Zum Inhalt springen

Definitionen

Gibt es eine gesunde Verdrängung?

    Zwischen Schutzschild und Schatten: Das psychoanalytische wie kognitive Dilemma der funktionalen Verdrängung Die Fragestellung, ob es im Rahmen psychologischer Gesetzmäßigkeiten eine im weitesten Sinne funktionale oder gar gesunde Verdrängung geben kann, berührt ein zentrales Spannungsfeld der Persönlichkeitspsychologie und Psychotherapie. In der klassischen Psychoanalyse nach Sigmund Freud gilt Verdrängung (Repression) primär als ein unbewusster Abwehrmechanismus, bei dem inakzeptable Triebimpulse, traumatische Erinnerungen oder angstauslösende Konflikte aus dem Bewusstsein ins Unbewusste verschoben werden (Freud, 1915/1946). Freud betrachtete diese unbewusste Sperre… Weiterlesen »Gibt es eine gesunde Verdrängung?

    Artificial Intelligence vs. Künstliche Intelligenz

      Die Begründung für dieses Missverständnis lässt sich wissenschaftlich und sprachlich präzise aufschlüsseln. Das Kernproblem liegt in einer semantischen Asymmetrie zwischen der deutschen und der englischen Sprache sowie in der Übertragung eines alltagspsychologischen bzw. anthropomorphen Intelligenzbegriffs auf ein technologisches System. Etymologische Vertauschung: Intelligence vs. Intelligenz Der Schlüssel zur Aufklärung dieses Missverständnisses liegt in der Übersetzung des Begriffs Artificial Intelligence (AI). Englisch (Intelligence): Das englische Wort intelligence leitet sich vom lateinischen intellegere („erkennen“, „einsehen“, „Informationen sammeln“) ab. Es hat… Weiterlesen »Artificial Intelligence vs. Künstliche Intelligenz

      Was ist eine kognitive Reserve?

        Unter der kognitiven Reserve versteht man in der Psychologie und den Neurowissenschaften die Fähigkeit des Gehirns, neuropathologische Schäden oder altersbedingte Abbauprozesse zu kompensieren, sodass die kognitive Leistungsfähigkeit trotz vorliegender Hirnveränderungen über einen längeren Zeitraum erhalten bleibt. Das Konzept geht maßgeblich auf den Neuropsychologen Yaakov Stern zurück und erklärt die häufig beobachtete Diskrepanz zwischen dem Ausmaß einer Hirnschädigung – etwa durch eine Alzheimer-Erkrankung oder einen Schlaganfall – und den tatsächlich gezeigten klinischen Symptomen. Während die „Brain Reserve“ (Hirnreserve)… Weiterlesen »Was ist eine kognitive Reserve?

        Das Phänomen der Gefühlsblindheit

          Die sogenannte Gefühlsblindheit oder Alexithymie beschreibt ein weit verbreitetes, aber in der Öffentlichkeit noch wenig bekanntes Phänomen, bei dem betroffene Menschen erhebliche Schwierigkeiten haben, eigene und fremde Emotionen wahrzunehmen, einzuordnen oder in Worte zu fassen, wobei Schätzungen davon ausgehen, dass etwa zehn Prozent der Bevölkerung und dabei Männer tendenziell geringfügig häufiger als Frauen von diesem Spektrum der Persönlichkeit betroffen sind. Grundsätzlich handelt es sich hierbei um keine psychische Erkrankung, sondern um ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal vergleichbar mit Introvertiertheit,… Weiterlesen »Das Phänomen der Gefühlsblindheit

          Frühjahrsmüdigkeit: Mythos oder biologische Realität

            Eine kritische Bestandsaufnahme unter Berücksichtigung aktueller Forschung Kaum beginnt der März, berichten Millionen von Menschen im deutschsprachigen Raum über dasselbe Phänomen: Sie fühlen sich schlapp, antriebslos und erschöpft, obwohl der Winter offiziell vorbei ist und die Sonne wieder länger scheint. Für dieses kollektive Erleben existiert im Deutschen ein eigenes Wort – Frühjahrsmüdigkeit. Der Begriff ist so fest im Alltagssprachgebrauch verankert, dass er sogar im Duden steht, wo er als „allgemeine körperliche Abgespanntheit im Frühjahr“ definiert wird (Barmer,… Weiterlesen »Frühjahrsmüdigkeit: Mythos oder biologische Realität

            Hikikomori – Extremer sozialer Rückzug als psychosoziales Phänomen moderner Gesellschaften

              Der Begriff Hikikomori stammt aus Japan und beschreibt ein soziales und psychologisches Phänomen, bei dem sich Menschen über einen längeren Zeitraum nahezu vollständig aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen. Betroffene verbringen den Großteil ihrer Zeit isoliert in ihren eigenen Zimmern und vermeiden konsequent Kontakte außerhalb ihres unmittelbaren familiären Umfelds. Sie nehmen weder an schulischen noch an beruflichen Aktivitäten teil und werden häufig über längere Zeit von ihren Eltern oder Angehörigen versorgt. Erste dokumentierte Fälle eines solchen extremen sozialen… Weiterlesen »Hikikomori – Extremer sozialer Rückzug als psychosoziales Phänomen moderner Gesellschaften

