Facial Action Coding System – die Erfassung der Mimik

18. Mai 2010 – 08:29

Der Gesichtsausdruck ist ein Medium der nonverbalen Kommunikation. Das menschliche Gesicht ist in der Lage bis zu siebentausend verschiedene Gesichtsausdrücke zu erzeugen, was ein enormes Potential für die menschliche Kommunikation darstellt. Im Alltag wie auch in der Wissenschaft wird oft davon ausgegangen, dass der Gesichtsausdruck irgendetwas mit Emotionen zu tun hat. Es gibt verschiedene Kommunikationskanäle für den Ausdruck von Emotionen, verbal über die Sprache oder auch nonverbal durch eine bestimmte Körperhaltung, Gestik oder Mimik. Allerdings können Gestik und Körperhaltung – im Gegensatz zur Mimik – keine spezifischen Emotionen ausdrücken, sondern eher die Intensität der allgemeinen Emotion anzeigen. Auch über die Vokalisation kann ein Mensch nicht eine derartige Vielfalt an emotionalen Ausdrücken übermitteln, zumal das Gesagte noch stärker der willentlichen Kontrolle des Sprechers unterliegt als der mimische Ausdruck.
Das Facial Action Coding System (FACS) wurde von Paul Ekman und Wallace Friesen also mit dem Ziel entwickelt, ein zuverlässiges und objektives Instrumentarium zur Erfassung des mimischen Ausdrucks zur Verfügung zu haben. Der angebotene e-learning-Kurs “about facs ” bietet eine Einführung in das Facial-Action-Coding-System und man erhält einen Überblick und die theoretischen Grundlagen.

Für die Fernsehserie „Lie to Me“ bzw. den Experten Lightman stand Paul Ekman Pate, wobei die TV-Figur Lightman ist nicht nur dem Psychologen nachempfunden ist, sondern Paul Ekman fungierte auch als wissenschaftlicher Berater beim Drehen von „Lie to Me“.

Mimik und Emotionen

Wie sich im Hirn entstehenden Gefühle wie Freude oder Angst auf einem Gesicht widerspiegeln, so beeinflusst umgekehrt der entsprechende Gesichtsausdruck auch die wahrgenommenen Gefühle. Menschen neigen bekanntlich in Gesprächen dazu, unbewusst den Gesichtsausdruck ihres Gegenübers nachzuahmen, wobei diese Muskelbewegungen über Muskulatur und Haut verschiedene Hirnregionen beeinflussen. Menschen nehmen über diese unbewusste Imitation der Mimik anderer auch deren Emotionen besser auf, denn über Muskulatur und Haut werden sensorische Signale an das Gehirn weitergeleitet. Wenn Menschen einen Ausdruck des Glücks machen, fühlen sie sich also selber glücklicher, wenn sie ihre Stirn runzeln, empfinden sie sich selber auch als trauriger.
Das in der Schönheitschirurgie eingesetzt Nervengift Botulin schwächt zeitweilig die Gesichtsmuskulatur von Personen, so dass die sensorischen Signale bei deren Emotionen gedämpft werden. Forschungen zeigten nun, dass damit auch eine abnehmende Aktivität jener Hirnregionen wie der Amygdala, die für Gefühle wichtig sind, einher geht. Wer aber weniger negative Emotionen durch die Gesichtsmimik, also z.B. durch Runzeln, ausdrückt, fühlt sich jedoch insgesamt positiver, sodass das unter die Haut gespritzte Muskelrelaxans somit die Emotionen auch positiv beeinflussen kann.

Literatur
Strack R., Martin L.L. & Stepper S. (1988). Inhibiting and facilitating conditions of facial expressions: a non-obstrusive test of the facial feedback hypothesis. J Pers Social Psych, 54, 768-777.

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  1. Eine Antwort auf “Facial Action Coding System – die Erfassung der Mimik”

  2. Ein toller Tipp. Es lohnt sich den e-learning-Kurs zu besuchen ;-) und dann seine Gedanken weiter zu spinnen – im Sinne von: welche Defizite haben Menschen, die Gesichtsausdrücke nicht interpretieren können? Warum sind Hunde in der Lage die Emotionen der Menschen aufzunehmen – liegt es daran, dass sie unsere Gesichtsausdrücke “entschlüsseln” können oder was steckt sonst dahinter ?

    By Monika Armand on Apr 12, 2008

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