Typologie des Schenkens

Schenken macht nicht nur glücklich, es hilft Menschen auch, Beziehungen zu anderen aufzubauen und zu stärken. Zwar widerspricht Schenken eigentlich der ökonomischen Vernunft, denn schließlich erwartet man im allgemeinen für seine Leistung auch eine Gegenleistung. Doch bei Geschenken handelt es sich nicht nur um einen Kostenfaktor, sondern auf der anderen Seite stehen die Dankbarkeit des Beschenkten, irgendwann einmal ein Gegengeschenk oder vielleicht auch gesellschaftliches Ansehen zu erhalten. Schenken dient in allen Kulturen dazu, Beziehungen zu stärken und zu erhalten, wobei sich das Geben auch zu einem Ritual und manchmal auch zu einer Strategie entwickelt hat (s. u.). Wer sich sehr viel Mühe bei der Auswahl eines Geschenks gegeben hat, erwartet das auch von anderen, d. h., es geht beim Schenken auch um Balance und Fairness. Nach Meinung von Psychologen macht ein Mensch beim Schenken zwei Grunderfahrungen: er wächst dabei innerlich und ist im Schenken anderen verbunden, wobei es sich in beiden Fällen um Grundbedürfnisse des Menschen handelt. Ähnliches erfahren Menschen auch dann, wenn sie anderen helfen.

Hinter Geschenken können sich aber viele Absichten verbergen. Es gibt Menschen, die wählen überteuerte Geschenke, um anzugeben. Andere schenken aus Mitleid oder aus Pflichtbewusstsein. Macht ein Geschenk auch nur den geringsten Eindruck, aus dieser oder jener Absicht heraus überreicht worden zu sein, sind Enttäuschung und Wut oft vorprogrammiert. In den OÖN vom 14.12.2007 fand sich folgende Typologie der Schenkenden:

  • Der Selbstverliebte: Die Intention des Schenkers: Hauptsache, mir gefällt es.
  • Der Gedankenlose: Nachlässige Schenker geben sich kaum Mühe bei der Auswahl. Wer stereotyp schenkt, sagt damit: Mehr Gedanken will ich mir über dich gar nicht machen.
  • Der Beherrschende: Hier dient das Geschenk dazu, Macht auszuüben, im Leben des anderen eine Rolle zu spielen. Mit einer Vase zum Beispiel will man dauerhaft einen Platz in der Wohnung einnehmen, für den Beschenkten immer präsent, immer sichtbar sein.
  • Der Erwartungsvolle: Dieser Schenker-Typ wählt seine Geschenke so aus, dass er maximale Freude und Dankbarkeit erzielt. Typisches Beispiel sind Großeltern, die überdimensionierte Geschenke wählen, egal, ob die Familie überhaupt Platz oder Verwendung dafür hat. Das Wichtigste ist diesem Schenker-Typ: Er will für sein Geschenk geliebt werden.

Übrigens: Erhalten Menschen ein Geschenk, kann dies zwei Reaktionen auslösen, einerseits dass der Beschenkte dankbar ist und sich freut, andererseits auf Seiten des Beschenkten ein Gefühl der Belastung, weil er sich nun verpflichtet fühlt, etwas von ähnlichem Wert zurückzuschenken. Parker et al. (2016) haben untersucht, welche Faktoren die Dankbarkeit nach erwiesener Großzügigkeit verringern könnten und fanden als zentralen Faktor das Bedürfnis nach Unabhängigkeit, denn dieses führt dazu, dass man Dankbarkeit eher als Zeichen der Schwäche wahrnimmt.

Literatur

Parker, Suzanne C., Majid, Haseeb, Stewart, Kate L. & Ahrens, Anthony H. (2016). No thanks! Autonomous interpersonal style is associated with less experience and valuing of gratitude. Cognition and Emotion, 31, doi: 10.1080/02699931.2016.1256274.




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