Delinquenz

Eine sehr einflussreiche Verlaufstypologie der Delinquenz geht auf Terrie Moffitt (1993) zurück, die auf Basis einer Längsschnittuntersuchung zwischen zwei prototypischen Delinquenzverläufen unterschied: den life-course-persistent offenders (LCP) und den adolescence-limited offenders (AL). Erstere umfassten etwa 10 Prozent der Stichprobe und zeichneten sich durch einen frühen Beginn dissozialen Verhaltens aus. Moffitt prognostizierte diesen Personen eine Fortsetzung der Delinquenz bis weit ins Erwachsenenalter. Als Ursache für diese Entwicklung identifizierte man eine Kumulation aus biologischen, psychologischen und sozialen Risikofaktoren, die sich im Entwicklungsverlauf wechselseitig verstärken. Die adolescence-limited offenders (26%) hingegen entwickelten Dissozialität erst mit Beginn der Jugendzeit, doch wird diese jedoch spätestens zum Übergang ins Erwachsenenalter wieder eingestellt. Moffitt erklärte die auf die Adoleszenz beschränkte Delinquenz unter Rückgriff auf anomietheoretische Überlegungen von Merton , wonach es bei diesen Jugendlichen zu einer Reifungslücke kommt. Die adolescence- limited offenders identifizierten sich in der Jugendzeit zunehmend mit Merkmalen des Erwachsenseins wie materiellem und sozialem Status und Autonomie. doch da sie in dieser Altersphase jedoch noch nicht über legitime Mittel verfügen, um diese zu erreichen, greifen sie auf delinquente Vorgehensweisen zurück, wobei die persistenten Täter den anderen Jugendlichen als Modell dienen. Moffitts Taxonomie enthielt noch zwei weitere Verlaufstypen, und zwar die kleine Gruppe der Abstainers (5%), die sowohl nach Offizialdaten als auch nach Selbstangaben in keiner Lebensphase delinquentes Verhalten aufwiesen. Die Recoveries (8%) zeigten in der Kindheit dissoziales Verhalten, das sich in der Jugend jedoch nur in geringem Maße fortsetzte. Allerdings ließ sich diese Typologie schließlich nur knapp die Hälfte der Jugendlichen überhaupt einer der Kategorien zuordnen, auch erwies sich die Zuteilungen zu den Gruppen bei einer späteren Untersuchung der Probanden im Alter von 26 Jahren oft als unzutreffend, denn viele der zuvor als AL-Typ eingestuften Jugendlichen hatten ihr delinquentes Verhalten unerwarteter Weise fortgesetzt und gleichzeitig hatten etwa die Hälfte der „persistenten“ Täter ihr delinquentes Verhalten deutlich gesenkt oder ganz eingestellt. Terrie Moffitt (1993) hat zwar mit ihrer Taxonomie einen Meilenstein in der kriminologischen Verlaufsforschung gesetzt und diese zu weiteren wichtigen Forschungen beflügelt, allerdings ist das Modell für die Übertragung auf Prognosezwecke wenig geeignet wie andere Verlaufstypologien.

1. Definition
Unter „Kinderdelinquenz“ verstehen wir Verstöße gegen das Strafgesetzbuch, die von Personen unter 14 Jahren begangen werden und wegen der juristischen Schuldunfähigkeit von Kindern keine gesetzliche Bestrafung zur Folge haben. Unsere Definition von „Kinderdelinquenz“ ist nicht gleichzusetzen mit dem im angelsächsischen Sprachraum verwendeten Begriff „delinquency“. „Kinderdelinquenz“ bezieht sich lediglich auf Gesetzesverstöße von Kindern; „delinquency“ umfasst darüber hinaus auch Verhaltensweisen wie Weglaufen, Lügen etc. und deckt sich in etwa mit unserem Begriff der „Verwahrlosung“. Da delinquente Verhaltensweisen von Kindern im Gegensatz zu den Normen des StGB stehen, die von unserer Gesellschaft zur Regelung des Zusammenlebens geschafft wurden können wir „Kinderdelinquenz“ als von der gesetzlichen Norm abweichendes Sozialverhalten ansehen. (vgl. Kluge & von Randow 1979, S. 5)

