Zum Thema ‘Erziehung’

Als Erziehung bezeichnet man alle bewußten und gezielten (= intentionalen) Handlungen und Verhaltensweisen eines relativ erfahreneren Menschen (= Erzieher, Educans), die einen jeweils weniger Erfahrenen (= Zögling, Educandus) zur selbständigen Lebensführung befähigen sollen.

Überblick über Essstörungen



Ein guter Überblick über Essstörungen findet sich im Standard. Dort heißt es: Essstörungen sind “multifaktoriell bedingte psychosomatische Syndrome mit süchtigen Verhaltensweisen”. Nach Angaben des Ernährungspsychologischen Institutes der Universität Göttingen leidet jede 2. deutsche Frau an Essstörungen. Es “gibt (…) kaum eine Frau, die auf ganz natürliche Weise mit dem Essen umgehen kann, die keine Waage, keine Diäten kennt, und isst, worauf sie Appetit hat.” Auch wenn immer mehr Männer an Essstörungen erkranken, liegt das geschlechtsspezifische Verhältnis noch immer bei ca. 90:10. Als häufigste Typen sind Bulimia nervosa und Anorexia nervosa zu unterscheiden. In den letzten Jahren wird auch immer öfter von einem sogenannten “Binge-Eater-Typ” oder “Binge-Eater” gesprochen.”

Siehe auch Essstörungen im Jugendalter



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Gehirndoping



Die künstliche Steigerung der Gehirnleistung ist unter verschiedensten Begriffen aktuell, angefangen von Gehirndoping bis zu Neuro-Enhancement. So versucht man durch das Anlegen von elektrischer Spannung oder Magnetfeldern oder durch die Einnahme von chemischen Substanzen die Leistung des menschlichen Gehirns zu steigern. Zwar gibt es in Laborversuchen Hinweise, dass manche Medikamente oder die transkranielle Gleichstromstimulation gewisse kognitive Prozesse verbessern können, großangelegte, belastbare Studien gibt es aber nicht. Der aktuelle Stand der Forschung auf dem Gebiet der Leistungssteigerung für das menschliche Gehirn ist noch relativ bescheiden, obwohl die transkranielle Stimulation mit Strom oder Magnetfeldern in Forschungseinrichtungen erprobt wurde, gibt es noch keine gezielte, reproduzierbare und praktisch einfache Anwendung für diese Methode. Auch bei chemischen Substanzen, die das Gehirn auf Trab bringen sollen, verhält es sich ähnlich, denn das berüchtigte Ritalin, ein Jahrzehnte altes Medikament, das bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung verschrieben wird, gilt zwar als leistungssteigernd, doch experimentelle Beweise gibt es dafür nicht. Experten sagen, dass bei völlig gesunden Menschen keine oder nur eine subjektive Placebo-Wirkung nachgewiesen werden kann. Es gibt zwar Substanzen, die in Tierversuchen im experimentellen Setting gewisse Aspekte der Hirnleistung, wie Konzentration oder das Erinnerungsvermögen, zu verbessern scheinen, für eine klare Aussage beim Menschen ist das aber viel zu wenig. Außerdem ist schwer zu definieren, was Hirnleistung überhaupt ist, und auch die Wirkung unterscheidet sich von Person zu Person.

Hinter dem Begriff Gehirndoping verbergen sich daher in der Regel keine Wunder-Pillen zur Herstellung von Klugheit, Denkvermögen und Urteilsfähigkeit, sondern schlicht Medikamente, wobei zu den wirksamsten Substanzen schon seit mehr als 70 Jahren bekannten Amphetamine zählen, etwa das seit fünfzig Jahren gebräuchliche Methylphenidat sowie Modafinil, wobei diese Substanzen relativ unspezifisch über eine Forcierung des Botenstoffes Dopamin wirken, der sich im Gehirn an Schlüsselstellen bindet. Von einer selektiven Wirkung auf spezifische Gehirnfunktionen kann aber keine Rede sein. Dabei bestimmten die Nebenwirkungen in beträchtlichem Maß über die Akzeptanz dieser Pillen, die medizinisch nicht notwendig sind, denn niemand will seine Gesundheit gefährden, nur um wacher, konzentrierter und besser gestimmt durchs Leben zu gehen. Allerdings ist eine gesteigerte Dopamin-Wirkung, wie sie viele dieser Mittel anstreben, ein unkalkulierbares Risiko, denn schon bei der Kurzzeitanwendung können diese Medikamente bei entsprechender Veranlagung aggressiver machen, denn die Fähigkeit, aggressive Handlungsimpulse zu kontrollieren, ist durch diese Medikamente nachhaltig gestört. Die Auslösung von Manien oder Psychosen ist insbesondere bei der langfristigen Einnahme von Amphetaminen wahrscheinlich (Geyer, 2010).

