Zum Thema ‘Erziehung’

Als Erziehung bezeichnet man alle bewußten und gezielten (= intentionalen) Handlungen und Verhaltensweisen eines relativ erfahreneren Menschen (= Erzieher, Educans), die einen jeweils weniger Erfahrenen (= Zögling, Educandus) zur selbständigen Lebensführung befähigen sollen.

Gehirndoping



Die künstliche Steigerung der Gehirnleistung ist unter verschiedensten Begriffen aktuell, angefangen von Gehirndoping bis zu Neuro-Enhancement. So versucht man durch das Anlegen von elektrischer Spannung oder Magnetfeldern oder durch die Einnahme von chemischen Substanzen die Leistung des menschlichen Gehirns zu steigern. Zwar gibt es in Laborversuchen Hinweise, dass manche Medikamente oder die transkranielle Gleichstromstimulation gewisse kognitive Prozesse verbessern können, großangelegte, belastbare Studien gibt es aber nicht. Der aktuelle Stand der Forschung auf dem Gebiet der Leistungssteigerung für das menschliche Gehirn ist noch relativ bescheiden, obwohl die transkranielle Stimulation mit Strom oder Magnetfeldern in Forschungseinrichtungen erprobt wurde, gibt es noch keine gezielte, reproduzierbare und praktisch einfache Anwendung für diese Methode. Auch bei chemischen Substanzen, die das Gehirn auf Trab bringen sollen, verhält es sich ähnlich, denn das berüchtigte Ritalin, ein Jahrzehnte altes Medikament, das bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung verschrieben wird, gilt zwar als leistungssteigernd, doch experimentelle Beweise gibt es dafür nicht. Experten sagen, dass bei völlig gesunden Menschen keine oder nur eine subjektive Placebo-Wirkung nachgewiesen werden kann. Es gibt zwar Substanzen, die in Tierversuchen im experimentellen Setting gewisse Aspekte der Hirnleistung, wie Konzentration oder das Erinnerungsvermögen, zu verbessern scheinen, für eine klare Aussage beim Menschen ist das aber viel zu wenig. Außerdem ist schwer zu definieren, was Hirnleistung überhaupt ist, und auch die Wirkung unterscheidet sich von Person zu Person.

Hinter dem Begriff Gehirndoping verbergen sich daher in der Regel keine Wunder-Pillen zur Herstellung von Klugheit, Denkvermögen und Urteilsfähigkeit, sondern schlicht Medikamente, wobei zu den wirksamsten Substanzen schon seit mehr als 70 Jahren bekannten Amphetamine zählen, etwa das seit fünfzig Jahren gebräuchliche Methylphenidat sowie Modafinil, wobei diese Substanzen relativ unspezifisch über eine Forcierung des Botenstoffes Dopamin wirken, der sich im Gehirn an Schlüsselstellen bindet. Von einer selektiven Wirkung auf spezifische Gehirnfunktionen kann aber keine Rede sein. Dabei bestimmten die Nebenwirkungen in beträchtlichem Maß über die Akzeptanz dieser Pillen, die medizinisch nicht notwendig sind, denn niemand will seine Gesundheit gefährden, nur um wacher, konzentrierter und besser gestimmt durchs Leben zu gehen. Allerdings ist eine gesteigerte Dopamin-Wirkung, wie sie viele dieser Mittel anstreben, ein unkalkulierbares Risiko, denn schon bei der Kurzzeitanwendung können diese Medikamente bei entsprechender Veranlagung aggressiver machen, denn die Fähigkeit, aggressive Handlungsimpulse zu kontrollieren, ist durch diese Medikamente nachhaltig gestört. Die Auslösung von Manien oder Psychosen ist insbesondere bei der langfristigen Einnahme von Amphetaminen wahrscheinlich (Geyer, 2010).

