Zum Thema ‘Definitionen’

Einschlafzuckungen



Die Zuckungen beim Einschlafen, auch Einschlafzuckungen (hypnic jerk), erleben die meisten Menschen im Dämmerschlaf, wobei diese Zuckungen sie manchmal aus der Einschlafphase zurückholt. Dafür sind zwei verschiedene neuronale Systemeim Gehirn verantwortlich, die gegeneinander wirken: eines versucht für Muskelentspannung zu sorgen, die man für das Einschlafen benötigt, das andere versucht den Menschen wachzuhalten. Dieser wache Teil ist dabei noch so aktiv, dass er kurzzeitig überreagiert und dieses Zucken der Muskeln hervorruft. Mitunter kommt es in der Folge zu Aufwachreaktionen wie beschleunigtem Herzschlag und irregulärer Atmung.
Wenn übrigens Einschlafzuckungen so häufig oder stark auftreten, dass sie das Einschlafen stören oder zum Wiedererwachen führen, kann sogar die krankheitswertige Diagnose Einschlafmyoklonie gestellt.
Manchmal kann auch eine falsche Schlafposition das Zucken auslösen, denn das menschliche Gehirn versucht den Betroffenen instinktiv zu “retten”, wenn etwa Arme oder Beine aus dem Bett hängen und dem Gehirn signalisiert wird, dass man aus dem Bett fallen könnte, denn bei zahlreichen Primaten lässt sich dieser Reflex als eine Art Schutzfunktion gegen das Abrutschen vom Ast beobachten.
Literatur

Stangl, W. (2019). Stichwort: ‘Myoklonie’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/24539/myoklonie/ (2019-08-21)



Wenn Sie nur den kompletten Text lesen wollen, klicken Sie bitte auf den Titel des Beitrags!

Krankheitsgewinn



Krankheitsgewinn (morbid gain) ist die allgemeine Bezeichnung für die objektiven oder subjektiven Vorteile, die ein tatsächlich oder vermeintlich Kranker aus seiner Krankheit zieht. Wenn ein Mensch die Rolle eines Kranken einnimmt, kann er in der Regel davon ausgehen, von Alltagspflichten entbunden zu werden, Anteilnahme, Mitleid und Mitgefühl zu erfahren und von seiner Umwelt schonend behandelt zu werden. Darüber hinaus kann der Betroffene u. U. auch mit wirtschaftlicher Unterstützung rechnen.
Der Krankheitsgewinn ist von der Aggravation und der Simulation zu unterscheiden, denn Simulation bezeichnet die absichtliche und bewusste Vortäuschung und Nachahmung der Krankheitssymptome ohne Krankheitswert, während bei der Aggravation tatsächliche Krankheitsmerkmale vorhanden sind und nur absichtlich überbetont werden.
Nach Sigmund Freud unterscheidet man noch den primären oder inneren Krankheitsgewinn, der aus jenen direkten Vorteilen besteht, die der Betroffene aus seinen Symptomen zieht, etwa indem er etwa Konflikten aus dem Weg geht, und sekundären oder äußeren Krankheitsgewinn, der in den Vorteilen besteht, die der Betroffene aus seinen Symptomen ziehen kann, wie etwa der Aufmerksamkeit und Beachtung durch seine Umwelt.



Wenn Sie nur den kompletten Text lesen wollen, klicken Sie bitte auf den Titel des Beitrags!

Demenz



Demenz ist der Oberbegriff für rund fünfzig Krankheitsbilder, die mit dem Verlust geistiger Funktionen wie Denken, Erinnern oder Orientierung einhergehen. Neunzig Prozent aller Demenzformen haben eine hirnorganische Ursache (primäre Demenz), in zehn Prozent aller Demenzfälle sind z.B. Stoffwechselkrankheiten, Vergiftungen, hormonelle Störungen, Infektionskrankheiten oder der Missbrauch von Suchtmitteln die Ursache (sekundäre Demenz). Die primären Demenzformen lassen sich wiederum unterteilen in degenerative Demenz wie Alzheimer oder frontotemporale Demenz, vaskuläre Demenz, die mit Gefäßveränderungen und Durchblutungsstörungen einhergeht sowie Mischformen dieser beiden.

