Stand-by für das Gehirn: Tagträume
14. März 2008 – 22:04
Bei Untersuchungen an Menschen, die im Versuch einfach dazuliegen und nichts zu tun hatten, zeigte sich, dass das Gehirn in solchen Ruhephasen keineswegs abschaltet, vielmehr wird ein weitverzweigtes Basisnetzwerk (default network) aktiv, in welchem das Gehirn die freie Zeit benutzt, um über Vergangenes und Zukünftiges nachzudenken, um zu planen oder Bilanz zu ziehen. Offensichtlich hat das selbstreferenzielle Basisnetzwerk des Gehirns, das sich in Ruhepausen immer wieder einschaltet und Menschen zum Grübeln veranlasst, eine wichtige Funktion.
Um bei Probanden Tagträume zu provozieren, ließen amerikanische und schottische Psychologen vier Tage lang immer wieder die gleichen Tests wiederholen. Am vierten Tag bekamen die Teilnehmer zusätzlich neue Aufgaben gestellt, deren Aufbau jedoch dem der bekannten glich. Während der Tests sollten die Probanden angeben, wie häufig ihre Gedanken jeweils abgeschweift waren. Am fünften Tag schließlich zeichneten die Wissenschaftler die Gehirnaktivität der Testteilnehmer auf, während diese die verschiedenen Aufgaben lösten. Die Psychologen haben dabei entdeckt, dass immer dann, wenn ihre Probanden keine anspruchsvollen Aufgaben zu lösen hatten, ihre Gedanken umherzuschweifen begannen. Dabei aktivierte sich standardmäßig ein Netzwerk bestimmter Gehirnregionen, das sich deutlich von dem unterschied, das die Testteilnehmer während Phasen konzentrierter Arbeit nutzten. Je aktiver dieses Netzwerk war, desto intensiver waren nach den Berichten der Probanden auch ihre Tagträume. Die Neigung zu Tagträumen war am deutlichsten, wenn die Probanden gar keinen Tests zu lösen hatten, wobei in diesem Zustand auch die Aktivität eines über das ganze Gehirn verteilten Netzes von Arealen am höchsten war, das die Wissenschaftler das “Standardnetzwerk” nennen. Das Bearbeiten der Aufgaben verminderte hingegen die Tendenz, die Gedanken umherschweifen zu lassen, und auch die Aktivität des Standardnetzwerkes bei den häufig geübten Tests wurde nur ein wenig, bei den neuen Aufgaben fast vollständig reduziert.
Siehe dazu die Arbeitsblätter “Das menschliche Gehirn“
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