Eine klinische Studie, die von Mertens et al. (2026) durchgeführt wurde, lieferte neue Erkenntnisse über die langfristige Behandlung von Menschen mit therapieresistenter Depression. Im Rahmen dieser Untersuchung, die als die bislang umfassendste und vollständigste Langzeitnachbeobachtung einer Studie mit Psychedelika gilt, wurde die Wirksamkeit von ein oder zwei Dosen Psilocybin (je 25 mg) in Kombination mit einer strukturierten psychotherapeutischen Begleitung analysiert. Die Behandlung umfasste dabei nicht nur die eigentlichen Substanzsitzungen, sondern auch ein engmaschiges Setting aus Vorbereitungs- und Integrationssitzungen sowie das freiwillige Angebot einer monatlichen Integrationsgruppe zur Nachbereitung der oft sehr intensiven und persönlich bedeutsamen Erfahrungen.
Von den ursprünglich 144 randomisierten Patientinnen und Patienten flossen 126 in die abschließenden statistischen Analysen nach sechs und zwölf Monaten ein. Die Ergebnisse zeigen eine bemerkenswerte Stabilität der therapeutischen Effekte über das gesamte Jahr hinweg. Gemessen an der international etablierten Hamilton Depression Rating Scale (HAMD17) sank der Depressionswert im Durchschnitt sowohl nach sechs als auch nach zwölf Monaten um knapp acht Punkte im Vergleich zum Ausgangswert vor der Behandlung. Diese Reduktion wird medizinisch als klinisch bedeutsame und stabile Verbesserung der depressiven Symptomatik eingestuft. Besonders bemerkenswert ist, dass diese positiven Effekte auch dann statistisch stabil blieben, wenn nachträgliche Einnahmen von klassischen Antidepressiva oder weitere psychedelische Erfahrungen herausgerechnet wurden. Überdies zeigte sich in den statistischen Modellen, dass eine erneute Einnahme von klassischen Antidepressiva während der Nachbeobachtungszeit stark mit höheren, also schlechteren Depressionswerten korrelierte, was den dringenden Bedarf an alternativen Ansätzen verdeutlicht. Im Gegensatz zu herkömmlichen Medikamenten, die Patientinnen und Patienten täglich und dauerhaft einnehmen müssen, greift das untersuchte Modell auf punktuelle Sitzungen zurück, deren langfristiger Erfolg maßgeblich auf der psychotherapeutischen Einbettung beruhen dürfte.
Trotz des großen Erfolgs mahnt man zu einer vorsichtigen Interpretation der Daten, da es sich bei der Nachbeobachtung um eine naturalistische Phase ohne kontinuierliche Kontrollgruppe handelte und die Teilnehmenden nach der kontrollierten Phase reguläre Zusatztherapien in Anspruch nehmen durften. Um diese Langzeiteffekte endgültig abzusichern und die biologischen sowie psychologischen Wirkfaktoren weiter zu entschlüsseln, sind weitere randomisierte Langzeitstudien im direkten Vergleich zu etablierten Standardtherapien notwendig.
Literatur
Mertens, L. J., Betzler, F., Brand, M., Evens, R., Jungaberle, A., Jungaberle, H., Kärtner, L., Majic, T., Schmitz, C. N., Ströhle, A., Scharf, D., Spangemacher, M., Wolff, M., Assadi, Z., Bahri, S., Becher, L., Färber, L. V., Harder, H., Kirchen, N., . . . Gründer, G. (2026). Long-Term Efficacy of Psilocybin with Adjunct Psychotherapy in Treatment-Resistant Major Depression (EPIsoDE): 6- and 12-Month Naturalistic Follow-Up of a Phase 2b Trial. Psychotherapy and Psychosomatics, doi:10.1159/000552272
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