Florian Rötzer berichtet in TELEPOLIS, dass nach einer Umfrage an 1400 Menschen aus 60 Ländern des Wissenschaftsmagazins Nature ein Fünftel Medikamente zur kognitiven Leistungssteigerung, vor allem Ritalin verwendet. Danach ist Ritalin (62%) am populärsten, das zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen verwendet wird, gefolgt von Modafinil oder Provigil (44%), mit dem Schlafstörungen behandelt werden und Betablockern (15%), die Stress, Anspannung und Angst reduzieren. Ein Drittel der Medikamente wurde schon über das Internet gekauft! Als Medikamente zur Leistungssteigerung wurden Amphetamine genannt, aber auch alternative Stoffe wie Ginkgo – das nachweislich wirkungslos ist! – oder Omega-3-Fettsäuren. Die Hälfte der Befragten berichtete von Nebenwirkungen (Kopfweh, Schwindel, Schlaflosigkeit, Angst). Ein Drittel der Befragten erklärte, dass sie diese Medikamente auch ihren Kindern geben würden, um deren Karriere zu fördern, wenn auch andere Kinder in der Schule diese nähmen. Einen Bedarf nach leistungssteigernden  Substanzen scheint es in der Öffentlichkeit nämlich zu geben, denn in den USA lassen sich in Universitätsstädten zu Prüfungszeiten Rückstände von Ritalin im Abwasser nachweisen.

Bei der Beurteilung, ob sich das menschliche Gehirn medikamentös beeinflussen lässt, ist es relativ schwierig, eindeutige Antworten zu finden, denn auch Kaffee steigert schon künstlich die Leistung des Gehirns. Problematisch wird es, wenn man verschreibungspflichtige Mittel einsetzt wie Ritalin der Modafinil, die wie oben erwähnt für Erkrankungen entwickelt wurden. Allerdings ist auch bei diesen Medikamenten unklar, wie stark der leistungssteigernde Effekt bei gesunden Menschen tatsächlich ist, denn ein erheblicher Teil der Wirkung ist vermutlich auch ein Placeboeffekt. Schon der Gedanke, dass man ein leistungssteigerndes Mittel eingenommen hat, steigert die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Bei Medikamenten sollte man immer nach den meist unbekannten Nebenwirkungen und Langzeitfolgen fragen. Da sich derzeit schon viele heimlich dopen, wird man dieses Phänomen in einigen Jahren seriöser beurteilen können.

Der Omega-3 Mythos

Man findet in zahlreichen Medien, dass Omega-3-Fettsäuren sind gut für die Augen, das Herz und vor allem für das Gehirn wären, sofern sie durch die Nahrung aufgenommen werden, denn dann kann sie der menschliche Körper am besten verarbeiten.

Angeblich fördern besonders die vor allem in Fischen enthaltenen Omega-3-Fettsäuren das Gehirn und das Denkvermögen. Forscher der London School of Hygiene & Tropical Medicine verabreichten in einem Experiment 900 gesunden Menschen im Alter von 70 bis 80 Jahren entweder Fischölkapseln oder ein Placebo. Zwar steigerten die Kapseln mit Fischöl tatsächlich die Konzentration von Omega-3-Fettsäuren im Blut, doch während des zweijährigen Untersuchungszeitraums blieben Gedächtnis und Konzentration der Studienteilnehmer unverändert.  In einer Omega-3-Längsschnittstudie (Ammanm et al., 2013) über einen durchschnittlichen Zeitraum von 6 Jahren hat man die Erinnerungsfähigkeit von über zweitausend Frauen im Alter zwischen 65 und 80 Jahren untersucht, wobei sich zeigte, dass das Essen von ölhaltigem Fisch, wie Lachs oder Makrelen und auch der Verzehr von Nüssen kein wirkungsvolles Mittel gegen Gedächtnisverlust in zunehmendem Alter darstellt.

