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Was ist Mattering?

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    Das Erleben, von anderen gesehen und gebraucht zu werden, ist kein „weiches“ Gefühl ohne messbare Bedeutung – es ist ein zentraler psychologischer Motor für Gesundheit, Handlungsfähigkeit und Lebensfreude. In der modernen Psychologie spricht man in diesem Zusammenhang oft von Mattering – dem Erleben, dass man für andere und für die Welt zählt, dass man Bedeutung hat, Einfluss ausübt und wirklich wahrgenommen wird. Dieses Gefühl ist fundamental für die psychische Widerstandskraft (Resilienz) und eng mit Gesundheit, Motivation, sozialen Beziehungen und Identität verknüpft.

    Bedeutung von Mattering für Gesundheit

    Mattering ist nicht einfach ein gutes Gefühl, sondern ein psychosozialer Faktor mit nachweisbaren Konsequenzen für körperliche und psychische Gesundheit. Forschende zeigen: Menschen, die erleben, dass sie für andere wichtig sind, haben niedrigere Raten von Depression, Angst, sozialer Isolation und körperlichen Beschwerden. Mattering wirkt wie ein „Puffer“ gegen Stress: Wenn wir das Gefühl haben, gebraucht zu werden, gehen Belastungen weniger stark an unsere Substanz – die gleiche Stresssituation fühlt sich weniger bedrohlich an, wenn wir wissen, dass andere von uns erwarten, profitieren oder uns wertschätzen.

    Dieses Erleben ist ein zentraler Bestandteil sozialer Verbundenheit – und soziale Verbundenheit ist einer der stärksten Prädiktoren für Gesundheit im Erwachsenenalter. Menschen mit starken, positiven sozialen Bindungen sterben statistisch später, haben weniger Herz-Kreislauf-Probleme, bessere Immunfunktion und niedrigeren Blutdruck. Umgekehrt gehen Vereinsamung, das Gefühl, unwichtig oder ersetzbar zu sein, und soziale Isolation mit einem erhöhten Risiko für chronische Krankheiten einher. Die Wahrnehmung, für andere zu zählen, ist also kein Luxus, sondern ein grundlegender Baustein unseres biologischen und psychischen Gleichgewichts.

    Wie Mattering entsteht

    Mattering entsteht nicht durch abstrakte Werte oder Selbstüberzeugungen allein, sondern in konkreten sozialen Kontexten. Es zeigt sich in alltäglichen Interaktionen: jemand hört dir aufmerksam zu, bedankt sich für deine Hilfe, bittet dich um Rat, vertraut dir Aufgaben an, erkennt deine Leistung an. Solche Resonanzen machen uns bewusst: „Ich bin wichtig. Mein Beitrag zählt.“ Entscheidend ist nicht nur die Zahl der sozialen Kontakte, sondern deren Qualität – das Gefühl, wirklich gesehen und nicht nur bemerkt zu werden.

    Dabei spielt die Rolle der wechselseitigen Beziehungen eine große Rolle. Menschen, die anderen nicht nur geben, sondern auch von anderen etwas empfangen, erleben eine stärkere Bedeutung. Rollen, in denen wir Verantwortung tragen – sei es in der Familie, im Beruf, im Ehrenamt oder in Freundschaften – fördern das Gefühl von Mattering. Ebenso wichtig ist, dass andere uns explizit signalisieren, dass unser Beitrag geschätzt wird – Wertschätzung schafft Identität.

    Resilienz durch soziale Bedeutung

    Resilienz – die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen zu bewältigen und sich davon nicht dauerhaft negativ beeinflussen zu lassen – hängt eng mit Mattering zusammen. Menschen, die das Gefühl haben, für andere wichtig zu sein, verfügen über stärkere innere Ressourcen: Sie erleben sich als handlungsfähig, akzeptiert und sozial eingebettet. Diese Verankerung gibt ihnen Sicherheit und Hoffnung in unsicheren Zeiten.

    Wenn wir glauben, dass unser Verlust, unsere Abwesenheit oder unser Scheitern andere beeinträchtigen würde, ist es einfacher, Herausforderungen aktiv anzugehen. Dieses Gefühl hilft, Rückschläge weniger persönlich zu nehmen und schneller wieder einen Sinn in neuen Situationen zu finden. Anders gesagt: Wer das Gefühl hat, wirklich zu zählen, findet eher Gründe, Motivation und Kraft, weiterzumachen.

    Mattering im Alltag stärken

    Da Mattering so zentral für Gesundheit und Resilienz ist, lohnt es sich, darauf zu achten, wie wir dieses Gefühl bei uns selbst und anderen fördern können. Dazu gehören:

    • Aktives Zuhören und Anerkennung: Menschen spüren Wertschätzung, wenn ihnen wirklich zugehört wird und wenn ihre Beiträge anerkannt werden.
    • Verantwortung teilen: Aufgaben und Rollen, die Sinn und Einfluss vermitteln, stärken das Gefühl von Bedeutung.
    • Wechselseitige Beziehungen pflegen: Nicht nur geben, sondern auch empfangen – echte Gegenseitigkeit macht sozialen Kontakt bedeutsam.
    • Kulturelle Rahmen schaffen: Gesellschaften, Organisationen und Gemeinschaften, die Wertschätzung ausdrücken und sichtbar machen, fördern kollektives Mattering.

    Wenn wir bewusst Begegnungen schaffen, in denen Menschen sich gesehen, gebraucht und wertgeschätzt fühlen, stärken wir nicht nur individuelles Wohlbefinden, sondern auch das soziale Gewebe einer Gemeinschaft. Gesundheit wächst dort, wo Menschen einander Bedeutung schenken und erleben, dass sie zählen – nicht nur für sich selbst, sondern im Gefüge sozialer Beziehungen.

    Literatur

    Stangl, W. (2016, 11. April). mattering. Online Lexikon für Psychologie & Pädagogik.
    https:// lexikon.stangl.eu/35013/mattering.

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