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Die geteilte Aufmerksamkeit des Gehirns: Wie wir im Stimmengewirr gleichzeitig hören und wechseln

    In alltäglichen Situationen, wie etwa auf einer gut besuchten Feier oder in einer lebhaften Menschenmenge, stehen wir fortwährend vor der Herausforderung, unsere Aufmerksamkeit gezielt auf eine einzelne Person zu richten und Nebengeräusche auszublenden. Lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass das menschliche Gehirn bei einem Wechsel des Fokus strikt und abrupt von einem Sprecher zum nächsten springt. Eine aktuelle neurobiologische Untersuchung widerspricht jedoch dieser Annahme eines abrupten Wechsels und zeigt stattdessen, dass unsere Schaltzentrale fähig ist,… Weiterlesen »Die geteilte Aufmerksamkeit des Gehirns: Wie wir im Stimmengewirr gleichzeitig hören und wechseln

    Die Macht des ersten Eindrucks – der Halo-Effekt

      Menschliche Urteile sind selten so objektiv, wie wir es gerne glauben. Unser Gehirn neigt stark dazu, von einer einzigen, besonders markanten Eigenschaft auf den gesamten Charakter oder die Fähigkeiten eines Gegenübers zu schließen. Fällt uns jemand beispielsweise durch ein attraktives Äußeres, ein charmantes Lächeln oder ein besonders gepflegtes Auftreten auf, projizieren wir unbewusst eine Vielzahl anderer positiver Eigenschaften in diese Person hinein. Ohne jegliche Beweise halten wir optisch ansprechende Menschen oft automatisch für kompetenter, intelligenter, sozialer oder… Weiterlesen »Die Macht des ersten Eindrucks – der Halo-Effekt

      Der dysfunktionale Perfektionismus

        In der modernen Leistungsgesellschaft gewinnt das Streben nach Perfektion zunehmend an Relevanz, insbesondere unter jüngeren Generationen, die sich einem wachsenden gesellschaftlichen und individuellen Erwartungsdruck ausgesetzt sehen. Psychologisch betrachtet muss dabei grundlegend zwischen einem gesunden, realistischen Leistungsstreben und einem dysfunktionalen, unrealistischen Perfektionismus differenziert werden (Stöber, 1995; Altstötter-Gleich & Geisler, 2020). Letzterer ist durch extrem starre, unerreichbare Zielsetzungen charakterisiert, wobei der betroffene Mensch seinen gesamten Selbstwert ausschließlich an die lückenlose Erreichung dieser Standards knüpft. Bleibt der erhoffte Erfolg aus,… Weiterlesen »Der dysfunktionale Perfektionismus

        Die evolutionäre Entwicklung des prosozialen Verhaltens im Kindesalter

          Die Frage, ob der Mensch von Natur aus altruistisch und hilfsbereit geboren wird oder ob soziale Verhaltensweisen erst mühsam erlernt werden müssen, beschäftigt die Entwicklungspsychologie seit Generationen. Die vorliegenden Forschungsarbeiten zeigen einhellig, dass die Wurzeln des sozialen Miteinanders überraschend tief verankert sind und bereits in den ersten Lebensmonaten aktiv zutage treten. So konnte in experimentellen Untersuchungen nachgewiesen werden, dass bereits 14 Monate alte Kleinkinder eine deutliche Tendenz zeigen, anderen Menschen uneigennützig zu helfen, indem sie beispielsweise nach… Weiterlesen »Die evolutionäre Entwicklung des prosozialen Verhaltens im Kindesalter

          Die neuronale Dynamik des Leerlaufs des Gehirns

            Das Default Mode Network und seine Funktion für Selbstreflexion und Kreativität Das Phänomen des bewussten „Nichtstuns“ oder des gedanklichen Abschweifens wird im Alltag häufig mit Entspannung oder dem Freimachen des Kopfes assoziiert. Wissenschaftlich betrachtet existiert ein Zustand, in dem das menschliche Gehirn völlig frei von Gedanken ist, im wachen Zustand jedoch praktisch nicht. Durch den Einsatz moderner bildgebender Verfahren wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) lässt sich die elektrische Aktivität, der Blutfluss und der… Weiterlesen »Die neuronale Dynamik des Leerlaufs des Gehirns

            Neue Perspektiven auf die menschliche Schädelevolution

              Die evolutionäre Entwicklung der Gattung Homo ist traditionell durch zwei prägnante Trends gekennzeichnet: eine kontinuierliche Vergrößerung des Gehirns bzw. Gehirnschädels sowie eine gleichzeitige Verkleinerung und Reduktion der Robustheit von Gesicht und Kiefer. Bislang ging man weitgehend davon aus, dass diese morphologischen Veränderungen das direkte Resultat einer anhaltenden, gerichteten natürlichen Selektion waren, bei der größere Gehirne aufgrund gesteigerter kognitiver Fähigkeiten und kleinere Gesichter aufgrund energetischer Vorteile – begünstigt durch den Einsatz von Werkzeugen und die damit einhergehende Entlastung… Weiterlesen »Neue Perspektiven auf die menschliche Schädelevolution

