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Gut einschlafen können

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    Wenn es für jemanden ein großes Anliegen ist, nicht genug Schlaf zu erhalten, dann sollte man diese Gedanken nicht einmal aufkommen lassen. Deshalb sollte man alle Uhren aus dem Zimmer verbannen und das Mobiltelefon mit dem Bildschirm auf das Nchtkästchen legen. All dies reduziert den Stress, da man nicht permanent durch sie erinnert wird, wie wenig Zeit doch bis zum Morgen bleibt. Nebenbei bemerkt: Wenn man nicht einschlafen kann, dann hat man im Schlafzimmer nichts zu suchen. So paradox dieser Rat erscheinen mag, doch bald ist man an jenem Punkt angelangt, an dem das Versuchen, doch endlich einzuschlafen, einen nur mehr hindert, das zu tun. Daher: Je länger man unruhig in seinem Bett liegt und nicht und nicht einschlafen kann, desto massiver werden die Befürchtungen, dass es heute wieder nicht klappt, wodurch es bald zu einem Dominoeffekt kommt, denn man wird in der folgenden Nacht wieder an die Stresssituation des vorigen Abends erinnert. Wenn man im Bett bleibt, verbindet man seinen Schlaf mit genau diesen Ängsten und Sorgen, nicht einschlafen zu können. Nach zwanzig Minuten erfolgloser Einschlafversuche sollte man also das Schlafzimmer verlassen und sich auf etwas konzentrieren, bis man wirklich müde genug ist, um ins Bett zu fallen. Deshalb sollte man auch niemals zu früh zu Bett gehen, da dies wahrscheinlich mehrere Stunden lang Angst vor dem Nichteinschlafen auslösen wird, da sich der menschliche Körper an bestimmte Zeiten gewöhnt hat, wenn man zu Bett geht und auch, wenn man wieder aufwacht. Deshalb sollten man nicht mehr als eine halbe Stunde früher zu Bett gehen, denn je müder man ist, desto mehr verbindet man sein Bett mit erholsamen Schlaf und nicht mit dem Warten auf das endgültige Einschlafen. Das kann man mit einer entspannenden Abendroutine unterstützen, die dem Gehirn das Signal gibt, jetzt in den Schlafmodus zu gehen. Man kann ein heißes Bad oder Lesen ausprobieren, aber auch Entspannungsübungen helfen, weil während einer Meditation das parasympathische Nervensystem und damit auch der innere Beruhigungsmechanismus aktiviert wird.


    Kurioses: Maria Tieber aus Pöllau bei Gleisdorf feierte am 21. August 2024 ihren 100. Geburtstag und hat folgenden Einschlaftipp: „Wenn ich nicht schlafen kann, zähle ich die Namen meiner 54 Urenkel auf!“


    Der Cognitive Shuffle – Serial Diverse Imagining (SDI) – ist eine kognitive Technik, die von Luc P. Beaudoin et al. (2015) entwickelt wurde, um Menschen beim Einschlafen zu unterstützen. Dabei werden die Gedanken durcheinander gewürfelt, um sich von Themen abzulenken, die am Schlafen hindern könnten. Der Cognitive Shuffle ist so konzipiert, dass er eine super-somnolente Denkweise hervorruft, indem man an zufällige Dinge denkt, die leicht zu visualisieren sind, nicht bedrohlich wirken und für den Schlaf förderlich sind. Dieser Prozess soll dazu beitragen, das Gehirn in einen ruhigen, klaren Zustand zu versetzen, bevor es in den Schlaf abtaucht. Dabei wählt man einen zufälligen Buchstaben aus, stellt sich ein Wort vor, das mit diesem Buchstaben beginnt, wobei man dabei darauf achten sollte, dass das Wort gefühlsneutral ist und aus mindestens fünf Buchstaben besteht. Dann buchstabieret man das Wort langsam und denkt für jeden Buchstaben des Wortes an neue Wörter, die mit diesem Buchstaben beginnen, wobei man bei jedem Wort innehalten und sich jedes Wort vorzustellen versuchten sollte. Wenn man den Buchstaben ausgeschöpft hat, geht man zum nächsten Buchstaben des Wortes über und macht dasselbe, und zwar solange, bis man einschläft, was aber nicht länger als eine Viertelstunde dauern sollte. Manchmal ist es hilfreich, sich mehrere Kontexte für ein und dasselbe Objekt vorzustellen, denn wenn etwa das Wort Berg lautet, kann man sich nacheinander verschiedene Berge vorstellen, die man kennt. Und wenn man ein gutes Wort findet, das nicht mit dem angegebenen Buchstaben beginnt, kann man es sich trotzdem vorstellen, d. h., man ist weitgehend frei, denn das alles sind keine strikten Regeln, sondern lediglich Grundsätze, die das Erzeugen von geistigen Inhalten erleichtern sollen.


