Fördert Musikausbildung die kognitiven Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen?


Es wird oft behauptet, dass Musikausbildung die kognitiven Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen verbessert, doch lassen Forschungen über den Transfer von solchen Kompetenzen jedoch eher vermuten, dass dieser Transfer von Fähigkeiten nur selten stattfindet. Sala & Gobet (2017) haben in einer Meta-Analyse die verfügbaren experimentellen Belege für den Einfluss der Musikausbildung auf die kognitiven Kompetenzen und die Studierfähigkeiten von Kindern und Jugendlichen untersucht. Dabei zeigte sich eine eher geringe Gesamteffektgröße, etwas größere Effektgrößen fand man im Hinblick auf Intelligenz und gedächtnisbezogene Fähigkeiten bzw. eine umgekehrte Beziehung zwischen der Größe der Effekte und der methodischen Qualität des jeweiligen Studiendesigns.

Vor allem Untersuchungen mit qualitativ hochwertigem Design zeigten keinen Einfluss, denn bei diesen wurden Kontrollgruppen verwendet, also Kinder, die keine Musik lernten übten stattdessen andere Fertigkeiten wie Tanz oder einen Sport. Kleinere Effekte wurden demnach nur bei Studien entdeckt, die keine solchen Kontrollgruppen enthielten.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Musiktraining die kognitiven oder akademischen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen nicht generell verbessert, und dass frühere positive Ergebnisse wahrscheinlich auf andere Variablen zurückzuführen sind. Dennoch kann Musikunterricht für Kinder von Vorteil sein, denn dabei werden etwa auch soziale Fähigkeiten oder das Selbstwertgefühl verbessert, wobei manche Elemente der Musik wie die Notation durchaus das Lernen in anderen Disziplinen wie Mathematik erleichtern kann.

Literatur

Sala, Giovanni & Gobet, Fernand (2017). When the music’s over. Does music skill transfer to children’s and young adolescents’ cognitive and academic skills? A meta-analysis. Educational Research Review, 20, 55-67.







Sorry, comments for this entry are closed at this time.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2020