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Das Gehirn filtert negative auditive Reize aus dem Bewusstsein

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    Obwohl im Alltag, in den Medien und in der Popkultur meist davon ausgegangen wird, dass emotional negativ geladene Reize wie Bilder oder Wörter die menschliche Aufmerksamkeit automatisch auf sich ziehen und kognitive Kapazitäten rauben, deuten neuere wissenschaftliche Erkenntnisse auf einen gegenteiligen Mechanismus bei der unbewussten auditiven Verarbeitung hin. Während die bisherige Forschung zur Priorisierung von Informationen im Bewusstsein stark auf den visuellen Sinn fokussiert war, untersuchten Chen et al. (2026) diese Prozesse im auditiven Bereich, da sich das Gehör durch das Fehlen eines Fokussierungsmechanismus und die Unfähigkeit, das Hören bewusst zu unterdrücken, grundlegend vom Sehen unterscheidet. I

    n einer Reihe von drei Experimenten mit insgesamt 101 Studierenden mussten die Testpersonen eine visuelle Aufgabe lösen, während im Hintergrund ein kontinuierlicher Strom bedeutungsloser Pseudowörter lief, in den gelegentlich entweder ein emotional negatives oder ein neutrales Wort eingestreut wurde. Entgegen der bewussten Annahme und gängigen Intuition, dass die negativen Wörter aufgrund ihrer emotionalen Relevanz stärker wahrgenommen würden, zeigten die Ergebnisse sowohl bei objektiven als auch bei subjektiven Bewusstseinsmaßen ein umgekehrtes Bild, da die Teilnehmenden die neutralen Wörter deutlich häufiger und besser erfassten als die negativen. Diese Tendenz blieb auch dann stabil, wenn die visuelle Aufgabe vereinfacht wurde und somit mehr kognitive Kapazität zur Verfügung stand, sowie unabhängig von der Verständlichkeit oder den physikalischen Merkmalen der Wörter. Man erklärt nun dieses Phänomen mit einem schützenden Unterbewusstsein, das wie ein unbewusster Gatekeeper fungiert und potenziell schädliche oder aufwendig zu verarbeitende negative Informationen bereits filtert und unterdrückt, bevor sie überhaupt in das bewusste Erleben übergehen können.

    Diese Erkenntnisse fordern bestehende kognitive Theorien heraus und könnten neue Impulse für die Erforschung psychischer Erkrankungen wie Angststörungen oder Posttraumatischen Belastungsstörungen liefern, bei denen dieser unbewusste Schutzmechanismus möglicherweise versagt. Einschränkend muss jedoch festgehalten werden, dass in den Untersuchungen positive oder tabuisierte Wörter noch nicht berücksichtigt wurden und zudem nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, dass der Effekt auf einem extrem schnellen Vergessen im selektiven Gedächtnis statt auf einer selektiven Wahrnehmung beruht, was in zukünftigen Studien mit komplexeren Sätzen und realistischeren Hörumgebungen weiter erforscht werden sollte.

    Literatur

    Chen, G. R., Maswadeh, Z., Deouell, L., & Hassin, R. R. (2026). Conscious detection of spoken words depends on their valence. Psychological Science, 37(5), 303–317.

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