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Der Türrahmen-Effekt: Warum das Gehirn an der Schwelle vergisst

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    Der sogenannte Türrahmen-Effekt beschreibt das weitverbreitete Phänomen, bei dem Menschen unmittelbar nach dem Betreten eines neuen Raumes vergessen, was sie dort eigentlich tun wollten. Wissenschaftliche Untersuchungen, maßgeblich geprägt durch den Psychologen Gabriel Radvansky, zeigen, dass das Durchschreiten einer Türschwelle die Erinnerungsleistung messbar verschlechtert, da das Gehirn den Ortswechsel als Grenze zwischen verschiedenen Erlebniseinheiten wahrnimmt.

    Dies wird durch das „Event Horizon Model“ erklärt: Der menschliche Verstand gliedert den kontinuierlichen Strom an Wahrnehmungen in einzelne, überschaubare Episoden, um das Arbeitsgedächtnis vor Überlastung zu schützen. Eine Tür fungiert dabei als mentale Schnittstelle, an der ein bestehendes Ereignismodell abgeschlossen und ein neues begonnen wird. Dadurch verlieren Informationen aus dem vorherigen Raum ihren unmittelbaren Kontext und sind schwerer abrufbar.

    Neurowissenschaftliche Belege für diesen Prozess finden sich in einer erhöhten Aktivität des Hippocampus beim Raumwechsel. Während neuere Forschungen darauf hindeuten, dass dieser Effekt besonders unter kognitiver Belastung oder Stress auftritt, kann die Segmentierung von Erlebnissen durch Raumwechsel paradoxerweise auch dazu beitragen, Informationen klarer voneinander abzugrenzen und somit die langfristige Gedächtnisordnung zu verbessern.

    Literatur

    Stangl, W. (2025). Tür-Effekt (Doorway-Effect). Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
    WWW: https://lexikon.stangl.eu/22658/tuer-effekt

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