Unterschwellige Wahrnehmung

Ein visueller Reiz ist »subliminal«, das heißt nicht bewusst wahrnehmbar, wenn man ihn maximal 30 Millisekunden darbietet und danach durch einen anderen Reiz »maskiert«. Das lateinische „sub limen“ bedeutet »unterhalb der Grenze« und bezieht sich auf Reize, die so schwach sind, dass wir sie nicht bewusst wahrnehmen können. Ein unterschwelliger Reiz kann aber das Verhalten von ProbandInnen beeinflussen, es findet ein »Priming« statt. Wird jedoch die Aufmerksamkeit abgelenkt, findet kein Priming statt. Umfangreiche Untersuchungen zur unterschwelligen Wahrnehmung (subliminale Wahrnehmung) zeigen, dass Information aufgenommen, abgespeichert und später wieder abgerufen werden kann, auch wenn diese Prozesse der Aufmerksamkeit entgehen – also unbewusst bleiben.

Es ist demnach eine Tatsache, dass sehr viel mehr Information aufgenommen als bewusst wird (Dixon, 1981, Feldmann, 1988). Alltagsbeobachtungen, wie das bekannte Cocktail-Party-Phänomen beweisen: Wenn man sich im Gedränge einer Party auf ein bestimmtes Gespräch konzentriert, so vernachlässigt man alle anderen Stimmen im Raum. Fällt jedoch unerwartet der eigene Name in einem entfernten Gespräch, so wechselt die Aufmerksamkeit sofort und man hört dort bewusst zu. Das bedeutet, es gibt einen Wechsel der Bewusstseinsinhalte, der unbewusst gesteuert wird. Dazu muss vorher ein Suchprozeß präattentiv ablaufen, der nur dann Information ins Licht der Aufmerksamkeit rückt, wenn sie dem Subjekt wichtig erscheint. In vielen Experimenten sind sowohl unterschwellige Wahrnehmung, unterschwellige Auslösung konditionierter Reaktionen und unterschwellige Beeinflussung willkürlicher Reaktionen überprüft worden. Kaser (1986) zeigte, dass akustisch subliminal dargebotene Suggestionen später in Zeichnungen wieder auftauchten. Borgeat und Goulet (1983) fanden, dass akustisch unterschwellig dargebotene Suggestionen („Sorgfältiger arbeiten“) eine direkte Auswirkung auf das Leistungsverhalten der Probanden hatten.
Offensichtlich können aufgenommene Informationen gespeichert werden, ohne bewusst zu werden und es wird unbewusst selegiert, welche Inhalte ins Bewusstsein gelangen. Nach Feldman werden indirekte Suggestionen im Sinne von Metaphern, eingestreuten Suggestionen und unterschwelligen Wahrnehmungen direkt im Langzeitspeicher abgelegt, ohne dass sie den Filter des Bewusstseins und des Kurzzeitgedächtnisses passieren, in dem sie durch bestimmte kognitive Kontrollmechanismen zensiert werden könnten. John Bargh (Universität Yale) ließ seine Probanden einen Sprachtest durchführen, ohne dass diese eine Ahnung hatten, worum es bei dem „Sprachtest“ ging. Keinem fiel auf, dass die Sätze, die sie zusammenstellen sollten, mit Wörtern wie „Heim“, „einsam“, „langsam“, „vergesslich“ und „grau“ durchsetzt waren – also alles Wörter, die man mit dem Alter verbindet. Diese Wörter ließen die Probanden psychologisch altern, denn als sie das Labor verließen, bewegten sie sich langsamer und müder als Testpersonen, deren Text keine mit dem Alter assoziierten Wörter enthalten hatte. Solche Forschungen belegen, dass sich unser Verhalten durch unbewusste Reize messbar beeinflussen lässt.

