Bauchgefühl, Intuition und das Unbewusste

Für Sigmund Freud war das Unbewusste eine eher negative, bedrohliche Kraft, während heute das Unbewusste nicht mehr nur als Bedrohung des Ich gesehen wird, sondern als hilfreiche Unterstützung, etwa als emotionale Intelligenz, Bauchgefühle oder Intuition. Jede Sekunde schicken die Sinne Millionen von Informationen an das Gehirn, sodass Menschen bei einer bewussten Auswertung schlicht überfordert wäre. Nach etwa vierzig Informationen, die unser Gehirn erreichen, wird der überschüssige Input auf den Speicher des Unterbewussten umgeleitet. Dieser Speicher nimmt ständig Sinneseindrücke und Informationen in sich auf, verändert und steuert das menschliche Verhalten. Gerd Gigerenzer (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung) belegte an zahlreichen Beispielen belegen, dass es sich lohnt, auf die Intuitionen zu vertrauen, wenn man über Dinge nachdenkt, über die man wenig weiß oder die schwer vorherzusagen sind. Eine komplexe Analyse zahlt sich dagegen nur dann aus, wenn es gilt, die Vergangenheit zu erklären, wenn die Zukunft in hohem Maße vorhersehbar ist und wenn reichlich Information vorliegt. Die Intelligenz des Unbewussten besteht darin, in jeder Situation auf die passende Faustregel zurückzugreifen nach dem Motto: „take the best ignore the rest“. Offenbar benötigt der Verstand einen unbewussten Berater, der schnell, kompetent, nicht auf Einzelheiten Wert legt, sondern das große Ganze sieht, und immer greifbar ist, wenn es eine Entscheidung zu treffen gilt. Für die Beurteilung der subtilen Signale der nonverbalen mimischen Kommunikation befindet sich im Gehirn ein spezielles Areal, das nur damit beschäftigt ist, bekannte Züge in Gesichtern aufzuspüren. Das Unterbewusstsein befasst sich dabei mit den winzigen Aussagen der Bewegungen von Stirn, Mund- und Augenwinkeln, die so viel mehr sagten als Worte. Diese Art, Entscheidungen zu fällen, hat sich in Jahrmillionen der Evolution entwickelt und auch der moderne Mensch ist manchmal gut beraten, der Intuition zu trauen. Besonders häufig wird diese Intuition angesprochen, wenn es um die Emotionen geht. Allerdings wissen wir, dass wir mit solchen Entscheidungen oft scheitern.

Da seit Sigmund Freud angenommen wird, dass das Unbewusste autonom und nicht vom Bewusstsein kontrollierbar ist, dominierte in der akademischen Psychologie die Vorstellung eines chaotischen und unkontrollierbaren Unbewussten. Neuere Untersuchungen zeigen aber, dass unser Bewusstsein zu den Absichten passende unbewusste Vorgänge in unserem Gehirn verstärkt und nicht passende hingegen abschwächt, wodurch gewährleistet wird, dass das bewusstes „Ich“ nicht zu stark von einer Vielzahl unbewusster Tendenzen beeinflusst wird. Mit Gehirnstrommessungen konnte nun gezeigt werden, dass bewusste Vorsätze die Arbeit der autonomen Systeme im Gehirn steuern, wobei die bewussten Absichten und Einstellungen darüber entscheiden, ob ein unbewusster Prozess in unserem Gehirn überhaupt ablaufen kann.




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