Zum Thema ‘Buchempfehlung’

Menschliche Motive haben sich aus tierischen Emotionen entwickelt



Nach Reiner Seidel (2018) entstammen alle menschlichen Motive den Emotionen der Tiere, wobei diese Emotionen der Tiere beim Menschen eine spezifische Ausprägung erfahren als Ausformung zu Motiven. Das schließt allerdings nicht aus, dass durch eine besondere Kombination von Emotionen besondere Motive entstehen können, zu denen es in der Tierwelt keine Analoga gibt. Motive, die sich relativ direkt aus tierischen Emotionen ergeben, sind dabei Grundmotive im Unterschied zu den gemischten Motiven wie etwa die Liebe, die sich aus zwei animalische Emotionen entwickelt hat, der Mutterliebe bzw. Behütung und der körperlichen Zuneigung bzw. Lust. Die Neuerwerbungen des Menschengehirns gegenüber dem der Affen liegen hauptsächlich innerhalb des präfrontalen Cortex, in dem Planung, Koordination und Integration der höheren geistigen Prozesse erfolgen. Damit erst kann der Mensch Doppelaufgaben bewältigen, etwa sich selbst von der Welt unterschieden zu sehen, d.h. er kann Objekte einerseits in ihrer Relevanz für ihn bewerten und sie anderseits objektiv in ihren Eigenschaften als solche wahrnehmen. Der Mensch entwickelt daher erstmals ein doppeltes Bewusstsein, denn er hat nicht nur Gefühle, sondern er kann sich auch im Unterschied zum Tier seiner Gefühle bewusst werden und diese beeinflussen.

Literatur

Reiner Seidel, R. (2018). Die Evolution der Psyche: Wieviel Tier ist der Mensch? Pabst.



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Selbstschädigung



Eigennutz und eine positive Selbstwertbilanz werden oft als Hauptantriebskräfte im Arbeitsleben betrachtet, wobei allerdings eine durchaus häufige Komponente meist ignoriert wird: Selbstschädigende unbewusste Ambitionen können auch bei psychisch Gesunden den Alltag mitbestimmen und die eigene Arbeit sabotieren. Mummendey (2003) kennzeichnet selbstschädigendes Verhalten bei psychisch Gesunden generell als unangepasst, wenn etwa ein Erwerbstätiger eine zu große oder zu geringe Distanz gegenüber der beruflichen Umwelt aufbaut. Es gibt dabei ein reichhaltiges Repertoire möglicher Selbstschädigungen und vorsätzlicher Selbstsabotagen:

Eine primäre Selbstschädigung ist das Ergebnis einer stark negativen Einstellung zur eigenen Person und setzt eine erhöhte Selbstaufmerksamkeit voraus, geht oft mit einem geringen Selbstwertgefühl, starken Schuldgefühlen und negativen Emotionen wie Angst einher. Daraus kann ein Bedürfnis entstehen, sich selbst zu schädigen. Wenn vorhersehbar ist und akzeptiert werden muss, dass ein Verhalten sowohl Nutzen als auch Kosten bringt, spricht man von einem Tradeoff. Befürchten Betroffene eine krass negative Bilanz des Tradeoff, legen sie sich Steine in den Weg, um frühzeitig Entschuldigungsgründe für ihren Misserfolg zu besitzen. Bei kontraproduktive Strategien verhalten sich Menschen ohne bewusste Absicht fehlerhaft, besonders dann, wenn Leistungsdruck auf sie ausgeübt wird.

Literatur

Boothe, B., Marx, W. & Wehner, T. (Hrsg.) (2016). Panne, Irrtum, Missgeschick. Die Psychologie des Alltagslebens in interdisziplinärer Perspektive. Pabst.
Mummendey, H. D. (2003). Selbstschädigung. In B. Boothe & W. Marx (Hrsg.), Panne – Irrtum – Missgeschick. Die Psychopathologie des Alltagslebens in interdisziplinärer Perspektive (S. 145-160). Bern: Huber.



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Ethische Prinzipien psychologischen Forschung



Qualität in der psychologischen Forschung kann nur dann gewährleistet sein, wenn sie ethischen Prinzipien folgt. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie hat daher Empfehlungen für „Ethisches Handeln in der psychologischen Forschung“ veröffentlicht, wobei sich diese Empfehlungen an Forschende, Studierende und Lehrende aus allen Bereichen der Psychologie, und damit auch an Antragstellende und Begutachtende in Ethikkommissionen richten.
Psychologische Forschung ist in den allermeisten Fällen auf die Teilnahme von Menschen als ‚Untersuchungsobjekt‘ angewiesen, wofür die Forschenden die Verantwortung tragen, dass unsere Versuchspersonen respektvoll behandelt werden und durch die Untersuchungen keinen Schaden nehmen. Im Forschungsprozess beginnt diese Verantwortungsübernahme bereits bei der Studienplanung, denn wer muss bei Untersuchungen mit Jugendlichen zur Smartphone-Nutzung und Stimmungsbeeinflussung einwilligen, nur die Jugendlichen selbst, nur die Eltern, oder beide? Gibt es Risiken bei der Teilnahme an bestimmten psychologischen Experimenten, zum Beispiel durch das Ausfüllen von Selbsteinschätzungsfragebögen, und falls ja, muss man darüber aufklären?

Auf Basis der bereits 2004 formulierten berufsethischen Richtlinien, die Leitlinien sowohl für die berufliche Praxis als auch für die Forschung formulieren, behandelt die neu aufgelegte Broschüre vor allem die ethischen Prinzipien, die in der Forschung mit Menschen relevant sind. Neben einer Reihe von Good Practice-Beispielen für ethische Entscheidungen bietet die Broschüre den Forschenden auch konkrete Hilfestellungen durch Checklisten und Musterbeispiele, die sie für ihre Ethikanträge nutzen können. In den Empfehlungen werden vier international anerkannte elementare Prinzipien beschrieben, nach denen ethisch vertretbare Forschung erfolgen sollte:

  • Respekt vor Selbstbestimmung: Die Freiwilligkeit der Teilnahme von Versuchspersonen muss in allen Phasen und Teilen einer wissenschaftlichen Untersuchung respektiert werden.
  • Nichtschädigung: Die Privatsphäre von Versuchspersonen muss gesichert werden und erhaltene Informationen müssen vertraulich behandelt werden.
  • Fürsorge: Die Würde und Integrität von Versuchspersonen muss gewahrt werden.
  • Gerechtigkeit: Versuchspersonen müssen fair behandelt werden.


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