Zur Geschichte

Bekannt wurden subliminale Techniken durch einen Versuch des US-amerikanischen Marktforschers James Vicary aus dem Jahr 1957. Er blendete in einem Kino wiederholt und für die Zuschauer unsichtbar kurz die Werbebotschaft »Iss Popcorn, trink Coca-Cola!« ein. Angeblich erhöhte das den Colakonsum um ein Fünftel, den Popcornverzehr gar um 60 Prozent, so Vicary danach. Auch wenn er fünf Jahre später einräumte, dass es das Experiment in der Art nie gegeben habe, sondern er lediglich den Umsatz seiner Werbeagentur hochschrauben wollte: Der Mythos von der unmerklichen Manipulierbarkeit unseres Verhaltens war geboren. Vicary führte das Experiment zwar in einem Kino und danach auch noch einmal mit einer Schar interessierter Journalisten durch, aber die Zahlen waren durchweg gefälscht: Das ominöse Gerät, welches die kurzen, unsichtbaren Botschaften sendet, existiert, führt jedoch nicht zu den bahnbrechenden Ergebnissen. 2007 wiederholte der Werbeexperte und Hypnotherapeut Jim Brackin das Experiment auf einem Marketing-Kongress in Istanbul. Er warb mittels unterschwelliger Einblendungen für das fiktive Produkt »Delta«. Die 1400 Zuhörer im Kongresssaal sollten sich nach einer Filmvorführung zwischen diesem und einem anderen Produkt »Theta« entscheiden. 81 Prozent wählten »Delta«. Die in wissenschaftlichen Studien übliche Gegenprobe, ob dasselbe Experiment ohne subliminale Einblendungen ein anderes Ergebnis gehabt hätte, wurde jedoch nicht durchgeführt. 2008 fanden Forscher der University of Pennsylvania um Anna Rose Childress heraus, welche große Wirkung subliminale Reize im Gehirn haben können. 22 Männern, die wegen ihrer Kokainsucht durchschnittlich 15 Jahre in Behandlung waren, zeigten sie Bilder, die mit der Substanz in Zusammenhang standen. Die Untersuchung per fMRT zeigte, dass der unbewusste Reiz ihr Belohnungszentrum in Aufruhr versetzte. Die Interpretation der Wissenschaftler: Eine schnelle Reaktion auf bestimmte Reize stellt einen evolutionären Vorteil dar. So kann es zum Beispiel entscheidend sein, unbewusst auf etwas Essbares zu reagieren. Die Reaktion auf die Droge folgt dem gleichen Schema, ist aber durch den langjährigen Konsum »erlernt« (Ulhaas 2008, S. 38ff).

Silent Subliminals

Subliminale Wahrnehmung taucht derzeit auch unter dem Titel „Silent Subliminals„, wobei es hier angeblich um Affirmationen handelt, die dem Hörer in einem unhörbaren Frequenzbereich zwischen 16 KHz – 20 KHz übermittelt werden, also teilweise im Ultraschallbereich liegen. Versprochen wird, Reichtum, Wohlstand und Fülle zu aktivieren, wobei Silent Subliminals Träume, Ziele und Wünsche in Rekordzeit manifestieren. Der Unterschied zu normalen geführten Meditationen liegt angeblich darin, dass die darin gesprochenen Affirmationen für einen erwachsenen Hörer nicht hörbar sind, dennoch würden diese bei angenehmer Lautstärke die Inhalte über das Ohr aufgenommen und vom Unterbewusstsein verstanden.

In den Werbetexten, die CDs mit solchen „Silent Subliminals“ verkaufen wollen heißt es dann: Wer den Erfolgsfilm „The Secret“ von Rhonda Byrne gesehen hat, der weiß um die Macht des Unterbewusstseins und dessen Einfluss auf das Leben eines jeden Menschen. Nach dem Gesetz der Anziehung (Law of Attraction) zieht jeder Mensch das in sein Leben, was er vorrangig denkt und wovon er überzeugt ist (Denkmuster und Glaubenssätze). Um Änderungen in seinem Leben herbeiführen zu können, muss das Unterbewusstsein umprogrammiert werden. Man muss sich von blockierenden Glaubenssätzen und Denkmustern befreien. Dies funktioniert beispielsweise durch positiv formulierte Affirmationen, die dem Unterbewusstsein durch häufiges Wiederholen, das gewünschte Ziel vermitteln. Das Unterbewusstsein akzeptiert alles ohne zu beurteilen, ganz gleich ob etwas gut oder schlecht ist. Damit wir nun nicht ferngesteuert werden können, wird es im Wachzustand durch den Verstand / das Bewusstsein vor Einflüssen von Außen geschützt.