Bei Demenz handelt es sich um eine typische Alterserkrankung, die bei den meisten Betroffenen erst nach dem 70. Lebensjahr auftritt, und  zu einem fortschreitenden Verlust des Gedächtnisses und zunehmenden Einschränkungen des Denkvermögens führt. Bei besonders schwerem Krankheitsverlauf tritt allmählich völlige Orientierungslosigkeit ein, sodass Erkrankte ständig auf fremde Hilfe angewiesen sind. Am häufigsten tritt Demenz in Form der Alzheimer Krankheit auf, die nach neuestem Forschungsstand durch die Ablagerung von Eiweiß im Gehirn entsteht und eine krankhafte Veränderung von Proteinen in den Nervenzellen bewirkt. Nach Morbus Alzheimer ist die vaskuläre Demenz die zweithäufigste Demenzerkrankung, die durch Störungen der Durchblutung des Gehirns verursacht wird. Frauen erkranken übrigens häufiger an Alzheimer als Männer, wobei dafür auch die höhere Lebenserwartung ausschlaggebens sein kann, da das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung mit zunehmendem Alter steigt. Eine andere Ursache vermutet man im Östrogenschwund nach der Menopause, wobei zwar auch Männer in geringen Mengen Östrogen produzieren, doch bleibt die Menge im Alter gleich, während bei Frauen die Menge im Alter oft stark abnimmt. Bekanntlich bringen Östrogene Nervenzellen zum Wachsen und festigen die Verbindungen zwischen Neuronen. Möglicherweise steht auch die Erkrankung an Depressionen mit dem Östrogenschwund in Verbindung, denn Frauen leiden doppelt so häufig an Depressionen wie Männer, wobei auch Depressionen ihrerseits das Risiko für Demenz erhöhen.

Ein hohes Lebensalter stellt den wichtigsten Risikofaktor für eine Demenzerkrankung dar, denn während nur rund zwei Prozent aller 60 bis 70jährigen an Demenz leiden, ist es bei den 90 bis 95jährigen ein Drittel. Aber auch Faktoren wie eine genetische Veranlagung, der Lebensstil, bestimmte Medikamente, Verletzungen im Kopfbereich sowie Entzündungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken.

Bei Menschen mit einer sich entwickelnden Demenz geht oft ein Verlust der Orientierung einher, und zwar nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich, d. h., sie verlieren die innere Landkarte, können Adressen nicht mehr zuordnen, die ihnen ein Leben lang vertraut sind. Man vermutet die Ursache in den rhythmischen Fluktuationen in der Hirnaktivität, den Theta-Oszillationen, denn diese Hirnwellen könnten dafür verantwortlich sein, sich jenen Ort zu merken, zu dem man navigieren möchte. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Oszillationen in der neuronalen Aktivität beim Navigieren ein charakteristisches Muster aufweisen. Diese Theta-Oszillationen, bei denen sich die Hirnaktivität mit einer Frequenz von ungefähr vier Hertz ändert, scheinen eine zentrale Rolle zu spielen. Bei einem Versuch mit Epilepsiepatienten (Kunz et al., 2019) mussten diese bestimmte Objekte in einer virtuellen Umgebung mit bestimmten Orten assoziieren. Für jede dieser erlernten Assoziationen identifizierten die Wissenschafter das charakteristische Hirnaktivitätsmuster, wobei sich die ProbandInnen später erinnern mussten, welches Objekt mit welchem Ort assoziiert gewesen ist. Während sie im Gedächtnis nach dem passenden Ort suchten und in der virtuellen Umgebung zu diesem Ort navigierten, reaktivierte das Gehirn die ortscharakteristischen Aktivitätsmuster. Diese Reaktivierung der Hirnaktivität erfolgte für verschiedene Objekt-Ort-Paare zu verschiedenen Zeitpunkten im Verlauf der Theta-Oszillationen. Die Theta-Oszillationen könnten also die Reaktivierung verschiedener Erinnerungen koordinieren und außerdem helfen, konkurrierende Erinnerungen auseinanderzuhalten.

