Hilft Musik wirklich beim Einschlafen?

Viele Menschen glauben, dass Musik das Einschlafen erleichtert. Scullin et al. (2021) haben nun untersucht, wie Musikhören den Schlaf beeinflusst und konzentrierten sich dabei auf unwillkürliche musikalische Bilder, also Ohrwürmer. In einer ersten Studie berichteten Menschen, die häufig Musik hören, über anhaltende nächtliche Ohrwürmer, die mit einer schlechteren Schlafqualität verbunden waren. In einer zweiten Studie wies man jedem Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip zu, ob er vor dem Schlafengehen im Labor eine Text- oder eine reine Instrumentalversion eines populären Songs (Taylor Swifts ‚Shake It Off‘, Carly Rae Jepsens ‚Call Me Maybe‘ und Journeys ‚Don’t Stop Believin’) hören sollte, und fand heraus, dass Instrumentalmusik das Auftreten nächtlicher Ohrwürmer erhöht und die polysomnographisch gemessene Schlafqualität verschlechterte. Menschen, die sich einen Ohrwurm eingefangen hatten, hatten aber nicht nur größere Probleme beim Einschlafen, sondern auch häufigeres nächtliches Erwachen und waren längere Zeit in den leichten Schlafstadien.

In beiden Studien traten die Ohrwürmer vor allem während des Aufwachens auf, was darauf hindeutet, dass das schlafende Gehirn weiterhin musikalische Melodien verarbeitet. Eine dritte Studie schließlich untermauerte diese These, indem man einen signifikanten Anstieg der frontalen langsamen Oszillationsaktivität fand, einen Marker für schlafabhängige Gedächtniskonsolidierung. Besonders dominant waren dabei die langsamen Oszillationen im primären auditorischen Cortex, also jener Region, die auch im Wachzustand durch Ohrwürmer aktiviert wird.

Offenbar können einige Arten von Musik den nächtlichen Schlaf stören, indem sie lang anhaltende Ohrwürmer induzieren, die durch spontane Gedächtnisreaktivierungsprozesse aufrechterhalten werden. Überraschend war auch, dass Instrumentalmusik zu einer schlechteren Schlafqualität führte, allerdings war die in den Studien verwendete Musik sehr speziell, sodass man diese Ergebnisse nicht auf klassische Musik oder eigens zur Entspannung komponierte Musik generalisieren kann.

Literatur

Scullin, Michael K., Gao, Chenlu & Fillmore, Paul (2021). Bedtime Music, Involuntary Musical Imagery, and Sleep. Psychological Science, doi:10.1177/0956797621989724.

Weitere Seiten zum Thema