Wie werden abgeschlossene Handlungen aus dem Gedächtnis gelöscht?

Das prospektive Gedächtnis als Fähigkeit, eine beabsichtigte Handlung in der Zukunft auszuführen, ist ein wesentlicher Aspekt zielgerichteten Verhaltens, denn Absichten beeinflussen das Verhalten der Menschen und prägen die Art und Weise, wie sie ihre Umwelt verarbeiten und mit ihr interagieren. Eine wichtige Frage für die Erforschung des prospektiven Gedächtnisses und des zielgerichteten Verhaltens ist daher, ob dieser Einfluss aufhört, nachdem die Absicht erfolgreich ausgeführt wurde, also wie werden Absichtsrepräsentationen nach ihrer Vollendung aus dem Gedächtnis deaktiviert.

Möschl. et al. (2020) geben einen systematischer Überblick über die Forschung zur Deaktivierung von Handlungsabsichten und Nacheffekten abgeschlossener Intentionen, um eine integrative Perspektive auf dieses Thema zu entwickeln . Während frühe Studien eine schnelle Deaktivierung oder sogar Hemmung abgeschlossener Absichten vorschlagen, deuten neuere Studien meist darauf hin, dass Absichten auch nach dem Abschluss weiterhin abgerufen werden und die nachfolgende Leistung beeinträchtigen können. Das geschieht vor allem dann, wenn Handlungen bis zu einem bestimmten Ereignis oder einem besonders auffälligen Reiz aufgeschoben wurden. Ein Beispiel dafür ist die Einnahme von Medikamenten, wobei gerade ältere oder kranke Menschen, die in ihrem Alltag häufig Medikamente einnehmen müssen, die Einnahme bis zu einem bestimmten Signal, etwa einem Kalenderalarm, verschieben. Wenn die Menschen nach der Medikamenteneinnahme diesem Reiz erneut begegnen, kann es passieren, dass sie die Absicht, das Medikament zu nehmen wieder abrufen, wobei im schlimmsten Fall das Medikament erneut eingenommen wird. Allerdings sind derartige Fälle eher selten, denn Handlungsabsichten werden tatsächlich oft deaktiviert, sobald sie erledigt wurden. Diese Deaktivierung funktioniert aber nicht immer perfekt wie das Ein und Aus eines Lichtschalters. sondern zum Teil müssen Schritt für Schritt alte Verbindungen aufgelöst und neue aufgebaut werden, bis Ereignisse oder Reize nicht mehr zum Abruf der erledigten Absicht führen.

Obwohl sich diese beiden Erklärungen von Nacheffekten gegenseitig auszuschließen scheinen, zeigt sich in der Metastudie, dass diese beiden Erklärungen zwei Seiten derselben Medaille sein könnten. Das bedeutet nicht anderes, als dass die Deaktivierung von Absichten und das Auftreten von Nacheffekten durch eine Vielzahl von Faktoren moduliert werden, die entweder eine schnelle Deaktivierung begünstigen oder zu einem fortgesetzten Abruf abgeschlossener Absichten führen.

Literatur

Möschl, M., Fischer, R., Bugg, J. M., Scullin, M. K., Goschke, T., & Walser, M. (2020). Aftereffects and deactivation of completed prospective memory intentions: A systematic review. Psychological Bulletin, 146, 245–278.

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