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Interpersonale Synchronizität und soziale Bindung

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    Menschliches Verhalten zeichnet sich häufig durch spontane und unbewusste zeitliche Abstimmungen von Bewegungen zwischen Individuen aus. Dieses Phänomen der korporalen Koordination äußert sich sowohl in alltäglichen Dyaden – wie dem gleichzeitigen Wippen der Beine nebeneinander sitzender Personen oder dem gemeinsamen Schritttempo beim Nebeneinanderhergehen – als auch in kollektiven Großgruppen, etwa beim übergangslosen Einsetzen synchronen Klatschens innerhalb eines Publikums.

    Während die automatische Nachahmung von Haltungen, Gesten und Mimik – bekannt als perzeptiv-motorische Mimikry – bereits eingehend als zwischenmenschlicher Bindungsmechanismus erforscht wurde und auf die neuronale Kopplung über Spiegelneuronsysteme zurückgeführt wird, rückte die funktionale Bedeutung der rein zeitlichen Synchronizität motorischer Abläufe erst in jüngerer Zeit in den Fokus der empirischen Forschung. Von zentralem Interesse ist hierbei die Frage, welche psychologischen und neurobiologischen Wechselwirkungen der Abstimmung von körperlichen Rhythmen zugrunde liegen und inwiefern diese zur Stärkung sozialer Affiliation beitragen.

    Experimentelle Untersuchungen mit synchronisierten Fingertipp-Bewegungen belegen, dass das Ausmaß zeitlicher Übereinstimmung in einfachen motorischen Aufgaben direkt die nachfolgende soziale Bewertung des Gegenübers vorhersagt: Bewegt sich ein Interaktionspartner im exakt gleichen Rhythmus, führt dies zu einer signifikant positiveren Wahrnehmung und Einschätzung der interpersonalen Beziehung durch die beteiligte Person (Hove & Risen, 2009). Über verhaltensbezogene Effekte hinausgehend zeigen neurowissenschaftliche Befunde, dass solche Abstimmungsprozesse tiefgreifende Spuren im zentralen Nervensystem hinterlassen. Bei Interaktionsaufgaben, in denen Versuchspersonen aufgefordert werden, Zeigefingerbewegungen des Gegenübers zu folgen, verstärkt sich nicht nur im Anschluss die spontane motorische Koordination bei nachfolgenden Ruheaufgaben, sondern es lässt sich zugleich eine synchrone Gehirnaktivität zwischen den beteiligten Individuen nachweisen (Yun et al., 2012).

    Diese Befunde verdeutlichen, dass interpersonale Synchronizität weit über eine reine Begleiterscheinung motorischer Wahrnehmung hinausgeht; sie fungiert als impliziter sozialer Marker, der durch die Kopplung neuronaler und körperlicher Prozesse zwischenmenschliche Bindungen, Affiliation und soziale Kohäsion nachhaltig stärkt.

    Literatur

    Hove, M. J., & Risen, J. L. (2009). It’s all in the timing: Interpersonal synchrony increases affiliation. Social Cognition, 27(6), 949–960.
    Yun, K., Watanabe, K., & Shimojo, S. (2012). Interpersonal body and neural synchronization as a marker of implicit social interaction. Scientific Reports, doi:10.1038/srep00959

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