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Friedrich von Hayeks Beiträge zur Psychologie

    Friedrich von Hayek, bekannt als einer der Haupttheoretiker des Neoliberalismus, hatte auch bedeutende Beiträge zur Hirnforschung und den Grundlagen der Künstlichen Intelligenz (KI) geleistet. Obwohl seine Arbeiten in der Wirtschaftswissenschaft oft wenig Beachtung fanden, ist es heute klar, dass Hayek mit seinen Ideen über Wahrnehmung und das Gehirn der KI-Forschung weit voraus war. Hayek hatte die Ansicht, dass die soziale Ordnung nicht zentral gesteuert werden sollte, sondern durch spontane, dezentral organisierte Prozesse entstehen muss. Diese Überzeugung prägte nicht nur seine wirtschaftlichen Theorien, sondern auch seine Überlegungen zum menschlichen Gehirn.

    In den 1920er Jahren begann Hayek, sich mit der Wahrnehmungspsychologie auseinanderzusetzen und entwickelte das Konzept eines „dynamischen und fragmenthaften Modells der Realität“ (Hayek, 1953). Er stellte fest, dass unser Wahrnehmungsapparat, ähnlich wie ein Markt, keine vollständigen Abbilder der Realität schafft, sondern Muster bildet, die uns in die Lage versetzen, pragmatische Entscheidungen zu treffen. Diese Theorie führte er später in seinem Werk „Die sensorische Ordnung“ weiter aus, in dem er das Gehirn als ein System beschrieb, das mit der Umwelt über Muster und Regeln in einem adaptiven und dezentralen Prozess interagiert.

    Diese Ideen wurden später ein zentraler Bestandteil des Konnektionismus, der eine wichtige Grundlage für die moderne KI bildete. In den 1950er Jahren führte Frank Rosenblatt mit dem Perzeptron, einem frühen Vorläufer der KI, eine Maschine ein, die in der Lage war, Muster aus der Umwelt zu erkennen – inspiriert von Hayeks Konzept der neuronalen Netzwerkprozesse. Die Grundlage dieses Modells, das von Hayek beschrieben wurde, ist die Vorstellung eines flexiblen, dezentralen Systems, das keine zentrale Steuerungseinheit benötigt, ähnlich wie ein Markt ohne zentrale Planung.

    Obwohl Hayek in seinen Arbeiten keine direkte Verbindung zwischen der Funktionsweise des Gehirns und der Marktordnung herstellte, wurde später von verschiedenen Ökonomen und Philosophen diskutiert, ob seine Wahrnehmungstheorie als Grundlage für die Rechtfertigung des Neoliberalismus diente. Die Frage, ob diese Theorie auch alternative Wirtschaftsmodelle unterstützen könnte, wurde zuletzt im Kontext der Plattformökonomie und der zunehmenden Rolle von KI im Marktgeschehen neu aufgeworfen. Die Datensammlungen der großen digitalen Plattformen schaffen zwar noch kein Zentralgehirn, wie von Hayek befürchtet, aber sie ermöglichen eine neue Form der Steuerung von Märkten und menschlichem Handeln, die zunehmend von den gleichen Prinzipien wie die neuronalen Netzwerke des Gehirns geprägt sind.



    Literatur

    Hayek, F. A. (1953). Die sensorische Ordnung. Tübingen: Mohr Siebeck.
    Rosenblatt, F. (1958). The Perceptron: A Probabilistic Model for Information Storage and Organization in The Brain. Psychological Review, 65, 386–408.


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