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Ideale Schlafdauer für Menschen über fünfzig Jahre sind sieben bis acht Stunden

    Es ist erwiesen, dass die Schlafdauer mit einzelnen chronischen Krankheiten zusammenhängt, aber der Zusammenhang mit der Multimorbidität, die bei älteren Erwachsenen häufig auftritt, ist noch wenig bekannt. Mehr als die Hälfte der älteren Erwachsenen hat heute mindestens zwei chronische Krankheiten, was eine große Herausforderung für die Gesundheitssysteme darstellt, weil Multimorbidität mit einer hohen Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten und häufigen Krankenhausaufenthalten verbunden ist.

    Sabia et al. (2022) untersuchten nun anhand von Daten aus 25 Jahren, ob die Schlafdauer mit dem Auftreten einer ersten chronischen Krankheit, anschließender Multimorbidität und Sterblichkeit zusammenhängt. Die Daten stammten aus der prospektiven Whitehall-II-Kohortenstudie, die 1985 an 10 308 Personen durchgeführt wurde, die in den Londoner Büros des britischen öffentlichen Dienstes beschäftigt waren. Die selbstberichtete Schlafdauer wurde zwischen 1985 und 2016 sechsmal gemessen, und die Daten zur Schlafdauer wurden im Alter von 50, 60 und 70 Jahren erfasst. Das Auftreten von Multimorbidität wurde definiert als das Vorliegen von 2 oder mehr von 13 chronischen Krankheiten, Follow-up bis März 2019. Mit Hilfe der Cox-Regression, die für jedes Alter getrennt analysiert wurde, wurde der Zusammenhang zwischen der Schlafdauer im Alter von 50, 60 und 70 Jahren und dem Auftreten von Multimorbidität untersucht. Multistate-Modelle wurden verwendet, um den Zusammenhang zwischen der Schlafdauer im Alter von 50 Jahren und dem Auftreten einer ersten chronischen Krankheit, dem Fortschreiten der Multimorbidität und dem Tod zu untersuchen. Die Analysen wurden für soziodemografische, verhaltensbezogene und gesundheitsbezogene Faktoren angepasst. Es zeigte sich, dass eine kurze Schlafdauer mit dem Risiko chronischer Erkrankungen und nachfolgender Multimorbidität, nicht aber mit dem Fortschreiten zum Tod assoziiert ist. Bei Menschen mit langer Schlafdauer im Alter von 50 Jahren gab es keine eindeutigen Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten. Diese Ergebnisse deuten also auf einen Zusammenhang zwischen kurzer Schlafdauer und Multimorbidität hin, d. h., eine Schlafdauer von nur fünf Stunden oder weniger pro Nacht kann in der zweiten Lebenshälfte zum Gesundheitsrisiko werden. Viele Menschen kommen in diesem Alter zwar mit weniger Schlaf aus, doch auch wenn sich die Schlafgewohnheiten im Alter ändern, wird empfohlen, sieben bis acht Stunden pro Nacht zu schlafen. Damit das gelingt, ist es wichtig, auf eine gute Schlafhygiene zu achten, etwa darauf, dass das Schlafzimmer vor dem Zubettgehen ruhig und dunkel ist und eine angenehme Temperatur hat. Man sollte elektronische Geräte auszuschalten und üppige Mahlzeiten vor dem Schlafengehen zu vermeiden, wobei körperliche Aktivität und Lichteinwirkung während des Tages  ebenfalls einen guten Schlaf fördern.

    Literatur

    Sabia, Séverine, Dugravot, Aline, Léger, Damien, Ben Hassen, Céline, Kivimaki, Mika & Singh-Manoux, Archana (2022). Association of sleep duration at age 50, 60, and 70 years with risk of multimorbidity in the UK: 25-year follow-up of the Whitehall II cohort study. PLOS Medicine, 19, doi:10.1371/journal.pmed.1004109.


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