In einer Studie (Chew et al., 2015) wurden an die 4000 Probanden in einem Zeitraum von fünf Jahren mit einem durchschnittlichen Alter von 72 Jahren nach dem Zufallsprinzip vier Gruppen zugewiesen, denen verschiedene Ergänzungsmittel verabreicht wurden: Eine Gruppe erhielt nur Omega-3-Präparate, eine anderen nur Nährstoffe aus Gemüsen und eine weitere Gruppe eine Mischung aus beiden und die letzte erhielt ein Placebo. Zu Beginn  der Studie machten die Probanden einen Test zu ihren kognitiven Fähigkeiten, der nach zwei und nach vier Jahren wiederholt wurde, wobei vor allem Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen, das Abrufen von Erinnerungen und die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen geprüft wurde. Das Ergebnis zeigte bei allen Gruppen eine vergleichbare Minderung der kognitiven Fähigkeiten, unabhängig von der Verabreichung der Nahrungsergänzungsmittel.

Ein Parfum als Gehirndoping für Studenten?

Nach einer Agenturmeldung hat die Ruhr-Universität Bochum als erste Hochschule der Welt ein eigenes Parfüm herausgebracht, das sich Knowledge by RUB nennt und nach Zitrusfrüchten, Blumen und Holz riecht und eine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung haben soll. Im Parfüm Knowledge sind Erkenntnisse über Riechrezeptoren und die Wirkung von Duftstoffen berücksichtigt. Kürzlich erst identifizierten die Bochumer Forscher den Magnolien-ähnlichen Duft Hedion als Bindungspartner für einen menschlichen Pheromonrezeptor, was bedeutet, dass die Wirkung nicht nur eine subjektive Empfindung ist, sondern wissenschaftlich nachgewiesen werden kann. Neben weiteren Duftstoffen mit nachgewiesener Wirkung macht etwa Cineol wach und belebt, weil es den Nervus trigeminus aktiviert, während Geraniol beruhigt und entspannt, indem es an denselben Rezeptoren andockt wie manche Beruhigungsmittel. Gemeinsam mit Cineol wirkt es tonisierend, d. h., es sorgt für eine erhöhte Leistungsfähigkeit des Gehirns, weil es gelassen macht und gleichzeitig geistige Frische verschafft. Da die Substanz zart, weich und nach Mensch riecht, fördert das auch die Anziehungskraft und die Kommunikationsfreude.

Neuroenhancement als Methode der Selbstoptimierung?

Fortschritte in der Neurowissenschaft und Unterhaltungselektronik stellen das Gehirn als Ressource zur Selbstoptimierung in den Vordergrund, wobei mit Elektroden und Implantaten immer mehr Produkte angeboten werden, die zahlreiche neurologische Funktionen beeinflussen und verändern sollen, wie etwa kognitive und motorische Fähigkeiten oder auch die Stimmung eines Menschen. Ursprünglich für Menschen mit Behinderung entwickelt, werden sie immer mehr zur künstlichen Ich-Erweiterung und Ich-Verbesserung eingesetzt und angeboten, was zahlreiche ethische Fragen aufwirft.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich verweist bei einer Tagung im Juni 2019 darauf, dass Gehirn-Doping immer häufiger wird, wobei viele Menschen Drogen brauchen, um überhaupt ihre Arbeit zu bewältigen. Dazu der Psychiater Reinhard Haller: “Zum Frühstück ein Aufputschmittel und rein in den Terminstress: Immer mehr Menschen brauchen Drogen, um den Arbeitstag durchzustehen. (…) Man will seine Leistungsfähigkeit durch Suchtmittel regulieren. Das Bedürfnis danach ist enorm: Es gibt eine Untersuchung im deutschsprachigen Raum, dabei geben 48 Prozent der Hausärzte an, dass sie schon einmal ernsthaft nach so einem Mittel gefragt worden sind. Substanzen, die eine ähnliche Wirkung haben, wie Kokain. (…) Unter jedem Menschen mit Suchtproblem leiden durchschnittlich zehn weitere Menschen intensiv. Die Angehörigen natürlich in erster Linie. Aber auch die Kollegen, die Fehler beheben müssen und gegenüber den Vorgesetzten dadurch in schwierige Situationen geraten.”