    In einer Community fand sich ein Trick für amerikanische Soldaten, um rasch einschlafen zu können. Ausgangspunkt dafür ist die Annahme, dass wenn sich das Gesicht entspannt, man beinahe schon eingeschlafen ist. Diesen Ablauf muss man einige Zeit üben, aber dann sollte man innerhalb kurzer Zeit eingeschlafen sein. Die Methode: Die Augen schließen, dann die Augen, die Kiefer und die Zunge entspannen, danach bewusst die Schultern und den Nacken entspannen, schließlich die Beine in der Reihenfolge Oberschenkel, Unterschenkel und Fuß, beginnend mit der rechten Seite, dann mit der linken abschließen. Um eventuell noch vorhandenen Gedanken zu stoppen, sollte man sich vorstellen, in einem dunklen Raum auf einem bequemen Sofa zu liegen. Bei einiger Übung sollte man dann innerhalb von wenigen Minuten einschlafen.


    Müdigkeit und Erschöpfung sind es übrigens allein nicht, die Menschen das Signal zum Einschlafen geben, vielmehr hat das Einschlafen mit der Körpertemperatur zu tun, denn Abends kühlen Körper und Gehirn rasch ab. Experimente zeigen, dass Menschen am ehesten dann einschlafen, wenn die Temperatur am schnellsten fällt. Der rasche Abfall der Körperkerntemperatur ist offenbar eines der potentesten Schlafsignale, was übrigens nicht nur für die Menschen sondern auch für andere warmblütige Tiere gilt. Vermutlich reduziert Kälte die Geschwindigkeit der Ionenkanäle im Gehirn so sehr, dass das Bewusstsein allmählich verloren wird, d. h., die Signalübertragung wird vom Körper bewusst verlangsamt, wobei das Einschlafen ähnlich wie manche Narkosemedikamente funktioniert. Müdigkeit ist aber auch eine direkte Folge des inneren Wärmeverlusts, wobei viele Organismen beim Einschlafen gezielt in eine Art Kühlungsmodus zu wechseln scheinen, der die Temperatur noch weiter herunterfährt. Offenbar gehört die Abkühlung zwingend zum Schlafen dazu.