Florian Rötzer berichtet in TELEPOLIS, dass nach einer Umfrage an 1400 Menschen aus 60 Ländern des Wissenschaftsmagazins Nature ein Fünftel Medikamente zur kognitiven Leistungssteigerung, vor allem Ritalin verwendet. Danach ist Ritalin (62%) am populärsten, das zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen verwendet wird, gefolgt von Modafinil oder Provigil (44%), mit dem Schlafstörungen behandelt werden und Betablockern (15%), die Stress, Anspannung und Angst reduzieren. Ein Drittel der Medikamente wurde schon über das Internet gekauft! Als Medikamente zur Leistungssteigerung wurden Amphetamine genannt, aber auch alternative Stoffe wie Ginkgo – das nachweislich wirkungslos ist! – oder Omega-3-Fettsäuren. Die Hälfte der Befragten berichtete von Nebenwirkungen (Kopfweh, Schwindel, Schlaflosigkeit, Angst). Ein Drittel der Befragten erklärte, dass sie diese Medikamente auch ihren Kindern geben würden, um deren Karriere zu fördern, wenn auch andere Kinder in der Schule diese nähmen. Einen Bedarf nach leistungssteigernden  Substanzen scheint es in der Öffentlichkeit nämlich zu geben, denn in den USA lassen sich in Universitätsstädten zu Prüfungszeiten Rückstände von Ritalin im Abwasser nachweisen.

Bei der Beurteilung, ob sich das menschliche Gehirn medikamentös beeinflussen lässt, ist es relativ schwierig, eindeutige Antworten zu finden, denn auch Kaffee steigert schon künstlich die Leistung des Gehirns. Problematisch wird es, wenn man verschreibungspflichtige Mittel einsetzt wie Ritalin der Modafinil, die wie oben erwähnt für Erkrankungen entwickelt wurden. Allerdings ist auch bei diesen Medikamenten unklar, wie stark der leistungssteigernde Effekt bei gesunden Menschen tatsächlich ist, denn ein erheblicher Teil der Wirkung ist vermutlich auch ein Placeboeffekt. Schon der Gedanke, dass man ein leistungssteigerndes Mittel eingenommen hat, steigert die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Bei Medikamenten sollte man immer nach den meist unbekannten Nebenwirkungen und Langzeitfolgen fragen. Da sich derzeit schon viele heimlich dopen, wird man dieses Phänomen in einigen Jahren seriöser beurteilen können.

Der Omega-3 Mythos

Man findet in zahlreichen Medien, dass Omega-3-Fettsäuren sind gut für die Augen, das Herz und vor allem für das Gehirn wären, sofern sie durch die Nahrung aufgenommen werden, denn dann kann sie der menschliche Körper am besten verarbeiten.

Angeblich fördern besonders die vor allem in Fischen enthaltenen Omega-3-Fettsäuren das Gehirn und das Denkvermögen. Forscher der London School of Hygiene & Tropical Medicine verabreichten in einem Experiment 900 gesunden Menschen im Alter von 70 bis 80 Jahren entweder Fischölkapseln oder ein Placebo. Zwar steigerten die Kapseln mit Fischöl tatsächlich die Konzentration von Omega-3-Fettsäuren im Blut, doch während des zweijährigen Untersuchungszeitraums blieben Gedächtnis und Konzentration der Studienteilnehmer unverändert.  In einer Omega-3-Längsschnittstudie (Ammanm et al., 2013) über einen durchschnittlichen Zeitraum von 6 Jahren hat man die Erinnerungsfähigkeit von über zweitausend Frauen im Alter zwischen 65 und 80 Jahren untersucht, wobei sich zeigte, dass das Essen von ölhaltigem Fisch, wie Lachs oder Makrelen und auch der Verzehr von Nüssen kein wirkungsvolles Mittel gegen Gedächtnisverlust in zunehmendem Alter darstellt.

In einer Studie (Chew et al., 2015) wurden an die 4000 Probanden in einem Zeitraum von fünf Jahren mit einem durchschnittlichen Alter von 72 Jahren nach dem Zufallsprinzip vier Gruppen zugewiesen, denen verschiedene Ergänzungsmittel verabreicht wurden: Eine Gruppe erhielt nur Omega-3-Präparate, eine anderen nur Nährstoffe aus Gemüsen und eine weitere Gruppe eine Mischung aus beiden und die letzte erhielt ein Placebo. Zu Beginn  der Studie machten die Probanden einen Test zu ihren kognitiven Fähigkeiten, der nach zwei und nach vier Jahren wiederholt wurde, wobei vor allem Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen, das Abrufen von Erinnerungen und die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen geprüft wurde. Das Ergebnis zeigte bei allen Gruppen eine vergleichbare Minderung der kognitiven Fähigkeiten, unabhängig von der Verabreichung der Nahrungsergänzungsmittel.