Nicole Kronberger, Sozialpsychologin an der Johannes Kepler Universität Linz, hat verschiedene Studien aus dem deutschsprachigen Raum zum Thema Gehirndoping ausgewertet und zusammengefasst. Hauptergebnis war, dass Gehirndoping bzw. Neuro-Enhancement weitweniger verbreitet ist als oft angenommen, und auch die Wirkung vielfach überschätzt wird. Gehirndoping können dabei legale oder illegale Drogen sein, es kann geraucht, geschluckt oder gespritzt werden, und zwar je nachdem, ob man sich konzentrieren oder kreativ sein möchte, sich viel merken oder schnell reagieren möchte. Aussagekräftige Zahlen, wie beliebt Gehirndoping in Österreich ist, gibt es zwar keine, und auch für den deutschsprachigen Raum ist nur eine vage Schätzung. Demnach geben ein bis zwanzig Prozent der Menschen an, dass sie solche Substanzen zumindest schon einmal in ihrem Leben genutzt haben. Das Problem bei diesen Umfragen ist, dass manche von diese meist gezielt auf die Einnahme von Tabletten fokussieren, aber andere Mittel wie Marihuana oder Alkohol als Dopingmittel betrachten. Kronberger hat in einer Studie dreihundert StudentInnen befragt, die im vergangenen Sommer für den Aufnahmetest zum Medizinstudium in Österreich gelernt haben. Von diesen gaben sechs Prozent an, Medikamente oder andere Mittel verwendet zu haben, ohne krank zu sein, sondern um besser lernen zu können, wobei darunter Medikamente wie Methylphenidat (Ritalin), Koffeinpillen, Cannabis, Kokain und andere illegale Drogen waren. Diese Umfrage offenbarte aber auch einen Mythos, der zumindest unter StudentInnen weit verbreitet zu sein scheint, denn Kronberger ließ die Studierenden schätzen, wie viele der anderen die erwähnten Hilfsmittel verwendeten, um besser lernen zu können. Es zeigte sich, dass diese Anzahl wesentlich höher eingeschätzt wird als Gehirndoping tatsächlich verbreitet ist. Daneben gibt es einen weiteren Mythos: die Wirksamkeit ist nämlich eher ein Wunsch als tatsächliche Realität, denn man kann mit Substanzen wie etwa Methylphenidat oder Koffein schon mehr Wachheit erzeugen, doch das Problem ist sehr oft, dass auch Nebenwirkungen auftreten, die die Leistungssteigerung dann letztendlich zunichte machen. Kronberger empfiehlt daher eher Lebensstilstrategien wie gesünder leben, länger schlafen, meditieren und Sport, um langfristig kreativ und vor allem intelligent zu bleiben.