    Die letzten Minuten vor dem Einschlafen

    Die menschliche Psychologie und die moderne Hirnforschung verdeutlichen zunehmend, dass der Übergang vom Wachzustand in den Schlaf keineswegs ein abruptes Abschalten des Bewusstseins darstellt, vielmehr vollzieht sich in den letzten Minuten vor dem Einsetzen des eigentlichen Schlafes eine hochsensitive neurobiologische Metamorphose. Während sich der Verstand schrittweise von den rationalen Kontrollmechanismen des Tages verabschiedet, öffnet sich ein evolutionär tief verankertes Fenster zum Unterbewusstsein. Diese Phase, wissenschaftlich als Theta-Zustand klassifiziert, zeichnet sich durch eine tiefgreifende Suggestibilität und Empfänglichkeit aus. Die Reize, Emotionen und Informationen, die in genau dieser vulnerablen Zeitspanne konsumiert werden, wirken wie eine mentale Blaupause, die maßgeblich die neuronale Aktivität, die emotionale Grundstimmung und die kognitive Leistungsfähigkeit des darauffolgenden Tages strukturiert. Aus neurophysiologischer Perspektive lässt sich dieses Phänomen durch die Veränderung der elektrischen Gehirnwellen erklären. Im Zustand aktiver Wachheit und fokussierter Aufmerksamkeit dominiert der Beta-Wellen-Rhythmus. Sobald sich das Individuum entspannt und in Tagträumen verliert oder eben kurz vor dem Einschlafen steht, verlangsamen sich diese Frequenzen und gehen in den sogenannten Theta-Bereich (etwa 4 bis 8 Hertz) über (Gerrig, 2018). Dieser tranceähnliche Zustand fungiert als direkte Brücke zum Unterbewusstsein, da die Filterfunktionen des präfrontalen Kortex, die tagsüber für die kritische Würdigung und Selektion von Informationen zuständig sind, signifikant heruntergefahren werden. Was in dieser Phase aufgenommen wird, entzieht sich somit der rationalen Prüfung und verankert sich ungefiltert im psychischen Fundament. In der therapeutischen Praxis, insbesondere im Kontext der Hypnotherapie, wird dieser hochempfängliche Zustand gezielt genutzt, um positive Suggestionen zu implementieren und tief sitzende Verhaltensmuster zu modifizieren. Im alltäglichen, unkontrollierten Kontext birgt diese Offenheit jedoch erhebliche Risiken, da das Gehirn in dieser Phase gleichermaßen empfänglich für destruktive Einflüsse ist (Aeschbach et al., 2021). Wird dieser sensible Zeitraum vor dem Einschlafen – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, deren neuronale Netzwerke sich noch in einer Phase ausgeprägter Plastizität befinden – durch den Konsum digitaler Medien besetzt, kommt es zu einer fatalen Fehlprägung (Huber & Born, 2020). Der unaufhaltsame Fluss von Algorithmen-gesteuerten Inhalten auf Smartphones, wie etwa stark stilisierte Darstellungen in sozialen Netzwerken, dramatische Nachrichten oder kommerzielle Werbung, konfrontiert das Unterbewusstsein mit permanenten Vergleichen und künstlich erzeugten Stressoren. Da der kritische Verstand im Theta-Zustand die Künstlichkeit dieser Reize nicht mehr effektiv dekonstruieren kann, absorbiert das Gehirn das Gefühl von Unzulänglichkeit, sozialem Druck oder unbewusster Bedrohung (Spitzer, 2018). Diese nächtliche Programmierung manifestiert sich am nächsten Tag auf psychologischer Ebene in Form von unerklärlicher Unzufriedenheit, Gereiztheit und einer diffusen schlechten Laune. Auch eine Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit und der schulischen Noten lässt sich auf diese vorlaufende Reizüberflutung zurückführen, da die nächtliche Konsolidierungsphase des Gehirns massiv gestört wird. Dieser Mechanismus beschränkt sich keineswegs exklusiv auf die kindliche Entwicklung, sondern betrifft Erwachsene in analoger Weise. Die weit verbreitete Gewohnheit, bis zur letzten Sekunde vor dem Schließen der Augen E-Mails zu prüfen, Nachrichtenticker zu verfolgen oder durch Unterhaltungsplattformen zu scrollen, konditioniert das Nervensystem auf eine chronische Alarmbereitschaft (Aeschbach et al., 2021). Anstatt dem Organismus die notwendige Regeneration zu erlauben, wird das Unterbewusstsein mit ungelösten Problemen und Vergleichen überfrachtet. Um eine gesunde psychische Resilienz und eine optimierte Leistungsfähigkeit für den Alltag aufrechterhalten zu können, ist eine bewusste Restrukturierung der Abendroutine unabdingbar. Eine strikte medienfreie Zone in den letzten zehn Minuten vor dem Einschlafen fungiert hierbei als essenzieller Schutzraum. Wenn diese Zeitspanne stattdessen der persönlichen Reflexion, beruhigenden Gesprächen, dem Lesen analoger Literatur oder der bewussten Entspannung gewidmet wird, kann das Gehirn den Tag harmonisch verarbeiten. Eine solche schlaffördernde und reizarme Praxis legt die neurobiologische Basis für einen ausgeglichenen, fokussierten und emotional stabilen Folgetag.

    Literatur

    Aeschbach, D., Matthews, T., Postnova, S., Sher, L., & Postnov, D. (2021). Neurobiologie des Schlafes und der zirkadianen Rhythmik: Grundlagen der kognitiven Leistungsfähigkeit. Springer-Verlag.
    Beaudoin, L. P., Digdon, N., O’Neill, K. & Racour, G. (2015). Serial diverse imagining task: A new remedy for bedtime complaints of worrying and other sleep-disruptive mental activity. Poster to be presented at SLEEP 2016 (A joint meeting of the American Academy of Sleep Medicine and the Sleep Research Society). Denver, CO.
    Gerrig, R. J. (2018). Psychologie (21. Aufl.). Pearson Studium.
    Huber, R., & Born, J. (2020). Schlafbezogene Plastizität und Gedächtniskonsolidierung im Kindesalter. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 52(3), 115–128.
    Spitzer, M. (2018). Digitale Demenz: Wie wir unsere Kinder um den Verstand bringen. Droemer Knaur.
    Stangl, W. (2026, 27. Mai). Wie die letzten Minuten vor dem Einschlafen die kognitive Verfassung des Folgetages bestimmen. arbeitsblätter news.
    https:// arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/wie-die-letzten-minuten-vor-dem-einschlafen-die-kognitive-verfassung-des-folgetages-bestimmen/
    https://www.spektrum.de/magazin/schlaf-warum-wir-nachts-das-bewusstsein-verlieren/1980289 (22-02-28)

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