‘Erziehung’

Als Erziehung bezeichnet man alle bewußten und gezielten (= intentionalen) Handlungen und Verhaltensweisen eines relativ erfahreneren Menschen (= Erzieher, Educans), die einen jeweils weniger Erfahrenen (= Zögling, Educandus) zur selbständigen Lebensführung befähigen sollen.

Mütterliche Erziehungspraktiken und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern im Vorschulalter

Dienstag, September 13th, 2011

An 183 Kindern im Alter von 48-72 Monaten wurde in einer Studie von Schreyer-Mehlhop & Petermann (2011) der Zusammenhang des mütterlichen Erziehungsverhaltens mit externalisierenden bzw. internalisierenden Verhaltensauffälligkeiten von Kindern untersucht. Die Kinder stammten aus 18 Kindergärten, zu gleichen Teilen aus sozial schwachen wie aus sozial bevorzugten Stadtteilen. 48 Kinder wiesen Migrationshintergründe auf. Es zeigt sich, dass geringe Aufmerksamkeit und inkonsistente bzw. bestrafende Erziehungspraktiken signifikant positiv mit Verhaltensproblemen und Hyperaktivität korrelierten. Außerdem wirken sich positive Erziehungspraktiken der Mütter auf das prosoziale Verhalten der Kinder positiv aus, denn Kinder, deren Mütter weniger positive Erziehungspraktiken anwenden, hatten größere Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen. Auch hier wurde der Einfluss des Migrationsstatus sichtbar.

Die Studie von Schreyer-Mehlhop & Petermann (2011, S. 46) zeigte auch, dass Mütter von Mädchen häufiger positive Erziehungspraktiken anwenden als Mütter von Jungen, allerdings kann die Abhängig-keit des Erziehungsverhaltens zum Geschlecht auch verursacht durch die generellen Unterschiede im Verhalten von Jungen und Mädchen sein. Auch die Frage nach der Kausalität stellt sich, denn möglicherweise ist das Erziehungsverhalten nur eine Reaktion auf das Problemverhalten der Kinder. Die Untersuchung belegte außerdem, dass Mütter mit Migrationshintergrund vor allem in Bezug auf Jungen geringere Werte an positiven Erziehungspraktiken zeigen, allerdings muss dieses Ergebnis im Hinblick auf die kulturellen Hintergründe eventuell relativiert werden. Zu berücksichtigen ist bei der Interpretation ferner, dass hinsichtlich der Validität der Aussagen der Mütter keine unabhängigen Datenquellen vorlagen. Auch das sprachliche Verständnis der Mütter im Hinblick auf den Fragebogen und den damit verbundenen Antwortmöglichkeiten wurden nicht in vollem Umfang kontrolliert. Die Ergebnisse unterstreichen jedoch den Stellenwert von Erziehungskompetenz im Zusammenhang mit kindlichem Verhalten, da es in der Regel einfacher ist, die Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten zu verhindern, als bereits vorherrschende Störungen zu behandeln.

Literatur

Schreyer-Mehlhop, I. & Petermann, U. (2011). Mütterliche Erziehungspraktiken und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern im Vorschulalter. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 43, 39-28.
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ERZIEHUNG/Erziehung-Verhaltensauffaelligkeit.shtml (10-03-02)



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Erziehungsverhalten türkischstämmiger und deutscher Mütter

Montag, Mai 3rd, 2010

Orientiert man sich an den sprachlichen Voraussetzungen, so haben mehr als 30 % aller Schulkinder in Deutschland einen Migrationshintergrund. Oft gelten kulturspezifische Überzeugungen, Werte und Praktiken als angemessener Weg, um Kinder zu erziehen. Elterliche Werte und Erziehungsziele manifestieren sich in den Erziehungspraktiken, die Eltern anwenden, um ihre Kinder diesen Zielen nahezubringen. Darüber hinaus wird das Elternverhalten durch das Zusammenspiel vielfältiger Faktoren, wie zum Beispiel den Bildungshintergrund, die individuellen psychologischen Ressourcen der Eltern und den sozialen Kontext, in den die Eltern-Kind-Beziehung eingebettet ist, beeinflusst. Die türkischstämmige Wohnbevölkerung stellt die größte Gruppe unter den in Deutschland lebenden Zuwanderern dar. Man geht davon aus, dass türkischstämmige Eltern zu einem ängstlich-behüteten Erziehungsstil neigen, der mit Sozialisationspraktiken einher geht. Diese sind durch eine hohe soziale Kontrolle als auch durch geschlechtsspezifische Rollendifferenzierung gekennzeichnet. Wie in allen ethnischen Gruppen steht auch die Erziehung und Sozialisation türkischer Kinder in Zusammenhang mit den Bildungsvoraussetzungen der Eltern. Weiters kann davon ausgegangen werden, dass die meisten Kinder mit Migrationshintergrund aus sozialen Schichten mit niedrigem Bildungsniveau stammen. Das Ziel der Studie ist zwischen Einflüssen der Kultur als auch der Bildung zu unterscheiden. Viele türkische Familien messen den Bildungsinstitutionen weniger Wert zu als deutsche Familien. Bei der durchgeführten Studie wird davon ausgegangen, dass Eltern ihren Kindern gegenüber häufig rigides und inkonsistentes Erziehungsverhalten anwenden, aber auch die Erziehungsverantwortung oft an den Kindergarten delegieren. Zusätzlich werden Bildung als auch Berufsqualifikation als wichtige Indikatoren angenommen (vgl. Jäkel & Leyendecker, 2009, S. 1-4).