Ein Parfum als Gehirndoping für Studenten?

Nach einer Agenturmeldung hat die Ruhr-Universität Bochum als erste Hochschule der Welt ein eigenes Parfüm herausgebracht, das sich Knowledge by RUB nennt und nach Zitrusfrüchten, Blumen und Holz riecht und eine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung haben soll. Im Parfüm Knowledge sind Erkenntnisse über Riechrezeptoren und die Wirkung von Duftstoffen berücksichtigt. Kürzlich erst identifizierten die Bochumer Forscher den Magnolien-ähnlichen Duft Hedion als Bindungspartner für einen menschlichen Pheromonrezeptor, was bedeutet, dass die Wirkung nicht nur eine subjektive Empfindung ist, sondern wissenschaftlich nachgewiesen werden kann. Neben weiteren Duftstoffen mit nachgewiesener Wirkung macht etwa Cineol wach und belebt, weil es den sogenannten Nervus trigeminus aktiviert, während Geraniol beruhigt und entspannt, indem es an denselben Rezeptoren andockt wie manche Beruhigungsmittel. Gemeinsam mit Cineol wirkt es tonisierend, d. h., es sorgt für eine erhöhte Leistungsfähigkeit des Gehirns, weil es gelassen macht und gleichzeitig geistige Frische verschafft. Da die Substanz zart, weich und nach Mensch riecht, fördert das auch die Anziehungskraft und die Kommunikationsfreude.

Neuroenhancement als Methode der Selbstoptimierung?

Fortschritte in der Neurowissenschaft und Unterhaltungselektronik stellen das Gehirn als Ressource zur Selbstoptimierung in den Vordergrund, wobei mit Elektroden und Implantaten immer mehr Produkte angeboten werden, die zahlreiche neurologische Funktionen beeinflussen und verändern sollen, wie etwa kognitive und motorische Fähigkeiten oder auch die Stimmung eines Menschen. Ursprünglich für Menschen mit Behinderung entwickelt, werden sie immer mehr zur künstlichen Ich-Erweiterung und Ich-Verbesserung eingesetzt und angeboten, was zahlreiche ethische Fragen aufwirft.

Quellen & Literatur

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27695/1.html (08-04-11)
Frankfurter Neue Presse Artikel vom 2. Juli 2010
Eric M. Ammann, James V. Pottala,  William S. Harris,  Mark A. Espeland,  Robert Wallace,  Natalie L. Denburg, Ryan M. Carnahan,  Jennifer G. Robinson (2013). Omega-3 fatty acids and domain-specific cognitive aging -Secondary analyses of data from WHISCA. Neurology 10.1212/WNL.0b013e3182a9584c
Geyer, Christian (2010). Was ist dran am Hirndoping?
WWW: http://m.faz.net/ (10-07-14)
http://www.ingenieur.de/Panorama/Am-Rande/Parfuem-Ruhr-Uni-Gehirn-Doping-Aufspruehen (15-07-27)
Emily Y. Chew, Traci E. Clemons, Elvira Agrón, Lenore J. Launer, Francine Grodstein & Paul S. Bernstein  (2015). Effect of Omega-3 Fatty Acids, Lutein/Zeaxanthin, or Other Nutrient Supplementation on Cognitive Function. The AREDS2 Randomized Clinical Trial. JAMA, 314, 791-801.