Der Verstand beurteilt die Informationen, die auf uns durch Mitmenschen und die Umwelt einströmen und akzeptiert oder lehnt diese ab. Das Bewusstsein wird deshalb auch „Wächter am Tor zum Unterbewusstsein“ genannt. Deshalb sollen Affrmationen morgens direkt nach dem Aufwachen und abends kurz vor dem Einschlafen gelesen oder laut gesprochen werden, da zu diesem Zeitpunkt das Unterbewusstsein die Affirmationen besonders gut aufnimmt. Sobald nun das Unterbewusstsein die Affirmationen akzeptiert und für wahr hält, beginnt es sofort damit das gewünschte bzw. den gewünschten Zustand wie beispielsweise Reichtum, Erfolg und Gesundheit, im Außen also in der Realität zu manifestieren. Es tritt dann in der Realität in Erscheinung, das dem Unterbewusstsein vermittelte Ziel manifestiert sich. Das Problem normaler Meditationen und darin enthaltener Affirmationen ist, dass der Verstand (Bewusstsein) die Affirmationen häufig ablehnt und somit die Aufnahme in das Unterbewusstsein sehr erschwert oder sogar unmöglich macht. Bei Krankheit sabotiert er Affirmationen wie: „Ich bin gesund und fühle mich wundervoll“, mit der Frage: „wie soll ich gesund sein, wenn ich krank bin“. Dadurch wird diese positive Affirmation wirkungslos und gelangt nicht in das Unterbewusstsein. Eine Heilung wird dadurch sehr erschwert. An diesem Punkt setzen die Silent Subliminals (stille Affirmationen / Botschaften) an. Sie sind für das Gehör eines Erwachsenen unhörbar und können somit vom Verstand nicht abgelehnt oder angezweifelt werden. Dadurch werden sie direkt und ungefiltert in das Unterbewusstsein übertragen. Da das Unterbewusstsein nicht beurteilt ob etwas gut oder schlecht ist, akzeptiert es diese stillen Affirmationen sofort und beginnt mit deren Realisierung im Außen.“

Literatur
Borgeat, F., & Goulet, J. (1983). Psychophysiological changes following auditory subliminal suggestions for activation and deactivation. Perceptual and Motor Skills, 56, 759-766
Dixon, N. (1981). Preconscious processing. New York: Wiley..
Feldmann, J. (1988). Subliminale Wahrnehmung und Informationsverarbeitungs-Theorie. Hypnose und Kognition, 5, 74-86.
Kaser, V. (1986). The effects of an auditory subliminal message upon the production of images and dreams. Journal of Nervous and Mental Disease, 174(7), 397-407.
Uhlhaas Christoph (2008). Bemerkenswert unbemerkt. GEHIRN&GEIST, 11, 38 – 42.




  1. 2 Responses to “Unterschwellige Wahrnehmung”

  2. Dieser Artikel ist Schwachsinn.
    Er bietet keine Lösung für die Frage:
    „Ob und wieweit Sublimina das Verhalten beeinflußen.“
    Da immer die Negativstudien weggelassen werden,
    ist dieser Artikel nur eine Unterschwellige Meinungsaussage vom Author, die Lautet:
    „Ich glaube an Unterschwellige Botschaften aber trete keinen Beweiß an.“.

    By ojre on Sep 24, 2010

  3. Eine solche Reaktion in einer solchen Rechtschreibung lässt auf den Geisteszustand des Schreibers mehr schließen als auf seine Argumentationsfähigkeit.

    By Elgar on Sep 25, 2010

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