Literatur

Eric M. Ammann, James V. Pottala,  William S. Harris,  Mark A. Espeland,  Robert Wallace,  Natalie L. Denburg, Ryan M. Carnahan,  Jennifer G. Robinson (2013). Omega-3 fatty acids and domain-specific cognitive aging -Secondary analyses of data from WHISCA. Neurology 10.1212/WNL.0b013e3182a9584c
Bard I., Gaskell G., Allansdottir A., Vieira da Cunha R., Eduard P., Hampel J., Hildt E., Hofmaier C., Kronberger N., Laursen S., Meijknecht A., Nordal S., Quintanilha A., Revuelta G., Saladie N., Sandor J., Borlido Santos J., Seyringer S., Singh I., Somsen H., Toonders W., Torgersen H., Torre V., Varju M. & Zwart H. (2018). Bottom Up Ethics – Neuroenhancement in Education and Employment. Neuroethics, 11, 309-322.
Emily Y. Chew, Traci E. Clemons, Elvira Agrón, Lenore J. Launer, Francine Grodstein & Paul S. Bernstein  (2015). Effect of Omega-3 Fatty Acids, Lutein/Zeaxanthin, or Other Nutrient Supplementation on Cognitive Function. The AREDS2 Randomized Clinical Trial. JAMA, 314, 791-801.
Geyer, Christian (2010). Was ist dran am Hirndoping?
WWW: http://m.faz.net/ (10-07-14)
Hampel J. & Kronberger N. (2015). The Interface between the Public and Science and Technology. In C. Scherz, T. Michalek, L. Hennen, L. Hebàkovà, J. Hahn, & S. Seitz, The Next Horizon of Technology Assessment. Technology Centre ASCR, Prague, 133-138.
http://www.ingenieur.de/Panorama/Am-Rande/Parfuem-Ruhr-Uni-Gehirn-Doping-Aufspruehen (15-07-27)
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27695/1.html (08-04-11)
Frankfurter Neue Presse Artikel vom 2. Juli 2010
https://science.orf.at/stories/2993342 (19-10-22)



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Mütterliche Erziehungspraktiken und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern im Vorschulalter



An 183 Kindern im Alter von 48-72 Monaten wurde in einer Studie von Schreyer-Mehlhop & Petermann (2011) der Zusammenhang des mütterlichen Erziehungsverhaltens mit externalisierenden bzw. internalisierenden Verhaltensauffälligkeiten von Kindern untersucht. Die Kinder stammten aus 18 Kindergärten, zu gleichen Teilen aus sozial schwachen wie aus sozial bevorzugten Stadtteilen. 48 Kinder wiesen Migrationshintergründe auf. Es zeigt sich, dass geringe Aufmerksamkeit und inkonsistente bzw. bestrafende Erziehungspraktiken signifikant positiv mit Verhaltensproblemen und Hyperaktivität korrelierten. Außerdem wirken sich positive Erziehungspraktiken der Mütter auf das prosoziale Verhalten der Kinder positiv aus, denn Kinder, deren Mütter weniger positive Erziehungspraktiken anwenden, hatten größere Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen. Auch hier wurde der Einfluss des Migrationsstatus sichtbar.

Die Studie von Schreyer-Mehlhop & Petermann (2011, S. 46) zeigte auch, dass Mütter von Mädchen häufiger positive Erziehungspraktiken anwenden als Mütter von Jungen, allerdings kann die Abhängig-keit des Erziehungsverhaltens zum Geschlecht auch verursacht durch die generellen Unterschiede im Verhalten von Jungen und Mädchen sein. Auch die Frage nach der Kausalität stellt sich, denn möglicherweise ist das Erziehungsverhalten nur eine Reaktion auf das Problemverhalten der Kinder. Die Untersuchung belegte außerdem, dass Mütter mit Migrationshintergrund vor allem in Bezug auf Jungen geringere Werte an positiven Erziehungspraktiken zeigen, allerdings muss dieses Ergebnis im Hinblick auf die kulturellen Hintergründe eventuell relativiert werden. Zu berücksichtigen ist bei der Interpretation ferner, dass hinsichtlich der Validität der Aussagen der Mütter keine unabhängigen Datenquellen vorlagen. Auch das sprachliche Verständnis der Mütter im Hinblick auf den Fragebogen und den damit verbundenen Antwortmöglichkeiten wurden nicht in vollem Umfang kontrolliert. Die Ergebnisse unterstreichen jedoch den Stellenwert von Erziehungskompetenz im Zusammenhang mit kindlichem Verhalten, da es in der Regel einfacher ist, die Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten zu verhindern, als bereits vorherrschende Störungen zu behandeln.

Literatur

Schreyer-Mehlhop, I. & Petermann, U. (2011). Mütterliche Erziehungspraktiken und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern im Vorschulalter. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 43, 39-28.
https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ERZIEHUNG/Erziehung-Verhaltensauffaelligkeit.shtml (10-03-02)



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