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Mütterliche Erziehungspraktiken und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern im Vorschulalter



An 183 Kindern im Alter von 48-72 Monaten wurde in einer Studie von Schreyer-Mehlhop & Petermann (2011) der Zusammenhang des mütterlichen Erziehungsverhaltens mit externalisierenden bzw. internalisierenden Verhaltensauffälligkeiten von Kindern untersucht. Die Kinder stammten aus 18 Kindergärten, zu gleichen Teilen aus sozial schwachen wie aus sozial bevorzugten Stadtteilen. 48 Kinder wiesen Migrationshintergründe auf. Es zeigt sich, dass geringe Aufmerksamkeit und inkonsistente bzw. bestrafende Erziehungspraktiken signifikant positiv mit Verhaltensproblemen und Hyperaktivität korrelierten. Außerdem wirken sich positive Erziehungspraktiken der Mütter auf das prosoziale Verhalten der Kinder positiv aus, denn Kinder, deren Mütter weniger positive Erziehungspraktiken anwenden, hatten größere Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen. Auch hier wurde der Einfluss des Migrationsstatus sichtbar.

Die Studie von Schreyer-Mehlhop & Petermann (2011, S. 46) zeigte auch, dass Mütter von Mädchen häufiger positive Erziehungspraktiken anwenden als Mütter von Jungen, allerdings kann die Abhängig-keit des Erziehungsverhaltens zum Geschlecht auch verursacht durch die generellen Unterschiede im Verhalten von Jungen und Mädchen sein. Auch die Frage nach der Kausalität stellt sich, denn möglicherweise ist das Erziehungsverhalten nur eine Reaktion auf das Problemverhalten der Kinder. Die Untersuchung belegte außerdem, dass Mütter mit Migrationshintergrund vor allem in Bezug auf Jungen geringere Werte an positiven Erziehungspraktiken zeigen, allerdings muss dieses Ergebnis im Hinblick auf die kulturellen Hintergründe eventuell relativiert werden. Zu berücksichtigen ist bei der Interpretation ferner, dass hinsichtlich der Validität der Aussagen der Mütter keine unabhängigen Datenquellen vorlagen. Auch das sprachliche Verständnis der Mütter im Hinblick auf den Fragebogen und den damit verbundenen Antwortmöglichkeiten wurden nicht in vollem Umfang kontrolliert. Die Ergebnisse unterstreichen jedoch den Stellenwert von Erziehungskompetenz im Zusammenhang mit kindlichem Verhalten, da es in der Regel einfacher ist, die Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten zu verhindern, als bereits vorherrschende Störungen zu behandeln.

Literatur

Schreyer-Mehlhop, I. & Petermann, U. (2011). Mütterliche Erziehungspraktiken und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern im Vorschulalter. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 43, 39-28.
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ERZIEHUNG/Erziehung-Verhaltensauffaelligkeit.shtml (10-03-02)



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Erziehungsverhalten türkischstämmiger und deutscher Mütter



Orientiert man sich an den sprachlichen Voraussetzungen, so haben mehr als 30 % aller Schulkinder in Deutschland einen Migrationshintergrund. Oft gelten kulturspezifische Überzeugungen, Werte und Praktiken als angemessener Weg, um Kinder zu erziehen. Elterliche Werte und Erziehungsziele manifestieren sich in den Erziehungspraktiken, die Eltern anwenden, um ihre Kinder diesen Zielen nahezubringen. Darüber hinaus wird das Elternverhalten durch das Zusammenspiel vielfältiger Faktoren, wie zum Beispiel den Bildungshintergrund, die individuellen psychologischen Ressourcen der Eltern und den sozialen Kontext, in den die Eltern-Kind-Beziehung eingebettet ist, beeinflusst. Die türkischstämmige Wohnbevölkerung stellt die größte Gruppe unter den in Deutschland lebenden Zuwanderern dar. Man geht davon aus, dass türkischstämmige Eltern zu einem ängstlich-behüteten Erziehungsstil neigen, der mit Sozialisationspraktiken einher geht. Diese sind durch eine hohe soziale Kontrolle als auch durch geschlechtsspezifische Rollendifferenzierung gekennzeichnet. Wie in allen ethnischen Gruppen steht auch die Erziehung und Sozialisation türkischer Kinder in Zusammenhang mit den Bildungsvoraussetzungen der Eltern. Weiters kann davon ausgegangen werden, dass die meisten Kinder mit Migrationshintergrund aus sozialen Schichten mit niedrigem Bildungsniveau stammen. Das Ziel der Studie ist zwischen Einflüssen der Kultur als auch der Bildung zu unterscheiden. Viele türkische Familien messen den Bildungsinstitutionen weniger Wert zu als deutsche Familien. Bei der durchgeführten Studie wird davon ausgegangen, dass Eltern ihren Kindern gegenüber häufig rigides und inkonsistentes Erziehungsverhalten anwenden, aber auch die Erziehungsverantwortung oft an den Kindergarten delegieren. Zusätzlich werden Bildung als auch Berufsqualifikation als wichtige Indikatoren angenommen (vgl. Jäkel & Leyendecker, 2009, S. 1-4).

