive kognitive Beeinträchtigungen als Risikofaktor für eine spätere Alzheimer-Demenz gilt, deuten die Ergebnisse auf ein mögliches präklinisches Stadium der Erkrankung hin. Die Untersuchung basierte auf einem Virtual-Reality-Experiment mit 102 Teilnehmenden im Alter von 55 bis 89 Jahren, darunter 30 mit… Weiterlesen »Orientierungsstörungen bei subjektivem kognitiven Abbau

                    Neue Erkenntnisse zur Plastizität des Gehirns nach einer Amputation

                      Lange galt es als gesichert, dass sich das Gehirn nach dem Verlust einer Gliedmaße erheblich umorganisiert und die betroffenen Bereiche im somatosensorischen Cortex von benachbarten Regionen übernommen werden. Diese Annahme, die als Paradebeispiel für die Plastizität des menschlichen Gehirns in Lehrbüchern galt, wurde jüngst in Frage gestellt. Schone et al. (2025) untersuchten in einer über mehrere Jahre angelegten Studie drei Patientinnen und Patienten, die sich einer Armamputation unterziehen mussten. Vor dem Eingriff wurden mittels funktioneller Magnetresonanztomografie präzise… Weiterlesen »Neue Erkenntnisse zur Plastizität des Gehirns nach einer Amputation

                      Der Einfluss von Einstellung, Schlafmustern und Alter auf das Erinnern von Träumen

                        Träume gehören zum nächtlichen Schlaf nahezu aller Menschen, doch die Fähigkeit, sich am Morgen an sie zu erinnern, unterscheidet sich deutlich zwischen Individuen. Eine Studie von Elce et al. (2025) untersuchte, welche Faktoren diese Unterschiede erklären können. Dazu wurden bei 217 gesunden Erwachsenen (18–70 Jahre) über einen längeren Zeitraum Traumberichte zusammen mit demografischen Daten sowie psychometrischen, kognitiven, aktigraphischen und EEG-Messungen erfasst. Die Ergebnisse zeigten, dass eine positive Einstellung zum Träumen, eine erhöhte Neigung zum „mind wandering“ (abschweifendes… Weiterlesen »Der Einfluss von Einstellung, Schlafmustern und Alter auf das Erinnern von Träumen

                        Wie das Gehirn fest Objekte und andere Materialien in der Umwelt unterscheidet

                          Der grundsätzliche Unterschied zwischen Objekten und Substanzen liegt in ihrer physischen Beschaffenheit: Ein Objekt ist ein stabiles, zusammenhängendes Ganzes, während eine Substanz wie Wasser, Sand oder Honig aus vielen beweglichen Teilen besteht oder formveränderlich ist. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die alltäglichen Handlungen, denn man greift einen Ball, während man für Flüssigkeiten Werkzeuge wie Löffel, Schalen oder Flaschen benötigt. Bereits Säuglinge erkennen diesen Unterschied intuitiv, was auf angeborene, tief in der Wahrnehmung verankerte Mechanismen schließen lässt. Ob… Weiterlesen »Wie das Gehirn fest Objekte und andere Materialien in der Umwelt unterscheidet