Studie

Für die vorliegende Untersuchung wurden Familien mit 3 – 4 Jahre alten Kindern deutscher (n= 106) und türkischer (n=100) Herkunft aus Kindergärten im Ruhrgebiet geworben. Die Rekrutierung erfolgte über eine Kontaktaufnahme zu den jeweiligen Kindergartenleitungen, die die Mütter über die Studie informierten. Die Teilnahme war freiwillig und wurde mit einer Aufwandsentschädigung vergolten. Es wurde sowohl eine Unterscheidung in türkischstämmige und deutsche Mütter als auch der Väter unternommen. Weiters wurde eine Unterteilung des Alters, des Bildungsstandes, der beruflichen Qualifikation, dem Anteil Berufstätiger, den Arbeitsstunden Berufstätiger/Woche, Zahl der Schuljahre in Deutschland, Kinderzahl pro Familie, Wohnungsgröße und Geschlecht der Kinder vorgenommen.
Untersuchungsinstrumente waren dabei: Alabama Parenting Questionnaire (APQ) ist ein Fragebogen zur Erfassung des elterlichen Erziehungsverhaltens, mit dem die Eltern anhand einer fünfstufigen Skala ihr Erziehungsverhalten einschätzen sollen. Die Fragen wurden leicht modifiziert, um an das Alter der Kindergartenkinder angepasst zu werden.
In der vorliegenden Studie wurden Einflussfaktoren für die Ausprägung inkonsistenten und rigiden Elternverhaltens sowie die Bereitschaft, Erziehungsverantwortung an den Kindergarten zu delegieren in einer Stichprobe deutscher und türkischstämmiger Mütter von Vorschulkindern untersucht. Dabei ergaben sich große kulturelle Unterschiede, bei denen klar wurde, dass türkischstämmige Mütter öfter rigides und inkonsistentes Erziehungsverhalten zeigen und auch gleichzeitig die Erziehungsverantwortung öfter an den Kindergarten abgeben. Im Gegensatz zu deutschen Eltern erwarten die türkischen Eltern von den Erzieherinnen im Kindergarten eine stärke Disziplinierung ihrer Kinder. Weiters wurde angenommen, dass mütterliche Bildung ein wichtiger Einflussfaktor für das Erziehungsverhalten ist, jedoch konnte diese Annahme nicht bestätigt werden. Es konnte aber ein Einfluss der mündlichen und schriftlichen Sprachfähigkeit für das inkonsistente Elternverhalten der türkischstämmigen Mütter festgestellt werden. Zusätzlich konnte bestätigt werden, dass psychosoziale Belastung der Mutter als auch die Kinderzahl in der Familie das Erziehungsverhalten beeinflusst. Auch das Geschlecht des Kindes hat das Erziehungsverhalten nicht beeinflusst. Rigides und inkonsistentes Elternverhalten stellen bei türkischen Eltern relativ änderungsresistente kulturspezifische Charakteristika dar und können auch durch psychosoziale Belastungen beeinflusst werden (vgl. Jäkel & Leyendecker, 2009, S. 5 ff).
Literatur
Jäkel, J., & Leyendecker, B. (2009). Erziehungsverhalten türkischstämmiger und deutscher Mütter von Volkschulkindern. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 56, 1-15.



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Gewaltprävention an Schulen und im Kindergarten

Montag, Dezember 14th, 2009

Unter WWW.SCHULPSYCHOLOGIE.AT – Gewaltprävention findet sich eine Zusammenstellung zahlreicher Ansätze zur Umsetzung der Gewaltprävention: Schulprojekte als Schulpartnerschaftsprojekte, als Schülerinnen- und Schülerprojekte, als Lehrerinnen und Lehrerprojekte auch unter Mitwirkung von Expertinnen und Experten. Mit Unterstützung der Landesreferentinnen und Landesreferenten der Schulpsychologie-Bildungsberatung und Pädagogischen Abteilungen der Schulbehörden wurden im Herbst 2005 der Abteilung Schulpsychologie-Bildungsberatung/Psychologische Studentenberatung insgesamt 83 Projekte übermittelt. Aus den vorliegenden Projektbeschreibungen wurden vorerst 20 Projekte ausgewählt.
Diese Zusammenstellung auf der Website hat zum Ziel, interessante Beispiele aus den zahlreichen, vielfältigen und qualitativ anspruchsvollen Initiativen der Schulen einem größeren Kreis bekannt zu machen und Hilfestellungen bei der Planung und Umsetzung eigener Vorhaben zur schulischen Gewaltprävention anzubieten.

Allerdings sind schon Kinder im Kindergartenalter bereit, ihre Konflikte gewaltsam auszutragen und nehmen es in Kauf, dabei andere ernsthaft zu verletzen, d.h., sie schlagen weiter, auch wenn ihr Opfer schon hilflos am Boden liegt. Offensichtlich ist die Hemmschwelle bedenklich gesunken. Etwa fünf Prozent aller Kinder, meist Buben, fallen bereits im Kindergartenalter auf, indem sie schwächere Kinder schlagen und unterdrücken. Da das menschliche Gehirn in diesem Alter besonders lernbereit ist, setzen sich unsoziale und gewalttätige Tendenzen stärker fest, sodass nach Meinung von Experten schon in diesen sehr frühen Alter eine Möglichkeit zur Gewaltprävention angeboten werden sollte, wobei eine nachhaltige Veränderung im Gehirn nur durch intensive korrigierende Beziehungserfahrungen geschehen kann, die auch die Gefühle der Kinder erreicht.

Siehe dazu auch den Artikel von Ottmar Hanke (2004): Gewaltprävention in der Schule

Weitere Quellen: http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/
praevention_schon_im_kindergarten_1.4169328.html (09-12-14)



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