Studie

Für die vorliegende Untersuchung wurden Familien mit 3 – 4 Jahre alten Kindern deutscher (n= 106) und türkischer (n=100) Herkunft aus Kindergärten im Ruhrgebiet geworben. Die Rekrutierung erfolgte über eine Kontaktaufnahme zu den jeweiligen Kindergartenleitungen, die die Mütter über die Studie informierten. Die Teilnahme war freiwillig und wurde mit einer Aufwandsentschädigung vergolten. Es wurde sowohl eine Unterscheidung in türkischstämmige und deutsche Mütter als auch der Väter unternommen. Weiters wurde eine Unterteilung des Alters, des Bildungsstandes, der beruflichen Qualifikation, dem Anteil Berufstätiger, den Arbeitsstunden Berufstätiger/Woche, Zahl der Schuljahre in Deutschland, Kinderzahl pro Familie, Wohnungsgröße und Geschlecht der Kinder vorgenommen.
Untersuchungsinstrumente waren dabei: Alabama Parenting Questionnaire (APQ) ist ein Fragebogen zur Erfassung des elterlichen Erziehungsverhaltens, mit dem die Eltern anhand einer fünfstufigen Skala ihr Erziehungsverhalten einschätzen sollen. Die Fragen wurden leicht modifiziert, um an das Alter der Kindergartenkinder angepasst zu werden.
In der vorliegenden Studie wurden Einflussfaktoren für die Ausprägung inkonsistenten und rigiden Elternverhaltens sowie die Bereitschaft, Erziehungsverantwortung an den Kindergarten zu delegieren in einer Stichprobe deutscher und türkischstämmiger Mütter von Vorschulkindern untersucht. Dabei ergaben sich große kulturelle Unterschiede, bei denen klar wurde, dass türkischstämmige Mütter öfter rigides und inkonsistentes Erziehungsverhalten zeigen und auch gleichzeitig die Erziehungsverantwortung öfter an den Kindergarten abgeben. Im Gegensatz zu deutschen Eltern erwarten die türkischen Eltern von den Erzieherinnen im Kindergarten eine stärke Disziplinierung ihrer Kinder. Weiters wurde angenommen, dass mütterliche Bildung ein wichtiger Einflussfaktor für das Erziehungsverhalten ist, jedoch konnte diese Annahme nicht bestätigt werden. Es konnte aber ein Einfluss der mündlichen und schriftlichen Sprachfähigkeit für das inkonsistente Elternverhalten der türkischstämmigen Mütter festgestellt werden. Zusätzlich konnte bestätigt werden, dass psychosoziale Belastung der Mutter als auch die Kinderzahl in der Familie das Erziehungsverhalten beeinflusst. Auch das Geschlecht des Kindes hat das Erziehungsverhalten nicht beeinflusst. Rigides und inkonsistentes Elternverhalten stellen bei türkischen Eltern relativ änderungsresistente kulturspezifische Charakteristika dar und können auch durch psychosoziale Belastungen beeinflusst werden (vgl. Jäkel & Leyendecker, 2009, S. 5 ff).
Literatur
Jäkel, J., & Leyendecker, B. (2009). Erziehungsverhalten türkischstämmiger und deutscher Mütter von Volkschulkindern. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 56, 1-15.



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