2018 wurde von britischen Wissenschaftlern eine neue und schnellere Methode entdeckt, die ein Demenzrisiko erkennt, noch bevor Symptome auftreten. Dazu reicht es, den Blutfluss in der Halsschlagader per Sonografie fünf Minuten lang zu beobachten, wobei man im Rahmen der Whitehall Studies die Wave Intensity untersuchte, also die Geschwindigkeit des Blutflusses und die Steifigkeit der Gefäßwände. Je intensiver der Pulsschlag, desto eher entwickelten die Studienteilnehmer im darauffolgenden Jahrzehnt kognitive Probleme, denn intensivere Pulsschläge können die kleinen Blutgefäße im Gehirn beschädigen und zu Mini-Schlaganfällen führen, die nicht bemerkt werden, aber folgenreich sein können. Zwar entwickeln nicht alle Menschen mit diesen Symptomen später Demenz, diese gelten aber oft als erste Vorzeichen, denn Demenz ist in vielen Fällen auch das Ergebnis von jahrzehntelanger Schädigung des Gehirns.

Weitere Demenzformen sind Lewy-Körperchen-Demenz sowie der Morbus Pick.

Der Verlauf einer Demenzerkrankung ist durch verschiedene Stadien gekennzeichnet: Während des ersten Stadiums verlieren die Betroffenen die Fähigkeit, neue Informationen zu erfassen und komplizierte Alltagsaufgaben zu bewältigen, finden sich jedoch mit diesen Einschränkungen in ihrer vertrauten Umgebung noch alleine zurecht. Im zweiten Stadium kommt es zu massiven Problemen bei täglichen Verrichtungen, wie zum Beispiel beim Waschen und Anziehen, bekannte Personen werden nicht mehr erkannt, Wahnvorstellungen treten auf. Im letzten Stadium einer Demenz verlieren die Betroffenen ihre Sprachfähigkeit und werden inkontinent sowie bettlägerig. Neben einer Verhaltenstherapie, die Erkrankten die Orientierung im Alltagsleben erleichter soll, wird Demenz meist medikamentös behandelt, wobei  owohl Acetylcholinesterase Hemmer als auch NMDA Antagonisten zum Einsatz kommen.

Das kognitive Training bei Demenzerkrankungen besteht aus Gedächtnis- und Wahrnehmungsaufgaben, das körperliche Training hat zum Ziel, die körperliche Fitness zu erhalten, insbesondere richtet man das Augenmerk auf die Erhaltung der Beweglichkeit, da Menschen mit Demenz häufig besonders sturzgefährdet sind. Ein wichtiger Aspekt solcher Traingsi ist der Fokus auf das emotionale Gedächtnis, denn das bleibt bei Menschen mit Demenz stets erhalten. Menschen erinnern sich in allen Stadien an wichtige und essenzielle Erlebnisse und Eindrücke, sodass man im Umgang mit ihnen nicht davon ausgehen kann, dass sie nichts mehr davon wissen. Auch wenn ein bestimmter Name nicht mehr abgerufen werden kann, wird eine wichtige Person als vertraute Person erkannt und geschätzt. Nach Ansicht von Experten besteht das Leiden eines Menschen mit Demenz vor allem darin, dass sie von ihrer Umgebung nicht mehr wertgeschätzt werden.

Siehe dazu Demenz.

Literatur

Kunz, Lukas, Wang, Liang, Lachner-Piza, Daniel, Zhang, Hui, Brandt, Armin, Dümpelmann, Matthias, Reinacher, Peter C., Coenen, Volker A., Chen, Dong, Wang, Wen-Xu, Zhou, Wenjing, Liang, Shuli, Grewe, Philip, Bien, Christian G., Bierbrauer, Anne, Navarro Schröder, Tobias, Schulze-Bonhage, Andreas, Axmacher, Nikolai (2019). Hippocampal theta phases organize the reactivation of large-scale electrophysiological representations during goal-directed navigation. Science Advances, doi:10.1126/sciadv.aav8192.
Stangl, W. (2012). Stichwort: ‘Demenz’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/1082/demenz/ (2012-11-13)
https://science.orf.at/stories/2946926 (18-11-12)



Wenn Sie nur den kompletten Text lesen wollen, klicken Sie bitte auf den Titel des Beitrags!


Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2019