              Bioelektronik

                Die Bioelektronik stellt ein hochgradig interdisziplinäres Forschungs- und Anwendungsfeld dar, das an der Schnittstelle zwischen Biologie, Chemie, Physik und Elektrotechnik operiert und die gezielte Integration biologischer Komponenten mit elektronischen Systemen zum Ziel hat. Im Kern befasst sich diese Disziplin mit der Übertragung und Verarbeitung von Signalen zwischen biologischen Systemen – die primär auf dem Transport von Ionen und molekularen Konfigurationsänderungen basieren – und technischen Schaltkreisen, die auf dem Fluss von Elektronen beruhen. Diese fundamentale Herausforderung der Signalumwandlung… Weiterlesen »Bioelektronik

                Was versteht man in der Psychologie unter Kama Muta?

                  In der Psychologie bezeichnet Kama Muta ein spezifisches, universelles soziales Gefühl, das durch das plötzliche Erleben intensiver sozialer Nähe und Verbundenheit ausgelöst wird. Der Begriff stammt aus dem Sanskrit und lässt sich sinngemäß mit „von Liebe bewegt sein“ übersetzen. Er wurde eingeführt, um ein emotionales Phänomen präzise zu benennen, das in vielen Kulturen bekannt ist, jedoch in der westlichen Emotionsforschung lange unter unscharfen Bezeichnungen wie „Rührung“, „Herzerwärmung“ oder „tiefes Berührtsein“ zusammengefasst wurde. Kama Muta tritt typischerweise in… Weiterlesen »Was versteht man in der Psychologie unter Kama Muta?

                  Was bedeutet das Bedürfnis nach Individuation?

                    Das Bedürfnis nach Individuation bezeichnet in der Psychologie das grundlegende Bestreben eines Menschen, sich zu einer eigenständigen, unverwechselbaren Persönlichkeit zu entwickeln und das eigene Potenzial in Abgrenzung zu kollektiven Normen oder Erwartungen zu entfalten. Dieser Begriff wurde durch den Schweizer Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung (1875–1961) geprägt, der die Individuation als einen lebenslangen Reifungsprozess verstand. Nach Jung strebt jeder Mensch danach, sein „wahres Ich“ zu finden, indem er bewusste und unbewusste Anteile seiner Psyche – wie etwa den… Weiterlesen »Was bedeutet das Bedürfnis nach Individuation?

                    Quengelzone

                      Der Begriff Quengelzone, gelegentlich auch als „Kassenzone“ oder im Englischen als „Pester Power Zone“ bezeichnet, beschreibt in der Verkaufs- und Konsumentenpsychologie einen strategisch gestalteten Bereich im Einzelhandel – meist unmittelbar vor oder im Kassenbereich –, der darauf abzielt, durch die Platzierung spezifischer Waren Impulskäufe zu provozieren, die primär durch das Betteln oder Quengeln von Kindern ausgelöst werden. Psychologisch basiert dieses Phänomen auf der gezielten Ausnutzung der kindlichen Selbstregulationsfähigkeit und der elterlichen Stressbelastung in Wartesituationen. Da die Kasse… Weiterlesen »Quengelzone

                      Das flüchtige Fenster der Gegenwart

                        In der physikalischen Welt ist die Gegenwart ein dimensionsloser Punkt, ein mathematischer Nullpunkt zwischen der bereits verstrichenen Vergangenheit und der noch nicht eingetretenen Zukunft. Aus psychologischer Sicht hingegen ist das „Jetzt“ keine bloße Grenze, sondern ein ausgedehntes Zeitintervall, das oft als Präsenzzeit oder Specious Present bezeichnet wird. Der Pionier der Psychologie, William James, prägte diesen Begriff bereits Ende des 19. Jahrhunderts und beschrieb die Gegenwart nicht als messerscharfe Kante, sondern als einen Zeitraum mit einer gewissen Tiefe,… Weiterlesen »Das flüchtige Fenster der Gegenwart

                        Was versteht man unter Neophobie?

                          Neophobie bezeichnet in der Psychologie die ausgeprägte und anhaltende Furcht oder Abneigung gegenüber Neuem, Unbekanntem oder Veränderung. Der Begriff wird sowohl in der Entwicklungspsychologie als auch in der Persönlichkeits- und Klinischen Psychologie verwendet und beschreibt ein Verhalten, bei dem Individuen neue Reize, Situationen, Objekte oder soziale Kontexte vermeiden, weil sie diese als potenziell bedrohlich oder überfordernd einschätzen. Neophobie tritt häufig in Bereichen auf, in denen Unsicherheit strukturell gegeben ist, etwa bei neuen Lebensmitteln, unbekannten sozialen Gruppen oder… Weiterlesen »Was versteht man unter Neophobie?