2. Definition
Der Begriff „Delinquenz“ bedarf einer Abgrenzung zur „Kriminalität“. […]
Demgegenüber fehlt es dem Delinquenzbegriff – der im Sprachgebrauch des Alltags weitgehend unüblich und unbekannt ist – an der Zementierung von Interaktionsabläufen mit Kontrollinstanzen; er macht es möglich, weitere Dimensionen sozialen Verhaltens zu erfassen, bei denen der verfahrensmäßige Aspekt nicht derart im Vordergrund steht. Dieser Begriff ist – selbst aus Sicht der Kontrolleure – wesentlich diffuser als jener der Kriminalität bestimmt. „Vorfeld des Verbrechens“, „Dissozialität“, „Verwahrlosung“ u. ä. m. sind ihrerseits wieder so komplex, dass das Definitionsproblem nur verlagert, nicht aber gelöst wird. So kann er als Bezeichnung für einen in der Entstehung und in der Behandlung auch erziehungswissenschaftliche relevanten Vorgang zwischen mehreren Beteiligten eingeführt werde. In der Darstellung als Folge von Interaktionen ist er ein dynamisches Geschehen. Damit ist klargestellt, dass kein allgemein verbindlicher Katalog von Verhaltensweisen aufgestellt werden kann, denen Delinquenz als Eigenschaft innewohnt […] (vgl. Wolff 1978, S.53f)

3. Definition
Delinquenz und Persönlichkeit
In zahlreichen Untersuchungen – vorwiegend an Jugendlichen – wurden meist nur mäßige Korrelationen zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und delinquenten oder kriminellem Verhalten beobachtet. Am besten gesichert scheinen Beziehungen zu Aggressivität, Feindseligkeit, Impulsivität, Neurotizismus und – in Übereinstimmung mit Eysencks Theorie – Extraversionen zu sein. Methodische Probleme bestehen hauptsächlich in Bezug auf die Unverlässigkeit der Delinquenzkriterien und hinsichtlich der Trennung prädelinquenter von relativ (z.B. durch Inhaftierung) bedingten Merkmalsausprägungen. (vgl. Arnold, Eysenck, Meili 1971, S. 319)

4. Definition
Delinquenz (lat. Delinquere „sich vergehen“) ist die Tendenz, vor allem rechtliche Grenzen zu überschreiten, d. h. straffällig zu werden. Nach Moffitt (1993) ist zu unterscheiden zwischen persistenter Delinquenz mit Beginn im Kindesalter und meist vorübergehender Jugenddelinquenz. Delinquenz als juristisches Phänomen sollte abgegrenzt werden von dem in der soziologischen und psychologischen Literatur über Delinquenz und Kriminalität ebenfalls häufi auftauchenden Begriff Devianz (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Delinquenz 2007).

5. Definition
Delinquenz lt. Duden: Straffälligkeit. Sie tritt in verschiedenen Erscheinungsformen auf: Eigentumsdelikte, Gewaltdelikte, Sexual-, Ordnungs- und politische Delikte, organisierte Verbrechen, etc. Delinquenz im Jugendalter ist „normal“ geworden. Man unterscheidet die
– persistent Delinquenten (von der frühen Kindheit an bis ins höhere Erwachsenenalter antisozialen Menschen)
– Jugenddelinquenten (solche, die sich nur in der Jugend antisozial verhalten.)
Problematisch sind Jugendliche mit persistentem sozialen Verhalten. Dieses Verhalten wird mit Störungen assoziiert, die bis in die früheste Kindheit zurückzuverfolgen sind. Die Gründe sind also einmal in den Eigenschaften, sodann in stabilen Entwicklungsumwelten zu sehen, die diese stabilisieren statt sie zu verändern. Die Resistenz gegen Veränderungen wird immer größer. Sie scheint nach der Pubertät fixiert zu sein (vgl. Illich 1996).

Siehe weitere Definitionen von Delinquenz.

Literatur

Arnold, W., Eysenck, H.-J., Meili, R. (1971). Lexikon der Psychologie. Freiburg: Herder.
Illich, M. (1996). Jugendliche und Devianz.
Online im Internet: WWW: http://paedpsych.jk.unilinz.ac.at/INTERNET/
ARBEITSBLAETTERORD/PRAESENTATIONORD/Thema9.html (96)
Kluge, K.-J., Von Randow, N. (1979). Kinder- und Schülerdelinquenz. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
Moffitt, T. E. (1993a). Adolescence-limited and life-course-persistent antisocial behavior: A developmental taxonomy. Psychological Review, 100 (4), 674–701.
Riesner, L. (2014). Die Möglichkeiten und Grenzen der Vorhersage delinquenten Verhaltens von jungen Menschen anhand ihrer Jugendhilfeunterlagen. Dissertation, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Wolff, J. (1978). Delinquenz als Problem der Schulpädagogik. Ansätze zur kriminologischen Ausbildung von Lehrern. Frankfurt/New York: Campus Verlag.
Wikipedia – die freie Enzyklopädie. (2007). Definition Delinquenz.
Online im Internet: WWW: http://de.wikipedia.org/wiki/Delinquenz (07-05-10)

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