              Rechte vs linke Gehirnhälfte

              Sehen Sie die Tänzerin in einer Drehung im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn? Im Uhrzeigersinn -> Sie nutzen vor allem die rechte Gehirnhälfte Gegen den Uhrzeigersinn -> Sie nutzen vor allem die linke Gehirnhälfte Die linke Gehirnhälfte ist verantwortlich für Sprache-Lesen-Rechnen Ratio-Logik Regeln-Gesetze Konzentration auf einen Punkt Analyse-Detail Wissenschaft Schritt für Schritt Einzelheiten Zeitempfinden Linearität Die linke Gehirnhälfte ist also für alles zuständig, was im allgemeinen Verständnis als Denken bezeichnet wird. Sie denkt in Sprache, in Begriffen,… Weiterlesen »Rechte vs linke Gehirnhälfte

              Wenn Alltagsgeräusche zur Belastung werden

                Die Misophonie, also die tiefgreifende Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten, meist von Menschen erzeugten Alltagsgeräuschen wie Kauen, Schmatzen, Schlürfen oder Atmen, wird als eigenständige psychische Störung angesehen. Betroffene Menschen reagieren auf diese akustischen Reize nicht bloß mit milder Irritation, sondern mit extremen emotionalen Reaktionen wie unkontrollierbarer Wut, Angst oder intensivem Ekel. Schätzungen zufolge sind etwa fünf Prozent der Bevölkerung von diesem Phänomen betroffen, das im Alltag zu einem enormen Leidensdruck führen kann, da die Betroffenen versuchen, die auslösenden Geräusche… Weiterlesen »Wenn Alltagsgeräusche zur Belastung werden

                Wie das Gehirn durch Krisen lernt

                  Die Frage, warum einige Menschen traumatische oder stark belastende Lebensereignisse psychisch unbeschadet überstehen oder sogar gestärkt aus ihnen hervorgehen, während andere daran zerbrechen, steht seit langem im Zentrum der psychologischen und biomedizinischen Forschung. Eine Studie von Backhaus et al. (2026) die sowohl menschliche Probanden als auch Tiermodelle untersuchte, liefert nun neue Erkenntnisse über die zugrunde liegenden neuronalen Netzwerkmechanismen. Resilienz, so zeigen die Ergebnisse, ist keineswegs eine bloße, angeborene Charaktereigenschaft, sondern basiert auf aktiven, dynamischen Anpassungs- und Umbauprozessen… Weiterlesen »Wie das Gehirn durch Krisen lernt

                  Automatische Trennung komplexer Klanginformationen im Neugeborenengehirn als Basis für den Spracherwerb

                    Die bemerkenswerte Fähigkeit des menschlichen Gehirns, aus einer akustisch überladenen Umwelt und einem Gewirr simultaner Geräusche spezifische, zusammengehörige Klänge herauszufiltern und von störendem Hintergrundrauschen zu isolieren, ist eine fundamentale Säule der menschlichen Kommunikation und Orientierung. Eine Untersuchung von Polver et al. (2026) konnte nun erstmals direkte Belege dafür erbringen, dass diese komplexe auditorische Leistung kein Produkt langjähriger Erfahrung, sprachlicher Sozialisation oder gar bewusster Aufmerksamkeit ist, sondern als ein von Geburt an aktiver, automatischer Gehirnmechanismus vorliegt. Im Rahmen… Weiterlesen »Automatische Trennung komplexer Klanginformationen im Neugeborenengehirn als Basis für den Spracherwerb

                    Psychedelisch unterstützte Psychotherapie in der Behandlung therapieresistenter Depressionen

                      Eine klinische Studie, die von Mertens et al. (2026) durchgeführt wurde, lieferte neue Erkenntnisse über die langfristige Behandlung von Menschen mit therapieresistenter Depression. Im Rahmen dieser Untersuchung, die als die bislang umfassendste und vollständigste Langzeitnachbeobachtung einer Studie mit Psychedelika gilt, wurde die Wirksamkeit von ein oder zwei Dosen Psilocybin (je 25 mg) in Kombination mit einer strukturierten psychotherapeutischen Begleitung analysiert. Die Behandlung umfasste dabei nicht nur die eigentlichen Substanzsitzungen, sondern auch ein engmaschiges Setting aus Vorbereitungs- und… Weiterlesen »Psychedelisch unterstützte Psychotherapie in der Behandlung therapieresistenter Depressionen

                      Das Gehirn filtert negative auditive Reize aus dem Bewusstsein

                        Obwohl im Alltag, in den Medien und in der Popkultur meist davon ausgegangen wird, dass emotional negativ geladene Reize wie Bilder oder Wörter die menschliche Aufmerksamkeit automatisch auf sich ziehen und kognitive Kapazitäten rauben, deuten neuere wissenschaftliche Erkenntnisse auf einen gegenteiligen Mechanismus bei der unbewussten auditiven Verarbeitung hin. Während die bisherige Forschung zur Priorisierung von Informationen im Bewusstsein stark auf den visuellen Sinn fokussiert war, untersuchten Chen et al. (2026) diese Prozesse im auditiven Bereich, da sich… Weiterlesen »Das Gehirn filtert negative auditive Reize aus dem Bewusstsein